{"id":10719,"date":"2005-09-07T19:49:26","date_gmt":"2005-09-07T17:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10719"},"modified":"2025-07-14T10:07:41","modified_gmt":"2025-07-14T08:07:41","slug":"markus-10-17-27-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-10-17-27-2\/","title":{"rendered":"Markus 10, 17-27"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">18. Sonntag nach Trinitatis | 25. September 2005 |\u00a0Markus 10, 17-27 | Irene Mildenberger |<\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>Als Jesus sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. Du kennst die Gebote: \u00bbDu sollst nicht t\u00f6ten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; ehre Vater und Mutter.\u00ab Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib&#8217;s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach! Er aber wurde unmutig \u00fcber das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele G\u00fcter.<br \/>\nUnd Jesus sah um sich und sprach zu seinen J\u00fcngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen! Die J\u00fcnger aber entsetzten sich \u00fcber seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist&#8217;s, ins Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadel\u00f6hr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden? Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist&#8217;s unm\u00f6glich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind m\u00f6glich bei Gott.<br \/>\n<\/em><br \/>\nLiebe Gemeinde!<br \/>\nEinen liebevollen Jesus zeigt uns Markus, Jesus, der uns Menschen voll Liebe anschaut und anspricht. <em>Jesus sah<\/em> den Mann <em>an<\/em>, der zu ihm kam und ihn befragte, <em>und gewann ihn lieb<\/em>. \u2013 <em>Jesus sah um sich und sprach zu seinen J\u00fcngern: &#8230; Liebe Kinder.<\/em><br \/>\nDass Jesus so liebevoll gezeichnet wird, dass er so voller Liebe spricht, das macht es mir etwas leichter, das Erschreckende zu h\u00f6ren, das er dann zu sagen hat. Denn auch ich entsetze mich \u00fcber seine Worte, genau wie die J\u00fcnger. Nur zu gut kann ich den Menschen verstehen, der unmutig wird und traurig davongeht.<br \/>\nSo wird der liebevolle Jesus, den Markus zeigt, f\u00fcr mich wie eine Rettungsleine, an der ich mich festhalte, um mich heranzuwagen an die fordernden und \u00e4ngstigenden Worten Jesu, um mich seinen Anspr\u00fcchen auszusetzen.<\/p>\n<p>Halten wir uns also fest und sehen und h\u00f6ren, wie die Geschichte beginnt:<br \/>\n<em>Als Jesus sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein.<\/em><br \/>\nGott ist gut \u2013 gleich noch ein Rettungsanker in dieser Geschichte, ein vertrauter, sicherer Ort. Danket dem Herrn, denn er ist gut \u2013 er ist freundlich, \u00fcbersetzt Luther \u2013 und seine G\u00fcte w\u00e4hret ewiglich. Immer wieder h\u00f6ren und singen wir das in den Psalmen. Alle Dinge sind m\u00f6glich bei ihm.<br \/>\nAber noch mehr sagt Jesus mit seinen Worten: <em>Niemand ist gut als Gott allein. <\/em>Hier klingt zugleich das Bekenntnis an, das in unserem Sonntagsevangelium ausgesprochen wird: H\u00f6re Israel, der Herr unser Gott ist der Herr allein. Und dieser eine Gott ist gut.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen wir uns weiter hereinwagen in diese Geschichte: <em>Was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? <\/em>Nicht um irgendwelche Nebens\u00e4chlichkeiten geht es hier, es geht um das ewige Leben. Selig werden, gerettet werden, ins Reich Gottes gelangen \u2013 so wird das Lebensziel, von dem der Reiche, Jesus und die J\u00fcnger sprechen, sp\u00e4ter auch benannt.<br \/>\n<em>Liebe Kinder, wie schwer ist&#8217;s, ins Reich Gottes zu kommen! <\/em>\u2013 Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihn nicht hineingelangen. So hat Jesus gerade erst, unmittelbar vor dieser Szene gesagt. Nun also <em>Liebe Kinder<\/em> \u2013 um das Entsetzen etwas zu mildern.<\/p>\n<p>Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder \u2013 das war eine Antwort auf die gro\u00dfe Frage nach dem Lebenssinn und Lebensziel. Der reiche Mann erh\u00e4lt eine andere, eine klare und einfache Auskunft: <em>Du kennst die Gebote: \u00bbDu sollst nicht t\u00f6ten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; ehre Vater und Mutter.\u00ab<br \/>\n<\/em>Jesus zitiert die Gebote, die sich auf das Zusammenleben von Menschen beziehen. Es geht um das Miteinander, es geht um ganz irdisch menschliche Dinge bei der Frage nach der Seligkeit, nach dem ewigen Leben. Das ist die Grundvoraussetzung f\u00fcr ein gutes Leben, hier wie in Ewigkeit: Geht miteinander richtig um, achtet den anderen, sein Leben. Achtet seine Beziehungen, achtet seinen Besitz und seinen Ruf. Achtet die Menschen, von denen ihr abh\u00e4ngig seid, die f\u00fcr euch viel getan haben.<br \/>\nIm menschlichen Miteinander ist es also verwurzelt, das Reich Gottes.<\/p>\n<p>Und so weit kann der Frager durchaus mit: <em>Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. <\/em>F\u00fcr den reichen Mann besteht nach dieser Antwort von Jesus noch kein Grund, unmutig zu werden, kein Grund zum Entsetzen auch f\u00fcr die J\u00fcnger.<br \/>\nMir erscheint schon das nicht immer leicht. Besser gesagt, ich wei\u00df, dass ich diese zustimmende Antwort nicht geben k\u00f6nnte. Ich kenne meine Verst\u00f6\u00dfe gegen diese Gebote. Ich wei\u00df, dass ich sie nicht so einfach immer erf\u00fcllen kann.<br \/>\nAber der Mensch, der zu Jesus gekommen ist, er meint, diesen Geboten entsprochen zu haben. Und Jesus widerspricht seiner Meinung nicht \u2013 er gewinnt diesen frommen Menschen lieb, der es ernst meint mit seinem Glauben.<\/p>\n<p>Darum verlangt er noch mehr von ihm: <em>Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib&#8217;s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!<\/em><br \/>\nEs klingt so einfach und wird dem Menschen doch viel zu schwer. <em>Er aber wurde unmutig \u00fcber das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele G\u00fcter.<\/em><br \/>\nIch denke, hier geht es nicht einfach um Besitz, um Reichtum \u2013 warum m\u00fcssten sonst die J\u00fcnger sich entsetzen, die wenige G\u00fcter ihr Eigen nennen. Ich will mich damit nicht aus der Verantwortung herausreden, mit meinem Reichtum verantwortlich umzugehen \u2013 zu der Achtung f\u00fcr die Anderen geh\u00f6rt auch, ihnen ein menschenw\u00fcrdiges Leben zu erm\u00f6glichen, so weit das in meiner Macht steht und ich Mittel daf\u00fcr habe.<br \/>\nAber Jesu zielt noch auf etwas anderes: V<em>erkaufe alles &#8230; und folge mir nach!<br \/>\n<\/em>Von wem bin ich abh\u00e4ngig, von was mache ich mich abh\u00e4ngig? Was gibt mir Sicherheit? Der Besitz, den ich habe und f\u00fcr meine Zukunftssicherung aufspare? Was fesselt mich? Das Geld, das ich nicht habe, aber zu gewinnen suche? Das fehlende Geld kann ja in meinen Gedanken und W\u00fcnschen und in meinem Planen auch einen riesigen Raum einnehmen.<br \/>\nVielleicht muss jemand auch ganz anderes einf\u00fcgen, von dem er, von dem sie abh\u00e4ngig ist: Die Anerkennung der anderen. Die Zustimmung m\u00f6glichst vieler zu meiner Meinung. Liebe, die ich mir erkaufe mit meinem Verhalten.<\/p>\n<p>V<em>erkaufe alles &#8230; und folge mir nach!<br \/>\n<\/em>Armut als Grundhaltung der willigen Abh\u00e4ngigkeit von Gott \u2013 diese Deutung habe ich vor einiger Zeit kennen gelernt. Eine Haltung, die nicht abh\u00e4ngig ist von meinem Kontostand. (Aber Auswirkungen auf diesen Kontostand kann sie dann doch durchaus gewinnen.) Nachfolge sieht f\u00fcr jede und jeden und zu jeder Zeit anders aus. Nachfolge ist nicht eine ein f\u00fcr alle Mal getroffene Entscheidung, sondern ein Prozess der Ein\u00fcbung: Gott, dein ist, was ich bin und habe. Dein Wille geschehe. Jeden Tag von neuem.<\/p>\n<p>Und jeden Tag von neuem kann diese Aufgabe wieder zu schwer, kann gar unm\u00f6glich erscheinen, so dass wir betr\u00fcbt davon gehen.<\/p>\n<p><em>Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen J\u00fcngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen! Die J\u00fcnger aber entsetzten sich \u00fcber seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist&#8217;s, ins Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadel\u00f6hr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden?<\/em><\/p>\n<p>Wie entsetzlich schwer ist das! Ein gro\u00dfes Kamel und ein winziges Nadel\u00f6hr \u2013 unm\u00f6glich! Ja, sagt Jesus: <em>Bei den Menschen ist&#8217;s unm\u00f6glich.<\/em><br \/>\nAber dann wirft er uns die Rettungsleine zu: <em>Bei den Menschen ist&#8217;s unm\u00f6glich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind m\u00f6glich bei Gott. <\/em>Aus seiner Sicht ver\u00e4ndert sich alles, ver\u00e4ndert sich auch schon die Frage. Die Frage des reichen Menschen, die Frage der J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger: Wie k\u00f6nnen wir das ewige Leben ererben, selig werden, ins Reich Gottes kommen?<br \/>\nDein Reich komme, Gott \u2013 so lehrt uns Jesus zu beten. Dein Reich komme zu uns, ver\u00e4ndere uns, mache uns arm und selig. Denn alle Dinge sind m\u00f6glich bei Dir!<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrerin Dr. Irene Mildenberger<br \/>\nLiturgiewissenschaftliches Institut der VELKD, Leipzig<br \/>\n<a href=\"mailto:liturgie@uni-leipzig.de\">liturgie@uni-leipzig.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18. Sonntag nach Trinitatis | 25. September 2005 |\u00a0Markus 10, 17-27 | Irene Mildenberger | Als Jesus sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? 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