{"id":10726,"date":"2005-10-01T19:49:16","date_gmt":"2005-10-01T17:49:16","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10726"},"modified":"2025-07-14T11:20:08","modified_gmt":"2025-07-14T09:20:08","slug":"jesaja-58-7-12-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-58-7-12-6\/","title":{"rendered":"Jesaja 58, 7-12"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">19. Sonntag nach Trinitatis \/ Erntedankfest | 2. Oktober 2005 |\u00a0Jesaja 58, 7-12 | Friedrich-Otto Scharbau |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>was f\u00fcr eine Perspektive: \u201eDein Licht wird hervorbrechen wie die Morgenr\u00f6te und deine Heilung wird schnell voranschreiten!\u201c Was f\u00fcr ein Durchblick: \u201eDein Licht wird aufgehen in der Finsternis und Du wirst sein wie ein bew\u00e4sserter Garten!\u201c Verhei\u00dfung eben, und was da erkennbar wird, ist der Horizont einer Zukunft, in der nichts mehr an die j\u00e4mmerliche Gegenwart mit ihrem Mangel und mit ihren Entbehrungen erinnert: \u201eDeine Gerechtigkeit wird vor Dir hergehen und die Herrlichkeit des Herrn wird Deinen Zug beschlie\u00dfen.\u201c Ein Traum scheint sich zu erf\u00fcllen, getr\u00e4umt an den Wassern zu Babel, wo sie im fremden Land ihre Harfen in die Weiden h\u00e4ngten und an Zion gedachten, ihre Heimat (Ps 137): \u201cDie mit Tr\u00e4nen s\u00e4en, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen wieder mit Freuden und bringen ihre Garben.\u201c (Ps 126)<\/p>\n<p>Unvorstellbar und \u00fcberw\u00e4ltigend zugleich diese F\u00fclle der Bilder, mit denen die Zukunft Israels beschrieben wird. Kaum, dass man das eine in sich aufgenommen hat, wird es eingeholt von dem n\u00e4chsten: kein Aufenthalt, kein Verweilen: Brecht auf aus Eurer Lethargie, bleibt nicht h\u00e4ngen in Eurer Beschr\u00e4nktheit auf das Gew\u00f6hnliche, beklagt nicht jeden Tag aufs Neue Euer Ungemach, steht auf und folgt Gottes Verhei\u00dfung.<\/p>\n<p>Sie sind zur\u00fcckgekehrt aus der Gefangenschaft, sind wieder zu Hause. Aber gerade angesichts dessen, was sie da vorfinden, klingt das, was ihnen jetzt gesagt wird, unvorstellbar und auch unwirklich; es ist ein einziger Widerspruch zu dem, was die Leute tagt\u00e4glich erleben: die Vergeblichkeit ihres Tuns: was sie am Tage aufbauen, wird nachts wieder eingerissen von denen, die sich im Land niedergelassen haben, als sie in der Fremde waren, weitab in Babylon. Sie k\u00f6nnen sich abrackern und schuften von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und sie kommen nicht voran: die Kr\u00e4fte reichen nicht, das Material reicht nicht, ihre Zuversicht reicht nicht. Die Gefangenschaft in Babylon, drei, vier, f\u00fcnf Jahrzehnte haben sie \u00fcberstanden, hatten sich sogar leidlich eingerichtet dort und immer auf die Heimkehr gewartet, aber jetzt, wo das alles ein Ende haben sollte, gibt es Zusammenbruch statt Aufbruch und M\u00fche ohne Lohn. Und wieder h\u00e4ngten sie ihre Harfen in die Zweige und der Wind r\u00fchrte ihre Saiten.<\/p>\n<p>Ein wenig kann man es sich vorstellen, wie das war, wenn man sich die Situation in Deutschland am Ende des 2. Weltkriegs und unmittelbar danach vergegenw\u00e4rtigt, als die Fl\u00fcchtlinge und Ausgebombten ins Land kamen und um ihre Existenz ringen mussten. Da war auch viel Mangel und Sorge und Nicht-mehr-weiter-Wissen. Und ich erinnere mich noch gut, wie damals ein Pastor aus dem Osten am Fl\u00fcchtlingssonntag in unserer Gemeinde \u00fcber das Wort aus dem Hebr predigte: \u201eWerfet euer Vertrauen nicht weg!\u201c Das war n\u00f6tig damals. Zukunftserwartung war die Frage nach der Kraft des Vertrauens.<\/p>\n<p>Die Verhei\u00dfung gilt den aus Babylon Zur\u00fcckgekehrten. Das babylonische Reich als Gro\u00dfmacht im Osten war abgel\u00f6st worden durch Kyrus, den Perser, und Darius, seinen Nachfolger, moderne Herrscher in ihrer Zeit; sie gaben den Verbannten die Freiheit wieder, gaben ihnen das Tempelgut zur\u00fcck, das der Babylonier geraubt hatte, und erlaubten ihnen, den zerst\u00f6rten und verfallenen Tempel wiederaufzubauen. Das war ja die eigentliche Verletzung Israels, dass ihr Tempel, Ort der Heiligkeit Gottes, zerst\u00f6rt und die heiligen Ger\u00e4te au\u00dfer Landes gebracht waren. M\u00fchsam hatten sie es gelernt, auch ohne Tempel in der Fremde Gott zu dienen und ihm zu vertrauen.<\/p>\n<p>So machten sie sich auf den Weg, ein hoffnungsfroher Zug der Erl\u00f6sten, wohl wissend, dass ihnen Entbehrungen und Jahre der Wanderung \u00fcbers Gebirge und durch die W\u00fcste bevorstanden, aber die Aussicht auf Ankunft eines Tages gab ihnen den Schwung loszuziehen: Alte und ganz Alte, Frauen und M\u00e4nner, auch J\u00fcngere und ganz Junge, in der Fremde geboren und dort auch aufgewachsen. Und als sie schlie\u00dflich ankamen: Was fanden sie vor? Verfallene St\u00e4dte und D\u00f6rfer, die \u00c4cker verwahrlost, die Weinberge \u00fcberwuchert von Disteln und Gestr\u00fcpp, die Z\u00e4une niedergetreten. Wo sollte man anfangen, wo weitermachen? Den Wiederaufbau des Tempels nahm man in Angriff, aber \u00fcber die Fundamente kam man nicht hinaus, dann geriet auch das ins Stocken wie vieles andere schon vorher. Es schien alles vergeblich.<\/p>\n<p>Und dann diese Verhei\u00dfung: \u201eDurch Dich soll wieder aufgebaut werden, was lange w\u00fcst gelegen hat, und du wirst wieder aufrichten, was vorzeiten gegr\u00fcndet ward; und Du sollst hei\u00dfen: \u2018Der die L\u00fccken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen k\u00f6nne.\u2019\u201c<\/p>\n<p>Dass man da wohnen k\u00f6nne \u2013 das weist nicht in eine unbestimmte, ferne Zukunft, jenseits unserer Zeit, sondern das wird sich in dieser Zeit erf\u00fcllen: Ein Ort, an dem man bleiben kann, der alles zum Leben bereit h\u00e4lt, wo keiner ist, der einen vertreibt, wo man s\u00e4en und ernten und wo das Leben weitergeben kann. Kein Paradies, beileibe nicht, aber verl\u00e4ssliche Chancen f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie die Leute das geh\u00f6rt haben. Wahrscheinlich etwas ungl\u00e4ubig. Aber gerade in dem Unglaublichen dieser Verhei\u00dfung liegt ihre Kraft. Nicht Visionen sind das, die in den K\u00f6pfen und Herzen der Menschen entstehen. Auch das w\u00e4re ja schon etwas f\u00fcr diese Elenden: Wenn sie eine Vision von ihrer Zukunft h\u00e4tten. Hier aber trifft sie eine Verhei\u00dfung. Nicht sie entwerfen ihre Zukunft, sondern die wird ihnen angesagt, verbum externum: das, was man sich selbst nicht sagen kann, wird einem gesagt. Nicht: so denken wir uns das. Sondern: So sehe ich, Gott, Jahwe, Euch in Eurem Land. Es wird Euch geh\u00f6ren und Ihr werdet darin wohnen. In dem Unglaublichen dieser Verhei\u00dfung liegt ihre Kraft, denn eben darin erweist sie sich als Gottes Wort. Aus dem Nichts ruft es ins Sein, ein neuer Sch\u00f6pfungstag bricht kraftvoll an: Gott spricht und es geschieht.<\/p>\n<p>Ob die Leute damals das so assoziiert haben, wei\u00df ich nicht. Aber die Wucht dessen, was ihnen da gesagt wurde, die haben sie mitgekriegt und sie haben begriffen: Das ist Gottes Wort, so kann nur Gott reden, der die Zeit \u00fcberblickt, eines Menschen Zeit, Generationen \u00fcbergreifend, der Gott der Geschichte. Eben nicht der Gott, der in der Ewigkeit zu Hause ist, sondern der in dieser Zeit mit uns unterwegs ist und uns tr\u00e4gt und h\u00e4lt. Gegen allen Zweifel und Widerspruch, die sich nat\u00fcrlich regen angesichts einer desolaten Wirklichkeit, ist das wahr: \u201eDer Herr wird Dich f\u00fchren und s\u00e4ttigen in der W\u00fcste.\u201c Gott bricht ein in all die Entt\u00e4uschung und Hoffnungslosigkeit der Leute und sagt: Ihr werdet leben.<\/p>\n<p>So kann nur Gott reden. Menschen k\u00f6nnen ehrlicherweise immer nur sagen: Du wirst sterben. Nicht heute, nicht morgen, aber eines Tages; das ist der Weg allen Fleisches. Gott sagt: Du wirst leben. Der in Kreuz und Auferstehung Jesu Christi gegenw\u00e4rtig ist, wird Dein Schreien erh\u00f6ren und spricht: \u201eHier bin ich!\u201c Es ist das Unglaubliche, dem ich mich anvertraue, wenn ich es denn begreife, was da geschieht \u2013 dass Gott sich meiner annimmt. Selbst kann ich mir das nicht sagen, vielleicht, dass ich es mir einreden kann, aber das h\u00e4lt nicht. Nein, ich muss es begreifen, dass so Gott redet, und nur er.<\/p>\n<p>\u201eDer Herr wird Dich immerdar f\u00fchren und Dich s\u00e4ttigen in der D\u00fcrre und Dein Gebein st\u00e4rken.\u201c Gottes Wort f\u00fcr die M\u00fcden und Ausgezehrten. Weil es Leben verhei\u00dft.<\/p>\n<p>Und sie brauchten solche Verhei\u00dfung, die Zur\u00fcckgekehrten in Israel. Weil sie genau das nicht glaubten, dass Gott sie im Auge hatte. Sie hatten ihn nicht vergessen, aber war das wom\u00f6glich eine Einbahnstra\u00dfe? Man f\u00e4hrt und f\u00e4hrt und pl\u00f6tzlich merkt man, dass einem niemand entgegenkommt, man ist allein und findet nicht wieder heraus. Sie hatten sich ihre Fr\u00f6mmigkeit, ihre Traditionen, ihre religi\u00f6sen Gebr\u00e4uche bewahrt in der Fremde und sie kamen ihnen auch jetzt nach. Es gab ja auch keinen Grund, damit aufzuh\u00f6ren, wenn man wieder zu Hause war. Im Gegenteil: Schon aus Dank musste man dabei bleiben. Und war ihre Fr\u00f6mmigkeit ihnen nicht gleichsam zur Heimat geworden im Exil? Ihre Glaubenstradition, das gemeinsame Sich-Erinnern an die Wege Gottes mit seinem Volk hielt sie zusammen. Aber jetzt fragen sie sich: Nimmt Gott uns \u00fcberhaupt wahr? Sieht er \u00fcberhaupt, wie wir fasten und ihm diesen? H\u00f6rt er es, wenn wir sein Lob singen? Es scheint so, als wolle er das alles gar nicht wissen. Und wenn es so ist: Was soll\u2019s? Also auch hier nur Vergeblichkeit. Und das setzt sich nat\u00fcrlich fest, setzt sich fester als all die anderen Mangelerscheinungen, von denen schon die Rede war. Die sind ja noch ertr\u00e4glich, solange man das Gef\u00fchl hat, dass es unter den Augen Gottes geschieht. Aber wenn man dessen nicht mehr gewiss ist, dann steht es wirklich schlecht um einen. Ich kann mich ja tats\u00e4chlich t\u00e4uschen und Gott hat durchaus Interesse an mir, an meinem Schicksal, an meiner Traurigkeit, an meiner Angst, an meinem Erschrecken und meiner Ersch\u00f6pfung, aber das hilft mir wenig, wenn ich mitten drin stecke und frage, wo eigentlich Gott ist in dem allen. Die Erfahrung der Abwesenheit Gottes kann auch den letzten Rest an Lebenswillen und Perspektive ausl\u00f6schen. Immerhin: Dass Gott ist, das steht nicht zur Diskussion. Aber er ist nicht da! Das ist das Problem.<\/p>\n<p>Unsere Gesellschaft ist eher gepr\u00e4gt von der Vermutung der Gleichg\u00fcltigkeit Gottes. Wenn jemand an Gott glaubt: nun gut, mag er das tun; wenn einer nicht glaubt, was geht\u2019s mich an? Das eine ist genauso unerheblich wie das andere. Und beides ist ohne Bedeutung.<\/p>\n<p>Meinen sie! Und ahnen gar nicht, was ihnen pers\u00f6nlich, was unserer Gesellschaft verloren geht. Beispiel: Die Wertediskussion, die immer wieder angemahnt und nicht gef\u00fchrt wird \u2013 wor\u00fcber soll man denn auch reden, wenn man sich nicht religi\u00f6s verorten will? Beispiel: Erwartungen an die Zukunft. In diesen Tagen wurde wieder von einer Umfrage \u00fcber die Zukunfts\u00e4ngste der Deutschen berichtet. Erstaunliche Zahlen kamen da zum Vorschein. Ob das mit damit zusammen h\u00e4ngt, dass die Menschen sich f\u00fcr den Glauben als Konstante in einer in der Tat ansonsten so zerbrechlichen Welt nicht interessieren? Wo kein Glaube ist, kann auch keine Hoffnung wachsen. Wo kein Gottvertrauen ist, kann es kein Vertrauen in die Zukunft geben. Alles Selbstvertrauen, das wir entwickeln und das wir zur Schau stellen, das reicht im Ernst ja nicht weit. Da k\u00f6nnen auch politische Programme wenig ausrichten.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich bedeutet das: Wir sind als Christen unserer Gesellschaft ein starkes Zeugnis von der Hoffnung schuldig, die in uns ist, damit sich insgesamt wieder ein Klima der Hoffnung unter uns entwickelt: gegen die erdr\u00fcckenden Bilder von Hunger und Armut und Gewalt, gegen die Erfahrung von Hilflosigkeit und Vergeblichkeit, gegen Ersch\u00f6pfung und Nicht-mehr-weiter-k\u00f6nnen. Dass Zuversicht w\u00e4chst in einer Welt, in der so viel geklagt und so wenig gedankt wird. Wir d\u00fcrfen unsere Hoffnung nicht f\u00fcr uns behalten, sondern wir m\u00fcssen sie mit anderen teilen. Wir m\u00fcssen Glauben s\u00e4en, wenn wir Hoffnung ernten wollen.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu den Heimgekehrten in Israel und zu ihrer Erfahrung der Abwesenheit Gottes. Sie kriegten Antwort, klar und unmissverst\u00e4ndlich: Ihr macht etwas falsch! Ihr fastet, aber Euer Herz ist gar nicht dabei. Ihr denkt an Eure Gesch\u00e4fte, an den Streit mit Eurem Nachbarn, an den Knecht, der nicht arbeiten will. Ihr seid nicht bei der Sache. Und: Richtiges Fasten ist nicht auf Gott gerichtet, sondern auf den Menschen. Das ist neu, unerh\u00f6rt neu. Nicht, worauf Du verzichtest und doch f\u00fcr Dich beh\u00e4ltst, ist entscheidend, sondern was Du dem gibst, der seiner bedarf. Darum also: \u201eBrich dem Hungrigen Dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, f\u00fchre in Dein Haus. Und wenn Du einen nackt siehst, dann kleide ihn, und entzieh Dich nicht Deinem Fleisch und Blut.\u201c Fasten nicht als Ritual, das zu bestimmten Zeiten bestimmten Vorschriften folgt und mir das Gef\u00fchl gibt, dass es so und genauso von Gott gewollt ist. Die Leute in Israel haben etwas v\u00f6llig Richtiges geahnt: Davon wendet Gott sich ab. Er braucht solches Fasten nicht. Aber es gibt Menschen, die unser Fasten brauchen, Verzicht um ihretwillen: Hungrige, Obdachlose, Frierende, Hoffnungslose. Damit verliert das Fasten, dieses neue Fasten nicht seinen religi\u00f6sen Zusammenhang. Im Gegenteil: Es ist ja Gottes Gebot, dass es so geschieht, und diesem Fasten gilt Gottes Verhei\u00dfung und sein Interesse: \u201eWenn Du schreist, wird Gott sagen: Siehe, hier bin ich.\u201c Gott verhei\u00dft seine Gegenwart dem, der mit den Armen teilt. Und das nennt er gerecht.<\/p>\n<p>Das muss man sich immer wieder klar machen, und dieser Predigttext hilft uns dazu: Die ganze j\u00fcdisch-christliche Tradition, wie sie uns in der Bibel \u00fcberliefert ist, ist eine Option f\u00fcr die Armen. Reich zu sein ist keine Schande vor Gott, aber nicht mit den Armen zu teilen, das ist ungerecht vor Gott und hat keine Verhei\u00dfung. Das ist noch nicht ein Programm f\u00fcr soziale Gerechtigkeit. Das w\u00e4re eine Aufgabe f\u00fcr die Politik. Hier geht es um N\u00e4herliegendes, um das Recht der Armen auf Lebensunterhalt und um das Gebot des Teilens: Dass wir achten auf die Menschen um uns herum, dass wir uns in der Verantwortung sehen, wo Verantwortung gefragt ist. Gerade nicht das Programmierte, sondern das Gebotene \u2013 darum geht es! Der Slogan \u201eGeiz ist geil\u201c ist ein zutiefst unchristliches Lebensmotiv, weil es nicht den anderen sieht, sondern da sehe ich nur mich und was ich habe. \u201eLass den Hungrigen Dein Herz finden\u201c hei\u00dft es dagegen in unserem Text, \u201edann wird Dein Licht in der Finsternis aufgehen.\u201c Es ist also mehr, als dass dieser unselige Slogan von dem Geiz aufgebrochen und die Hand frei wird zum Teilen. Das Herz ist gefragt \u2013 dass ich den anderen an mich heranlasse, ihm nicht ausweiche, dass ich ihm ein gutes Wort mit auf den Weg gebe und vielleicht sogar einmal eine Rose statt Geld. Noch einmal: Es geht nicht um den gerechten Ausgleich zwischen Arm und Reich. Aber es geht um das Lebensrecht des Armen in unserer Mitte. Dieses Lebensrecht des Armen steht nicht zur Disposition und kann nicht eingeschr\u00e4nkt werden. Auf dieser Basis kann man dann sogar Programme des sozialen Ausgleichs entwerfen, die sehr unterschiedlich sein m\u00f6gen im F\u00f6rdern und Fordern, aber die doch alle einen gemeinsamen Kern haben: Lebenssicherung, Schutz der W\u00fcrde des Bed\u00fcrftigen und seine Teilhabe an der Gemeinschaft als Gebot Gottes.<\/p>\n<p>Auf mich bezogen: Dass ich, wenn man so will, die Liebe Gottes weitergebe und damit, vielleicht nur diesem einen Menschen, Hoffnung gebe, die ihn \u00fcber den Tag hinaus tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Eine spr\u00f6de Wahrheit zum Erntedankfest. Aber im Grunde wissen wir ja l\u00e4ngst, dass es so ist: Auch, was wir mit Dank gegen Gott als Ernte einfahren \u2013 zum Segen wird es erst, wenn wir nicht darauf sitzen bleiben, sondern Augen und Herz \u00f6ffnen f\u00fcr die, die unserer Hilfe bed\u00fcrfen. Das sind Menschen in unserer Nachbarschaft, solche, die am Markt stehen und betteln, das sind die vielen, die Opfer einer Katastrophe geworden sind irgendwo in unserer Welt; und es sind Menschen, die vielleicht keine materielle Not leiden, aber die angesichts von Vergeblichkeitserfahrungen verzagt sind an ihrem Leben : Sie alle sind uns anvertraut und der Segen Gottes wird mit uns sein auf unserem Weg zu ihnen. Nicht, dass die Verhei\u00dfungen sich infolge unseres Tuns an uns erf\u00fcllen, sondern sie gehen uns voran und wir folgen ihnen. Ohne sie w\u00e4re alles nichts. Aber weil sie da sind, hat es guten Grund zu tun, wie uns gesagt ist: Brich dem Hungrigen Dein Brot. Das ist die Ernte , die Gott bei uns sucht.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Friedrich-Otto Scharbau<br \/>\n<a href=\"mailto:F.O.Scharbau@t-online.de\">F.O.Scharbau@t-online.de <\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19. Sonntag nach Trinitatis \/ Erntedankfest | 2. Oktober 2005 |\u00a0Jesaja 58, 7-12 | Friedrich-Otto Scharbau | Liebe Gemeinde, was f\u00fcr eine Perspektive: \u201eDein Licht wird hervorbrechen wie die Morgenr\u00f6te und deine Heilung wird schnell voranschreiten!\u201c Was f\u00fcr ein Durchblick: \u201eDein Licht wird aufgehen in der Finsternis und Du wirst sein wie ein bew\u00e4sserter Garten!\u201c [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3869,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[540,22,1,2,727,157,853,114,560,1418,155,349,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10726","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-19-so-n-trinitatis","category-jesaja","category-aktuelle","category-at","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-erntedank","category-friedrich-otto-scharbau","category-kapitel-58-chapter-58-jesaja","category-kasus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10726","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10726"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10726\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25198,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10726\/revisions\/25198"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3869"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10726"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10726"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10726"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10726"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10726"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}