{"id":10735,"date":"2005-10-01T19:49:16","date_gmt":"2005-10-01T17:49:16","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10735"},"modified":"2025-07-14T10:36:50","modified_gmt":"2025-07-14T08:36:50","slug":"markus-1-32-39-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-1-32-39-2\/","title":{"rendered":"Markus 1, 32-39"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">19. Sonntag nach Trinitatis | 2. Oktober 2005 |\u00a0Markus 1, 32-39 | Ondrej Prostrednik | <\/span><\/b><\/h3>\n<p>(Predigt f\u00fcr Studentengemeinde in einem Abendmahlgottesdienst.)<\/p>\n<p>Liebe Freunde, Schwestern und Br\u00fcder im Christus,<\/p>\n<p>Wir treffen uns zu diesem Gottesdienst als akademische Gemeinde. Das Evangelium, das wir bei der Lesung aus dem Altar geh\u00f6rt haben (Mt 5,43-48) l\u00e4dt uns ein mehr zu tun, als \u00fcblich ist. Viele ernste Probleme der Welt haben gerade solche Menschen gel\u00f6st, die diesen Aufruf ernst genommen haben. Die einen Schritt weiter, als alle andere, gegangen sind. Die mehr B\u00fccher in die Hand genommen haben, als zum Ablegen der Pr\u00fcfung verlangt wurde. Die mehr Versuch im Laboratorium gemacht haben, als der Lehrer ihnen vorgeschrieben hat.<\/p>\n<p>Die heutige Gesellschaft leidet unter vielen ernsten Problemen, die auf L\u00f6sung warten. Millionen von Menschen hungern. Der Reichtum, den die Naturressourcen bieten, ist nicht gerecht verteilt. Immer gibt es noch viele Krankheiten, die f\u00fcr Mediziner eine Herausforderung darstellen. Die Umwelt haben wir so besch\u00e4digt, dass wir nun langfristig die Folgen der klimatischen Ver\u00e4nderungen tragen werden.<\/p>\n<p>Der Predigttext stellt uns Jesus vor als einen Arzt. Er heilt die Kranken. Er korrigiert das, was gest\u00f6rt ist. Er stellt die Diagnose fest. Sie lautet: S\u00fcnde \u2013 so erfahren wir das von vielen anderen Heilungsberichten. Das Studium, das unsere Arbeit ist, hilft uns die Diagnose der verschiedenen Probleme in der akademischen Gemeinde zu stellen. Die Kenntnisse, die gesammelt wurden, und die Kenntnisse, die Forschung liefert, helfen uns, die Gr\u00fcnde vieler Probleme zu finden und angemessene Korrekturen einzuleiten. Unser Text zeigt seine Haltung in drei Z\u00fcgen:<\/p>\n<ul>\n<li>Korrektur durch S\u00fcndenvergebung<\/li>\n<li>pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch mit Gott im Gebet<\/li>\n<li>das Wort der Wahrheit durch Verk\u00fcndigung des Gottes Wortes.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<p><strong>I.<\/strong> In unserem Leben gehen wir davon heraus, dass wir den Ablauf vieler Ereignisse ver\u00e4ndern oder beeinflussen k\u00f6nnen. In unserem Mikrokosmos machen wir das oft. Dabei ist die Initiative entscheidend. Es gibt viele Menschen, die zu Opfern der Umst\u00e4nde werden nur weil sie keinen Willen haben, etwas in ihrem Leben zu ver\u00e4ndern. Obwohl sie dazu die Kr\u00e4fte und die M\u00f6glichkeiten haben.<\/p>\n<div align=\"left\">\n<p>Wenn wir an den Makrokosmos denken, dann glauben wir, dass der Ablauf aller Ereignisse in Gottes H\u00e4nden liegt. Jesus Christus, Sohn Gottes, wurde Mensch, damit er den Ablauf der Ereignisse, die zur Vernichtung des Menschen f\u00fchrten, radikal \u00e4nderte. Er besiegte die Macht der S\u00fcnde. Was dabei aber wichtig ist, ist nicht das, dass er es konnte. Viel wichtiger ist, dass er das wollte. Das ist gro\u00dfartig. Gott hat die Initiative zur grunds\u00e4tzlichen Korrektur in der Welt ergriffen. Das ist das Zeichen der Liebe Gottes zum Menschen. In Christus \u00e4ndert er unser Leben durch die Vergebung der S\u00fcnde. Wenn wir uns den Abend an dem die Heilungen stattfanden, vorstellen, dann k\u00f6nnte es auch anders aussehen. Christus musste nicht heilen. Er konnte den Menschen, die ihn um Hilfe baten, sagen: \u201eJeder soll sein Leiden tragen. Jeder hat das, was er verdient hat. Nehmt das Leben so, wie es gekommen ist und wie ihr es euch selbst gestaltet habt. Daran ist nichts mehr zu \u00e4ndern.\u201c So hart h\u00e4tte Jesus zu denen reden k\u00f6nnen, die seine Hilfe erwartet haben. Er hat es aber nicht getan. Das ist ein Zeichen der liebevollen Initiative Gottes. Er tat das, was man nicht erwartet, das was er nicht tun musste.<\/p>\n<p>Das tut er auch heute. Er l\u00e4dt uns zu seinem Tisch. Im Abendmahl kommt er zu uns, damit er uns trifft. Wie ein Arzt, sagt er uns unsere Diagnose. Und weil er uns liebt, will er uns auch heilen.<\/p>\n<p><strong>II. <\/strong>Der Predigttext zeichnet uns einen scharfen Kontrast vor Augen. Auf der einen Seite spricht er dar\u00fcber wie Jesus von Menschen umkreist war. Sie haben Hilfe von ihm erwartet. Er hat sie geheilt. Er steht mitten in einer Menschenmenge. Auf der anderen Seite lesen wir, wie er sich zur\u00fcckgezogen hat. Er ist alleine und betet. Hei\u00dft es, dass er die Heilung beendete? So schnell endete seine Initiative der Liebe? Gab es keine mehr, die seine Hilfe brauchten?<\/p>\n<p>Die Reaktion der J\u00fcnger zeigt uns, dass es noch viele solche gab, die auf seine Hilfe warteten. \u201eAlle suchen dich!\u201c, haben sie ihm gesagt, als sie ihn fanden. Als ob sie ihm sagen wollten: \u201eHier, wo es so viel Leiden gibt, darfst du dich nicht zur\u00fcckziehen! Die Menschen brauchen dich.\u201c Wie ist das m\u00f6glich, dass Jesus so handelt? Er kann gutes tun und tut es nicht. Gerade umgekehrt. Es scheint, als ob er das tun w\u00fcrde, was er selbst bei anderen kritisierte. Er betet das Morgengebet, das ein Teil des Kultes, der Liturgie war. Dort, wo es hunderte von Menschen gibt, die auf seine Hilfe warten, dort bevorzugt er das Gebetsritual. Soll das ein Teil der Jesustherapie sein? Sollen wir dem folgen?<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Gebet war es eigentlich? War das nicht nur ein automatisches Erf\u00fcllen einer von Kindheit an gew\u00f6hnter Pflicht? War es nicht das, was wir auch oft tun wenn wir in die Kirche aus Gewohnheit kommen? Leider ist es oft so, das wir vor dem, was wir als Dienst der Hilfe tun sollten, weichen und als Grund daf\u00fcr dienen uns verschiedene Gewohnheiten unseres religi\u00f6sen Lebens. Schrecklich genug nur daran zu denken: Ein Gottesdienst wird zum Grund der Ablehnung des Dienstes an dem N\u00e4chsten. Jesus hat solche Haltung streng abgelehnt. Er hat am Samstag die Kranken geheilt und die Forderung der N\u00e4chstenliebe stellte er \u00fcber die Forderungen des Gesetzes.<\/p>\n<p>Und doch geht er weg von der Menge der Kranken und betet das Morgengebet. Er tut es auch, um uns zu warnen vor einem anderen Extrem. Viele Christen entleeren das geistliche Leben und werden zu blo\u00dfen Humanisten. Nicht dass der Humanismus an sich falsch w\u00e4re. Aber er darf nicht das pers\u00f6nliche geistliche Leben ersetzen. Wir d\u00fcrfen uns nicht so sehr durch das L\u00f6sen der Weltprobleme besch\u00e4ftigen lassen, dass wir dann den pers\u00f6nlichen Kontakt zu Gott f\u00fcr unn\u00f6tig halten. Die Liebe zu dem N\u00e4chsten ist nicht automatisch die Erf\u00fcllung unserer Beziehung zu Gott. Wir sind Kinder Gottes. Wir sind seine Sch\u00f6pfung. Gott ist eine Person. Er wartet auf ein Wort von uns, unser Gebet. Wir brauchen die Gemeinschaft mit ihm bei dem Gottesdienst. Nicht nur als Entspannung und Wechsel zwischen weltlicher und religi\u00f6ser Haltung. Nicht nur als Gelegenheit zur Reflexion \u00fcber aktuelle Fragen aus einer religi\u00f6sen Sicht. Sicher, das alles soll auch beim Gottesdienst geschehen. Aber nicht nur das. Wenn Jesus es f\u00fcr wichtig gehalten hat mit seinem Vater zu sprechen, umso mehr brauchen wir das Gespr\u00e4ch mit Gott. Gott ist nicht in allen Dingen, wie uns manche Religionen versuchen zu \u00fcberzeugen. Gott ist Person, Person, mit der man reden kann und die auf ein Gespr\u00e4ch mit uns wartet.<\/p>\n<p>Das hat Jesus getan, als er sich nach einem vollen Tag des Dienstes zur\u00fcckgezogen hat. Es war ein nat\u00fcrlicher Teil seines Lebens. Gebet wie Atem, ohne den man nicht leben kann. Auch heute l\u00e4dt er uns ein, dass wir zu ihm im Gebet reden und sagen, was uns bek\u00fcmmert. Das, was wir als Hindernis f\u00fcr eine Korrektur in unserem Leben ansehen, das, was wir als S\u00fcnde bekennen. Das ist der zweite Teil des Programms, das Christus f\u00fcr die Heilung der Welt tut.<\/p>\n<p><strong>III.<\/strong> Das dritte, was Jesus tut, \u00fcberrascht uns vielleicht noch mehr. Er ruft die J\u00fcnger, um zu einem anderen Ort zu ziehen. Der Grund daf\u00fcr ist nicht das Heilen. Der Grund ist die Verk\u00fcndigung des Wortes. Dazu ist Christus n\u00e4mlich gekommen. Das ist der Schwerpunkt seines Wirkens. Er redet zu uns.<\/p>\n<p>Die evangelische Kirche wird auch als Kirche des Wortes bezeichnet. Wir m\u00fcssen aber wissen welches Wort ist hier gemeint. Es ist das Wort Gottes. F\u00fcr Christus war die Verk\u00fcndigung des Wortes Gottes die wichtigste Aufgabe. Er brachte das Wort unter die Menschen sehr pr\u00e4gnant. Ohne unn\u00f6tige S\u00e4tze. Zur Sache. Seine Zuh\u00f6rer hat er nicht mit langen rhetorischen \u00dcbungen gelangweilt.<\/p>\n<p>Solche Verk\u00fcndigung des Gotteswortes ist ein unentbehrlicher Teil des kirchlichen Dienstes auch heute. Geben wir die Bezeichnung \u201eKirche des Wortes\u201c nicht auf, und k\u00e4mpfen wir um die Reinheit und Treue zum Wort Christi. Das ist die eigentliche Aufgabe der theologischen Ausbildung. Sie soll uns darauf vorbereiten, dass wir das Wort Gottes verstehen und es verst\u00e4ndlich dem heutigen Menschen weitergeben.<\/p>\n<p>Jesus Christus bietet uns sein Wort immer in neuen Zusammenh\u00e4ngen. Die Menschen warten auf dieses aktuelle Wort Gottes. Auf das Wort, das deutlich und genau, ohne unn\u00f6tige Zus\u00e4tze, die Gr\u00fcnde unserer Probleme benennt. Das Wort, das ein neues Leben gibt \u2013 ja, als sch\u00f6pferisches Wort, ein neues Leben schafft.<\/p>\n<p>Als akademische Gemeinde wollen wir unsere Arbeit tun. Darum beten wir: Komm Heiliger Geist, erf\u00fclle unsere Herzen und Gedanken, damit wir:<br \/>\n&#8211; den Dienst der Liebe tun und empfangen,<br \/>\n&#8211; im Gebet mit dir verbunden bleiben,<br \/>\n&#8211; dein rettendes Wort h\u00f6ren und verk\u00fcndigen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Ondrej Prostrednik<br \/>\n<a href=\"mailto:prostrednik@ekumena.sk\">prostrednik@ekumena.sk<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19. Sonntag nach Trinitatis | 2. Oktober 2005 |\u00a0Markus 1, 32-39 | Ondrej Prostrednik | (Predigt f\u00fcr Studentengemeinde in einem Abendmahlgottesdienst.) Liebe Freunde, Schwestern und Br\u00fcder im Christus, Wir treffen uns zu diesem Gottesdienst als akademische Gemeinde. 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