{"id":10736,"date":"2005-10-07T19:49:12","date_gmt":"2005-10-07T17:49:12","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10736"},"modified":"2025-07-14T11:36:18","modified_gmt":"2025-07-14T09:36:18","slug":"1-mose-818-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-mose-818-22\/","title":{"rendered":"1. Mose 8,18-22"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">20. Sonntag nach Trinitatis | 9. Oktober 2005 |\u00a01. Mose 8,18-22 | Klaus Steinmetz |<\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>18 So ging Noah heraus mit seinen S\u00f6hnen und mit seiner Frau und den Frauen seiner S\u00f6hne, 19 dazu alles wilde Getier, alles Vieh, alle V\u00f6gel und alles Gew\u00fcrm, das auf Erden kriecht; das ging aus der Arche, ein jedes mit seinesgleichen. 20 Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen V\u00f6geln und opferte Brandopfer auf dem Altar. 21 Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist b\u00f6se von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. 22 Solange die Erde steht, soll nicht aufh\u00f6ren Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Solange die Erde steht&#8230; Das ist lange, unvorstellbar lange. Aber nicht ewig. Ewig ist allein er, der die Erde erschaffen hat. Und der deswegen die Zusage machen kann, die gelten soll f\u00fcr diese unvorstellbar lange Zeit: Solange die Erde steht. Die Zusage, dass die Welt, in der wir leben, verl\u00e4sslich ist. Diese Zusage gilt, weil er, der das verspricht, verl\u00e4sslich ist.<\/p>\n<p>Dass die Welt verl\u00e4sslich ist, so dass wir in ihr leben k\u00f6nnen, ist nicht selbstverst\u00e4ndlich. Das wissen die, die aus der Arche kommen: Noah und seine Frau und seine Familie und die Tiere, paarweise geordnet und in einer Reihe hintereinander. Sie hatten es ja erlebt, wie auf einmal es von allen Seiten \u00fcber die Menschen hereinbrach und die Welt gleichsam aus den Fugen geriet und sie selbst auch zugrundegegangen w\u00e4ren, wenn Noah nicht auf Gottes Gehei\u00df die Arche gebaut h\u00e4tte, in der sie bewahrt blieben, mitten in der Sintflut.<\/p>\n<p>Den Abschluss der Geschichte von der Sintflut bilden die S\u00e4tze, die dieser Predigt zugrunde liegen. Eine alte Geschichte, eine uralte, ist das, keine Frage. Darum auch f\u00fcr unser Verst\u00e4ndnis in vieler Hinsicht naiv. Schon allein, wenn man sich vorzustellen versucht, wie das gewesen sein mag in der Arche, bei der Enge und dem Gedr\u00e4nge der Menschen und der Tiere, f\u00fcr eine so lange Zeit. Aber man sp\u00fcrt doch sofort, mit solchen Erw\u00e4gungen, so erheiternd sie sein m\u00f6gen, wird man dieser Geschichte nicht gerecht. Da steckt mehr drin.<\/p>\n<p>Es ist ja bezeichnend, wie pl\u00f6tzlich bei Katastrophen unserer Tage, der Tsunamiflutwelle in Ostasien oder den \u00dcberschwemmungen von New Orleans, diese alte Geschichte wieder ins allgemeine Bewusstsein kommt. Sie ist eben eine Urgeschichte, in der etwas aufgehoben ist, was nicht veraltet. Die Erinnerung daran, dass nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, was Gott hier zusagt. Angesichts von Katastrophen erfahren es die, die da hineingeraten sind; und auch in uns, die wir weit weg davon sind und nur durch Bilder und Berichte davon Kenntnis bekommen, beginnt eine bange Ahnung sich zu regen: Nein, es ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass nicht aufh\u00f6ren sollen Saat und Ernte, Frost und Hitze&#8230;<\/p>\n<p>Gerade weil dies nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, sind diese Worte nicht \u00fcberfl\u00fcssig, sondern notwendig, lebensnotwendig \u2013 wie alle Worte Gottes. Sie schenken uns das Leben. Hier, indem sie die unerl\u00e4sslichen Lebensgrundlagen als in seinem Wort und Willen gegr\u00fcndet benennen. Vier Gegensatzpaare sind es, uns zutiefst vertraut. Und von denen uns sofort klar ist, wie sehr sie unser Leben, das Leben \u00fcberhaupt, erm\u00f6glichen, bestimmen, pr\u00e4gen. Gegens\u00e4tzliches ist es, was jeweils zusammen genannt wird. Erst in der Balance erm\u00f6glicht es das Leben. Man braucht sich ja nur zu \u00fcberlegen, was und wie es w\u00e4re, wenn es jeweils nur das eine g\u00e4be: Nur Saat ohne Ernte, nur Frost ohne Hitze, nur Sommer ohne Winter, nur Tag ohne Nacht. Zumindest ganz anders ist es, wenn es wie in manchen Gegenden unserer Erde keine Jahreszeiten gibt; wenn es, wie jenseits des Polarkreises endlose Tage lang keine Nacht und endlose N\u00e4chte lang keinen Tag gibt. Oder es w\u00e4re geradezu eine Katastrophe, nur Hitze \u2013 und Verbrennen, nur Frost \u2013 und Erfrieren.<\/p>\n<p>Es ist ein vielschichtiges, feines und kompliziertes Miteinander und Ineinander dieser unterschiedlichen Gegensatzpaare, die erst zusammen, eben in der richtigen Balance, das Leben erm\u00f6glichen. Sich das bewusst zu machen, hei\u00dft doch wohl, es aus der Normalit\u00e4t der Selbstverst\u00e4ndlichkeit herauszurei\u00dfen und dar\u00fcber in Nachdenken und Staunen zu geraten. Oder anders gesagt: Wir k\u00f6nnen dann entdecken, dass diese Worte Gottes letztlich Segensworte sind. Sie beschreiben und zugleich versprechen sie etwas, was ein Segen ist. Der Segen Gottes wird hier erkennbar als etwas, was nicht nur sch\u00f6ne Zugabe ist f\u00fcr festliche H\u00f6hepunkte, sonder unabdingbare Voraussetzung unseres Lebens und Daseins, ohne die nichts ist und geht und l\u00e4uft. Zugleich k\u00f6nnen wir auch dar\u00fcber staunen, dass wir zum Gl\u00fcck \u2013 besser: Gott sei Dank! \u2013 nicht dauernd an diesen Segen, diese Leben schenkende Grundlage denken m\u00fcssen. Der Segen h\u00e4ngt nicht davon ab, dass wir an ihn denken, er ist mehr als unser Bewusstsein von ihm. Es ist so \u00e4hnlich wie mit der Gesundheit, auch sie ja ein Segen. Man braucht nicht dauernd an sie zu denken, und soll es auch gar nicht Wenn einer es dauernd tut, ist das eher ein Zeichen daf\u00fcr, dass sie ihm fehlt. Aber es schadet nichts, auch schon vorher, zwischendurch immer wieder einmal an sie zu denken und \u00fcber diesen Segen zu staunen. Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht: Es handelt sich bei diesen Gegensatzpaaren um etwas, was wir \u00fcblicherweise als Naturgegebenheiten bezeichnen, die auch ohne uns bestehen. Nur beim ersten, Saat und Ernte, da ist es etwas anders. Zwar ist auch hier der Umstand im Blick, der nicht von uns abh\u00e4ngt, dass n\u00e4mlich auf Saat Ernte folgt und der Mensch sich darauf verlassen kann. Aber wenn das geschieht, wenn dieser Segen sich ereignet, dann ist dabei der Mensch mit seinem Tun kr\u00e4ftig, also auch tatkr\u00e4ftig dabei. Wo nicht ges\u00e4t wird, gibt es auch nichts zu ernten. Vor acht Tagen, am Erntedankfest war Anlass, daran in besonderer Weise zu erinnern und \u00fcber das Staunen hinaus auch dem Danken f\u00fcr den Segen seinen notwendigen und sch\u00f6nen Platz zu geben. Nur wenn und wo ges\u00e4t wird, gibt es auch Ernte. Aber ist das weniger Segen, wenn wir dabei mitbeteiligt und meinetwegen auch mit allen Kr\u00e4ften gefordert sind? Am Ende stehen wir doch wieder nur \u2013 aber was hei\u00dft hier \u201enur\u201c? \u2013 als Beschenkte da. Es w\u00e4re ja eine merkw\u00fcrdige Vorstellung vom Segen, wenn sie automatisch hie\u00dfe, dass wir dabei die H\u00e4nde in den Scho\u00df legen k\u00f6nnten oder sollten. Und \u00fcber die Arbeit in Landwirtschaft und Garten hinaus ist es ja wohl sachgem\u00e4\u00df, den Zusammenhang \u201eSaat und Ernte\u201c auf alle menschliche Arbeit zu beziehen. Dass unserer Arbeit Ertrag und Erfolg beschieden sein soll, auch das ist etwas, was auf Gottes gn\u00e4diger Zusage beruht, sein Segen.<\/p>\n<p>Allerdings: Zusage, Segen ist etwas anderes als ein Naturgesetz. Wie oft haben Menschen vergeblich auf Ernte gewartet und gehofft, durch zu wenig oder zu viel Regen, Hitze oder Frost? Oder wenn Menschen die M\u00f6glichkeit zur Arbeit genommen, sie damit gleichsam um die Ernte, den Ertrag ihres Lebens gebracht werden? Politisch und menschlich ist dies derzeit nach wie vor das dr\u00e4ngendste Problem. Daran sei erinnert, damit wir nicht vergessen: Es geht in dieser alten Geschichte nicht um Selbstverst\u00e4ndlichkeiten und banale Erfahrungstatsachen. Es gibt ja so viele gegenteilige Erfahrungen. Immer wieder geraten Menschen in Lagen, in denen sie sich an diese Worte nur klammern k\u00f6nnen, bitten und hoffen, dass sie sich als wahr erweisen, auch f\u00fcr sie. Solange die Erde steht, soll nicht aufh\u00f6ren Saat und Ernte, Frost und Hitze \u2013 all das, was uns leben l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das alles ist nicht selbstverst\u00e4ndlich. Eine Ursache, warum das so ist, stellt uns die alte Geschichte besonders vor Augen: Je mehr wir auf uns selber, auf unser, der Menschen Tun und Verantwortung f\u00fcr diese Welt blicken, um so gef\u00e4hrdeter erscheint, dass diese Worte sich als wahr erweisen und durchsetzen. Die verheerendsten Katastrophen sind schon seit langem nicht mehr einfach sogenannte Naturkatastrophen, sondern die von Menschen gemachten: Krieg, massenhafte Gewalt, Misswirtschaft. Und selbst bei den Naturkatastrophen mehren sich die Hinweise, dass bei vielen von ihnen der Faktor Mensch mit seinem Tun und Treiben sich immer verh\u00e4ngnisvoller auswirkt. Der alte Satz: Das Dichten und Trachten des Menschen ist \u2013 und bleibt- b\u00f6se von Jugend an, beh\u00e4lt seine Wahrheit und gewinnt weltweite Dimensionen. Auch hier gilt: Was der Mensch s\u00e4t, das wird er ernten..<\/p>\n<p>Da ist er wieder, der dunkle Hintergrund, vor dem die g\u00f6ttliche Zusage steht, gegen den sie gesagt und gegen den sie ergriffen und geglaubt sein will. Nicht als Garantie, aber als Verhei\u00dfung und Segenswort des Gottes, der gegen alle zerst\u00f6rerischen Kr\u00e4fte, die auch in uns Menschen wirksam sind, an seiner Sch\u00f6pfung, auch an seinem Menschen, und sei er noch so b\u00f6se, festhalten will, weil er sie \u2013 liebt. Das fasse, wer es fassen kann. Aber allein darauf ist Verlass, um Gottes willen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Klaus Steinmetz, Sup. i.R.<br \/>\nHainholzweg 8<br \/>\n37085 G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:kjsteinmetz@t-online.de\">kjsteinmetz@t-online.de <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20. Sonntag nach Trinitatis | 9. Oktober 2005 |\u00a01. 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