{"id":10762,"date":"2005-10-07T19:49:23","date_gmt":"2005-10-07T17:49:23","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10762"},"modified":"2025-07-14T13:21:51","modified_gmt":"2025-07-14T11:21:51","slug":"johannes-15-18-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-15-18-21\/","title":{"rendered":"Johannes 15, 18-21"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">23. Sonntag nach Trinitatis | 30. Oktober 2005 | Johannes 15, 18-21 | Petra Savvidis |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Vorbemerkung: Der johanneische Dualismus des Textes kann nicht einfach ausgeblendet werden. Eine klare Gegen\u00fcberstellung hilft auch zur eigenen Positionsbestimmung. Allerdings kann eine Predigt auch nicht dabei stehen bleiben, sondern muss den starren Dualismus in ein bewegliches Spannungsverh\u00e4ltnis bringen. Kurz vor dem Reformationstag kommt darum Martin Luther zu Wort, der nicht trennt und nicht vermischt, aber in rechter Weise unterscheidet.<\/p>\n<p>Johannes 15, 18-21 <strong>Jesus sprach zu seinen J\u00fcngern:<br \/>\nWenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat.<br \/>\nW\u00e4ret ihr von der Welt, so h\u00e4tte die Welt das Ihre lieb.<br \/>\nWeil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erw\u00e4hlt habe,<br \/>\ndarum hasst euch die Welt.<br \/>\nGedenkt an das Wort, das ich euch gesagt habe:<br \/>\nDer Knecht ist nicht gr\u00f6\u00dfer als sein Herr.<br \/>\nHaben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen;<br \/>\nhaben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten.<br \/>\nAber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen;<br \/>\ndenn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.<br \/>\n<\/strong><br \/>\nGnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<p><strong>Nicht von dieser Welt<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<br \/>\n\u201eDer ist ja nicht von dieser Welt.\u201c Das sagen wir manchmal.<br \/>\nUnd meinen damit: \u201eDer ist nicht alltagstauglich, der begreift nicht, wie es l\u00e4uft,<br \/>\nnach welchen Regeln hier gespielt wird, wie es zugeht im wirklichen Leben\u201c.<br \/>\nWer \u201enicht von dieser Welt\u201c ist, der ist ein bisschen weltfremd, vertr\u00e4umt, versponnen, idealistisch. Solche Menschen werden gutm\u00fctig bel\u00e4chelt, ihre Ansichten werden geduldig angeh\u00f6rt und dann mit netten Worten abgefangen<br \/>\n\u2013 bestenfalls, und das hei\u00dft, solange sie nicht st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Wenn solche weltfremden Menschen aber anfangen, sich einzumischen in die \u201enormale\u201c Welt und dort ihre Ideen ernsthaft zu vertreten, dann wird es l\u00e4stig.<br \/>\nDann werden sie nicht mehr bel\u00e4chelt, sondern verspottet,<br \/>\nnicht mehr freundlich abgelehnt, sondern barsch zur\u00fcckgewiesen.<br \/>\nWeltfremde Menschen k\u00f6nnen in der Welt bis zu einem gewissen Punkt mit Verst\u00e4ndnis rechnen, sie werden aber l\u00e4stig und sogar gef\u00e4hrlich, wenn sie weltliche Spielregeln in Frage stellen oder Gegenwelten bauen.<\/p>\n<p><strong>Abschied von der Welt<\/strong><\/p>\n<p>Jesus nimmt Abschied von seinen J\u00fcngern. Ohne ihn m\u00fcssen sie jetzt zurechtkommen.<br \/>\nEr kehrt zur\u00fcck zu seinem Vater im Himmel.<br \/>\n\u201eEr war in der Welt, aber die Welt erkannte ihn nicht.\u201c Joh 1,10.<br \/>\n\u201eEr kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.\u201c Joh 1,11.<br \/>\nJesus hat Ablehnung und Hass erfahren, weil die Menschen sein Evangelium von der Gnade und der Liebe Gottes nicht verstanden haben und nicht verstehen wollten.<br \/>\nSeine Botschaft widerspricht den weltlichen Spielregeln,<br \/>\nin seiner Welt z\u00e4hlen nicht Reichtum und Macht, sondern Gro\u00dfmut und Milde.<br \/>\nJesus ver\u00e4nderte die Welt, die Sichtweisen, den Horizont, die Gebote,<br \/>\nnach denen Menschen leben.<br \/>\nEr kam in die Welt und wurde ein Teil von ihr, aber er blieb ein Welt-Fremder.<\/p>\n<p>In seinen Abschiedsworten ruft er die J\u00fcnger in seine N\u00e4he und betont die Verbindung,<br \/>\ndie nicht abrei\u00dfen wird: \u201eBleibt in meiner Liebe\u201c Joh 15,9<br \/>\nEr bereitet sie vor auf die Trennung: \u201eGedenkt an das Wort, das ich euch gesagt habe\u201c.<br \/>\nUnd er beschreibt ihnen, wie ihr Leben nach ihm in der Welt ohne ihn aussehen wird:<br \/>\n\u201eHaben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen.\u201c<br \/>\nIn der Nachfolge Jesu werden sie die Ablehnung erfahren, die er erfahren hat,<br \/>\nsie werden den Hass sp\u00fcren, den er zu sp\u00fcren bekommen hat,<br \/>\nsie werden wie er in der Welt sein, aber zugleich nicht ganz von dieser Welt.<br \/>\n\u201eW\u00e4ret ihr von der Welt, so h\u00e4tte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erw\u00e4hlt habe, darum hasst euch die Welt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Christen in der Welt<\/strong><\/p>\n<p>Jesus macht seinen J\u00fcngern nichts vor: Nachfolge ist m\u00fchsam,<br \/>\nVerfolgung und Feindschaft sind wahrscheinlich, Unverst\u00e4ndnis und Misstrauen sind sicher.<br \/>\nDie Welt wollte ihn nicht und hat ihn ausgeliefert,<br \/>\nund die Welt wird auch seine Gemeinde nicht m\u00f6gen.<br \/>\nWenn sie in seiner Spur bleibt und sich nicht irre machen l\u00e4sst,<br \/>\nwenn sie das Evangelium verk\u00fcndigt,<br \/>\nwenn sie wie Jesus klare Worte findet und sich denen zuwendet, die an der Welt leiden.<\/p>\n<p>An Jesus scheiden sich die Geister. Das war zu seinen Lebzeiten so, das ist bis heute so.<br \/>\nZwischen der Gemeinde und der Welt klafft ein unvers\u00f6hnlicher Gegensatz.<br \/>\nSo h\u00f6ren wir es hier in diesem Text.<br \/>\nJesus hat aber auch andere Worte gefunden.<br \/>\nEr hat davon geredet, dass die Christen ein wichtiger Teil dieser Welt sind,<br \/>\nn\u00e4mlich das Salz der Erde, das Salz in der Suppe.<br \/>\nOder auch: das Licht der Welt, Orientierung und Hoffnungsschimmer in schwierigen Zeiten. Dass Gemeinde und Welt zusammengeh\u00f6ren, weil sie aufeinander angewiesen sind,<br \/>\nauch das hat Jesus gepredigt. Aber:<br \/>\nimmer hat er klar gemacht, dass die Menschen in seiner Nachfolge schwere Wege gehen, gegen den Strom schwimmen, unbequem sind oder sogar unangenehm auffallen.<\/p>\n<p>Christen in der Welt sind anders: Irgendwie haben sie schon einen Fu\u00df im Himmel,<br \/>\nsie sind nicht mehr ganz und gar dieser Welt und ihren Regeln und Geboten verhaftet und verpflichtet. Christenmenschen sind frei, viel freier, als Weltmenschen ihnen das manchmal zugestehen wollen.<\/p>\n<p><strong>Christen f\u00fcr die Welt<\/strong><\/p>\n<p>Martin Luther hat behauptet: \u201eEin Christ ist ein freier Mensch \u00fcber alle Dinge und niemandem untertan, und zugleich ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.\u201c Es bleibt immer wieder spannend, als Christ in der Welt seinen Ort und seine Aufgabe zu finden. Das kann kein unvers\u00f6hnliches Gegeneinander sein, aber auch kein gem\u00fctlicher Schmusekurs.<br \/>\nGerade in unserer Zeit, in der die Kirche neu Profil und Orientierung in der Gesellschaft sucht, kommt es auf die richtige Unterscheidung an.<\/p>\n<p>Es bleibt eine Gratwanderung. Aber gerade heute werden das Zeugnis und der Dienst von Christen gebraucht. In der Welt und f\u00fcr die Welt. In einer heilsamen Distanz, die die Freiheit und die Unabh\u00e4ngigkeit bewahrt. Das richtige Ma\u00df der Distanz zu finden, ist schwierig, aber notwendig. Nur so werden wir als Gemeinde Christi seinem Ruf gerecht. Unbestechlich, frei, nicht ganz von dieser Welt, ein bisschen welt-fremd, aber durch und durch zu Christus geh\u00f6rig.<\/p>\n<p>Martin Luther hat das auf den Punkt gebracht und gesagt, \u201edass ein Christenmensch nicht in sich selbst lebt, sondern in Christus und in seinem N\u00e4chsten; in Christus durch den Glauben, im N\u00e4chsten durch die Liebe \u2026 Sieh, das ist die rechte, geistliche, christliche Freiheit, die das Herz frei macht von allen S\u00fcnden, Gesetzen und Geboten, die alle andere Freiheit \u00fcbertrifft wie der Himmel die Erde.\u201c (Freiheit eines Christenmenschen, 30)<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrerin Dr. Petra Savvidis<br \/>\n59514 Welver-Schwefe<br \/>\n<a href=\"mailto:savvidisp@hotmail.com\">savvidisp@hotmail.com<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>23. 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