{"id":10803,"date":"2005-11-07T19:49:18","date_gmt":"2005-11-07T18:49:18","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10803"},"modified":"2025-07-03T13:23:15","modified_gmt":"2025-07-03T11:23:15","slug":"matthaeus-12-33-37-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-12-33-37-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 12, 33-37"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Bu\u00df- und Bettag | 16. November 2005 | Matth\u00e4us 12,33-37 | Cornelia Coenen-Marx |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Zu dem Pfarrhaus meiner Kindheit geh\u00f6rte ein riesiger Obst- und Gem\u00fcsegarten mit Erbsen und Bohnen, Kartoffeln und Erdbeeren \u2013 und mit Apfelb\u00e4umen. Rotbackige , kleine \u00c4pfel, aus denen meine Mutter Kompott kochte. Und auch Quitten f\u00fcr Gelee. Es gab reiche und karge Apfeljahre, es gab Fr\u00fcchte mit Macken, auch manche, in denen der Wurm war \u2013 aber die allermeisten B\u00e4ume waren gesund und trugen reichlich. Ich liebte diesen Apfelgarten und denke , wenn ich zur\u00fcckblicke, kaum an faule Fr\u00fcchte und tote B\u00e4ume. Aber die gab es nat\u00fcrlich auch.<br \/>\nDie Zeiten meiner Kindheit sind vorbei \u2013 und wenn ich heute auf den Markt oder in den Supermarkt gehe, dann sehe ich \u00fcberhaupt nur noch gute Fr\u00fcchte &#8230; Kein Macken mehr, keine W\u00fcrmer. Alles sieht gl\u00e4nzend aus. Gespritzt und verpackt \u2013 und manche vielleicht sogar gentechnisch ver\u00e4ndert. Nein, noch ist es vor allem Soja und Mais, der gro\u00dffl\u00e4chig transgen behandelt wird \u2013 nicht nur in den USA und Kanada, auch in Argentinien zum Beispiel. Ob das auf Dauer eine Chance hat ? Vielen Menschen sind solche Manipulationen unheimlich.<br \/>\nIst nicht das Echte immer auch gef\u00e4hrdet, hat eben manchmal seine Macken ?<br \/>\nNicht nur bei Obst und Gem\u00fcse z\u00e4hlt in der Mediengesellschaft die Verpackung \u2013 nicht nur hier hat man manchmal das Gef\u00fchl, dass das Echte verdr\u00e4ngt wird und untergeht. Bei all den gro\u00dfen Auftritten die nachhaltige Debatte. Bei all den gro\u00dfen Worten die innere Motivation. So oft sp\u00fcren wir genau, dass Worte und Handeln nicht zusammen passen. Selten wird wahr, was Alfred Herrhausen einst propagierte: dass wir tun, was wir sagen. Und sagen, was wir denken. Dass Denken und Handeln \u00fcbereinstimmen. Wir sind Menschen \u2013 fehlerhaft eben und ganz und gar nicht perfekt \u2013 auch wenn wir versuchen, diesen Eindruck zu erwecken.<br \/>\nAber das kann uns nicht hindern, genau hinzusehen. Damit uns keiner ein x f\u00fcr ein u vormacht \u2013 damit wir uns nicht t\u00e4uschen lassen. Das Wort vom guten Baum, der gute Frucht bringt und vom schlechten Baum , der faule Fr\u00fcchte bringt, verstehe ich als Aufforderung zur Unterscheidung. Nehmt die Fr\u00fcchte in die Hand, bevor Ihr sie kauft und esst \u2013 seht sie Euch genau an. Geht da einer ehrlich mit Euch um ? Kann man sich auf ihn verlassen ? Es ist offenbar gar nicht so einfach, das zu beurteilen. In der konkreten Situation wissen die Pharis\u00e4er nicht so genau, wie sie Jesus beurteilen sollen. Was soll man von einem halten, der am Sabbat heilt und einem Blinden den b\u00f6sen Geist austreibt. Ist er mit dem Satan im Bunde oder mit Gott? Urteilt selbst, sagt Jesus, der gute Baum bringt gute Fr\u00fcchte.<br \/>\nIn unseren Tagen startete eine Initative gegen Ehrenmorde. \u201e Ehre ist, f\u00fcr die Freiheit meiner Schwester zu k\u00e4mpfen\u201c steht auf einer Postkarte, die in Berliner Schulen, Cafes und Jugend\u00e4mtern verteilt wird. Zwei t\u00fcrkische junge M\u00e4nner haben sich daf\u00fcr mit ihren Schwestern fotografieren lassen. \u201eDas Wort Ehre bedeutet mir nicht viel\u201c, sagt Sinan, \u201edie Liebe z\u00e4hlt mehr\u201c. \u201e F\u00fcr meine Eltern, sagt er, ist das aber schwer vorstellbar. Der Vater war sauer, weil er Angst um seinen Sohn hatte. Angst, dass er f\u00fcr diese Provokation bestraft w\u00fcrde. Denn Ehre ist schlie\u00dflich ein hoher Wert. \u2013 Oder doch eine faule Frucht ? Eine Frucht falscher Gesetzlichkeit ?<br \/>\nJesus hat offenbar harte Worte gefunden gegen die Gesetzlichkeit und Hartherzigkeit der Pharis\u00e4er. Und andere haben sich angeschlossen . Solche Jesusworte wurden als Beleg genommen f\u00fcr so manches antijudaistische Vorurteil. Die Gefahr liegt nahe, dass wir uns auf die Seite Jesu schlagen , als w\u00fcssten wir schon, wer Gutes tut und wer B\u00f6ses. Die Gefahr ist gro\u00df, dass wir ganze Gruppen zu S\u00fcndenb\u00f6cken machen \u2013 die Pharis\u00e4er, die T\u00fcrken, die Moslems&#8230; Es k\u00f6nnte sich lohnen, die Auslegungsgeschichte dieses Textes einmal kritisch zu beleuchten.<br \/>\nHeute am Bu\u00df- und Bettag scheint mir die Selbstpr\u00fcfung wichtiger. Gerade wir hier in Deutschland haben zur Zeit allen Anla\u00df dazu.<br \/>\nErwarten wir von der Politik, dass sie uns nur die s\u00fc\u00dfen Fr\u00fcchte zeigt ? W\u00fcnschen wir uns ein Schlaraffenland und ermutigen wir Politik und Medien, uns etwas vorzumachen ?<br \/>\nStrafen wir die ab, die uns in Frage stellen, auf faule Stellen und Macken aufmerksam machen?<br \/>\nWie gehen wir auch mit unseren internationalen Beziehungen um ? Suchen wir S\u00fcndenb\u00f6cke f\u00fcr unsere Wirtschaftssituation ?<br \/>\nNehmen wir Frieden und Wohlstand \u00fcberhaupt noch wahr ?<br \/>\nJesus ermutigt, nicht nur auf den Augenblick zu sehen, sondern auf das Ganze. Auf den Zusammenhang. Ein guter Baum bringt gute Fr\u00fcchte \u2013 aber er braucht auch Pflege<br \/>\nWer in mir bleibt, und ich in ihm &#8211; sagt Jesus an anderer Stelle, der bringt viel Frucht. Ich verstehe das als Aufforderung, auf die Kraft zu achten, die unser Leben und Handeln bestimmt. Ist es der Geist Jesu Christi? Die Liebe zu den Menschen? Die Treue zu seiner Kirche? Welche Rolle spielen Geld und Gesch\u00e4ft, welche Rollen weisen wir uns selbst und anderen zu? Wie gehen wir mit St\u00e4rke und Schw\u00e4che um?<br \/>\nWer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Der wird gute Fr\u00fcchte bringen, auch wenn er einmal f\u00fcr eine Zeit wenig tr\u00e4gt. Weil er an der Quelle lebt. In Gottes Apfelgarten sozusagen. Ich w\u00fcnsche uns, dass wir uns da zu Hause f\u00fchlen und uns freuen, an dem, was er gibt. Auch wenn es manchmal so ganz anders ist, als wir erwarten. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Cornelia Coenen-Marx<br \/>\n<a href=\"mailto:cornelia.coenen-marx@ekd.de\">cornelia.coenen-marx@ekd.de<\/a><br \/>\nHomepage: <a href=\"http:\/\/www.coenen-marx.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.coenen-marx.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bu\u00df- und Bettag | 16. November 2005 | Matth\u00e4us 12,33-37 | Cornelia Coenen-Marx | Zu dem Pfarrhaus meiner Kindheit geh\u00f6rte ein riesiger Obst- und Gem\u00fcsegarten mit Erbsen und Bohnen, Kartoffeln und Erdbeeren \u2013 und mit Apfelb\u00e4umen. Rotbackige , kleine \u00c4pfel, aus denen meine Mutter Kompott kochte. Und auch Quitten f\u00fcr Gelee. 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