{"id":10808,"date":"2005-11-07T19:49:19","date_gmt":"2005-11-07T18:49:19","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10808"},"modified":"2025-07-03T13:31:55","modified_gmt":"2025-07-03T11:31:55","slug":"daniel-12-1b-3-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/daniel-12-1b-3-2\/","title":{"rendered":"Daniel 12, 1b-3"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><span style=\"color: #000099;\">Ewigkeitssonntag | 20. November 2005 | Daniel 12, 1b-3 | Jochen Cornelius-Bundschuh |<\/span><\/h3>\n<p>Predigttext Daniel 12, 1b-3 zum Gedenktag der Entschlafenen<\/p>\n<p><em>&#8222;Zu jener Zeit wird Michael, der gro\u00dfe Engelf\u00fcrst, der f\u00fcr dein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit so gro\u00dfer Tr\u00fcbsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande. Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.&#8220;<\/em><\/p>\n<p align=\"center\">I<\/p>\n<p>Ein Engel erscheint \u00fcber den Gr\u00e4bern, liebe Gemeinde. Es ist Michael, der Engel, der f\u00fcr Gottes Volk eintritt. Eine Lichterscheinung. Die Kreuze, die er ber\u00fchrt, leuchten auf. Die Trauernden, hinter die er tritt, f\u00fchlen sich gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Das Licht, Gottes Licht kommt in die Welt, auch und gerade da, wo wir vor Verzweiflung und Schrecken starr sind. Das Licht leuchtet \u00fcber den Gr\u00e4bern, kommt zu jedem einzelnen Grab. Der Tod ist nicht das Ende. \u201eV iele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen.\u201c Licht leuchtet in die Finsternis.<\/p>\n<p align=\"center\">II<\/p>\n<p>Viele von ihnen, liebe Gemeinde, mussten im vergangenen Jahr von Angeh\u00f6rigen, von Freundinnen und Freunden Abschied nehmen. Bei manchen war es lange vorauszusehen, bei einigen hatte dieser Weg auf den Friedhof nach einer schweren Krankheit eher etwas von Erl\u00f6sung und von Ruhe finden. F\u00fcr andere wieder war es ein gro\u00dfer Schrecken, weil die Krankheit oder der Tod \u00fcberraschend kamen: ein Unfall. Ein Polizist oder ein Seelsorger, der die schreckliche Nachricht \u00fcberbringt. Die Tochter, der Ehemann kommt nicht mehr wieder. Es blieb keine Zeit mehr, Abschied zu nehmen. Alles ist aus.<\/p>\n<p>F\u00fcr Sie alle war dieses Jahr eine Zeit der Trauer. \u201eEin e Zeit so gro\u00dfer Tr\u00fcbsal sein, wie sie nie gewesen ist.\u201c L\u00e4sst sich Trost finden und neue Hoffnung? Manche m\u00fcssen reden und immer wieder reden; andere brauchen die Ruhe, gehen die Stationen des gemeinsamen Lebens noch einmal entlang; suchen zu kl\u00e4ren, was vielleicht vor dem Tod nicht mehr zu kl\u00e4ren war.<\/p>\n<p>Der Gang auf den Friedhof ist eine der Formen, Abschied zu nehmen. Einen Ort zu haben, an dem wir traurig sein k\u00f6nnen, an dem wir noch einmal Zwiesprache halten k\u00f6nnen, an dem wir \u00fcber die Bedeutung der Verstorbenen f\u00fcr uns nachdenken k\u00f6nnen. Das ist gut! Und manchmal ist der Friedhof auch ein Ort, sich gegenseitig zu tr\u00f6sten, anderen Menschen zu begegnen, die in einer \u00e4hnlichen Situation sind, miteinander traurig zu sein.<\/p>\n<p align=\"center\">III<\/p>\n<p>Michael macht es hell \u00fcber den Gr\u00e4bern! Und \u201ealle, die im Buch des Lebens geschrieben stehen und unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen.\u201c Das ist eine gro\u00dfe Verhei\u00dfung \u2013 und ein Trost. Ja, Gott \u00fcberl\u00e4sst die Verstorbenen nicht dem Tod. Es gibt ein Erwachen. Mit schnellen, gro\u00dfen Schritten schreitet die Lichtgestalt \u00fcber das Gr\u00e4berfeld, scheint dahin und dorthin zu fassen, an dieses Kreuz, an jenen Grabstein. Und alles, was der Engel ber\u00fchrt, strahlt auf, wo der Engel seinen Blick hinrichtet, tun sich die Gr\u00e4ber auf.<\/p>\n<p>Viele Maler haben diese Szene gemalt; auf vielen Alt\u00e4ren ist dieses Motiv zu sehen. Die Gr\u00e4ber \u00f6ffnen sich und die Menschen steigen daraus hervor. Zwischen Himmel und Erde ist Bewegung. Es schwirrt von himmlischen Wesen und von aufwachenden Menschen.<\/p>\n<p>Doch ihr Weg teilt sich! Da f\u00fchrt eine Leiter oder Treppe in den Himmel, ins ewige Leben. Und auf der anderen Seite tut sich ein Loch auf: gro\u00df, schwarz und feurig! \u201e Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.\u201c<\/p>\n<p align=\"center\">IV<\/p>\n<p>Was wird aus unseren Verstorbenen? Welcher Weg liegt vor ihnen? Und welcher Weg liegt vor mir, vor uns? Kann unser Gott, der liebende Gott, der Gott, der das Verlorene sucht und immer wieder neu aufrichtet, schickt dieser barmherzige Gott uns wirklich ins Gericht? Und woran entscheidet sich, welchen Weg wir gehen m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Heinz R\u00fchmann hat uns als Hauptmann von K\u00f6penick heiter und humorvoll an das Endgericht erinnert. Dann, wenn jeder und jede f\u00fcr sich antworten muss, f\u00fcr sich gerade stehen muss. \u201eUnd denn, denn stehste vor Gott, dem Vater, &#8230; vor dem stehste denn, und der fragt dir ins Jesichte: Willem Voigt, was haste jemacht mit dein Leben? Und da mu\u00df ick sagen &#8211; Fu\u00dfmatte, mu\u00df ich sagen. Die hab ick geflochten im Jef\u00e4ngnis, und dann sind se alle drauf rumgetrampelt, mu\u00df ick sagen. Und zum Schlu\u00df haste jer\u00f6chelt und jew\u00fcrcht, um det bi\u00dfchen Luft, und dann wars aus. Det sagtse vor Gott, Mensch. Aber der sagt zu dir: Jeh wech! Sagt er! Ausweisung! Sagt er! Daf\u00fcr hab ick dir det Leben nich jeschenkt, sagt er!\u201c<\/p>\n<p>Willem Voigt, der Hauptmann von K\u00f6penick hat es geschafft, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen und noch mal etwas aus seinem Leben zu machen. Kann er damit vor Gott bestehen? Wie wird es ihm gehen im Gericht? Ich wei\u00df die Antwort nicht.<\/p>\n<p>Aber ich wei\u00df, dass nicht nur ich Lasten mit mir herum trage: Geheimnisse und Sorgen, Streitpunkte, die ich nicht kl\u00e4ren konnte. Ich bin anderen manches schuldig geblieben. Ich habe \u00fcberlegt: das m\u00fcsstest du endlich mal kl\u00e4ren, mit demjenigen m\u00fcsstest du dich aussprechen, bei derjenigen dich entschuldigen. Und pl\u00f6tzlich ist es zu sp\u00e4t. Wenn Michael kommt: kann ich bestehen vor Gott?<\/p>\n<p align=\"center\">V<\/p>\n<p>Ich wei\u00df keine Antwort. Aber ich vertraue auf Jesus. Ich glaube, dass er da sein wird, wenn sich die Gr\u00e4ber auftun. Und dass er jubeln wird mit denen, die in den Himmel aufsteigen \u2013 und um jedem k\u00e4mpfen wird, der in Schmach und Schande st\u00fcrzen soll.<\/p>\n<p>Jesus wei\u00df darum, wie schwach wir sind; nicht nur schwach, auch falsch und b\u00f6se und unfair und ungerecht. Die J\u00fcnger haben ihn verlassen, verraten, einer hat ihn verkauft. Menschen haben ihn geschlagen, ermordet. Er wei\u00df, wie schrecklich der Tod ist, wie traurig und grausam. Und liebt diejenigen doch, die sich auf den falschen Weg machen will sie zur\u00fcck holen, k\u00e4mpft um jeden und jede einzelne. Und versucht, das Loch, das in die H\u00f6lle f\u00fchrt, zu verstopfen.<\/p>\n<p>Ob es ihm gelingt? Ich hoffe es, ich glaube es. Ich vertraue darauf, dass Jesus unsere Verstorbenen und uns hinauf f\u00fchren wird in den Himmel, in sein ewiges Reich.<\/p>\n<p align=\"center\">VI<\/p>\n<p>Ist Daniels Bild also \u00fcberholt? Ist es sinnlos geworden, seit Jesus von den Toten auferstanden ist und Gott sich ein f\u00fcr alle mal festgelegt hat: ich bin Gott f\u00fcr euch! Ich will euer Leben, euer ewiges Leben!<\/p>\n<p>\u201eWillem Voigt, was haste jemacht mit dein Leben?\u201c Jesus steht daf\u00fcr ein, dass wir am Ende den Weg in sein Reich finden. Doch dieses Reich ist zuvor schon unter uns. Die Kraft seiner Liebe ver\u00e4ndert unser Leben heute schon. Gerade im Angesicht von Sterben und Trauer und Tod.<\/p>\n<p>Wer heute schon aus der Kraft von Jesu Liebe lebt, macht die Welt heute schon heller. W er ausharrt am Bett eines Sterbenden und Trost spendet, wer die Hand h\u00e4lt, zuh\u00f6rt, einfach da ist \u2013 bringt den Glanz des Himmels in unsere Welt.<\/p>\n<p>Wer ein Ohr und ein Herz hat f\u00fcr die, die Wand an Wand wohnen. Wer merkt, wenn der Nachbarin der Schuh dr\u00fcckt. Wer nicht vorbeigeht, wer fragt, kann ich helfen, willst du dich mal aussprechen \u2013 bringt den Glanz des Himmels in unsere Welt.<\/p>\n<p>Wer sein Herz und seine Hand \u00f6ffnet auch f\u00fcr die, die fremd sind. F\u00fcr die, die uns unsympathisch sind, die uns ver\u00e4rgert haben, die schlecht \u00fcber uns reden. Wer vergeben kann denjenigen, die an ihm schuldig geworden sind und um Verzeihung bitten kann bei denen, denen er nicht gerecht geworden ist\u2013 bringt den Glanz des Himmels in unsere Welt.<\/p>\n<p>Da ist ein Leuchten in der Welt, der Glanz des Himmels breitet sich. Menschen verlieren die Angst: Kann ich bestehen vor Gott? Sie sp\u00fcren Gottes Liebe und erfahren: Gottes Gerechtigkeit tr\u00e4gt mich im Leben und im Sterben.<\/p>\n<p align=\"center\">VII<\/p>\n<p>Wir wissen nicht, was aus uns wird, wenn der Engel Michael durch das Gr\u00e4berfeld schreitet und sich die Gr\u00e4ber auftun. Wenn Gott alles in allem ist und seine Liebe den Tod \u00fcberwindet. Wir wissen es nicht, aber wir schauen auf Jesus und vertrauen ihm. Er tritt f\u00fcr uns ein. Er k\u00e4mpft darum , dass wir das ewige Leben ererben. Dass sich am Ende der Glanz des Himmels auf unserem Gesicht zeigen wird.<\/p>\n<p>Dieses Vertrauen, dass Jesus uns durch das Gericht in das ewige Leben f\u00fchrt, macht uns nicht gleichg\u00fcltig, sondern g\u00fctig und liebevoll im Miteinander. Wir geben die Liebe Gottes weiter; teilen die Sorgen, die Trauer, die Not. St\u00e4rken uns. Machen uns Mut. Lehren uns gegenseitig auf Gottes Liebe zu vertrauen.<\/p>\n<p>Die Lasten, die wir nicht zu tragen verm\u00f6gen, die Streitereien, die wir nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen, das, was wir einander schuldig bleiben, \u00fcberlassen wir Jesus. Er bringt die ungel\u00f6sten und belastenden Dinge zu seinem Vater, vertraut uns und unsere Verstorbenen der Liebe Gottes und seiner Barmherzigkeit an.<\/p>\n<p>Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, und werden leuchten wie des Himmels Glanz und wie die Sterne immer und ewiglich.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh<br \/>\nGesundbrunnen 10<br \/>\n34369 Hofgeismar<br \/>\n<a href=\"mailto:cornelius-bundschuh@ekkw.de\"> cornelius-bundschuh@ekkw.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ewigkeitssonntag | 20. 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