{"id":10809,"date":"2005-11-07T19:49:17","date_gmt":"2005-11-07T18:49:17","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10809"},"modified":"2025-07-03T13:33:10","modified_gmt":"2025-07-03T11:33:10","slug":"lukas-12-42-48-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-12-42-48-3\/","title":{"rendered":"Lukas 12, 42-48"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">Ewigkeitssonntag | 20. November 2005 | Lukas 12, 42-48 | Wolfgang V\u00f6gele |<\/span><\/h3>\n<p><em>\u201eDer Herr aber sprach: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr \u00fcber seine Leute setzt, damit er ihnen zur rechten Zeit gibt, was ihnen zusteht? Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn \u00fcber alle seine G\u00fcter setzen. Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht, und f\u00e4ngt an, die Knechte und M\u00e4gde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich vollzusaufen, dann wird der Herr dieses Knechtes kommen an einem Tage, an dem er&#8217;s nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn in St\u00fccke hauen lassen und wird ihm sein Teil geben bei den Ungl\u00e4ubigen. Der Knecht aber, der den Willen seines Herrn kennt, hat aber nichts vorbereitet noch nach seinem Willen getan, der wird viel Schl\u00e4ge erleiden m\u00fcssen. Wer ihn aber nicht kennt und getan hat, was Schl\u00e4ge verdient, wird wenig Schl\u00e4ge erleiden. Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.\u201c<\/em><\/p>\n<div align=\"left\">\n<p align=\"center\">1.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, geteilte Trauer ist gelinderte Trauer. Gut, da\u00df es einen Sonntag am Ende des Kirchenjahres gibt, zur Erinnerung an die Toten des vergangenen Jahres. Gemeinsam, nicht nur im Kreis der Verwandten und Bekannten, denken wir an diejenigen, die im Verlauf des letzten Jahres gestorben sind. Niemand kann das leugnen: Wer \u00fcber einen ihm lieb gewordenen Menschen trauert, der stirbt in seinem Schmerz dar\u00fcber ein kleines St\u00fcck seines eigenen Todes. Die Trauer \u00fcber den Tod des geliebten Anderen und die Furcht vor dem eigenen Tod sind wie ein Amalgam verbunden, bis sie nicht mehr voneinander getrennt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nUnd bei dieser Verbindung setzt auch der Predigttext aus dem Lukasevangelium an. Vorbereitung lautet das Stichwort, das der nennt.<br \/>\nWas hei\u00dft es sich vorzubereiten?<br \/>\nKann sich ein Mensch auf den Tod vorbereiten?<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, dar\u00fcber will ich mit ihnen nachdenken, nicht in Lehrs\u00e4tzen, sondern in Geschichten, Erz\u00e4hlungen und Beispielen.<\/p>\n<p align=\"center\">2.<\/p>\n<p align=\"left\">Annika, die zwanzig Jahre alte Sportstudentin l\u00e4uft in ruhigem Tempo eine Runde nach der anderen auf der Aschenbahn. Danach folgen kurze Sprints, jeweils hundert Meter, dazwischen immer wieder Pausen, damit der Pulsschlag sich normalisiert. Jeden Tag nimmt Annika die M\u00fchen und Plagen des Trainings auf sich, in der Regel neunzig Minuten lang. Sie bereitet sich auf einen wichtigen Wettkampf vor: Die Meisterschaft will sie gewinnen. Je besser sie vorbereitet und trainiert ist, desto gr\u00f6\u00dfer sind ihre Chancen auf den gro\u00dfen Erfolg.<\/p>\n<p>Christian, der Student, hat im Moment keine Zeit f\u00fcr Sport. Tag f\u00fcr Tag hockt er in der Bibliothek hinter Bergen von B\u00fcchern. Nur \u00fcber Mittag geht er f\u00fcr zwanzig Minuten hin\u00fcber in die Mensa, um sich zu st\u00e4rken. Kino- und Kneipenbesuche sind in der Vorbereitungszeit auf das Examen gestrichen. Alle Gedanken Christians sind auf die Pr\u00fcfungen gerichtet, die in vier Wochen beginnen. Nur wer gut vorbereitet ist, kann seine Chancen auf eine gute Note wahren.<\/p>\n<p>F\u00fcr Sportler und Studierende ist eine gute Vorbereitung das Geheimnis ihres Erfolgs. Vorbereitung, das bedeutet f\u00fcr Annika und Christian: Trainieren, \u00dcben, den Stoff bew\u00e4ltigen, sich das aneignen, was in der entscheidenden Situation, in der Klausur oder im Wettkampf verlangt wird: Muskelkraft und Geisteskraft, Denkf\u00e4higkeit und Bewegungsf\u00e4higkeit, Reaktionsschnelligkeit, Ausdauer und Schnelligkeit.<\/p>\n<p>Vorbereitung ist f\u00fcr die beiden vor allem \u00dcbung, aber auch ein besonderer Umgang mit der Zeit. Wer sich vorbereitet, auf einen Wettkampf, auf ein Examen, auf die Hochzeit oder auf ein sonst wichtiges Ereignis in seinem Leben, wer sich vorbereitet, der nimmt die Zukunft in seine Gegenwart hinein. Er konzentriert seine gesamte Energie in der Gegenwart, um ein Ereignis in der Zukunft m\u00f6glichst erfolgreich zu bew\u00e4ltigen. Er wird den Wettkampf oder die Klausur in Gedanken immer wieder durchspielen. Was k\u00f6nnte geschehen? Auf welche Fragen mu\u00df ich vorbereitet sein? Welche taktischen Finten k\u00f6nnten meine sportlichen Gegner vorbereitet haben?<\/p>\n<p>Gute Vorbereitung verringert die Angst vor dem Wettkampf oder vor der Pr\u00fcfung, auch wenn sie sich nicht vollst\u00e4ndig beseitigen l\u00e4\u00dft. Wer wei\u00df, was er kann, wird gelassener und selbstbewusster mit Spannung und Lampenfieber umgehen. Sich nicht vorzubereiten, ist t\u00f6richt. Ohne \u00dcbung und Wissen l\u00e4\u00dft sich kein Examen bestehen und kein Wettkampf gewinnen. Wer nicht vorbereitet ist, mu\u00df gew\u00e4rtig sein, da\u00df er \u00fcberrumpelt oder \u00fcberrascht wird. Er wird mit einer Situation konfrontiert, die er gedanklich nicht durchgespielt hat. Aber in Situationen der Spannung \u2013 wie bei einem Examen oder Wettkampf \u2013 ist oft keine Zeit, lange nachzudenken. Wer zu lange nachdenkt, verliert wertvolle Zeit.<\/p>\n<p>Vorbereitung ist ein Weg, die Zukunft in die Gegenwart hineinzuholen und sie vorwegzunehmen. Vorbereitung findet in der Gegenwart statt und ist auf Zukunft ausgerichtet. Gut vorbereitet sein ist eine Haltung der Weisheit und Klugheit.<\/p>\n<p align=\"center\">3.<\/p>\n<p align=\"left\">Annegret Richter war 35 Jahre lang Grundschullehrerin; nun ist sie 68 Jahre alt und lebt in Rente in einer kleinen Stadt in Baden-W\u00fcrttemberg. Ihr Mann ist vor vier Jahren gestorben. Ihre beiden T\u00f6chter wohnen mit ihren Familien in derselben Stadt. Frau Richter hat sich mit ihrem Leben arrangiert, sie wei\u00df, was sie will. Was sie nicht \u00e4ndern kann, tr\u00e4gt sie mit Humor und Gelassenheit. Frau Richter engagiert sich seit einigen Jahren in der evangelischen Gemeinde, besucht w\u00f6chentlich den Altenkreis und sonntags den Gottesdienst. Alle vierzehn Tage macht sie im Kreiskrankenhaus Besuche bei Patienten. Die Namen der Patienten bekommt sie vom Krankenhauspfarrer, der diesen Besuchsdienst organisiert. Viele Patienten begleitet sie geduldig \u00fcber die langen Wochen ihres Krankenhausaufenthaltes \u2013 bis sie wieder entlassen werden. Manche von ihnen sind aber auch schon gestorben. Alle Frauen des Besuchsdienstkreises haben mit dem Krankenseelsorger \u00fcber das Thema Tod gesprochen. Sie wollen in den Gespr\u00e4chen mit den Kranken vorbereitet sein. Und Frau Richter nahm das zum Anla\u00df, sich mit dem eigenen Tod auseinandersetzen. Sie las B\u00fccher, sie sprach dar\u00fcber mit ihren besten Freundinnen und mit ihren T\u00f6chtern. Nach einer Zeit des Nachdenkens wusste sie, was sie tun musste, und sie kam zu einer Entscheidung.<\/p>\n<p>Sie ging mit ihren T\u00f6chtern zu einem Notar und setzte ein Testament auf. Aus dem Internet lud sie sich von der Website der Landeskirche eine Patientenverf\u00fcgung<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"> (1) <\/a> herunter, druckte sie aus und unterschrieb sie. Und sie lud die Pfarrerin zu einer Tasse Kaffee ein, um mit ihr \u00fcber ihre Beerdigung zu sprechen. Zuerst war ihr das peinlich, aber die Pfarrerin reagierte verst\u00e4ndnisvoll. Es entwickelte sich ein langes, intensives Gespr\u00e4ch, und gemeinsamen schrieben sie Bibeltexte und Chor\u00e4le auf, die bei Frau Richters Beerdigung gesungen werden sollten. Sie legten auch fest, welcher Bibelvers auf dem Grabstein stehen w\u00fcrde. Das Blatt schob Frau Richter in ein Kuvert, klebte es zu und legte es in die Schublade ihres Nachttischs, unter die Patientenverf\u00fcgung. Eine Woche sp\u00e4ter erz\u00e4hlte sie den T\u00f6chtern, wo sie f\u00fcr den Fall der F\u00e4lle die Patientenverf\u00fcgung und die Beerdigungsw\u00fcnsche finden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Patientenverf\u00fcgung, Testament, W\u00fcnsche f\u00fcr die eigene Beerdigung \u2013Frau Richter ist auf den Tod vorbereitet. Sie hat getan und bedacht, was vern\u00fcnftig ist: Das Testament regelt, wie das verteilt wird, was sie besitzt. Sie will nicht, da\u00df ihre beiden T\u00f6chter sich um den Nachla\u00df streiten. Das Blatt mit den Chor\u00e4len und Bibeltexten sorgt daf\u00fcr, da\u00df der Beerdigungsgottesdienst etwas von dem widerspiegelt, was Frau Richter im Leben wichtig und teuer war. Die Patientenverf\u00fcgung schlie\u00dflich garantiert, da\u00df Frau Richters Wille in Sachen medizinischer Betreuung auch dann befolgt wird, wenn sie sich selbst nicht mehr dazu \u00e4u\u00dfern kann, weil sie zum Beispiel im Koma liegt oder bewusstlos ist. Was formal zu tun ist, hat die sympathische Frau Richter getan, ganz unerschrocken und ohne Wehleidigkeit hat sie f\u00fcr die Zeit nach ihrem Tod gesorgt. Aber trotzdem die Frage: Ist sie damit auf den Tod vorbereitet?<\/p>\n<p align=\"center\">4.<\/p>\n<p align=\"left\">Neben der Sportlerin, dem Examenskandidaten und der pensionierten Lehrerin f\u00e4llt mir noch der Pfarrer Harald Poelchau<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"> (2) <\/a> ein. Poelchau, ein Sch\u00fcler Paul Tillichs, erhielt 1933, kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, die Berufung zum Gef\u00e4ngnispfarrer in der Haftanstalt Berlin-Tegel. Er ahnte damals nicht, was auf ihn zukam: Weit \u00fcber 1000 Gefangene begleitete er auf dem Weg zur Hinrichtung, zu den Erschie\u00dfungskommandos f\u00fcr Kriegsgefangene, unter den Galgen und vor das Schafott. Er bereitete Menschen auf den Tod vor, die gar nicht sterben wollten. Poelchau selbst war Mitglied des Kreisauer Kreises und half mit, ohne gro\u00df Aufhebens davon zu machen, verfolgte Juden zu verstecken oder ihnen die illegale Ausreise zu erm\u00f6glichen. Es ist anr\u00fchrend zu h\u00f6ren, wie Poelchau von den Gespr\u00e4chen mit den zum Tode Verurteilten erz\u00e4hlt. F\u00fcr eine Gruppe verurteilter norwegischer Kriegsgefangener besorgte er eigens eine Flasche ihres geliebten Lebertrans. \u00dcber die Gespr\u00e4che mit den Verurteilten hat er sonst nie viele Worte verloren. Dennoch wird aus seinen Notizen deutlich: Er war keiner, der im Augenblick des Todes missionierte. Er war einer, der sich einlie\u00df und versuchte, letzte kleine Bitten zu erf\u00fcllen: von der Zigarette bis zur Formulierungshilfe beim Abschiedsbrief an die Ehefrau. Zwischen den Zeilen seiner Notizen schwingt unausgesprochen mit, welche unmenschliche Belastung diese Gespr\u00e4che gewesen sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Es gibt eine Vorbereitung auf den Tod, in der sich Abgr\u00fcnde der Verzweiflung auftun. Poelchau wurde als Gef\u00e4ngnisseelsorger zum vehementen Gegner der Todesstrafe.<\/p>\n<p align=\"center\">5.<\/p>\n<p align=\"left\">Vorbereitung klingt nach strenger \u00dcbung, endloser Wiederholung und gro\u00dfer Anstrengung, nach Geduld und Disziplin, dem fehlt der Geschmack von Erleichterung, Mu\u00dfe und leichtem Leben. Wer sich vorbereitet, der will in der Regel auch den Zeitpunkt wissen, an dem das Ereignis eintritt, f\u00fcr das seine Vorbereitung nutzen soll.<\/p>\n<p>Aber wer sich im Leben auf den Tod vorbereitet, wei\u00df in der Regel nicht, wann ihn der Tod erwartet. Normalerweise wird er inst\u00e4ndig hoffen, da\u00df der Tod sich noch so lange wie m\u00f6glich hinausz\u00f6gert. Aus der Geschichte vom klugen und treuen Verwalter, die Jesus erz\u00e4hlt, h\u00f6re ich zwei grundlegende Einsichten heraus. Die erste Einsicht: Klug und weise ist es, sich auf den Tag vorzubereiten, an dem der Besitzer zur\u00fcckkommt. Und die zweite Einsicht: Niemand kann den genauen Tag vorhersehen.<\/p>\n<p>Beides hat die christliche Theologie immer auf den Tod bezogen. Bereite dich vor, denn Du kennst Deinen Todestag nicht! Darum entwickelte die weisheitliche Theologie des Mittelalters eine eigene Lebenslehre, die ars moriendi, die das Leben als Vorbereitung auf den Tod verstand. Der Tod als die Grenze am Ende des Lebens wirkt sich bis in die jeweilige Gegenwart hinein aus. Denn die christliche Lebens- und Sterbekunst sagte: Lebe so, da\u00df jeder Tag dein letzter sein k\u00f6nnte. Der Tod verlieh dem allt\u00e4glichen Leben einen gro\u00dfen und gewissenhaften Ernst. Der Gedanke an den Tod, seine Vorwegnahme sollte aus dem Leben alles Uneigentliche, alles \u00dcberfl\u00fcssige, alles Abschweifende vertreiben. Im vorauslaufenden Gedanken an den Tod war das Leben Vorbereitung und Ein\u00fcbung. Was man aber eigentlich \u00fcbte, war das Leben. Die Vorbereitung auf den Tod war eine \u00dcbung im Leben. Denn der Gedanke an den Tod, so paradox das klingen mag, intensiviert das Leben, er verdichtet, konzentriert es, macht es lebendiger. Wer an den Tod denkt, meint nicht zuletzt das Leben. Beides ist st\u00e4rker miteinander verschlungen, als uns das gelegentlich zu Bewu\u00dftsein kommt.<\/p>\n<p align=\"center\">6.<\/p>\n<p>Gelungene Sterbens- und Lebenskunst wendet den Tod ins Leben hinein: Sie meint Konzentration und Intensivierung des Lebens ebenso wie den ganz n\u00fcchternen Gedanken an Patientenverf\u00fcgung, Testament und die eigene Beerdigung. Und ein Drittes kommt hinzu.<\/p>\n<p>Der Tod markiert das Ende des Lebens, eine Grenze, die Angst und Furcht macht. Niemand wei\u00df, was sich hinter dieser Grenze befindet. Die Vorbereitung christlicher Lebens- und Sterbekunst gilt also einem Ereignis, \u00fcber das niemand Genaues sagen kann. Genau diese Ungewi\u00dfheit macht jedem Menschen angst. Und gerade hier, an diesem Punkt, der f\u00fcr alle, die sterben m\u00fcssen, am schwierigsten einzusch\u00e4tzen und zu ertragen ist, bringt christliche Lebens- und Sterbekunst eine entscheidende Wendung. Der Gott, der mit seinem Segen jeden Menschen durch sein Leben begleitet, verl\u00e4\u00dft den Menschen im Tod nicht. Die Zuwendung Gottes reicht \u00fcber den Tod des Menschen hinaus, sie reicht sozusagen durch das Sterben und den Tod hindurch. Wer glaubt, kann das sagen, weil Jesus Christus jedem Menschen in seinem Tod vorausgegangen ist. Wie jeder Mensch ist Jesus von Nazareth gestorben, er ist uns allen in seinem Tod vorausgegangen. Und mehr noch: In seiner Auferstehung hat Jesus diesen Tod \u00fcberwunden.<\/p>\n<p>Christliche Lebens- und Sterbekunst legte darum immer gro\u00dfen Wert auf das Meditieren und Nachdenken \u00fcber den leidenden, sterbenden, gekreuzigten Christus. Das ist auch deshalb wichtig, weil viele Menschen nach dem Tod ein Gericht \u00fcber ihr Leben erwarten. In der Erz\u00e4hlung vom klugen Verwalter hei\u00dft es am Ende: \u201e Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.\u201c Der Mensch mu\u00df Rechenschaft ablegen f\u00fcr sein Leben vor Gott, aber Gott f\u00e4llt kein unbarmherziges Urteil \u00fcber den Menschen. Auch das geh\u00f6rt zur Vorbereitung auf den Tod dazu: Wir erwarten kein strenges und liebloses, sondern ein barmherziges Gericht. Und das nimmt dem Tod von seiner Unerbittlichkeit.<\/p>\n<p>Wer sich vorbereiten will auf seinen Tod, ihn ins Leben hineinnehmen will, der mu\u00df den Gott der Bibel kennenlernen, der den Menschen auch im Tod nicht vergi\u00dft. Gott begegnet in der Bibel nicht nur als Fordernder, sondern auch als Vergebender und G\u00fctiger. Denken Sie an die Geschichte vom verlorenen Sohn oder an die Geschichte des Z\u00f6llners Zach\u00e4us. Gott begegnet in der Bibel als Fordernder und als Barmherziger, als Richter und als Retter und nicht zuletzt &#8211; und das ist das wichtigste &#8211; als einer, der sich vom Schicksal und vom Handeln der Menschen bewegen l\u00e4\u00dft, in ihrem Leben, in ihrem Sterben und in ihrem Tod. Darum greift sein rettendes und gerecht machendes Handeln segnend, \u00fcberwindend und barmherzig \u00fcber die Schablonen von Leistung und Fehlleistung hinaus. Das gilt im Tod wie auch im Leben. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a> (1) Zum Beispiel <a href=\"http:\/\/www.ekd.de\/patientenverfuegung\/patientenverfuegung.html\">http:\/\/www.ekd.de\/patientenverfuegung\/patientenverfuegung.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><\/a> (2) Dazu Wolfgang V\u00f6gele, Gottes gro\u00dfz\u00fcgige Ma\u00dfst\u00e4be. Gef\u00e4ngnisseelsorge bei Harald Poelchau und moderner Justizvollzug, in: L.Mehlhorn (Hg.), Ohr der Kirche, Mund der Stummen. Harald Poelchau, Berliner Begegnungen 4, Berlin 2004, 98-105.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"margin-bottom: 0.21cm;\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: small;\"><strong>PD Dr. Wolfgang V\u00f6gele<br \/>\nGoldaper Str.29<br \/>\n12249 Berlin<br \/>\nMail:\u00a0 <a title=\"mailto:wolfgang.voegele@aktivanet.de\" href=\"mailto:wolfgang.voegele@aktivanet.de\">wolfgang.voegele@aktivanet.de<\/a><\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ewigkeitssonntag | 20. November 2005 | Lukas 12, 42-48 | Wolfgang V\u00f6gele | \u201eDer Herr aber sprach: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr \u00fcber seine Leute setzt, damit er ihnen zur rechten Zeit gibt, was ihnen zusteht? Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht. 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