{"id":10810,"date":"2005-11-07T19:49:15","date_gmt":"2005-11-07T18:49:15","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10810"},"modified":"2025-07-03T13:34:33","modified_gmt":"2025-07-03T11:34:33","slug":"daniel-12-1b-3-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/daniel-12-1b-3-4\/","title":{"rendered":"Daniel 12, 1b-3"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Ewigkeitssonntag | 20. November 2005 | Daniel 12, 1b-3 | Angelika \u00dcberr\u00fcck |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Wir haben am Anfang dieses Gottesdienstes noch einmal die Namen aller derer geh\u00f6rt, die im letzten Kirchenjahr aus unserer Gemeinde gestorben sind. Dabei haben wir f\u00fcr jeden eine Kerze angez\u00fcndet. Das macht betroffen. Dieser Sonntag ist bedr\u00fcckend: Er erinnert uns noch einmal an die schwersten Stunden des vergangenen Jahres. Wir erinnern uns an die Gesichter, die vor einem Jahr noch unter uns lebten. Wir erinnern uns noch einmal an gemeinsame Erlebnisse und Begebenheiten. Wir erinnern uns an die Situation des Abschieds. An das, was wir sagen und tun konnten und an das, was offen geblieben ist. Alte Wunden brechen auf. Die Erfahrung von Ohnmacht und Trauer wird wieder lebendig.<\/p>\n<p>Der Tod hat viele Pl\u00e4ne zunichte gemacht. Er hat Gemeinsamkeiten zerst\u00f6rt. Hoffnungen mussten begraben werden. Der Tod ist und bleibt ein tiefer Einschnitt und stellt unser Leben in Frage. Was ist eigentlich wirklich wichtig? Wie kann ich weiterleben?<\/p>\n<p>Unser Predigttext heute enth\u00e4lt viele alte Bilder. Aber auf den ersten Blick wirken die alten Bilder nicht tr\u00f6stlich, ganz im Gegenteil. Wir w\u00fcnschen uns Trost. Ich m\u00f6chte Sie einladen, sich mit diesen alten Bildern zu besch\u00e4ftigen, um zu erfahren, was sie uns angesichts unserer Trauer sagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Da ist das erste Bild vom Gericht Gottes am Ende der Zeiten. Gott wird trennen zwischen denen, die zum ewigen Leben erw\u00e4hlt sind und denen, die zu ewiger Schmach und Schande bestimmt sind. Sie kennen sicher Darstellungen des Gerichtes auf Alt\u00e4ren, wo Gott als Richter thront, auf der einen Seite fr\u00f6hliche Menschen, auf der anderen Seite die Verdammten, die manchmal sogar als Skelette dargestellt sind. Auf der einen Seite die, die alles gewinnen und auf der anderen Seite die, die alles verlieren. Es sind Bilder, die uns vor Augen f\u00fchren, dass es gutes und gelungenes Leben gibt und eines, dass nicht vor Gott bestehen kann.<\/p>\n<p>So lange wir nicht selbst betroffen sind, sieht man sich diese Bilder an oder h\u00f6rt die Worte: &#8222;Viele, die in der Erde schlafen, werden erwachen, die einen zu unverg\u00e4nglichem Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande.&#8220; Aber wenn wir dar\u00fcber nachdenken, was mit unseren Angeh\u00f6rigen ist und sp\u00e4ter auch einmal mit uns, dann ruft dieses Bild \u00c4ngste hervor. Und es macht betroffen<em>.<\/em> Die Teilung in die, die vor Gott bestehen k\u00f6nnen und die, die nicht bestehen, ist schwer zu ertragen. Denn es stellt uns vor die Frage: werden wir, werden unsere Verstorbenen zu denen geh\u00f6ren, die auferstehen? Oder werden wir zu denen geh\u00f6ren, die verdammt sind?<\/p>\n<p>Menschen haben immer wieder mit guten Taten versucht, zu denen zu geh\u00f6ren, die auserw\u00e4hlt sind. Aber was ist gut? K\u00f6nnen wir das eigentlich ermessen? Was ist eigentlich das Wichtige, das Gute an einem Menschenleben? Welche Kriterien legt Gott an? Wir \u00fcberlegen, welche Taten denn ausreichen w\u00fcrden, um am Ende zu denen zu geh\u00f6ren, die ein gelungenes Leben gef\u00fchrt haben. Reicht es, jeden Tag eine gute Tat zu tun? Reicht es, ab und an mal in den Gottesdienst zu gehen? Reicht es, nett zu den Nachbarn zu sein und keinen Streit mit ihnen zu haben? Und was ist, wenn es Streit gab in der Familie, im Freundeskreis, im Ort? Geh\u00f6rt man dann automatisch zu denen in Schmach und Schande?<\/p>\n<p>Sie merken, diese Fragen k\u00f6nnen uns verr\u00fcckt machen. Sie helfen uns nicht weiter in unserer Trauer, in unserem Abschied-Nehmen.<br \/>\nDiese Fragen nicht und auch das Bild von den Erw\u00e4hlten und den Verlierern nicht.<br \/>\nAber was soll dieses Bild dann, was will es uns dann sagen?<\/p>\n<p>F\u00fcr mich liegt der Sinn dieses Bildes vor allem darin, uns aufmerksam zu machen. Es will uns sagen, dass ich mein Leben vertun kann. Nicht jedes Leben ist ein gelungenes Leben, nicht jedes Leben ist gut und sinnvoll. Aber auch das tr\u00f6stet noch nicht. Denn dabei bleibt eine Frage: Wie kann unser Leben denn gelingen?<br \/>\nZum Gl\u00fcck ist der Predigttext hier noch nicht zu Ende.<\/p>\n<p>Er enth\u00e4lt vielmehr ein zweites Bild. Eines, das durchaus positiv ist und mir Trost gibt. Es sagt: unsere Namen sind im Buch des Lebens aufgeschrieben. Wenn Sie heute \u00fcber den Friedhof gehen oder in den letzten Wochen gegangen sind, dann haben Sie vielleicht auf dem einen oder anderen Grabsteinein aufgeschlagenes Buch gesehen. Die meisten denken dabei an die Bibel. Aber es k\u00f6nnte auch das Buch des Lebens sein<strong>. <\/strong>Es gibt einen Kanon, den ich sehr gerne singe, weil er die Gewissheit enth\u00e4lt, dass im Leben alles verg\u00e4nglich ist, nicht aber unser Leben im Angesicht Gottes. Der Kanon hei\u00dft: &#8222;Alles ist eitel, du aber bleibst und wen du ins Buch des Lebens schreibst.&#8220; In Gottes Buch des Lebens stehen die Menschen, die zu ihm geh\u00f6ren. Seit unserer Taufe sind wir Kinder Gottes, die zu ihm geh\u00f6ren und in seinem Buch stehen.<\/p>\n<p>Vielleicht tragen wir deshalb auch die Taufe in unsere Kirchenb\u00fccher, um ein Abbild davon zu haben, wie das aussieht, wenn unsere Namen aufgeschrieben sind als zu Gott geh\u00f6rig. Und so wie heute eine Kerze f\u00fcr jeden Verstorbenen auf dem Altar steht, so bekommen wir auch bei der Taufe eine Kerze. Bei der Taufe macht die Kerze deutlich: Du bist Gott wichtig. Gott begleitet dich. Er ist das Licht in deinem Leben. Du bist sein Kind. Die Kerzen heute sagen uns: Das gilt auch f\u00fcr die Verstorbenen. Jede und jeder von ihnen war ein unverwechselbarer Mensch. Sie geraten nicht in Vergessenheit.<\/p>\n<p>Weil f\u00fcr uns Christen wichtig ist, dass Gott einen Menschen f\u00fcr unverwechselbar und einmalig h\u00e4lt, nennen wir auch seinen Namen bei der Beisetzung. Deswegen ist es uns wichtig, dass auf dem Grabstein ein Name steht. Wir vertrauen darauf, dass der Tod bei Gott eben nicht das Letzte ist. Sondern dass wir bei ihm auch \u00fcber den Tod hinaus gut aufgehoben sind.<\/p>\n<p>Diese Zusage, dass Gott unsere Namen ins Buch des Lebens schreibt, damit keiner in Vergessenheit ger\u00e4t, ist f\u00fcr mich tr\u00f6stlich. Gott ist da, auch dann, wenn wir ihn vielleicht in manchen Situationen der Trauer nicht sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Bild gibt uns eine Antwort auf die Frage, wie unser Leben gelingt. Sie lautet: &#8222;Die Menschen, die Gottes Weisheit bewahrt und vielen Menschen den Weg zum Leben gezeigt haben, werden f\u00fcr alle Zukunft leuchten wie die Sterne am Himmel.&#8220;<\/p>\n<p>Gelingendes Leben zeigt anderen Menschen den Weg zum Leben<strong><em>. <\/em><\/strong>Aber wie will ich einem Anderen zeigen, wie sein Leben gut werden kann, wo ich es doch selbst manchmal gar nicht wei\u00df? So werden Sie jetzt vielleicht denken.<\/p>\n<p>Es geht sicher nicht darum, f\u00fcr einen anderen ein perfektes Lebenskonzept zu entwerfen oder Patentrezepte bereit zu haben. F\u00fcr mich beginnt der Weg zu einem gelingenden Leben mit ganz kleinen Zeichen und Gesten, die einem Anderen deutlich machen: Du bist wichtig.<\/p>\n<p>Denken Sie noch einmal zur\u00fcck an die letzten Tage, Wochen oder Monate. Da fallen Ihnen nat\u00fcrlich die Stunden ein, in denen Sie einsam und allein waren. All das, was traurig gestimmt hat.<\/p>\n<p>Aber gab es nicht auch das Andere: Menschen, die ein freundliches Wort hatten? Jemand, der zuh\u00f6rte? Jemand, der Sie f\u00fcr kurze Zeit auf andere Gedanken gebracht hat? Der Sie eingeladen hat, als Sie es gerade brauchten? Der Sie vielleicht \u00fcberredet hat, mal wieder ein paar Tage zu verreisen? Oder der Ihnen ein Buch geschenkt hat? Oder jemand, der Ihnen bei Entscheidungen geholfen hat? &#8230; Ich hoffe, Sie haben solche Menschen erlebt.<\/p>\n<p>Im Moment sind wir vielleicht die, die jemanden brauchen, der den Weg zur\u00fcck aus der Trauer ins Leben zeigt. Aber irgendwann k\u00f6nnen wir auch die sein, die Anderen zur Seite stehen, die ein freundliches Wort brauchen oder ein wenig Zeit. Dann kann unser Leben gelingen. Es geht also nicht um gro\u00dfartige Leistungen, die zusammengez\u00e4hlt werden und am Ende abgerechnet. Sondern es geht darum, dass wir Gottes Liebe weitergeben.<br \/>\nUnd wir werden f\u00fcr allezeit leuchten wie Sterne am Himmel.<\/p>\n<p>Mit diesem Bild erkl\u00e4ren wir oft unseren Kindern den Tod. Vielleicht haben Sie das auch getan. Wenn Eltern erkl\u00e4ren m\u00fcssen, wo der Opa oder die Oma nun ist, dann sagen sie oft: Der Opa oder die Oma ist nun ein Stern und sieht auf uns herab. Nat\u00fcrlich wissen wir alle, dass das alles viel schwieriger und komplizierter ist, aber dieses einfache Bild hilft. Es gibt uns das Gef\u00fchl, dass die Toten nicht ganz weg sind. Dass sie irgendwie vielleicht noch mitbekommen, wie es uns geht. Ich denke, wir brauchen solche Bilder, um trauern zu k\u00f6nnen, um Trost zu finden.<\/p>\n<p>Soweit die Bilder unseres Textes. Als Christen k\u00f6nnen wir den Predigttext des Alten Testamentes noch um ein Bild erg\u00e4nzen. Die Szene des Gerichtes sieht seit Christus anders aus. Gott trennt am Ende der Zeit, aber neben ihm auf dem Thron sitzt Jesus Christus. Jesus Christus ist nicht ein strahlender und sch\u00f6ner Mann, sondern der, der am Kreuz hing. Der grausam gefoltert und gequ\u00e4lt wurde, verraten und schlie\u00dflich ans Kreuz genagelt. Und da sagt er: &#8222;Vater, vergib ihnen.&#8220;<\/p>\n<p>Auf diese Worte k\u00f6nnen auch wir vertrauen. Jesus ist gestorben, damit wir nicht allein vor Gott treten m\u00fcssen. Damit wir ihn als unseren F\u00fcrsprecher haben. Jesus Christus wird am Ende der Zeiten mit entscheiden. Wenn wir das wissen, dann m\u00fcssen wir auch keine Angst mehr haben vor Gottes Gericht<em>.<\/em> Jesus Christus wird f\u00fcr uns eintreten und mit seiner Liebe f\u00fcr uns da sein. Das ist unser gr\u00f6\u00dfter Trost. Und er ist uns jetzt schon nahe, weil er wei\u00df, wie es ist, einsam zu sein und allein. Er kennt die dunklen Stunden. Deshalb k\u00f6nnen wir uns auch an ihn halten. Wir k\u00f6nnen ihm vertrauen und er wird uns zu denen machen, die am Ende leuchten wie die Sterne am Himmel.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Angelika \u00dcberr\u00fcck<br \/>\nPastorin<br \/>\nEschenweg 3<br \/>\n59423 Unna<br \/>\nTel.: 02303\/256276<br \/>\nEmail: <a href=\"mailto:RUeberrueck@t-online.de\">RUeberrueck@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ewigkeitssonntag | 20. November 2005 | Daniel 12, 1b-3 | Angelika \u00dcberr\u00fcck | Liebe Gemeinde, Wir haben am Anfang dieses Gottesdienstes noch einmal die Namen aller derer geh\u00f6rt, die im letzten Kirchenjahr aus unserer Gemeinde gestorben sind. Dabei haben wir f\u00fcr jeden eine Kerze angez\u00fcndet. Das macht betroffen. 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