{"id":10819,"date":"2005-04-07T19:49:24","date_gmt":"2005-04-07T17:49:24","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10819"},"modified":"2025-05-12T09:47:57","modified_gmt":"2025-05-12T07:47:57","slug":"predigt-zur-konfirmation-ueber-prediger-salomo-4-9-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zur-konfirmation-ueber-prediger-salomo-4-9-12\/","title":{"rendered":"Prediger 4, 9-12"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Predigt zur Konfirmation | <\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\">April 2005 | Prediger Salomo 4,9-12 |Ele Brusermann |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde!<\/p>\n<p>Was ich hier in H\u00e4nden halte, das k\u00f6nnt ihr hier vorne sicher gut erkennen, aber wohl kaum noch jemand dort hinten, vom Chor auf der Empore: Es ist eine Rolle N\u00e4hgarn, ein ganz d\u00fcnner Faden.<\/p>\n<p>Der hat durchaus schon eine Rolle gespielt, bei einer Konfirmation, als einer kam, weil ein ganz wichtiger Knopf sich gel\u00f6st hatte, und schnell noch wieder angen\u00e4ht werden musste, bevor es zur Kirche gehen konnte.<br \/>\nSchlie\u00dflich wollte er gut angezogen sein, an diesem Festtag.<\/p>\n<p>So d\u00fcnn und unscheinbar dieser Faden ist, er kann schon halt geben.<br \/>\nOhne ihn h\u00e4ttet ihr jetzt ein paar Stofffetzen, einige Lappen um euch gewickelt, erst der N\u00e4hfaden hat sie zu einem Kleid, zu Hemd oder Hose, zur festlichen Kleidung verbunden.<br \/>\nUnd die ist doch auch wichtig heute, wenn auch nicht lebenswichtig.<br \/>\nMein Leben m\u00f6chte ich davon nicht abh\u00e4ngig machen. Auch nicht von diesem N\u00e4hfaden. Denn wenn einer sagt, sein Leben h\u00e4tte am seidenen Faden gehangen \u2013 dann hat er gerade Schweres durchgemacht, eine Krankheit, einen Unfall erlitten \u2013 und ist gerade noch einmal \u2013 um Haaresbreite &#8211; davongekommen. Gott sei dank, sagen wir dann, weil wir glauben, Gott hat mit unserem Leben zu tun. Wie? Danach haben wir gefragt in den letzten zwei Jahren, im Konfus.<\/p>\n<p>Es gibt so etwas wie einen Lebensfaden, der sich durch unser Leben zieht. Ganz erstaunlich, wenn man zur\u00fcckblickt, alte Fotos anschaut, wie sich Wesensmerkmale schon in fr\u00fchester Kindheit, schon auf Babyfotos zeigen und durchhalten, ein Leben lang.<br \/>\nWir entwickeln uns, wir werden gepr\u00e4gt durch unsere Umwelt, durch viele Menschen, auch durch den Glauben in dem wir aufwachsen und erzogen werden, aber es gibt vieles, das geh\u00f6rt einfach zu uns, ist uns eigen, macht uns einmalig und unverwechselbar. So sind wir &#8211; Gesch\u00f6pfe Gottes \u2013 und bleiben es, ein f\u00fcr alle mal.<\/p>\n<p>Gut angezogen sein \u2013 das ist euch wichtig. Sich gut angezogen f\u00fchlen, das tut gut; mehr noch, sich angezogen \u2013 hingezogen f\u00fchlen.<br \/>\nDas ist euch auch zu einer wichtigen Frage geworden, in dieser Zeit: von wem f\u00fchle ich mich angezogen, mit wem m\u00f6chte ich gern in eine n\u00e4here Verbindung treten?<\/p>\n<p>Gute Verbindungen zu haben \u2013 das z\u00e4hlt im Leben. Ihr seid untereinander \u2013 und mit vielen anderen verbunden.<br \/>\nWenn ich mehrere F\u00e4den nehme und sie zusammendrehe, dann bekomme ich eine schon deutlich festere Schnur, die schon einiges zusammenhalten kann. Wenn ich es besonders sch\u00f6n mache, ist es nicht nur ein Bindfaden, sondern so ein sch\u00f6nes Geschenkband, das man jetzt auch schon weiter hinten in der Kirche erkennen kann.<\/p>\n<p>Auch das ist heute, geh\u00f6rt zu diesem Festtag heute. Geschenke, knisternde Briefumschl\u00e4ge, aber auch das eine oder andere, liebevoll ausgew\u00e4hlt und verpackt, verziert mit einer sch\u00f6nen Schleife, die sagen soll: uns beide verbindet etwas, du bist mir wichtig, darum m\u00f6chte ich dir etwas schenken.<\/p>\n<p>Stellt euch vor, jeder von euch w\u00fcrde jetzt ganz viel bunte B\u00e4nder und Schn\u00fcre in der Hand halten, und am anderen Ende w\u00fcrden die festhalten, die sich euch verbunden f\u00fchlen \u2013 es w\u00fcrde hier in der Kirche ein gro\u00dfes buntes Netz entstehen, ein Netzwerk, erstaunlich tragf\u00e4hig, so engmaschig, das keiner so schnell durchfallen w\u00fcrde, sondern sich sicher und geborgen f\u00fchlen kann in unserer Mitte, gut gehalten.<\/p>\n<p>Die einzelnen F\u00e4den sind unterschiedlich lang und fest, k\u00f6nnen aus feiner Seide sein, mancher hat auch einen besonders guten Draht zu einem anderen. Mit jedem Tag, mit jedem Erlebnis miteinander ist ein Faden dazugekommen, das Band st\u00e4rker und bunter geworden.<br \/>\nNicht nur wir halten die F\u00e4den unseres Lebens in der Hand, sondern all die anderen mit uns. Und jeder von uns ist mit Gott verbunden. Die Taufe ist uns das Zeichen daf\u00fcr: sie ist das verbindliche Angebot Gottes uns Halt zu geben in unserem Leben.<br \/>\nManch einer hat Sorge, gar nicht mehr frei zu sein, sondern wie eine Marionette angebunden zu sein; von anderen, von Gott hin- und hergerissen zu werden.<br \/>\nManch einer sp\u00fcrt, was es hei\u00dft abh\u00e4ngig zu sein, nicht mehr los zu kommen.<\/p>\n<p>Da ist es gut, wenn wir uns deutlich machen: Auf der einen Seite halten wir selbst fest.<br \/>\nAuch der Glaube ist ein Angebot, das wir annehmen, aber auch ablehnen k\u00f6nnen. Ist wie eine Richtschnur, an der wir uns orientieren k\u00f6nnen. Gott l\u00e4sst uns die Freiheit, unsere eigenen Wege zu gehen.<br \/>\nIn der Bibel, beim Prediger Salomo hei\u00dft es: Zwei sind besser als einer allein.<br \/>\nWenn zwei zusammenarbeiten, bringen sie es eher zu etwas.<br \/>\nDenn wenn einer f\u00e4llt, hilft der andere ihm wieder auf. Doch wehe dem, der allein ist, wenn er hinf\u00e4llt, und keiner ist bei ihm, der ihn aufrichtet.<br \/>\nUnd wenn jemand einen einzelnen auch \u00fcberw\u00e4ltigt, zwei sind ihm gewachsen, und eine dreifache Schnur rei\u00dft nicht so schnell.<\/p>\n<p>Ich habe noch ein Seil mitgebracht: dieses Kletterseil, f\u00fcr Bergsteigern, um einander zu sichern.<br \/>\nMit einem meiner S\u00f6hne bin ich mal mit den Naturfreunden zu einem Wochenendkurs gefahren. Da konnten wir unter kundiger Anleitung am Fels klettern lernen, gut gesichert mit so einem Seil.<br \/>\nDer schwierigste Moment: wenn man oben angekommen ist und wieder herunter will.<br \/>\nDa muss man die F\u00fc\u00dfe fest gegen den Fels stellen und sich dann nach hinten kippen lassen, in das Seil, das an dem Gurtzeug festgemacht ist, bis man fast waagerecht in der Luft h\u00e4ngt.<br \/>\nDas braucht viel Mut, vor allem, weil das Seil sich dehnt, man erst das Gef\u00fchl hat der andere unten h\u00e4lt nicht richtig fest.<br \/>\n(Das Seil muss sich dehnen, denn es soll ja bei einem Sturz den gef\u00e4hrlichen Ruck abfedern.)<br \/>\nEs kostet schon sehr gro\u00dfe \u00dcberwindung, und \u00dcbung, sich ganz auf den anderen und so ein Seil zu verlassen. Der h\u00e4lt, sichert und gibt nach, wenn es an der Zeit ist.<\/p>\n<p>Dieses Seil besteht aus ganz vielen F\u00e4den, es ist schon ein kleines Kunstwerk, es muss bruchfest sein und griffig, schmutzabweisend und scheuerfest. Die Hauptlast halten die langen F\u00e4den in seinem Inneren, man nennt sie auch die Seele. Auch Gott h\u00e4lt uns, aber es bleibt uns oft verborgen, wir sehen und achten eher das \u00e4u\u00dfere.<\/p>\n<p>Bei diesem Seil, eine schlechte Qualit\u00e4t, oder schlecht behandelt, kann man die Seele gut sehen, an jeder Knickstelle hervor. Da w\u00e4re es gut, noch mal zu pr\u00fcfen, ob es das richtige Seil ist, mit dem ich mich festmache.<br \/>\nSo wie ihr immer wieder pr\u00fcfen m\u00fcsst, ob es der richtige Glaube ist, der sich euch anbietet.<br \/>\nNicht immer ist es so offensichtlich das falsche Seil, dieses ist gar nicht f\u00fcr\u2019s Bergsteigen bestimmt, manchmal tr\u00fcgt auch der gute Schein.<br \/>\nEs gibt immer wieder alte und neue Seilschaften, die einen einfangen oder gar fesseln k\u00f6nnen.<br \/>\nDarum achtet gut darauf, in was ihr eingebunden werdet, dass ihr nicht zu kurz angebunden seid.<br \/>\nIm richtigen Moment sich auf das richtige verlassen k\u00f6nnen: dazu geh\u00f6rt Erfahrung.<br \/>\nDer christliche Glaube gibt uns Spielraum, einen Freiraum f\u00fcr eigenes Denken und Handeln.<\/p>\n<p>Ihr habt gelernt, was Jesus zu den Geboten gesagt hat: Das wichtigste Gebot:<br \/>\n&#8218;Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit deinem ganzen Verstand!&#8216;<br \/>\nDies ist das gr\u00f6\u00dfte und wichtigste Gebot.<br \/>\nAber gleich wichtig ist ein zweites: &#8218;Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!&#8216;<\/p>\n<p>Gott lieben und deinen Mitmenschen wie dich selbst: Das ist so eine dreifache Schnur, von der der Prediger Salomo sagt, sie rei\u00dft nicht leicht entzwei.<br \/>\nIn unserer Kirche steht nicht ein Einzelner \u00fcber allen anderen und hat das sagen, f\u00fcr uns z\u00e4hlt, was jeder in der Bibel lesen kann: Jesus hat sich an viele Menschen gewandt, hat uns verbunden zu einer Gemeinschaft, in der nicht Amt oder Macht z\u00e4hlen sollen sondern Klugheit, Wissen und Erfahrung,<br \/>\nin der uns der Glaube, die Liebe und die Hoffnung leiten sollen,<br \/>\nin der Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.<br \/>\nIm christlichen Glauben begegnet uns auf Schritt und Tritt die dreifache Schnur, denn wir haben es mit Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist zu tun.<\/p>\n<p>Bei diesem Tauende sind sie gut zu sehen, die drei Kardeele aus vielen Garnen zu einer festen Trosse geschlagen.<br \/>\nDamit werden die alten Segelschiffe, die Plattbodenschiffe auf dem Ijsselmeer in Holland festgemacht, mit denen im Sommer viele Jugendgruppen unterwegs sind. Auch aus unserer Gemeinde waren schon Gruppen da und haben die Erfahrung gemacht wie sich einer auf den anderen verlassen muss und nur alle gemeinsam den Kahn flott halten.<\/p>\n<p>Ein solches Tau muss viel aushalten, darf nicht nachgeben, der Knoten muss richtig sitzen, damit das Schiff im Hafen ganz fest liegt, und nicht abtreibt, und darum machen Skipper und Maat das Festmachen fast immer selbst.<br \/>\nFestmachen: Das ist auch die Bedeutung des Wortes Konfirmation confirmare sich festmachen, befestigen im Glauben.<br \/>\nSuchen und finden, welche Schnur, welches Band, Seil oder Tau, wann das richtige ist.<br \/>\nUnd ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr haben: Gott ist mittendrin, ist uns verbunden, hat seine F\u00e4den in alle mit hineingewoben.<br \/>\nUnser Glaube ist nicht selbstgemacht. Wir binden uns mit unserem Lebensfaden ein in die Erfahrungen vieler Menschen vor uns und um uns.<\/p>\n<p>So kommen wir Christen immer wieder zusammen, hier zum Gottesdienst, bald in Hannover zum Kirchentag.<br \/>\nDa fragen wir und lassen uns fragen nach unserem Glauben, nach unserer Liebe, nach unserer Hoffnung.<br \/>\nIhr seid auch gefragt, und eingeladen eure Sicht der Dinge dazuzugeben,<br \/>\nihr haltet die F\u00e4den mit in der Hand.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre unseren Glauben,<br \/>\nst\u00e4rke unsere Liebe, wecke unsere Hoffnung.<br \/>\nIn Jesu Namen. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Ele Brusermann,Pastor in Weyhe-Leeste<br \/>\n<a href=\"mailto:Ele.brusermann@evlka.de\">Ele.brusermann@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zur Konfirmation | April 2005 | Prediger Salomo 4,9-12 |Ele Brusermann | Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde! 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