{"id":10834,"date":"2005-11-07T19:49:23","date_gmt":"2005-11-07T18:49:23","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10834"},"modified":"2025-05-13T11:14:29","modified_gmt":"2025-05-13T09:14:29","slug":"lukas-1235","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1235\/","title":{"rendered":"Lukas 12,35"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Predigtreihe &#8222;Evangelische Lebenskunst&#8220; \u2013 &#8222;Achtsames Leben&#8220; | Ewigkeitssonntag 2005 | Lukas 12,35 | Lars Hillebold |<\/h3>\n<p><strong>\u201eLasst eure Lenden umg\u00fcrtet sein und eure Lichter brennen.\u201c<br \/>\n<\/strong> Lk 12,35<\/p>\n<p><strong>Seid achtsam!<\/strong><\/p>\n<p>Seid achtsam auf das \u201eweder noch\u201c.<br \/>\nDenn ich bin gewiss, dass<\/p>\n<p>weder Tod<br \/>\nnoch Leben,<\/p>\n<p>weder Engel<br \/>\nnoch M\u00e4chte<br \/>\nnoch Gewalten,<\/p>\n<p>weder Gegenw\u00e4rtiges<br \/>\nnoch Zuk\u00fcnftiges,<\/p>\n<p>weder Hohes<br \/>\nnoch Tiefes<br \/>\nnoch eine andere Kreatur<\/p>\n<p>uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.<\/p>\n<p>Seid achtsam, da der Tod uns nicht scheiden kann von der Liebe, die uns leuchtet, wenn die Dunkelheit des Jahres und das Ende des Lebens uns bedrohen. Seid achtsam, wenn die Kerzen warm und hell entflammen, die Gott in unsre Dunkelheit gebracht.<br \/>\nWir wollen des Vergangenen gedenken.<br \/>\nUnsere Lichter brennen auch in der Nacht.<br \/>\nSeid achtsam, denn der Herr kommt.<\/p>\n<p><strong>Die Toten achten<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDie Lebenden achten die Toten in diesen Tagen. Darum gedachten wir der V\u00f6lker und Rassen, deren Leben durch Menschenhand achtlos weggeworfen wurde. Weggeworfen: die eigene Identit\u00e4t, Bildung und Kultur. B\u00fccher verbrannt. Menschen vergast. Denken verboten. Die Heimatliebe so verraten, dass man sich schon des Wortes sch\u00e4mte. Leben achtet auf das Vergangene, damit die Zukunft Neues bringt und Altes nicht wiederkehrt.<br \/>\nDarum gedenken wir der Kinder und Kindeskinder von T\u00e4tern und Opfern, die bis heute vom Vergangenen wenig wissen. Die als Kinder, als Enkel nichts h\u00f6ren, weil ihre Gro\u00dfv\u00e4ter und -m\u00fctter immer noch schweigen &#8211; aus Angst und Scham. Die Kinder und Enkel, die nichts geh\u00f6rt auch nichts mehr zu erz\u00e4hlen haben, nichts mehr zu verstehen haben, warum man der Schuld der Vergangenheit noch gedenkt.<\/p>\n<p>Die Lebenden achten die Toten in diesen Tagen. Wir erinnern uns. Rufen ihre Namen aus. Gehen an die Orte, die uns verbinden. Menschen, Familien, Freunde und Nachbarn suchen einen Ort der Erinnerung. Friedh\u00f6fe und Grabsteine erz\u00e4hlen von der Achtsamkeit. Von der Achtsamkeit der Lebenden mit den Toten. Kerzen entflammen. Lichter brennen an den Orten der Erinnerung. Christus spricht: Ich bin das Licht der der Welt. Taufkerzen verstorbener Kinder werfen traurige Schatten. Blumen auf Gr\u00e4bern erbl\u00fchen gegen den Tr\u00fcbsinn.<br \/>\nLicht gegen das Dunkel dieser Tage. Menschen werden ein St\u00fcck \u00e4rmer, wenn einer geht. Eine L\u00fccke bleibt, die sich nicht mehr schlie\u00dft. Das letzte Blatt am herbstlichen Baum f\u00e4llt. Die V\u00f6gel singen nicht mehr. Nebel und Feuchtigkeit ziehen \u00fcbers Land. Die Kleidung wird dunkler, die Tage auch. In der Tiefe der Melancholie, wenn sich Herzen zusammenziehen, Menschen einsamer werden, dann erklingt ein seltsames Wort an diesem letzten Sonntag, bevor der Advent uns entgegenkommt:<\/p>\n<p><em> Lasst eure Lenden umg\u00fcrtet sein und eure Lichter brennen.<br \/>\n<\/em><br \/>\nLasst Euch heute sagen: Seid wachsam, denn am Ende des Lebens, am Ende des Kirchenjahres geht es gar nicht um die Dunkelheit. Die Melancholie wird weichen einer neuen Melodie. Wenn sich die Stille tief um uns breitet, lasst uns h\u00f6ren jenen vollen Klag der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner, Gottes Kinder, hohen Lobgesang.<\/p>\n<p><strong>Wachsam &#8211; achtsam &#8211; m\u00fchsam<\/strong><\/p>\n<p>Wach auf. Steh auf. Zieh dich endlich an. Mach Dich fertig. Raus aus den Pantoffeln. Wir wollen gleich los. Was soll ich denn anziehen? Chic oder modern, sportlich kreativ, dezent teuer, angepasst, provozierend. Mach hin. Es ist Zeit. Wir m\u00fcssen los. Lass das Licht brennen. Damit keiner sieht, dass wir nicht zu Hause sind.<\/p>\n<p>Wach auf. Steh auf. Weck die m\u00fcde Christenheit. Wach auf, ruft uns die Stimme. Bedenkt das Sterben, um zu Leben. Lasst Eure Lenden umg\u00fcrtet sein. Zieht euch an. Mit verschlafenen Augen und im Nachthemd empf\u00e4ngt man keinen Herrn. Gewiss nicht den Herrn des Lebens. Er ist noch bei einer Hochzeit. Er wird begeistert von sein, wenn er uns wachend findet. So begeistert, dass er uns zu Tisch bittet, sich selbst die Kellnersch\u00fcrze umbindet und uns bedient. Achtsam lebt er: der Herr, der sich zum Diener und uns zu Herren macht. Zu Menschen. Der eine lebt achtsam, damit wir anderen beachtet werden. In Gottes Augen, durch seinen Besuch, wenn er sich die Sch\u00fcrze des Dieners umbindet, wird unser Leben geachtet \u2013 wie unansehnlich es auch ist.<\/p>\n<p>Gott kommt uns achtsam entgegen: uns zugute. Dir zum Guten. Darum: raus aus den Pantoffeln und nicht wieder rein. Zieh dich an. Mach dich fertig. Bereite dich vor. Im Ende liegt ein Anfang verborgen. Umg\u00fcrte deine Lenden, lass brennen deine Lichter.<\/p>\n<p>Wach zu bleiben ist anstrengend. Achtsam sein kann m\u00fchsam sein. Schlafen m\u00fcssen wir. Wenn der eine schl\u00e4ft, wird ein anderer wachen. Einer wacht: bleibet hier und wachet mit mir. Auch wenn es schwer f\u00e4llt. Darum leben wir als Gemeinde. Darum wachen wir als Gemeinschaft in achtsamer Sorge f\u00fcreinander. Manchmal vielleicht auch in zu m\u00fchsamer Neugier aneinander. Achtsame Kirchengemeinden schlafen nicht ein. Trocknen nicht aus, auch wenn die Kassen \u00f6de und leer werden. Achtsam den einzelnen Menschen ehren, geachtetes Leben in einem Ort, wo man f\u00fcr einander wacht und sich weckt, wenn der Herr kommt.<\/p>\n<p><strong>Gebrannte Kinder und brennende Lichter <\/strong><\/p>\n<p>Wir brauchen einander gegen die Melancholie dieser Tage. Vom Leid gepr\u00e4gte Menschen sind gebrannte Kinder. Von brennenden Lichtern f\u00fcr Gott den Herrn zu reden, kann ein Spiel mit dem Feuer sein. Achtsam f\u00fcr die Gef\u00fchle der Anderen. Achtsam, weil Gott uns nicht mit einem Paukenschlag entgegenkommt, sondern still am Rande der Welt. Unscheinbar.<\/p>\n<p>Mag es sein: im Leid kommen wir uns alles andere als geachtet vor. Vielleicht brennt eher die Frage, warum ist mein Leben so ge\u00e4chtet statt geachtet. Von Gott gebrannte Kinder, die ihre Lichter haben brennen lassen, und Gott kam nicht? Wo war Gott im Tod unserer Tochter, die beim Autounfall ums Leben kam? Wo war Gott als der Krebs siegte? Wo, Gott, bist Du?<\/p>\n<p>Es kann keinen einfachen Trost geben. Meine Worte sind Hoffnungen, gewiss. Keine Einzelstimme und doch muss sie bei jedem und jeder im eigenen Leben ankommen:<br \/>\nGott kommt unerwartet. Er wartet. Gott will kommen, wenn wir wach sind. Will uns nicht \u00fcberfallen, wenn wir schlafen. Weder zwingen noch \u00fcberreden. Sondern Gott achtet unser Leben. Achtet unsere Freiheit. Achtet darauf, dass wir wach werden, damit wir ihn sehen.<\/p>\n<p><strong> Weder noch &#8230; zwar aber &#8230; sondern: Seid achtsam!<\/strong><\/p>\n<p>Ein achtsames Leben sieht Gott. Sieht Gott &#8230; und Gott sieht. Sieht Leben, das mehr zu sagen hat als \u201eweder noch\u201c. Das ist das sonderbare Gottes. Er ist nicht \u201eweder noch\u201c. Er ist nicht \u201ezwar aber\u201c. Er ist davor und dahinter. Er ist das sondern. Ja, auch das sonder- und wunderbare, das weder Hohes noch Tiefes, weder Tod noch Leben uns von ihm trennen.<\/p>\n<p>Ich bin gewiss,<br \/>\nich k\u00f6nnte viele \u201eweder noch\u201c aufz\u00e4hlen,<br \/>\nw\u00fcsste von dem einen \u201ezwar\u201c und dem anderen \u201eaber\u201c,<br \/>\nvon achtlos Dahingesagtem, ver\u00e4chtlich Weggeworfenem.<\/p>\n<p>Ich bin gewiss,<br \/>\nweder gestern noch morgen noch heute verachtet Gott dich,<br \/>\ner achtet dich viel lieber.<br \/>\nIch bin gewiss,<br \/>\ndass weder Tod noch Leben,<br \/>\nweder Engel noch M\u00e4chte noch Gewalten,<br \/>\nweder Gegenw\u00e4rtiges noch Zuk\u00fcnftiges,<br \/>\nweder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur<br \/>\nuns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.<\/p>\n<p>Eure Lenden: lasst sie umg\u00fcrtet sein! Eure Lichter: lasst sie brennen!<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Lars Hillebold<br \/>\n<a href=\"mailto:lars.hillebold@web.de\">lars.hillebold@web.de <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe &#8222;Evangelische Lebenskunst&#8220; \u2013 &#8222;Achtsames Leben&#8220; | Ewigkeitssonntag 2005 | Lukas 12,35 | Lars Hillebold | \u201eLasst eure Lenden umg\u00fcrtet sein und eure Lichter brennen.\u201c Lk 12,35 Seid achtsam! Seid achtsam auf das \u201eweder noch\u201c. 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