{"id":10838,"date":"2021-02-07T19:49:01","date_gmt":"2021-02-07T19:49:01","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10838"},"modified":"2023-02-07T21:51:48","modified_gmt":"2023-02-07T20:51:48","slug":"offenbarung-5-1-14-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-5-1-14-2\/","title":{"rendered":"Offenbarung 5, 1-14"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">1. Sonntag im Advent, 27. November 2005<br \/>\nPredigt \u00fcber Offenbarung 5, 1-14, verfasst von Thomas Bautz<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Vielen Zeitgenossen, uns \u2013 wenn Sie die vorsichtige Unterstellung bitte verzeihen wollen \u2013 zum Teil sicher eingeschlossen, ist nicht nur die Offenbarung des Johannes auf der Insel Patmos \u201e<em>ein Buch mit sieben Siegeln<\/em>\u201c, sondern nahezu die gesamte Bibel als Heilige Schrift.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie vielen unter Ihnen Albrecht D\u00fcrers \u201eApokalypse\u201c bekannt ist. In jedem Falle steht sie uns zeitlich etwas n\u00e4her (1498) als die Apokalypse des Johannes. Was ist \u00fcberhaupt mit dem Ausdruck \u201eApokalypse\u201c gemeint? \u2013 Auf welcher geldschweren Stufe w\u00e4re diese Frage wohl bei \u201eWer wird Million\u00e4r?\u201c angesiedelt?<\/p>\n<p>Nun, einige werden wissen, was das Wort bedeutet, n\u00e4mlich \u201eEnth\u00fcllung\u201c, \u201eOffenbarung\u201c \u2013 aber <em>was<\/em> wird dort enth\u00fcllt? Geschautes und Geh\u00f6rtes wird in der Art einer prophetischen Berufungsvision mitgeteilt. Im Hauptteil werden Einblicke in die himmlische Welt und in k\u00fcnftiges Geschehen vermittelt. Die Botschaften dienen zur Ermahnung <em>und<\/em> zum Trost.<\/p>\n<p>Besondere Bedeutung erlangt die Apokalypse in Zeiten der Krise und des Umbruchs, denn sie handelt vom Sinn und Ziel der Geschichte. Die <em>Enth\u00fcllung geschieht<\/em> jedoch <em>durch<\/em><em> zeichenhafte Andeutungen<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"> (1) <\/a>, die wiederum durch m\u00e4chtige Boten Gottes dem Johannes vermittelt werden. Die Offenbarung des Johannes enth\u00e4lt traditionelle Motive aus fr\u00fchj\u00fcdischer Apokalyptik und auch einige Anspielungen auf das damalige zeitliche Umfeld \u2013 ca. Ende des 1. Jh., aber der Leser ist gut beraten, wenn er dieses \u2013 immer wieder zu Recht als schwer zug\u00e4ngliche \u2013 Buch nicht chronologisch, sondern eher zyklisch und spiralenf\u00f6rmig liest. Eben aus diesem Grund erlauben wir uns auch, die eingangs vernommene Vision \u2013 vom <em>\u201eBuch mit sieben Siegeln\u201c<\/em> und der Akklamation des Lammes als einzig w\u00fcrdiges Wesen f\u00fcr die \u00d6ffnung desselben \u2013 mit einer weiteren zu verbinden.<\/p>\n<p>Johannes wird n\u00e4mlich ein zweites Mal mit einem starken Engel konfrontiert, der von ihm sogar verlangt, dass er ein Buch verschlinge (Offb 10,1\u201311).<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"> (2) <\/a><\/p>\n<p>Ein schwer verdauliches Buch also! Vielleicht, weil er es unfreiwillig verschlingen musste? Wenn wir B\u00fccher \u2013 meist als Kinder \u2013 verschlungen haben, dann doch meist mit Genuss und ohne Magenverstimmung! Als schwer verdaulich empfinden wir in der Regel B\u00fccher, die uns von au\u00dfen regelrecht \u201eaufs Auge gedr\u00fcckt\u201c werden. Dabei denken wohl die meisten von uns an ihre Schulzeit und die \u00e4lteren vielleicht an ihren Konfirmandenunterricht, als zwar keineswegs ganze B\u00fccher, wohl aber noch Luthers Katechismen, einige Psalmen, Vaterunser, Glaubensbekenntnis und ein paar Kirchenlieder (auswendig) gelernt werden mussten \u2013 und davon war manches auch nicht so leicht zu verdauen.<\/p>\n<p>Nun, was die Offenbarung des Johannes betrifft, befinden wir uns in guter Gesellschaft; kein anderer n\u00e4mlich als der ber\u00fchmte Reformator, Dr. Martin Luther, empfand ihre Lekt\u00fcre als \u00e4u\u00dferst befremdlich und problematisch. In seiner Vorrede zur Offenbarung Johannes (1522) [WA DB 7, 404] schreibt er:<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"> (3) <\/a><\/p>\n<p>\u201eAn diesem Buch der Offenbarung Johannes la\u00df ich auch jedermann seines Sinnes walten, will niemand an meine Meinung oder Urteil gebunden haben. Ich sage, was ich f\u00fchle. Mir mangelt an diesem Buch verschiedenes, so da\u00df ichs weder f\u00fcr apostolisch noch f\u00fcr prophetisch halte: aufs erste und allermeiste, da\u00df die Apostel nicht mit Gesichten umgehen, sondern mit klaren und d\u00fcrren Worten weissagen, wie es Petrus, Paulus, Christus im Evangelium auch tun. Denn es geb\u00fchrt auch dem apostolischen Amt, klar verst\u00e4ndlich und ohne Bild oder Gesicht von Christus und seinem Tun zu reden.<\/p>\n<p>Auch gibt es keinen Propheten im Alten Testament, geschweige denn im Neuen, der so ganz durch und durch mit Gesichten und Bildern umgehe, da\u00df ich (die Offenbarung Johannes) bei mir [&#8230;] in allen Dingen nicht sp\u00fcren kann, da\u00df es von dem heiligen Geist verfa\u00dft sei.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"> (4) <\/a><\/p>\n<p>Seltsam \u2013 oder? Wir heutigen sind doch eher froh, wenn wir \u201ein Sachen des Glaubens\u201c \u00fcber-haupt mal etwas \u201ezu Gesicht bekommen\u201c! \u201eGlauben ist nicht Wissen\u201c, oder: Nichtwissen. \u201eIch glaube nur, was ich sehe!\u201c \u2013 Diesen Standpunkt vertreten viele Zeitgenossen, und Theologen im Pfarramt h\u00f6ren dieses Argument oftmals, wenn das Gottvertrauen grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt wird. Sch\u00f6n und gut \u2013 dann wollen wir doch einmal sehen, ob wir unseren Augen trauen k\u00f6nnen! Dem Seher Johannes auf Patmos jedenfalls blieb gar nichts anderes \u00fcbrig, als wie gebannt das zu schauen, was lautstark zu Geh\u00f6r gebracht und glasklar vor Augen gestellt wurde:<\/p>\n<p>Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Zukunft der Welt und das Gottsein Gottes. Die siebenfach versiegelte Buchrolle ist ein Symbol daf\u00fcr, dass das kommende Geschehen endg\u00fcltig besiegelt ist. Die Zahl Sieben unterstreicht die Gr\u00f6\u00dfe des Geheimnisses, zugleich symbolisiert sie umfassende F\u00fclle. Es scheint, als w\u00fcrde Johannes wie durch ein Kaleidoskop all die wundersch\u00f6nen Facetten des sich endg\u00fcltig anbahnenden Reiches Gottes betrachten d\u00fcrfen. Die Bilder, die vor seinen Augen entfaltet werden, k\u00f6nnen nur bedingt in poetische Sprache \u2013 gleichsam stammelnd \u2013 \u00fcbersetzt werden: Eine regelrechte Bilderflut str\u00f6mt auf ihn ein. Die visuellen Eindr\u00fccke bem\u00e4chtigen sich seiner und \u00fcberfordern schlie\u00dflich sein Sprachverm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Der himmlische Gottesdienst, dem er \u201eam Tage des Herrn\u201c, also am Sonntag<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"> (5) <\/a> beiwohnen darf, bleibt f\u00fcr ihn nicht ohne Folgen: Die Inthronisation des Lammes, des einzigen Wesens, das f\u00fcr w\u00fcrdig erachtet wird, das Buch mit den sieben Siegeln zu \u00f6ffnen und die Verk\u00fcndigung der hoffnungsvollen, \u00fcberaus frohstimmenden Botschaft vom guten Ausgang der Geschichte Gottes mit den Menschen: Die Botschaft von der letztlich doch heilvollen und Schalom schaffenden endg\u00fcltigen Durchsetzung der Herrschaft Gottes und des Lammes \u2013 in der sichtbaren und in der unsichtbaren Welt, \u2013 Johannes ist von diesem prophetischen Auftrag \u00fcberw\u00e4ltigt. Aber er ist nun einmal erw\u00e4hlter Zeuge des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu des Christus, des Messias, und hier gilt einmal mehr als denn je: \u201eThe medium is the message\u201c (Offb 1,3):<\/p>\n<p>Gl\u00fcckselig, wer vorliest die Worte der prophetischen Rede und die sie h\u00f6ren und das darin Geschriebene bewahren [&#8230;]!<\/p>\n<p>Die Bilderwelt der Offenbarung verdichtet sich noch einmal in Gestalt eines Buches, das offen in der Hand eines m\u00e4chtigen, starken Engels liegt; Johannes soll es nehmen und ver-schlingen (Offb 10,8\u201310)! Wie schon dem Psalmdichter, so wird auch Johannes dies Wort Gottes wie Honig munden; nur muss er es verdauen wie bittere Medizin. Aber das Buch ist \u2013 wie alle Worte des lebendigen Gottes und wie alle Reden Jesu Christi \u2013 letztlich heilsam: Es k\u00fcndet von der ewigen Liebe dieses Gottes, der alle Tr\u00e4nen abwischen wird und dem Leid seiner Kreaturen ein Ende bereiten wird. Darin liegt der Trost, dass gemeinsam mit dem einst geschlachteten Lamm \u2013 dem Symbol des unschuldigen Opfers schlechthin \u2013 alle leidenden Opfer der Geschichte auf einen Sieg hinsteuern d\u00fcrfen, den Gott selbst herbeif\u00fchren wird.<\/p>\n<p>\u00dcber L\u00e4nder- und Meeresgrenzen hinweg ruft der starke Engel \u2013 der Bote Gottes \u2013 diese Botschaft aus; sie gilt allen St\u00e4mmen, Nationen, V\u00f6lkern und Sprachen. Johannes ist Zeuge einer befreienden Hoffnungsgeschichte: Das Lamm hat in der totalen Hingabe die M\u00e4chte dieser Welt \u00fcberwunden, und diese \u00dcberwindung gibt ihm die W\u00fcrde, endg\u00fcltig \u00fcber alles B\u00f6se zu siegen. Und <em>als<\/em> Zeuge verharrt dieser Seher nicht meditierend. Was er verschlungen hat, wird nicht lediglich in innerer Einkehr verarbeitet \u2013 so sehr das vermutlich auch eine Rolle gespielt haben wird, und so notwendig Meditation und Mystik dazugeh\u00f6ren: Johannes <em>muss<\/em> seinem prophetischen Auftrag weiterhin nachkommen (Offb 10,11) \u2013 denn der Kairos ist nahe (1,3; 22,10).<\/p>\n<p>Einer Klimax ins Unendliche \u2013 besser: in die Ewigkeit \u2013 vergleichbar, wird der Vision\u00e4r dem Zenit der zur Vollendung kommenden Gnadenzeit gewahr, von dem selbst Paulus nur etwas erahnen konnte (2. Kor 6,2):<br \/>\n\u00bbIch habe dich zur Zeit der Gnade erh\u00f6rt und habe dir am Tage des Heils geholfen.\u00ab Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!<\/p>\n<p>Die Bilder der Apokalypse haben in der bildenden Kunst eine gro\u00dfartige Wirkungsgeschichte hinterlassen: in Gem\u00e4lden, auf Holzschnitten und auf byzantinischen Mosaiken.<\/p>\n<p>Auch Luther hatte ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr entwickelt, wie hilfreich Bilder und Illustrationen f\u00fcr Bibelausgaben sein k\u00f6nnen, und nicht zuf\u00e4llig begann er mit solchen bebilderten Ausgaben zun\u00e4chst lediglich bei der Apokalypse des Johannes. Das sog. Septembertestament Luthers, d.h. seine 1522 erschienene \u00dcbersetzung des Neuen Testaments bringt au\u00dfer den ausge-schm\u00fcckten Initialen tats\u00e4chlich nur (22) Bilder zur Offenbarung Johannes [&#8230;].<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"> (6) <\/a><\/p>\n<p>Die reichen Bildbeigaben in den Nachdrucken der Lutherbibel ebenso wie die Bildausstattung der (erst 1534 erscheinenden) Gesamtbibel erfreuten sich im Laufe der Zeit gro\u00dfer Beliebtheit.<\/p>\n<p>In der Renaissance hatte bereits Albrecht D\u00fcrer einen Zyklus zur Offenbarung des Johannes auf Holzschnitten entworfen.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"> (7) <\/a> Auf einem begegnet uns die Szene, wo der m\u00e4chtige Engel dem Seher das Buch zum Verschlingen reicht.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"> (8) <\/a><\/p>\n<p><em>Bildbetrachtung \u2013 Albrecht D\u00fcrer: Holzschnitt zur \u201eApokalypse\u201c (1498)<\/em>:<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"> (9) <\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-16744\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/duerer-apokalypse-218x300.jpg\" alt=\"\" width=\"429\" height=\"588\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/duerer-apokalypse-218x300.jpg 218w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/duerer-apokalypse-9x12.jpg 9w\" sizes=\"auto, (max-width: 429px) 100vw, 429px\" \/><br \/>\n(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.prometheus-bildarchiv.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.prometheus-bildarchiv.de<\/a>)<\/p>\n<p>Mein Blick f\u00e4llt zun\u00e4chst auf die am Boden kauernde Gestalt, die durch den Titel des Bildes als \u201eJohannes auf Patmos\u201c identifiziert wird. Er wirkt auf mich nicht gerade gl\u00fccklich: sehr angestrengt! Offensichtlich hat er bereits damit begonnen, das ihm von einem riesigen Engel dargereichte Buch zu verschlingen. Man m\u00f6chte ihn bedauern!<\/p>\n<p>Der Engel hingegen wirkt recht freundlich, eher Frohsinn \u2013 im wahrsten Sinne \u2013 ausstrahlend:<\/p>\n<p>Sein strahlenumkr\u00e4nztes Haupt ist umgeben von einem Regenbogen, und von seinem Gesicht gehen nochmals \u2013 und zwar nach unten hin sehr weitreichend \u2013 Sonnenstrahlen aus, die aber nicht den Seher erreichen.<\/p>\n<p>Aber jetzt m\u00f6chte ich die Bildbetrachtung Ihnen, liebe Gemeinde, \u00fcberlassen. Und ich halte es f\u00fcr hilfreich, wenn sich einige unter uns ganz spontan zu diesem Bild \u00e4u\u00dfern. Es geht um Ihre subjektiven Eindr\u00fccke, nicht um kunsthistorisches Wissen.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"> (10) <\/a><\/p>\n<p><em>Bildbetrachtung seitens der Gemeinde \u2013 Raum f\u00fcr spontane \u00c4u\u00dferungen zum Bild. <\/em><\/p>\n<p>Ich danke Ihnen sehr, denn nun haben wir gemeinsam mehr Sehen gelernt, als ein Einzelner imstande w\u00e4re. Dennoch: Bilder \u2013 auch die zuvor vision\u00e4r geschauten und dann sprachlich verdichteten \u201eBilder\u201c der Offenbarung \u2013 sind zwar \u201eprinzipiell verst\u00e4ndlich, und doch gibt es f\u00fcr ihre Sichtbarkeit keine zureichende \u00dcbersetzung. Sie sind an den <em>Blick<\/em> adressiert, der sie <em>visuell<\/em> zu realisieren <em>versteht<\/em>.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"> (11) <\/a> \u2013 Mit anderen Worten: Bilder und Gesichte (so darf ich hinzu-f\u00fcgen) werden uns eher im Akt des Sehens verst\u00e4ndlich als im Reden \u00fcber sie.<\/p>\n<p>Johannes m\u00f6chte uns zur vision\u00e4ren Schau seiner Hoffnungsbilder einladen. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a> (1) Vgl. Suzanne de Di\u00e9trich: Was Gott mit uns vorhat. Ein Wegweiser durch die Bibel (1967), 347f (inkl. Anm.); Originalausgabe: \u201eLe dessein de Dieu\u201c, Reihe: \u201eS\u00e9rie biblique de l\u2019actualit\u00e9 protestante\u201c; \u00fcbersetzt von M. Thurneysen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><\/a> (2) Es empfiehlt sich, diesen Text kurz nachzuerz\u00e4hlen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\"><\/a> (3) Diese Vorrede Luthers hat bis zum Jahre 1530 in den Ausgaben des Neuen Testamentes gestanden (letzter Druck von 1527). Die Ausgabe von 1530, die auch in anderen Zusammenh\u00e4ngen eine Milderung des Urteils Luthers bringt (vgl. z.B. die Vorrede zum Jakobusbrief) ersetzt die kurze Vorrede mit ihrer rundweg ablehnen-den Haltung zur Offenbarung dann durch eine sehr viel ausf\u00fchrlichere, aus welcher wir erfahren, da\u00df Luthers Stellung zur Offenbarung Johannes sich inzwischen wesentlich gewandelt hat. Trotz nicht weniger Vorbehalte hat er es jetzt gelernt, die Offenbarung in ihrer Bedeutung f\u00fcr den einzelnen Christen wie die Kirche zu sch\u00e4tzen. W\u00e4hrend er sie vorher \u2013 wenigstens f\u00fcr seine Person, ohne dadurch das Urteil anderer beeinflussen zu wollen \u2013 mit schroffen Worten ablehnt, ist er jetzt zwar auch noch der Meinung, die Offenbarung stamme nicht vom Apostel Johannes. Sie geh\u00f6re auch zur niedrigsten Stufe der Weissagung, welche solange verborgen bleibe, wie die rechte Deutung f\u00fcr ihre Bildsprache nicht gefunden sei. Aber er will doch jetzt selbst einen solchen Versuch der Deutung des geheimnisvollen Buches machen, welches der Christenheit zur Tr\u00f6stung und zur Warnung geschrieben sei. [Martin Luther: Vorrede zur Offenbarung Johannes (1522), S. 4. Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther, S. 3105 (vgl. Luther-W Bd. 5, S. 362\u2013363)].<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\"><\/a> (4) Martin Luther: Vorrede zur Offenbarung Johannes (1522), S. 2. Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther, S. 3103 (vgl. Luther-W Bd. 5, S. 65).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\"><\/a> (5) Noch im Neugriechischen hei\u00dft \u201eSonntag\u201c Kuriakh \u2013 \u201eHerrentag\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\"><\/a> (6) Martin Luther: Wider die himmlischen Propheten, von den Bildern und Sakrament (1525), S. 89. Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther, S. 2680 (vgl. Luther-W Bd. 4, S. 358).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\"><\/a> (7) Deren Gesamtfolge liegt eine Erz\u00e4hlstruktur mit verschachtelter Syntax zugrunde. Ein Blick auf die deutsche oder die beiden lateinischen Ausgaben zeigt, dass ein Zusammenhang zwischen dem Text der Offenbarung und den Holzschnitten besteht, was zu einer Zusammenschau von Wort und Bild einl\u00e4dt. \u2013 Erwin Panofsky weist diesen Zusammenhang zur\u00fcck; vgl. Peter Kr\u00fcger: D\u00fcrers \u201eApokalypse\u201c. Zur poetischen Struktur einer Bild-erz\u00e4hlung der Renaissance (1996): \u201eBild und Text in D\u00fcrers \u201eApokalypse\u201c, 42\u201348: 42f, siehe auch: \u201eDie Erz\u00e4hl-struktur der Gesamtfolge\u201c, 49\u201367.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\"><\/a> (8) An dieser Stelle sollte nach M\u00f6glichkeit das Bild gezeigt werden. \u2013 Die anschlie\u00dfende Bildmeditation mag individuell gestaltet werden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\"><\/a> (9) Der Evangelist Johannes auf Patmos, das Buch verschlingend (Der \u201eStarke Engel\u201c) (B.70); P. Kr\u00fcger: D\u00fcrers \u201eApokalypse\u201c: Abbildungen (S. 139ff): VIII, S. 149. Vgl. D\u00fcrers Apokalypse und ihre Wirkung. Ausstellung im Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig 22. September \u2013 20. November 1994; Peter Martin: Martin Luther und die Bilder zur Apokalypse. Die Ikonographie der Illustrationen zur Offenbarung des Johannes in der Luther-bibel 1522 bis 1546, VB 5 (1983), 156ff und 186f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\"><\/a> (10) Der Prediger sollte sich \u2013 wenigstens f\u00fcr ca. zwei bis drei Minuten \u2013 zur\u00fccknehmen und wirklich aus dem Kreis der Gemeinde \u00c4u\u00dferungen zum Bild kommentarlos aufnehmen. Anschlie\u00dfend kann er ggf. das eine oder andere des Gesagten in den Schluss seiner Predigt einflie\u00dfen lassen. Ein Lob f\u00fcr die Mitarbeit der Gemeinde sollte auch artikuliert werden!<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\"><\/a> (11) Gottfried Boehm: Sehen. Hermeneutische Reflexionen, in: Kritik des Sehens, hg. v. Ralf Konersmann (1997), 272\u2013298: 279.<\/p>\n<p><strong>Thomas Bautz<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag im Advent, 27. November 2005 Predigt \u00fcber Offenbarung 5, 1-14, verfasst von Thomas Bautz Liebe Gemeinde! 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