{"id":10840,"date":"2021-02-07T19:49:10","date_gmt":"2021-02-07T19:49:10","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10840"},"modified":"2023-01-30T10:31:17","modified_gmt":"2023-01-30T09:31:17","slug":"lukas-4-16-30-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-4-16-30-2\/","title":{"rendered":"Lukas 4, 16-30"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">1. Sonntag im Advent, 27. November 2005<br \/>\nPredigt \u00fcber Lukas 4, 16-30, verfasst von Lars Ole Gjesing (D\u00e4nemark) <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>(Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Jede Zeit hat ihre eigene Qualit\u00e4t. Es ist, als w\u00e4ren Vormittage aus einem anderen Stoff gemacht als Nachmittage. Und der \u00dcbergang vom einen zum andern geschieht akkurat, wenn wir essen. Es ist nicht einfach nur die Uhrzeit, die den Unterschied zwischen Vormittag und Nachmittag ausmacht \u2013 der Unterschied tritt durch das Ritual der Mahlzeit ein.<\/p>\n<p>Auf genau dieselbe Weise sind Ferientage im Sommer f\u00fcr jedes Schulkind von ganz anderer Art, und sie werden auf ganz andere Art und Weise erlebt als alle anderen Tage. Der letzte Schultag macht den Unterschied. \u2013 Wenn man erstmal darauf aufmerksam geworden ist, dann zeigt sich, dass es zahllose verschiedene Zeiten gibt, die uns viele ganz verschiedene Stimmungen erleben lassen. Geburtstage sind durchgreifend verschieden von anderen Tagen. Bis vor 20 bis 30 Jahren war der Sonntag v\u00f6llig verschieden von anderen Tagen: feine Kleidung, Sonntagsessen, geschlossene Gesch\u00e4fte, Fahne, eine ganz besondere Stimmung.<\/p>\n<p>Ich glaube, diese Unterschiede zwischen den Zeiten sind sehr viel wichtiger f\u00fcr unser Leben, als wir uns unmittelbar klar machen. Die verschiedenen Stimmungen bedeuten Variation in unserem inneren Leben und eben dies, dass wir einen Wechsel merken, verleiht erh\u00f6hte Lebenslust und neue Kraft. Am wichtigsten ist vielleicht, dass die verschiedenen Zeiten die M\u00f6glichkeit geben, sich auf etwas zu freuen, das anders ist, als das, was wir gerade in H\u00e4nden halten. \u2013 Wenn es keine Unterschiede g\u00e4be, w\u00fcrde sich eine gewaltige Langeweile einstellen, eine Monotonie, die deprimierend w\u00e4re. Es ist in der Tat charakteristisch gerade f\u00fcr deprimierte Menschen, dass sie sich auf nichts freuen, bei ihnen ist der Sinn f\u00fcr die Unterschiedlichkeit der Zeiten und f\u00fcr die neue Kraft, die damit verbunden ist, gleichsam erloschen \u2013 es geh\u00f6rt zum Wesen der Depression, dass einem genau dieser Sinn fehlt.<\/p>\n<p>Die erste Sch\u00f6pfungsgeschichte enth\u00e4lt tiefe Einsichten in dieser Hinsicht. Die Sch\u00f6pfungsgeschichte handelt ja nicht davon, wie die Welt entstanden ist, sondern davon, was im Dasein am wichtigsten und fundamentalsten ist. Am vierten Tag, so wird erz\u00e4hlt, setzt Gott Sonne, Mond und Sterne an den Himmel \u2013 nicht um Licht zu machen, denn das wurde ja schon am ersten Tag geschaffen. Nein, Sonne und Mond sollen sich am Himmel bewegen, damit die Menschen ausrechnen k\u00f6nnen, wann Feiertag ist, d.h. Festtag, und wann nicht; d.h. was da am 4. Tag eingerichtet wird, ist ganz einfach die Verschiedenheit der Zeiten. Ja, schon am ersten Tag beginnt Gott mit dieser schwierigen Arbeit, wenn er den Unterschied von Nacht und Tag festlegt, und er f\u00e4hrt am siebten Tag damit fort, dass er den Ruhetag erfindet.<\/p>\n<p>All dies \u00fcber den antidepressiven Unterschied zwischen den Zeiten ist selbstverst\u00e4ndlich heute zu erw\u00e4hnen, weil der 1. Sonntag im Advent einer der gr\u00f6\u00dften Zeitenwechsel des ganzen Jahres ist. Hier im Hause ist es ein so gro\u00dfer Wechsel, dass wir sagen, ein ganz neues Kirchenjahr nimmt heute seinen Anfang. Man kann es ganz deutlich merken, vor allem wenn man in die Kirche kommt. Die vielen Wochen, die jetzt hinter uns liegen, waren dunkel und grau, die Wolken waren grau und das Laub fiel \u2013 f\u00fcr viele Menschen stellt die Zeit von Oktober bis November auch eine gute und zufriedenstellende Arbeitszeit dar, in der man den Blick nicht so sehr vom Allt\u00e4glichen zu heben hat, sondern einiges erledigen kann, w\u00e4hrend drau\u00dfen Herbst und Dunkelheit sich ausbreiten. Und hier drinnen haben wir seit Pfingsten die Trinitatissonntage in langer Reihe gez\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Und heute ist pl\u00f6tzlich eine andere Zeit da. Jetzt ist es richtig, das erste Licht im Adventskranz anzuz\u00fcnden, jetzt ist es an der Zeit, die prachtvollen und ganz andersartigen Adventslieder zu singen. Der Blick hebt sich von der allt\u00e4glichen Arbeit und richtet sich nach vorn; die Freude \u00fcber eine Festzeit, die sich n\u00e4hert, beginnt hervorzuwachsen.<\/p>\n<p>Es gibt gute und tiefe Gr\u00fcnde daf\u00fcr, das der gro\u00dfe Wechsel des Kirchenjahres eben jetzt eintritt. Die Adventszeit ist dazu bestimmt, Jesu Ankunft zu feiern und vorzubereiten. Das ist die Bedeutung von Advent. D.h. im Advent feiern wir im Grunde den gro\u00dfen weltgeschichtlichen Wechsel in der Qualit\u00e4t der Zeit, der eintrat, als Jesu Wirken stattfand. Damals, als zum ersten Mal gesagt wurde, dass die Liebe Gottes die Welt tr\u00e4gt und dass es der Sinn des Lebens von Menschen ist, eine passende Antwort auf die Liebe zu geben. Die Zeit danach ist von anderer Art als die Zeit davor, weil Worte wie Barmherzigkeit, Befreiung, Vergebung und Liebe als das Entscheidende eingesetzt sind. \u2013 Es sind Worte, wie sie Jesus im Text von heute den Menschen seiner Stadt in der Synagoge von Nazareth verehrt. Dass sie sie mit Nachdruck ablehnen, \u00e4ndert nichts daran, dass die Worte in die Welt gesetzt wurden.<\/p>\n<p>Dieser Unterschied in der Qualit\u00e4t der Zeit vor und nach Jesus war den Alten von Anfang an klar. Sie verwandten einen ganz bestimmten Ausdruck daf\u00fcr, n\u00e4mlich \u201edie F\u00fclle der Zeit\u201c. Paulus ist sein Erfinder. Er stellt sich die Zeit als ein Gef\u00e4\u00df vor, in das Wasser l\u00e4uft bis zu dem entscheidenden Punkt, an dem das Gef\u00e4\u00df gef\u00fcllt ist. Der Punkt, an dem die Zeit vollgelaufen ist, ist das Signal, dass Gott der Vater seinen Sohn schickt und mit Hilfe seiner Worte die Zeit ver\u00e4ndert, indem Glaube, Hoffnung und Liebe hier auf Erden gepflanzt werden. Hierin liegt auch die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, dass man im d\u00e4nischen Gesangbuch vergebens nach dem Wort Advent sucht. Alle Adventslieder stehen unter der \u00dcberschrift \u201eF\u00fclle der Zeit\u201c.<\/p>\n<p>Es ist also durchaus sinnvoll, ein neues Kirchenjahr damit zu beginnen, dass wir uns auf die Zeit konzentrieren, da sie erf\u00fcllt war und ihren Charakter \u00e4nderte. Wir feiern das, indem wir selbst die Zeit \u201eauswechseln\u201d. Und wir nehmen uns einen Bericht vor, der ganz kurz und gleichsam wie ein Programm das zusammenfasst, was das Entscheidende an der F\u00fclle der Zeit war: der Text, \u00fcber den Jesus predigt, handelt davon, dass er gesandt ist, dass er die frohe Botschaft f\u00fcr Arme, Befreiung f\u00fcr Gefangene, Augenlicht f\u00fcr Blinde, Freiheit f\u00fcr Unterdr\u00fcckte, Gnade von Gott bringt. Und seine Predigt, die die k\u00fcrzeste der Welt ist, sagt nur, dass heute die Zeit gewechselt hat, so dass diese Worte nicht mehr nur vergebliche Tr\u00e4ume sind, sondern Gottes des Vaters eigene Verhei\u00dfungen f\u00fcr seine Kinder. Amen.<\/p>\n<p><strong>Pastor Lars Ole Gjesing<br \/>\nS\u00f8ndergade 43<br \/>\nDK-5970 \u00c6resk\u00f8bing<br \/>\nTel.: +45 62 52 11 72<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:logj@km.dk\">logj@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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