{"id":10857,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10857"},"modified":"2023-03-03T22:30:33","modified_gmt":"2023-03-03T21:30:33","slug":"roemer-15-4-13-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-15-4-13-2\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 15, 4-13"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">3. Sonntag im Advent, 11. Dezember 2005<br \/>\nPredigt \u00fcber R\u00f6mer 15, 4-13, verfasst von Johannes Neukirch<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>&#8222;Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr eintr\u00e4chtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gem\u00e4\u00df, damit ihr einm\u00fctig mit &#8222;einem&#8220; Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Juden geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verhei\u00dfungen zu best\u00e4tigen, die den V\u00e4tern gegeben sind; die Heiden aber sollen Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht (Psalm 18,50): \u00bbDarum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.\u00ab Und wiederum hei\u00dft es (5.Mose 32,43): \u00bbFreut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!\u00ab Und wiederum (Psalm 117,1): \u00bbLobet den Herrn, alle Heiden, und preist ihn, alle V\u00f6lker!\u00ab Und wiederum spricht Jesaja (Jesaja 11,10): \u00bbEs wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais und wird aufstehen, um zu herrschen \u00fcber die Heiden; auf den werden die Heiden hoffen.\u00ab Der Gott der Hoffnung aber erf\u00fclle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>das war doch eine sch\u00f6ne Szene vor kurzem im neu gew\u00e4hlten Bundestag. Als der SPD-Politiker Struck an das Rednerpult ging und sagte, dass viele im Bundestag noch ein wenig Probleme damit h\u00e4tten, bei einer Rede der CDU-Bundeskanzlerin ordentlich zu klatschen. So ist das nun mal \u2013 die Parteien, die sich Monate lang bis aufs Messer bek\u00e4mpft hatten, landeten in einer Koalition, in einem B\u00fcndnis, und mussten sich pl\u00f6tzlich vertragen. F\u00fcr die Abgeordneten bekommt also dieser Satz \u201eDer Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr eintr\u00e4chtig gesinnt seid untereinander\u201c eine ganz neue Bedeutung.<\/p>\n<p>Dabei haben es die Abgeordneten eigentlich gar nicht so schwer, eintr\u00e4chtig gesinnt zu sein. Denn sie wissen ganz genau, warum sie das tun sollten! Weil sie anders gar keine Chance haben, an der Macht zu bleiben. Weil die ganzen Verhandlungen zum Koalitionsvertrag umsonst gewesen w\u00e4ren. Weil es f\u00fcr unser Land sehr problematisch w\u00e4re, wenn diese Zwangsehe nicht halten und vor allen Dingen nichts bewirken w\u00fcrde. Gr\u00fcnde genug zu sagen: lasst uns eintr\u00e4chtig gesinnt sein. Wenigstens vier Jahre lang\u2026<\/p>\n<p>Aber wie ist das bei uns, bei den Christinnen und Christen, in den vielen Gemeinden und Kirchen und Konfessionen? Warum sollen wir eintr\u00e4chtig gesinnt sein? Warum sollen wir mit \u201eeinem\u201c Munde Gott loben? Wo doch schon in den paar Gemeinden, die Paulus vor Augen hat, offensichtlich eine Ermahnung n\u00f6tig war! Und jetzt, ungef\u00e4hr 1950 Jahre nachdem Paulus das geschrieben hat, ist die Lage ja nun wirklich ein wenig anders geworden. Wir reden von weltweit ungef\u00e4hr zwei Milliarden Menschen, die sich zum Christentum bekennen.<\/p>\n<p>Wenn ich unseren Text richtig verstehe, dann ist das Einander-Annehmen aber gerade das Herzst\u00fcck der christlichen Gemeinschaft: <a href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/act.php?text_ref=45015005\"> \u201e<\/a>Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr eintr\u00e4chtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gem\u00e4\u00df, damit ihr einm\u00fctig mit &#8222;einem&#8220; Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.\u201c Und egal wie es unter den Christinnen und Christen weltweit aussieht \u2013 egal, wie zerstritten die Konfessionen sind \u2013 egal, wie schwierig die Gemeinschaft in einer einzelnen Gemeinde sein kann: Dieser Satz \u201eDarum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob\u201c ist und bleibt wirksam. Seit fast 2000 Jahren fordert er Christinnen und Christen heraus. Niemand w\u00fcrde jemals auf die Idee kommen zu sagen: das ist nicht n\u00f6tig. Obwohl uns allen bewusst ist, dass wir daran auch immer wieder scheitern.<\/p>\n<p>Denn wir merken sofort, wie sich dieser Satz von der vorhin erw\u00e4hnten Szene im Bundestag unterscheidet. Wenn es bei Paulus hei\u00dft, dass wir eintr\u00e4chtig gesinnt und uns annehmen sollen, dann geht es nicht darum, sich mal vor\u00fcbergehend zu vertragen oder Kompromisse zu schlie\u00dfen oder gemeinsame Ziele zu verfolgen. Es geht vielmehr um Christus \u2013 um Christus und das, was er f\u00fcr uns ist.<\/p>\n<p>Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat. Das hei\u00dft doch: Besinnt euch darauf, was Christus f\u00fcr euch bedeutet und in euch bewirkt. Er kommt uns nahe, als Mensch, als Kind in der Krippe. Und w\u00e4hrend er uns so nahe ist, vers\u00f6hnt er uns mit Gott und \u00f6ffnet unsere Herzen f\u00fcr unseren himmlischen Vater. Das kann uns nicht unber\u00fchrt lassen, das kann nicht folgenlos bleiben.<\/p>\n<p>Ich habe vorhin gesagt, dass sich weltweit ungef\u00e4hr zwei Milliarden Menschen zum christlichen Glauben bekennen Immerhin 400 Millionen von diesen zwei Milliarden werden vom so genannten \u00d6kumenischen Rat der Kirchen vertreten. Das ist eine internationale Gemeinschaft von 342 christlichen Kirchen weltweit.<\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr alle sieben Jahre treffen sich Vertreterinnen und Vertreter dieser Kirchen zu einer Vollversammlung, die n\u00e4chste ist im Februar und zwar in Porto Alegre in Brasilien. Zu jeder Vollversammlung gibt es einen Leitspruch. F\u00fcr den kommenden Februar ist er als Gebet formuliert: &#8222;In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt&#8220;.<\/p>\n<p>Ich finde, liebe Gemeinde, dass dieser Leitspruch sehr gut zusammenfasst und bekr\u00e4ftigt, was Paulus uns heute sagen will. Ja, wir wollen, dass sich die Welt verwandelt. Dass wir alle einm\u00fctig gesinnt sind, dass wir mit einem Munde Gott loben, dass wir einander annehmen, so wie uns Christus angenommen hat. Denn wir wissen ganz genau, dass uns nur das weiter hilft.<\/p>\n<p>Und jetzt stellen Sie sich diese Vollversammlung im Februar vor: es werden weit \u00fcber 2000 Menschen erwartet, aus vielen L\u00e4ndern, aus vielen verschiedenen Konfessionen. Sie werden diskutieren und sich streiten und es wird auch ganz menschlich zugehen. Und wieder einmal wird allen klar werden, dass die Einheit der Christenheit kein menschliches Werk sein kann. Das kann nur der Heilige Geist bewirken! Deshalb ist dieser Leitspruch als Gebet formuliert: \u201eIn deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt\u201c. Denn nur die Gnade Gottes kann uns voranbringen. Zur\u00fcck zu ihm, zur Quelle des Heils, des Trostes und der Befreiung.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist allen klar, dass wir genau so gefragt sind, wenn es um die Verwandlung der Welt geht, um Frieden, um Gerechtigkeit, um die Bewahrung der Sch\u00f6pfung. \u201eDenn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.\u201c hei\u00dft es bei Paulus an einer anderen Stelle.<\/p>\n<p>Nein, wir lehnen uns nicht zur\u00fcck. Wir meinen aber auch nicht, dass wir ohne die Gnade Gottes viel bewirken k\u00f6nnten. Deswegen ist es gut zu beten: &#8222;In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt&#8220;. Wir tragen dieses Gebet immer wieder vor Gott und halten uns selbst daran fest. Christus hat uns angenommen, also k\u00f6nnen auch wir einander annehmen. Er gibt uns den Grund und die Kraft, so zu tun. Mit Paulus w\u00fcnschen wir uns in deshalb, dass uns der Gott der Hoffnung mit aller Freude und mit Frieden im Glauben erf\u00fclle, damit wir immer reicher werden an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Johannes Neukirch, Hannover<br \/>\n<a href=\"mailto:johannes.neukirch@evlka.de\">johannes.neukirch@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag im Advent, 11. Dezember 2005 Predigt \u00fcber R\u00f6mer 15, 4-13, verfasst von Johannes Neukirch &#8222;Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. 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