{"id":10862,"date":"2021-02-07T19:49:00","date_gmt":"2021-02-07T19:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10862"},"modified":"2023-02-07T14:38:18","modified_gmt":"2023-02-07T13:38:18","slug":"roemer-15-5-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-15-5-7\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 15, 5-7"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">3. Sonntag im Advent, 11. Dezember 2005<br \/>\nPredigt \u00fcber R\u00f6mer 15, 5-7, verfasst von Christine Hubka <\/span><\/b><\/h3>\n<p><strong>Vorbemerkung:<\/strong><br \/>\nIn diesem Gottesdienst werden zwischen 20 und 30 Jugendliche anwesend sein.<br \/>\nDie Predigt ist stark auf sie ausgerichtet.<\/p>\n<p>Ritter Ivor tr\u00e4gt eine gepflegte R\u00fcstung.<br \/>\nDie beweglichen Teile sind ge\u00f6lt.<br \/>\nDie ledernen Teile sind gut gefettet.<br \/>\nDer Helm gl\u00e4nzt.<br \/>\nDas Schwert ist scharf geschliffen,<br \/>\nohne Scharten und Ecken.<\/p>\n<p>Es ist Sonntag.<br \/>\nRitter Ivor betritt die Kirche.<br \/>\nDas Schwert steckt in der Scheide.<br \/>\nBeim Eintreten nimmt er den Helm vom Kopf<br \/>\nund klemmt ihn sich unter den Arm.<\/p>\n<p>Kurz nach ihm<br \/>\ngaloppiert Ritter Arthur vor die Kirche.<br \/>\nEr bindet sein Pferd an einen Baum.<br \/>\nAuch er nimmt den Helm vom Kopf<br \/>\nund betritt schnellen Schrittes den Vorraum der Kirche.<\/p>\n<p>Dort trifft er auf Ritter Ivor,<br \/>\nder ihm vor Jahren das sch\u00f6ne Burgfr\u00e4ulein Isolde weggeschnappt hat.<br \/>\nSeit damals sind die beiden erbitterte Feinde,<br \/>\nauch wenn Isolde inzwischen l\u00e4ngst mit einem anderen verheiratet ist.<br \/>\nNun stehen sie einander gegen\u00fcber.<br \/>\nDen Helm unter dem Arm.<br \/>\nUngesch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Ritter Ivor neigt das Haupt kaum merklich zum Gru\u00df,<br \/>\nals er den Feind erblickt.<br \/>\nRitter Arthur erwidert mit ebenso kaum merklichem Nicken.<br \/>\nDann treten die beiden nebeneinander durch die breite T\u00fcre in den Gottesdienstraum.<br \/>\nSie streben auseinander<br \/>\nIvor sucht sich einen Platz links vorne.<br \/>\nArthur nimmt rechts hinten Platz.<\/p>\n<p>Der Gottesdienst beginnt.<br \/>\nNachdem sie den Schreck<br \/>\nihres unerw\u00fcnschten<br \/>\nZusammentreffens \u00fcberwunden haben,<br \/>\nentspannen sich die beiden.<br \/>\nArthur verbietet sich alle Phantasien,<br \/>\nwie es w\u00e4re,<br \/>\nwenn er mit einem Schlag des Schwertes den ungesch\u00fctzten Gegner \u2026<\/p>\n<p>Ivor erlaubt sich nicht, nach hinten zu sp\u00fcren,<br \/>\nin die Richtung, wo Arthur sitzt.<br \/>\nEr konzentriert sich auf den Verlauf des Gottesdienstes vorne am Altar.<br \/>\nEr wei\u00df, dass ihm hier in diesem Raum,<br \/>\nnichts passieren wird.<br \/>\nBeide erheben sich,<br \/>\nals aus der Heiligen Schrift gelesen wird:<\/p>\n<p><strong>Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr eintr\u00e4chtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gem\u00e4\u00df,<br \/>\ndamit ihr einm\u00fctig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.<br \/>\nDarum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. <\/strong>(R\u00f6 15, 5 \u2013 7)<\/p>\n<p>Beide singen mit der Gemeinde stehend das Halleluja nach der Schriftlesung.<br \/>\nDann nehmen alle wieder Platz.<\/p>\n<p>Und ich frage euch:<br \/>\nWenn ihr Ivor und Arthur anseht,<br \/>\nMeint ihr: erf\u00fcllen sie das,<br \/>\nwas Paulus hier der Gemeinde ans Herz legt:<br \/>\n<strong>dass ihr einm\u00fctig mit einem Munde Gott lobt,<br \/>\nden Vater unseres Herrn Jesus Christus.<br \/>\nDarum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Ich meine: ja.<strong><br \/>\n<\/strong>Und das mag euch befremden,<br \/>\ndenn wir wissen,<br \/>\ndass die beiden nach dem Gottesdienst hinausgehen,<br \/>\nihre Helme aufsetzen und in verschiedene Richtungen davon reiten werden.<br \/>\nUnd wir wissen auch,<br \/>\ndass die beiden am n\u00e4chsten oder \u00fcbern\u00e4chsten Tag<br \/>\nwenn sie aufeinander treffen,<br \/>\nnicht mit einem Nicken des Kopfes<br \/>\naneinander vorbei gehen werden.<br \/>\nSondern es wird vielleicht zum Kampf kommen.<br \/>\nZum Zweikampf.<br \/>\nVielleicht aber<br \/>\nhaben sie auch gerade ihre Mannschaft dabei.<br \/>\nDann wird die Sache gr\u00f6\u00dfer.<br \/>\nVielleicht.<\/p>\n<p>Und dennoch meine ich:<br \/>\nJa,<br \/>\nsie haben im Gottesdienst einm\u00fctig,<br \/>\nmit einem Mund Gott gelobt,<br \/>\nals sie das Halleluja gesungen haben nach der Lesung.<br \/>\nAls sie nach der Predigt das Glaubensbekenntnis<br \/>\nmitgesprochen haben.<\/p>\n<p>Aber ich habe auch die Bemerkungen im Ohr,<br \/>\nvon denen, die kritisch auf uns,<br \/>\nauf die Menschen schauen,<br \/>\ndie in die Kirche gehen<br \/>\nund Gottesdienst feiern:<\/p>\n<p>\u201eAm Sonntag, da tun sie so heilig und friedlich.<br \/>\nUnd unter der Woche haun sie sich die Sch\u00e4del ein.\u201c<br \/>\nUnd das Wort Heuchelei schwingt mit<br \/>\nbei dieser Kritik,<br \/>\nwenn es nicht sogar ganz direkt ausgesprochen wird.<\/p>\n<p>Ich verstehe diese Kritik.<br \/>\nIch h\u00f6re die Anfrage dahinter:<br \/>\nWas bringt es, eine Stunde in der Woche den Kampf und die Auseinandersetzung einzustellen.<br \/>\nWenn die \u00fcbrige Zeit es doch weiter geht.<br \/>\nAber das ist es,<br \/>\nwas auch jedes Jahr zu Weihnachten passiert<br \/>\nund in vielen Kriegen passiert ist:<br \/>\nZu Weihnachten haben die k\u00e4mpfenden Truppen<br \/>\nf\u00fcr eine Zeit den Kampf eingestellt.<br \/>\nEine Kampfpause war es nur.<br \/>\nKein endg\u00fcltiges Ende des Krieges.<br \/>\nAber in dieser Pause haben alle aufgeatmet,<br \/>\nund auf dieser und auf jener Seite Gottesdienst gefeiert<br \/>\nund das als Wohltat empfunden.<\/p>\n<p>War das Heuchelei?<br \/>\nIch meine: das war so wenig geheuchelt,<br \/>\nwie Ivor und Arthur heucheln,<br \/>\nwenn sie gemeinsam das Halleluja singen<br \/>\nund das Vaterunser beten.<br \/>\nDer eine links vorne.<br \/>\nDer andere rechts hinten.<\/p>\n<p>Freilich bei den beiden kommt f\u00fcr mich noch eine Bedingung dazu:<\/p>\n<p>Keiner von beiden<br \/>\nKann nach dem Gottesdienst<br \/>\nmit dem Finger auf den anderen zeigen<br \/>\nund zu den Vorstehern der Gemeinde sagen:<br \/>\n\u201eDer nicht \u2013 der darf nicht hier herein.\u201c<br \/>\nOder:<br \/>\n\u201eWenn ihr dem erlaubt, da zu sein, dann geh ich<br \/>\nund komme nicht mehr her.\u201c<br \/>\nExkommunizieren<br \/>\nnennt man das auf Kirchen \u2013 Chinesisch.<\/p>\n<p>Die Frage ist nat\u00fcrlich auch:<br \/>\nWerden Ivor und Arthur an einem der n\u00e4chsten Sonntage zum Abendmahl gehen?<br \/>\nUnd ist es in Ordnung, wenn sie es tun?<\/p>\n<p>Da gibt es verschiedene Ans\u00e4tze:<br \/>\nIhr habt so wie ich wohl die Weisung von Jesus aus dem Matth\u00e4usevangelium im Ohr:<br \/>\nWenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und vers\u00f6hne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe. (Mt 5,23)<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Das ist der Grund, warum in manchen Gemeinden \u2013<strong><br \/>\n<\/strong>vor allem aber in der r.k. Kirche vor dem Abendmahl die Gemeinde aufgefordert wird:<br \/>\n\u201eGebt einander ein Zeichen des Friedens.\u201c<br \/>\nWie w\u00e4re es, wenn in Ivors und Arthurs Gemeinde,<br \/>\nso eine Aufforderung k\u00e4me.<br \/>\nUnd wenn alle darauf warten w\u00fcrden,<br \/>\nob sie nun aufeinander zugehen<br \/>\nund einander die Hand reichen.<\/p>\n<p>Ich meine \u2013 die Situation w\u00e4re schwierig.<br \/>\nUnd ich f\u00fcrchte auch,<br \/>\ndass sie nur wenig zum Frieden zwischen<br \/>\nIvor und Arthur beitragen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte ihnen aber auch nicht sagen:<br \/>\nIhr seid vom Abendmahl ausgeschlossen,<br \/>\nbis ihr ein Herz und eine Seele seid.<\/p>\n<p>Denn ich habe heute \u2013 so wie ihr \u2013<br \/>\nein anderes Wort von Jesus geh\u00f6rt:<\/p>\n<p>Blinde sehen und Lahme gehen, Auss\u00e4tzige werden rein und Taube h\u00f6ren, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; (Mt 11, 5).<br \/>\nDie Armen \u2013<br \/>\ndas sind die Bettler, wenn man es w\u00f6rtlich nimmt.<br \/>\nDie Bettler &#8211;<br \/>\nSo wie Martin Luther in der Stunde seines Todes gesagt hat: \u201eWir sind Bettler, das ist wahr.\u201c<br \/>\nDann w\u00e4re das Abendmahl das Bettlerbrot,<br \/>\ndas die bekommen, die nichts in der Hand haben,<br \/>\num selber Frieden zu machen.<\/p>\n<p>Wenn Ivor oder Arthur zum Abendmahl geht,<br \/>\ndr\u00fcckt er f\u00fcr mich damit aus:<br \/>\nIch brauche Hilfe von au\u00dfen:<br \/>\nVon Gott aber auch von Menschen,<br \/>\ndie au\u00dfenstehend sind<br \/>\nund nicht verwickelt in diese Geschichte zwischen uns.<\/p>\n<p>Der Gottesdienst geht dem Ende zu.<br \/>\nIvor und Arthur erheben sich<br \/>\nzusammen mit der Gemeinde.<br \/>\nGemeinsam empfangen sie den Segen.<br \/>\nGemeinsam singen sie das Schlusslied.<br \/>\nVor der Kirchent\u00fcr setzt jeder seinen Helm auf,<br \/>\nsteigt auf sein Pferd und reitet davon.<br \/>\nIvor nach Westen.<br \/>\nArthur nach Osten.<\/p>\n<p>Aber den ganzen Sonntag hindurch<br \/>\nleben sie von dem Geschehen dieser einen Stunde.<br \/>\nWo sie in einer Oase des Friedens sein konnten.<\/p>\n<p>Dass jeder Gottesdienst so eine Oase ist,<br \/>\nund die Sehnsucht nach Frieden n\u00e4hrt und wach h\u00e4lt<br \/>\ndaf\u00fcr sei Gott Lob und Preis in Ewigkeit.<\/p>\n<p><strong>Christine Hubka<br \/>\n<a href=\"mailto:christine.hubka@gmx.at\">christine.hubka@gmx.at<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag im Advent, 11. Dezember 2005 Predigt \u00fcber R\u00f6mer 15, 5-7, verfasst von Christine Hubka Vorbemerkung: In diesem Gottesdienst werden zwischen 20 und 30 Jugendliche anwesend sein. Die Predigt ist stark auf sie ausgerichtet. Ritter Ivor tr\u00e4gt eine gepflegte R\u00fcstung. Die beweglichen Teile sind ge\u00f6lt. Die ledernen Teile sind gut gefettet. Der Helm gl\u00e4nzt. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":16681,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41,616,1,727,157,120,853,227,114,978,349,3,109,1117],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10862","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-roemer","category-3-advent","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-bibel","category-christine-hubka","category-deut","category-kapitel-15-chapter-15-roemer","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-predigten-in-besonderem-kontext"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10862"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10862\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16682,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10862\/revisions\/16682"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16681"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10862"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10862"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10862"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10862"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10862"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}