{"id":10863,"date":"2021-02-07T19:49:03","date_gmt":"2021-02-07T19:49:03","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10863"},"modified":"2023-02-05T22:30:45","modified_gmt":"2023-02-05T21:30:45","slug":"roemer-15-4-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-15-4-13\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 15, 4-13"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">3. Sonntag im Advent, 11. Dezember 2005<br \/>\nPredigt \u00fcber R\u00f6mer 15, 4-13, verfasst von Thomas Robscheit <\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nam heutigen dritten Sonntag im Advent werden wir einen Abschnitt aus dem Brief des Paulus an die Christen in Rom bedenken. Zu Recht wird dieser Brief als Verm\u00e4chtnis des Paulus bezeichnet. Er ist das einzige erhaltene Dokument, in dem Paulus nicht auf Probleme reagiert, sondern umfassend darlegt, was f\u00fcr ihn am christlichen Glauben wichtig ist.<br \/>\nIn unserem Abschnitt ermahnt er zur Einheit bei verschiedener Vergangenheit und unterschiedlichen Vorstellungen in der Gemeinde, wie Christsein aussieht. Die St\u00e4rke einer Gemeinde erweist sich in deren Toleranzf\u00e4higkeit. Doch h\u00f6ren wir zun\u00e4chst auf den Text:<\/p>\n<p><em>R\u00f6m. 15, 4 Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben.<br \/>\n5 Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr eintr\u00e4chtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gem\u00e4\u00df,<br \/>\n6 damit ihr einm\u00fctig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.<br \/>\n7 Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.<br \/>\n8 Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Juden geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verhei\u00dfungen zu best\u00e4tigen, die den V\u00e4tern gegeben sind;<br \/>\n9 die Heiden aber sollen Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht (Psalm 18,50): \u00bbDarum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.\u00ab<br \/>\n10 Und wiederum hei\u00dft es (5. Mose 32,43): \u00bbFreut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!\u00ab<br \/>\n11 Und wiederum (Psalm 117,1): \u00bbLobet den Herrn, alle Heiden, und preist ihn, alle V\u00f6lker!\u00ab<br \/>\n12 Und wiederum spricht Jesaja (Jesaja 11,10): \u00bbEs wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais und wird aufstehen, um zu herrschen \u00fcber die Heiden; auf den werden die Heiden hoffen.\u00ab<br \/>\n13 Der Gott der Hoffnung aber erf\u00fclle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des heiligen Geistes.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Nanu?&#8220;, werden Sie jetzt vielleicht denken, &#8222;Von Toleranz ist nicht die Rede, es geht doch st\u00e4ndig um Juden und Heiden!&#8220; Und genau an diesem Punkt ist von Toleranz die Rede!<br \/>\nJesus und seine J\u00fcnger waren Juden, das ist so selbstverst\u00e4ndlich, dass es uns schnell aus dem Blick ger\u00e4t. Auch die ersten neuen Mitglieder der Gemeinde in Jerusalem d\u00fcrften Juden gewesen sein. Sie haben sich nach wie vor zur j\u00fcdischen Gemeinde gehalten, f\u00fcr sie waren die Gesetzte und Feiertage verbindlich geblieben. Sehr schnell aber fand das Evangelium aber auch Anh\u00e4nger unter den Nichtjuden, die Heiden genannt werden. \u00dcber Jahrzehnte gab es sehr heftige Spannungen zwischen den beiden christlichen Gruppen um die Frage, sind die j\u00fcdischen Gesetzte verbindlich oder nicht. Eine Gemeinde, die beides stehen lassen und aushalten kann, das ist eine starke eine Christus gem\u00e4\u00dfe Gemeinde.<br \/>\n&#8222;So, das war jetzt ein kurzer Abriss eines Problems von vor 2000 Jahren. Was aber hat das mit mir zu tun?&#8220;, so fragt sich der eine oder andere. &#8222;Wir sind alle &#8222;Heidenchristen&#8220;, diese Spannungen gibt es nicht mehr!&#8220;<br \/>\nSie haben recht, aber wie leicht l\u00e4sst sich Paulus\u00b4 Appell auch auf unsere Zeit \u00fcbertragen! Zum einen nach wie vor religi\u00f6s begr\u00fcndete Spannungen zwischen Juden und Christen, zum anderen aber auch innerhalb des Christentums: Sie alle kennen S\u00e4tze und Gedanken wie: &#8222;Uns so einer will Christ sein!&#8220;; &#8222;Wer Christ ist, der kann nicht zur Armee gehen!&#8220;, &#8222;Ein Christ nimmt seine B\u00fcrgerpflicht wahr und tritt f\u00fcr die Verteidigung der Freiheit ein!&#8220; usw. Es fallen Ihnen noch unz\u00e4hlige andere Beispiele ein, an denen deutlich wird, wie Christen einander den wahren Glauben absprechen, sei es in der Frage des Wehrdienstes, der Sterbehilfe, der Abtreibung oder der so genannten Homoehe.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, ich m\u00f6chte Ihren Blick aber auch auf einen anderen Gedanken lenken. Vielleicht sind Ihnen neben den Schlagworten Juden und Heiden auch die beiden Begriffe Verhei\u00dfung und Barmherzigkeit aufgefallen. Diese beiden Begriffe werden den beiden Gruppen, Juden und Heiden, zugeordnet. Nach Paulus\u00b4Auffassung beschreiben sie das Verh\u00e4ltnis Gottes zu den Menschen: die einmal gemachte Verhei\u00dfung wird nicht aufgehoben oder zur\u00fcckgenommen, denen, die auf Barmherzigkeit angewiesen sind, wird diese versprochen.<\/p>\n<p>&#8222;In welche Gruppe geh\u00f6ren wir?, Was welcher Begriff wird denen zugeordnet? Ah, ja Barmherzigkeit. Wunderbar!&#8220; &#8211; so kann man sich zur\u00fccklehnen. &#8222;Gott ist barmherzig, ich kann ja ohnehin nicht durch meine Werke gerecht werden! Zum Gl\u00fcck ist Gott barmherzig!&#8220; &#8211; also tue ich gar nichts. Wir h\u00f6ren das nicht gerne, aber tief in unser protestantisches Denken hat sich das eingegraben, mit fatalen Folgen. Christsein ist immer unverbindlicher geworden, christliches Engagement unterscheidet sich kaum noch von dem verantwortungsbewusster Atheisten.<br \/>\nAber verstehen wir in unserer Bauernschl\u00e4ue &#8222;Barmherzigkeit&#8220; \u00fcberhaupt richtig? Und was ist das mit der Verhei\u00dfung Gottes? Ist die angek\u00fcndigte Barmherzigkeit nicht auch Verhei\u00dfung?<br \/>\nWem wird eigentlich was Verhei\u00dfen? Was ist das mit den angesprochenen V\u00e4tern?<br \/>\nAbraham zum Beispiel. Der, dem versprochen wurde, dass aus ihm ein gro\u00dfes Volk hervorgehen werde. Ja, wir erinnern uns. Abraham und Sara, beide alt. Die Stadt Ur und die weite Wanderung, Probleme im gelobten Land. Aber Gottes Zusage an ihn ist r\u00fcckblickend eingehalten worden: ein ganzes Volk f\u00fchrt sich auf ihn zur\u00fcck. Abraham.<\/p>\n<p>Oder Mose. Der von den \u00c4gyptern wegen Mord Gesuchte. Gott schickt ihn zur\u00fcck. Vor den Pharao soll er treten um Gottes Volk aus der Knechtschaft zu befreien und in das gelobte Land zu f\u00fchren. Zur\u00fcck in die H\u00f6hle des L\u00f6wen: Ein Himmelfahrtskommando. Aber Mose geschieht nichts, selbst dem Zorn des Pharao entkommt er mit dem ganzen Volk, er kann Israel bis an die Grenze des gelobten Landes f\u00fchren.<\/p>\n<p>Verhei\u00dfung und Barmherzigkeit. So streng wie Paulus m\u00f6chte ich die Begriffe nicht mehr getrennt wissen. Noch deutlicher als ihm ist uns geworden, dass wir aus der selben Wurzel wachsen und uns dem selben Licht entgegenstrecken. Auch uns gilt Gottes Verhei\u00dfung, dass wir sein Volk sind. Nun ist das mit dieser Verhei\u00dfung aber eine zweischneidige Angelegenheit. Ist ihnen bei den beiden Beispielen, Abraham und Mose aufgefallen, dass ihnen nicht quasi aus heiterem Himmel etwas versprochen wurde, sie mit einem Geschenk \u00fcbersch\u00fcttet worden sind? Nein! Beide hatten einen Auftrag zu erf\u00fcllen, die Verhei\u00dfung war an Bedingungen gekn\u00fcpft! Das schmeckt uns nicht: ein fordernder Gott: &#8222;Geh in ein Land, das ich Dir verhei\u00dfen werde!&#8220; Es ist unbequem zu erfahren wie Mose, dass Gott keine Ausfl\u00fcchte gelten l\u00e4sst.<br \/>\nViele von uns haben gelernt diese fordernde Stimme Gottes zu \u00fcberh\u00f6ren: Wenn uns zur besten Sendezeit erfrierende Kinder ins Gewissen gebrannt werden, gehen die Wenigsten sofort los, schalten den Computer ein oder rufen ihre Bank an um zu Spenden. Wenn wir am Krankenhaus vorbeifahren, haben wir g\u00e4nzlich aus unserem Bewusstsein verdr\u00e4ngt, dass dort Menschen sind, die sich \u00fcber eine halbe Stunde Gesellschaft freuen oder nach einem Gebet sehnen.<\/p>\n<p>&#8222;Es gibt so viel Not, da kann man doch nur scheitern!&#8220;, rufen die Rechthaber. Ja, im ganzen Leben wird man immer wieder scheitern, aber Gott ruft uns nicht nur, schickt uns nicht nur auf schwere Wege, sondern er ist auch barmherzig! Wenn wir ihm vertrauen, die unbequemen Aufgaben angehen und dann scheinbar scheitern, wird er uns auffangen.<br \/>\nGottes Verhei\u00dfung des gelobten Landes steht nach wie vor, wer wagt die n\u00f6tigen Schritte?<\/p>\n<p><strong>Thomas Robscheit<br \/>\n<a href=\"mailto:robscheit@web.de\">robscheit@web.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag im Advent, 11. Dezember 2005 Predigt \u00fcber R\u00f6mer 15, 4-13, verfasst von Thomas Robscheit Liebe Gemeinde, am heutigen dritten Sonntag im Advent werden wir einen Abschnitt aus dem Brief des Paulus an die Christen in Rom bedenken. Zu Recht wird dieser Brief als Verm\u00e4chtnis des Paulus bezeichnet. 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