{"id":10870,"date":"2021-02-07T19:49:07","date_gmt":"2021-02-07T19:49:07","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10870"},"modified":"2023-02-02T09:39:56","modified_gmt":"2023-02-02T08:39:56","slug":"2-korinther-1-18-22-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-1-18-22-3\/","title":{"rendered":"2. Korinther 1, 18-22"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">4. Sonntag im Advent, 18. Dezember 2005<br \/>\nPredigt \u00fcber 2. Korinther 1, 18-22, verfasst von J\u00f6rg Egbert Vogel<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>18 Gott ist treu, er b\u00fcrgt daf\u00fcr, dass unser Wort euch gegen\u00fcber nicht Ja und Nein zugleich ist.<\/em><br \/>\n<em>19 Denn Gottes Sohn Jesus Christus, der euch durch uns verk\u00fcndigt wurde &#8211; durch mich, Silvanus und Timotheus -, ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen; in ihm ist das Ja verwirklicht.<\/em><br \/>\n<em>20 Er ist das Ja zu allem, was Gott verheissen hat. Darum rufen wir durch ihn zu Gottes Lobpreis auch das Amen.<\/em><br \/>\n<em>21 Gott aber, der uns und euch in der Treue zu Christus festigt und der uns alle gesalbt hat,<\/em><br \/>\n<em>22 er ist es auch, der uns sein Siegel aufgedr\u00fcckt und als ersten Anteil (am verheissenen Heil) den Geist in unser Herz gegeben hat.<\/em><br \/>\n(Einheits\u00fcbersetzung)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nals Kind bekam ich irgendwann zu Weihnachten oder zum Geburtstag ein Postspiel geschenkt. Unter anderem befand sich darin ein Siegel mit einem Posthorn darauf und eine Stange roter Siegellack. Es hat mich fasziniert, nun auf alle Schriftst\u00fccke und Briefumschl\u00e4ge ein Siegel zu dr\u00fccken. Diese umst\u00e4ndliche Prozedur des Anbrennens der Siegellackstange und das Tropfen der richtigen Menge aufs Papier und dann das Aufdr\u00fccken des Siegels und schliesslich das Ergebnis, der rot gl\u00e4nzende erh\u00e4rtete Abdruck. Nat\u00fcrlich sind einige Siegel auf Papieren gelandet, die daf\u00fcr nicht vorgesehen waren, was meine Eltern nicht immer erfreute.<br \/>\nIch \u00e4rgere mich bis heute, dass ich f\u00fcr mich kein Siegel mit meinen Initialen gekauft habe, als ich vor ein paar Jahren besonders sch\u00f6ne Exemplare in einem Laden in Italien gesehen habe. Doch es w\u00e4re nat\u00fcrlich l\u00e4cherlich, wenn ich meine Briefe siegeln w\u00fcrde. Und ich schreibe ja ohnehin fast nur noch Emails.<br \/>\nDass das Siegeln mich bis heute so fasziniert, h\u00e4ngt nicht nur mit der archaischen T\u00e4tigkeit zusammen, sondern auch mit seiner Bedeutung.<br \/>\nDas Siegel bezeichnet ja eine Zugeh\u00f6rigkeit, eine Besitzerkl\u00e4rung, eine Beglaubigung durch eine dazu besonders autorisierte Person.<br \/>\nUnd so hat sich das Siegeln auch in der Umgangssprache eingeb\u00fcrgert. Wir m\u00f6chten gerne &#8222;der Welt unser Siegel aufdr\u00fccken&#8220; und meinen damit, dass das, was wir tun, nicht verpuffen, sondern wirksam und sichtbar werden soll, m\u00f6glichst \u00fcber eine lange Zeit und von vielen wahrnehmbar.<br \/>\nOder wie es Albert Camus in seinem &#8222;Mythos des Sisyphos&#8220; ausgedr\u00fcckt hat: <em> Die Welt verstehen heisst f\u00fcr einen Menschen, sie auf das Menschliche zur\u00fcckf\u00fchren, ihr seinen Siegel aufdr\u00fccken.<\/em><\/p>\n<p>Paulus schreibt: <em> Gott ist es, der uns sein Siegel aufgedr\u00fcckt und den Geist in unser Herz gegeben hat.<\/em><br \/>\nEr sagt damit der Gemeinde in Korinth Gottes unersch\u00fctterliche Treue ihnen gegen\u00fcber zu.<br \/>\nGott sagt nicht heute &#8222;Ja&#8220; zu uns und morgen &#8222;Nein&#8220;, sondern sein &#8222;Ja&#8220;, das er in der Taufe zu uns gesagt hat, ist unverbr\u00fcchlich. Es kann \u2013 eben wie ein Siegel \u2013 nicht mehr entfernt werden.<\/p>\n<p>Gottes unentfernbares Siegel hebt den Menschen hervor, adelt ihn gleichsam. Ein Diener Gottes zu sein, ist f\u00fcr den Glaubenden die h\u00f6chste Auszeichnung, ja die Erf\u00fcllung seines Lebens.<\/p>\n<p>Gesiegelt zu sein von Gott, macht den gesiegelten Menschen zu etwas Besonderem, zu etwas Wertvollem.<br \/>\nSo wie ein gesiegeltes Schriftst\u00fcck etwas Besonderes ist und immer wahr.<\/p>\n<p>Im Katharinenkloster auf dem Sinai zeigt man dem Besucher gerne die Schutzurkunde die Mohammed dem Kloster ausstellen liess und die mit einem Handabdruck des Propheten gesiegelt ist.<\/p>\n<p>Sehr beeindruckend so ein Siegel. Das so gesiegelte Schriftst\u00fcck l\u00e4sst auf einen herausragend wichtigen oder extrem wertvollen Inhalt schliessen.<\/p>\n<p>Paulus schreibt im 3. Kapitel des 2. Korintherbriefes:<br \/>\n<em>Unverkennbar seid ihr ein Brief Christi, ausgefertigt durch unseren Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern &#8211; wie auf Tafeln &#8211; in Herzen von Fleisch.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Wir Christen, so verstehe ich den Apostel, sind f\u00fcr die Welt in der wir leben solche wichtigen, wertvollen und besonderen &#8222;Schriftst\u00fccke&#8220;, eben: Briefe Christi.<br \/>\nAn uns kann man ablesen, wie Gott zu den Menschen und der Welt steht.<br \/>\nWir sind das lebendige Schriftst\u00fcck, auf dem jeder lesen kann, dass Gott die Liebe ist und dass er die Welt nicht den Chaosm\u00e4chten \u00fcberl\u00e4sst, sondern ihr immer noch und immer wieder seine gute und befreiende Ordnung als sein Siegel aufdr\u00fcckt.<\/p>\n<p><em>Gott ist treu. Gottes Sohn Jesus Christus ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen; in ihm ist das Ja verwirklicht.<br \/>\nEr ist das Ja zu allem, was Gott verheissen hat.<br \/>\nGott ist es, der uns sein Siegel aufgedr\u00fcckt und den Geist in unser Herz gegeben hat.<\/em><\/p>\n<p>Gott macht uns nicht nur zu einem wertvollen Schriftst\u00fcck, das durch das Siegel als ihm zugeh\u00f6rig gekennzeichnet ist, sondern gibt auch den Inhalt des gesiegelten Schriftst\u00fcckes mit dazu: Der Geist, den er in unser Herz gegeben hat.<br \/>\nUnsere M\u00f6glichkeiten und F\u00e4higkeiten, der Welt die Liebe Gottes zu zeigen, sind begrenzt und wir m\u00fcssten daran scheitern, l\u00e4ge es nur an uns.<br \/>\nDoch Gott hat uns seinen Geist in unser Herz gegeben, den Geist des Friedens und der Vers\u00f6hnung, den Geist der Liebe und der Barmherzigkeit, den Geist der Gerechtigkeit und der Wahrheit.<\/p>\n<p>Wann und wo auch immer wir uns von diesem Geist leiten lassen, wenn wir ihm unser Herz \u00f6ffnen und ihn unser Denken und Handeln bestimmen lassen, werden wir als gesiegelte Schriftst\u00fccke, als Diener und Botschafter Gottes f\u00fcr andere erkennbar. Auch wenn wir klein und schwach und wenige sind, beeinflussen wir doch die Geschicke der ganzen Welt.<br \/>\nWir sind das Salz, hat Jesus gesagt, nicht die ganze Suppe, wir geben der Gesellschaft in der wir leben den Geschmack. Wenn dieser Geschmack fade wird, dann liegt das auch an uns.<br \/>\nWir sind der Sauerteig, ohne den das Brot nicht aufgeht, sich nicht entwickeln kann.<br \/>\nJesus sagt nicht, wenn ihr euch anstrengt, dann werdet ihr das irgendwann einmal sein. Wenn ihr eine grosse, un\u00fcbersehbare Organisation seid, wenn ihr Macht und Einfluss habt. Sondern: Ihr seid das, jetzt schon und schon immer, weil es nicht durch euch so ist, sondern durch den Geist, den Gott in eure Herzen gegeben hat und weil Gott euch sein Siegel aufgedr\u00fcckt hat.<\/p>\n<p>Der Gemeinde in Korinth damals will Paulus mit seinen Worten Gewissheit geben und sie zum Vertrauen in das unverbr\u00fcchliche &#8222;Ja&#8220; Gottes ermutigen.<br \/>\nDiese Gemeinde war in einer schwierigen zerrissenen Situation. Es gab verschiedene Arten, das Christsein zu leben, die miteinander konkurrierten. Es gab unterschiedliche Meinungen und Ausrichtungen unter den Gl\u00e4ubigen. Kurz: Es war eine ganz normale Gemeinde.<br \/>\nEine Gemeinde, die der heutigen Weltchristenheit gleichsam einen Spiegel vorh\u00e4lt.<br \/>\nDieser Gemeinde sagt Paulus zu, dass ihnen Gott treu ist, so unterschiedlich sie auch glauben, so verschieden sie denken und leben. Ihnen allen hat er seinen Geist ins Herz geben, der immer und \u00fcberall derselbe Geist ist.<\/p>\n<p>Allen Glaubenden hat Gott sein Siegel aufgedr\u00fcckt.<br \/>\nSo ist also die Einheit der Gemeinde, wie die Einheit der Kirchen \u00fcberhaupt, nicht in ihrer Gleichf\u00f6rmigkeit begr\u00fcndet, sondern darin, dass Gott ihnen allen gleichermassen sein Siegel aufgedr\u00fcckt hat, das durch alle Verschiedenheit hindurch und \u00fcber alle Unterschiedlichkeit hinweg f\u00fcr die Welt sichtbar wird.<\/p>\n<p>Das unverbr\u00fcchliche &#8222;Ja&#8220; Gottes zu uns beinhaltet auch seine Bereitschaft, uns immer mit offenen Armen aufzunehmen, wenn wir uns zu ihm fl\u00fcchten.<br \/>\nGott sorgt sich um uns. Er will, dass wir gl\u00fccklich und friedlich leben. Gottes &#8222;Ja&#8220; ist Geborgenheit und Licht, nicht finstere Drohung mit Gericht und Strafe.<\/p>\n<p>Diese Zuwendung Gottes zu uns Menschen feiern wir im Advent. Er kommt zu uns, er kommt uns nahe und ber\u00fchrt uns im Innersten, seinen Geist gibt er in unser Herz.<\/p>\n<p><em>Jesus Christus ist das Ja zu allem, was Gott verheissen hat. Darum rufen wir durch ihn zu Gottes Lobpreis auch das Amen.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pf. J\u00f6rg Egbert Vogel, Basel<br \/>\n<a href=\"mailto:j.e.vogel@gmx.ch\">j.e.vogel@gmx.ch<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.luther-basel.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.luther-basel.ch<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Sonntag im Advent, 18. Dezember 2005 Predigt \u00fcber 2. 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