{"id":10877,"date":"2021-02-07T19:49:02","date_gmt":"2021-02-07T19:49:02","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10877"},"modified":"2023-02-06T10:41:04","modified_gmt":"2023-02-06T09:41:04","slug":"johannes-3-25-36-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-3-25-36-2\/","title":{"rendered":"Johannes 3, 25-36"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">4. Sonntag im Advent, 18. Dezember 2005<br \/>\nPredigt \u00fcber Johannes 3, 25-36, verfasst von Lars Ole Gjesing (D\u00e4nemark) <\/span><\/b><\/h3>\n<p>(Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Teil der letzten Weihnachtsvorbereitungen besteht darin, aufzur\u00e4umen und Platz zu machen. Alles wird aufger\u00e4umt, was das Haus im Alltag f\u00fcllt, man r\u00e4umt auf nach der Weihnachtsbriefschreiberei und nach dem Packen von Geschenken und Paketen, und man macht Platz f\u00fcr den Weihnachtsbaum, f\u00fcr G\u00e4ste, kurz, man macht Platz f\u00fcr das Fest.<\/p>\n<p>Und hier im Haus ist es kein bisschen anders mit den Vorbereitungen f\u00fcr das Weihnachtsfest. Ganz konkret hat der Kirchendiener im Laufe der kommenden Tage Weihnachtsb\u00e4ume aufzustellen, \u00fcberall Kerzen aufzustellen und Schmuck zu verteilen. Aber auch in den Adventsgottesdiensten sind alle Texte sorgf\u00e4ltig f\u00fcr Vorbereitungen mit ihrer Hilfe ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Und das ganz besonders hier am 3. und 4. Sonntag im Advent, wo Johannes der T\u00e4ufer im Vordergrund steht. In der Jesusgeschichte ist er ja der Wegbereiter, der den Weg f\u00fcr den Herrn bahnt, der, der vorangeht. Die Arbeit Johannes\u2019 des T\u00e4ufers besteht also darin, aufzur\u00e4umen und alles an seinen Platz stellen, bevor Jesus kommt. Das ist die Weihnachtsvorbereitung der Adventsgottesdienste.<\/p>\n<p>Aber wie stellt er das an? Auf welche Weise r\u00e4umt er auf und bereitet er den Weg? Was ist das f\u00fcr eine innere Vorbereitung auf das Kommen Jesu, zu der er uns auffordert?<\/p>\n<p>Das ist eine umfassende Frage, ganz kurz kann man aber sagen: er will uns dazu bringen, dass wir uns klar machen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Kurz und gut, aber nicht eben wenig! Wenn man sich nicht wenigstens ein bisschen klar gemacht hat, was unsere Stellung und unser Wert und unsere Bestimmung hier auf Erden ist, dann haben wir nicht eben viele Chancen, irgend etwas von dem zu h\u00f6ren und zu begreifen, womit Jesus kommt.<\/p>\n<p>Was ist es also, das Johannes in seiner Verk\u00fcndigung und seiner Taufe \u00fcber uns sagt?<\/p>\n<p>In erster Linie sagt er, dass ein Mensch ein Schuldner ist. Das h\u00f6rte man nicht gern. Johannes wurde daf\u00fcr, dass er das sagte, umgebracht. Und man h\u00f6rt es auch heute nicht gern. Die st\u00e4rkste Kritik an der Kirche in den letzten hundert Jahren hat sich darauf bezogen, dass die Kirche mit all ihrer Rede von S\u00fcnde und Schuld Menschen in Schuldbewusstsein unterdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Aber es ist dennoch wahr, dass ein Mensch zu sein bedeutet, ein Schuldner zu sein. Was aber bedeutet das?<\/p>\n<p>Ja, das bedeutet nicht, dass da nur B\u00f6ses im Menschen ist. Es w\u00e4re ganz verkehrt, das zu behaupten. Es ist vielmehr ein sowohl als auch. \u2013 Es bedeutet, dass nichts von dem, was wir als Menschen haben, unser Eigenes ist. Wir haben uns nicht selbst Leben geschenkt, wir haben uns nicht selbst Erde gegeben, um auf ihr zu leben, oder Mitmenschen oder Liebste oder die Gl\u00fcckseligkeit, die darin besteht, dass wir zwei Geschlechter sind, oder die Gl\u00fcckseligkeit, die im Wechsel der Jahreszeiten besteht, im Flug der Zugv\u00f6gel, darin, dass das Essen auf dem Tisch steht, dass es Sch\u00f6nheit gibt usw. Wir sind einfach in das alles wie vom Himmel gefallen, wir haben es alles als eine Liebesgabe zur Verf\u00fcgung gestellt bekommen.<\/p>\n<p>Nichts davon ist unsers oder unser Werk. Alle M\u00f6glichkeiten, aller Rohstoff war bereitgestellt, lange bevor wir in die Welt kamen. Ja, es ist so fr\u00fchzeitig bereitgestellt, dass wir uns leicht dazu verleiten lassen zu glauben, es sei alles selbstverst\u00e4ndlich, wenn wir so nach und nach da hineinfallen.<\/p>\n<p>Aber es ist dumm, das alles als Selbstverst\u00e4ndlichkeiten zu nehmen. Das einzig Richtige ist, es als eine Liebesgabe zu nehmen, froh einzusehen, dass es nicht unser Eigenes ist und schon gar nicht unser Privates. Das gilt vom Leben und von der Erde und den Mitmenschen und allem, was dazugeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Und dies liegt ganz fundamental darin, dass der Mensch ein Schuldner ist. Was schulden wir? \u2013 alles! Aber wie gut ist es, ein Schuldner auf diese Art und Weise zu sein. Das erm\u00f6glicht eine m\u00e4chtige Dankbarkeit und wahrlich auch eine m\u00e4chtige F\u00fcrsorge f\u00fcr und Sorgfalt um all das, was wir so einfach zur Verf\u00fcgung gestellt bekommen haben.<\/p>\n<p>Wor\u00fcber Johannes so aufgebracht ist, das ist vor allem dies, dass nur so wenige Menschen danach leben, dass alles Gottes Gaben sind. Dass so wenige ihr Leben nach dieser Erkenntnis formen wollen; dass so viele dennoch allein darauf aus sind, an sich zu rei\u00dfen, um noch mehr zu bekommen; dass so wenige darauf eingestellt sind, im Ernst den Reichtum zu teilen.<\/p>\n<p>Und er wettert \u00fcber den Jordan hin: wenn es so ist, dann trifft der Tod uns auch mit Recht. Ein Hieb mit der Axt, die an der Wurzel des Baumes liegt. Er ist erbost \u00fcber die ma\u00dflosen Egoisten, die ein Geschenk nicht als ein Geschenk annehmen und es dementsprechend behandeln wollen, sondern die stattdessen alles als einen Anspruch, ein Recht auffassen, das keinerlei ernste F\u00fcrsorge und Sorgfalt f\u00fcr die Welt und Mitgesch\u00f6pfe mit sich f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Weihnachtsvorbereitung \u2013 ernsthafte Weihnachtsvorbereitung \u2013 besteht darin, sich darauf zu besinnen, dass der T\u00e4ufer Recht hat. Er wei\u00df, was ein Menschenleben in all seiner Gr\u00f6\u00dfe und all seinem Reichtum und in all seiner Verfehltheit ist.<\/p>\n<p>Viele Menschen kommen und h\u00f6ren ihn, sehen, dass er Recht hat, entschlie\u00dfen sich, von jetzt an etwas daf\u00fcr zu tun, und werden von ihm getauft als Zeichen, dass sie von jetzt an ihr Bestes tun wollen. Der T\u00e4ufer zeigte eine grundlegende Wahrheit \u00fcber das Dasein auf: \u00fcber das Geschenk des Lebens, die Forderungen des Lebens, \u00fcber den Tod, \u00fcber die Schuld und die M\u00f6glichkeit, richtig oder verkehrt zu leben. Er schuf Einsicht. <em>Aber<\/em> er schuf weder \u00dcberwindung des B\u00f6sen noch des Todes.<\/p>\n<p>Wenn man diese Z\u00fcge des Daseins verstehen lernt, dann ist man bereit, Weihnachten zu feiern. In dem Sinne bereitet Johannes der T\u00e4ufer zu jeder Zeit den Weg f\u00fcr Christus.<\/p>\n<p>Wenn wir wissen, was wir bekommen haben und was wir schuldig sind, wenn wir wissen, dass wir trotzdem andauernd das Wichtigste verfehlen, wenn wir wissen, dass der verbissenste Angriff auf das B\u00f6se und das verfehlte Leben fehlgeschlagen ist \u2013 n\u00e4mlich der Angriff des T\u00e4ufers, wenn wir wissen, dass die einfache R\u00fcckerstattung des Todes weiterhin herrscht, und wenn wir wissen, dass es nur so wenig ist, was die Menschheit hat ausrichten k\u00f6nnen, dann sind wir bereit, das zu verstehen, was der T\u00e4ufer heute sagt: \u201dChristus muss wachsen, ich aber muss abnehmen\u201c, dann sind wir bereit, uns danach zu sehnen, dass wir ganz Neues von Gott h\u00f6ren, dann sind wir bereit, wirklich Weihnachten zu feiern. Amen.<\/p>\n<p><strong>Pastor Lars Ole Gjesing<br \/>\n<\/strong><strong>S\u00f8ndergade 43<br \/>\n<\/strong><strong>DK-5970 \u00c6resk\u00f8bing<br \/>\n<\/strong><strong>Tel.: +45 62 52 11 72<br \/>\n<\/strong><strong>E-mail: <a href=\"mailto:logj@km.dk\">logj@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Sonntag im Advent, 18. Dezember 2005 Predigt \u00fcber Johannes 3, 25-36, verfasst von Lars Ole Gjesing (D\u00e4nemark) (Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung) Ein gro\u00dfer Teil der letzten Weihnachtsvorbereitungen besteht darin, aufzur\u00e4umen und Platz zu machen. 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