{"id":10878,"date":"2021-02-07T19:49:01","date_gmt":"2021-02-07T19:49:01","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10878"},"modified":"2023-02-06T14:31:16","modified_gmt":"2023-02-06T13:31:16","slug":"predigt-zum-gedenktag-an-verstorbene-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zum-gedenktag-an-verstorbene-kinder\/","title":{"rendered":"Predigt zum Gedenktag an verstorbene Kinder"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Adventszeit 2005<br \/>\nPredigt zum Gedenktag an verstorbene Kinder, verfasst von Christine Hubka<\/span><\/b><\/h3>\n<p>(Jes 65,25; Jes 11,8)<\/p>\n<p>H\u00f6rt, wie Jesaja, der Prophet Gottes Zukunft gesehen hat:<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>K\u00fche und B\u00e4ren werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen, und L\u00f6wen werden Stroh fressen wie die Rinder.<br \/>\nEin S\u00e4ugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entw\u00f6hntes Kind wird seine Hand stecken in die H\u00f6hle der Natter. Jes 11, 7-8<\/p>\n<p>Der L\u00f6we wird Stroh fressen wie das Rind.<br \/>\nAm Loch der Otter spielt das Kind \u2026<br \/>\nOhne, dass die Mutter, der Vater herbei st\u00fcrzt<br \/>\nUnd es entsetzt wegrei\u00dft.<\/p>\n<p>Am Loch der Otter spielt das Kind,<br \/>\nohne dass nach diesem t\u00f6dlichen Spiel<br \/>\nein kleiner Sarg da steht<br \/>\nund unter uns der Schrei zu Gott unbeantwortet bleibt:<br \/>\nWarum ist das passiert.<\/p>\n<p>Kinder spielen immer am Loch der Otter \u2013<br \/>\nWir k\u00f6nnen aufpassen auf sie,<br \/>\nwir k\u00f6nnen wachsam sein.<br \/>\nAber wir k\u00f6nnen die Otter nicht abschaffen.<br \/>\nWir k\u00f6nnen die Gef\u00e4hrdungen der Kinder nicht beseitigen.<br \/>\nUnd es geschieht,<br \/>\nviel \u00f6fter als wir Unbeteiligte es merken,<br \/>\ndass der t\u00f6dliche Biss der Otter<br \/>\ndie Hand des Kindes findet.<\/p>\n<p>Die Otter hat viele Gesichter und Gestalten:<br \/>\nEine Gesellschaft, in der Schwangere<br \/>\nkeinen Platz finden k\u00f6nnen f\u00fcr sich und ihr Kind,<br \/>\nsodass es ertr\u00e4glicher erscheint,<br \/>\nes gar nicht zur Welt zu bringen.<br \/>\nWie es den M\u00fcttern und V\u00e4tern dieser Kinder geht,<br \/>\ndanach fragt die Otter nicht.<br \/>\nDar\u00fcber schweigen auch die,<br \/>\ndie so schnell und lautstark<br \/>\n\u00fcber solche Eltern das Urteil sprechen.<br \/>\nSchweigen \u2013<br \/>\ndas ist der Stoff aus dem das Gift der Otter gemacht ist.<\/p>\n<p>Schweigend wird auch zur Tagesordnung \u00fcbergegangen, wenn ein Kind vor der Geburt stirbt.<br \/>\nOder kurz danach.<\/p>\n<p>Es ist noch gar nicht lange her,<br \/>\ndass solchen Kindern ein Begr\u00e4bnis und ihren Eltern,<br \/>\nein angemessener Abschied verweigert wurde.<br \/>\nSeit einigen Jahren<br \/>\ngibt es am Wiener Zentralfriedhof ein eigenes Gr\u00e4berfeld f\u00fcr ganz jung verstorbene Kinder.<br \/>\nDamit ist der Otter nicht der Giftzahn gezogen.<br \/>\nAber der Triumph ist ihr genommen,<br \/>\ndass sie ungeh\u00f6rt und ungesehen<br \/>\nihr Werk vollbringen kann.<\/p>\n<p>Wenn Kinder sterben \u2013<br \/>\nganz gleich wie gro\u00df oder wie klein sie sind,<br \/>\nwerden wir sprachlos.<\/p>\n<p>Wir, die wir dabei stehen und zusehen.<br \/>\nWir, die wir nicht direkt betroffen sind.<br \/>\nUnd es ist gut, wenn wir dann schweigen.<br \/>\nwenn wir uns nicht mit billigen Trostworten davonstehlen.<\/p>\n<p>Nicht wir sollen reden.<br \/>\nSondern, die M\u00fctter und die V\u00e4ter,<br \/>\ndie Gro\u00dfm\u00fctter und die Gro\u00dfv\u00e4ter,<br \/>\ndie Br\u00fcder und die Schwestern dieser Kinder,<br \/>\nbrauchen Zeit und Raum und Gelegenheit,<br \/>\ndass sie reden k\u00f6nnen.<br \/>\nUnd Zeichen setzen f\u00fcr ihre Klage.<br \/>\nAber wir, die verschont wurden bis heute,<br \/>\nwir haben ihnen diese Zeit und diesen Raum und die Gelegenheit zu geben, dass sie klagen und weinen.<br \/>\nWir haben ihre Fragen zu h\u00f6ren,<br \/>\nund mit ihnen auszuhalten,<br \/>\ndass es keine Antwort gibt.<\/p>\n<p>Bis sie selbst die Antwort h\u00f6ren k\u00f6nnen,<br \/>\ndie Gott ihnen gibt:<br \/>\nIch will deinem Kind Mutter und Vater sein.<br \/>\nEs soll zu Hause sein in meiner Ewigkeit.<\/p>\n<p>Ist dir das zuwenig?<br \/>\nNicht Verhei\u00dfung genug.<br \/>\nNicht tr\u00f6stlich genug?<\/p>\n<p>Du hast recht.<br \/>\nDas kann nicht alles sein.<br \/>\nEs ist nur ein Anfang.<br \/>\nDie Verhei\u00dfung geht weiter,<br \/>\nviel weiter:<\/p>\n<p>H\u00f6rt, was Jesaja sagt \u00fcber Gottes Zukunft<br \/>\nUnd \u00fcber unsere Zukunft und die unserer Kinder:<\/p>\n<p>Es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.<strong><br \/>\n<\/strong> Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der St\u00e4rke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.<br \/>\nUnd Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren h\u00f6ren,<br \/>\nsondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, \u2026<br \/>\nDa werden die W\u00f6lfe bei den L\u00e4mmern wohnen und die Panther bei den B\u00f6cken lagern. Ein kleiner Knabe wird K\u00e4lber und junge L\u00f6wen und Mastvieh miteinander treiben.<br \/>\nK\u00fche und B\u00e4ren werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen, und L\u00f6wen werden Stroh fressen wie die Rinder.<br \/>\nUnd ein S\u00e4ugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entw\u00f6hntes Kind wird seine Hand stecken in die H\u00f6hle der Natter.<br \/>\n\u2026<\/p>\n<p>Zu der Zeit wirst du sagen:<br \/>\n\u2026<br \/>\nSiehe, Gott ist mein Heil,<br \/>\nich bin sicher und f\u00fcrchte mich nicht;<br \/>\ndenn Gott der HERR ist meine St\u00e4rke und mein Psalm<br \/>\nund ist mein Heil.<br \/>\nIhr werdet mit Freuden Wasser sch\u00f6pfen<br \/>\naus den Heilsbrunnen. Jes 11, 1 \u2013 12, 3 i. A.<\/p>\n<p><strong>Christine Hubka<br \/>\n<a href=\"mailto:christine.hubka@gmx.at\">christine.hubka@gmx.at <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adventszeit 2005 Predigt zum Gedenktag an verstorbene Kinder, verfasst von Christine Hubka (Jes 65,25; Jes 11,8) H\u00f6rt, wie Jesaja, der Prophet Gottes Zukunft gesehen hat: K\u00fche und B\u00e4ren werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen, und L\u00f6wen werden Stroh fressen wie die Rinder. 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