{"id":10891,"date":"2021-02-07T19:49:09","date_gmt":"2021-02-07T19:49:09","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10891"},"modified":"2023-02-02T14:22:37","modified_gmt":"2023-02-02T13:22:37","slug":"jesaja-91-6-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-91-6-2\/","title":{"rendered":"Jesaja 9,1-6"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\"><span style=\"font-size: 18px;\"><strong>Predigt am Heiligabend, zu\u00a0Jesaja 9,1-6<\/strong><\/span><\/h3>\n<h3 align=\"left\"><span style=\"font-size: 18px;\"><strong>verfasst von <span style=\"font-family: Arial;\">Propst Martin Reyer<\/span><\/strong><\/span><\/h3>\n<div align=\"left\">\n<hr \/>\n<\/div>\n<div align=\"left\">Liebe Gemeinde,<\/div>\n<div align=\"left\">\n<p>ich will die Gelegenheit beim Schopf ergreifen! Jetzt, am Heiligen Abend in Bethlehem, da m\u00f6chte ich Sie etwas fragen. Als wir Weihnachten 2004 hier beieinander waren, da haben wir doch auch vom Frieden auf Erden gesungen, von Gerechtigkeit und von der Geburt des Gottes Sohnes, der alles zum Heil wenden wird. \u2013 Wie viel Frieden, wie viel Gerechtigkeit, gar: Wie viel Heil haben wir im vergangenen Jahr erlebt? Zwei Meinungen sind m\u00f6glich. Die eine: Nichts hat sich ge\u00e4ndert. Gesungen haben wir\u2019s zwar, letztes Weihnachten und alle Weihnachten. Aber hat man je was davon gesehen?<\/p>\n<p>Andere k\u00f6nnten sagen: Freilich, die gro\u00dfe Gerechtigkeit ist noch nicht gekommen. Aber ge\u00e4ndert hat sich doch einiges im Land. Und vielleicht ist sogar ein Frieden wieder n\u00e4her ger\u00fcckt. \u2013<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, ich denke, wir m\u00fcssen unsere ganze Sensibilit\u00e4t wach halten f\u00fcr diese konkrete Situation hier in Bethlehem hinter der Mauer. Wir wollen uns ja nicht einschl\u00e4fern lassen in erinnerungsselige Weihnachtssentimentalit\u00e4t. Weihnachts<strong>hoffnung <\/strong>und Weihnachts<strong>wirklichkeit <\/strong>klaffen auch in diesem Jahr in diesem Land schrecklich auseinander. Und von <strong>beidem<\/strong> singen wir: Wir singen von unserer Vision, und wir singen von unserer Not. Von <strong>beidem<\/strong> redet auch unser Text. Und <strong>beides<\/strong> zusammen bringt uns zum Nachdenken.<\/p>\n<p>Text., Jesaja 9,1-6: <em>1\u00a0Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein gro\u00dfes Licht, und \u00fcber denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. 2\u00a0Du weckst lauten Jubel, du machst gro\u00df die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fr\u00f6hlich ist, wenn man Beute austeilt.[1] 3\u00a0Denn du hast ihr dr\u00fcckendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. 4\u00a0Denn jeder Stiefel, der mit Gedr\u00f6hn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. 5\u00a0Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er hei\u00dft Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-F\u00fcrst; 6\u00a0auf dass seine Herrschaft gro\u00df werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem K\u00f6nigreich, dass er\u2019s st\u00e4rke und st\u00fctze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.<\/em><\/p>\n<p>Wir wissen von dem Verfasser, der dieses Lied geschrieben hat, ziemlich viel. Ein Mensch namens Jesaja, der in einer Zeit ungeheurer politischer Bedrohung gelebt hat, und der mit seinem Zeitgenossen mit ansehen musste, wie sein Lebensraum St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck geraubt wurde. Weite Teile Israels waren damals bereits an \u00c4gypten gefallen. F\u00fcr die Menschen des Heiligen Landes waren die Unterschiede zwischen damals im Jahr 750 v. Chr. und heute im Jahr 2005 nach Christus gar nicht so verschieden. Freilich: Damals geh\u00f6rte zu dem kleinen Rest, der \u00fcbrig geblieben war, Jerusalem. Und dort wurde gerade am K\u00f6nigshof ein Kronprinz geboren.<\/p>\n<p>Jesaja hat dieses Kind zum Anlass genommen, seinen Zeitgenossen in machtvollen Worten nahe zu bringen, dass dieses Kind von Gott gesandt sei. Seine Botschaft: \u201eGott zeigt, wie er es mit euch meint! Er schenkt euch Zukunft, auch wenn ihr \u00fcberhaupt nicht mehr hinausseht! So tut nun auch, was Gott von euch will!\u201c W\u00f6rter wie \u201eUmkehr\u201c, \u201eGerechtigkeit\u201c, \u201eHingabe\u201c, stehen bei Jesaja auf jeder Seite.<\/p>\n<p>Wir tun gut daran, uns zu \u00f6ffnen f\u00fcr diese Zumutung, die da Jesaja uns stellt. <strong>Unser <\/strong>K\u00f6nigskind ist in einem Stall geboren und an einem Galgen gestorben. Aber sein kurzes Leben hat gen\u00fcgt, ein Feuer in die Welt zu setzen, das seither rund um die Erde gewandert ist und Millionen von Menschen angefacht und ver\u00e4ndert hat. Nicht das Feuer des Krieges, nicht das Schwert des Propheten. Sondern eben: Das Feuer der Liebe.<\/p>\n<p>Wir Christen glauben, dass in jenem Lied Jesajas auf den Kronprinz letztendlich die g\u00f6ttliche Wahrheit zu Tage getreten ist, und die Wahrheit \u00fcber die Welt und ihren Erl\u00f6ser weissagt. Und in den Evangelien, die achthundert Jahre sp\u00e4ter &#8211; mit Jesaja im Herzen &#8211; von diesem anderen Kind aus Bethlehem berichten, in diesen Evangelien ist nicht nur von Gerechtigkeit und Umkehr die Rede, sondern auch von Vers\u00f6hnung, von Glaube und von Liebe, und von Hoffnung.<\/p>\n<p>Der Prophet Jesaja singt sein Weihnachtslied 750 Jahre zu fr\u00fch und doch g\u00fcltig bis heute: Gott zerbricht die Stecken der Treiber. Friedlosigkeit und Gewalt werden auf unserer Welt nicht das letzte Wort haben. Und das Kind in der Krippe tr\u00e4gt die herrlichen Titel von Gottes Friedensreich auf Erden. Wunderrat, Gottheld, Ewig-Vater, Friedef\u00fcrst. Denn in diesem Kind ist Gott Mensch geworden. Kein neuer Herrscher, der mit Gewalt sein Reich aufbaut. Sondern: Gott, jetzt dein Bruder im Leiden. Verletzlich wie ein Mensch. Aber doch Gott!: Die schiere Ohnmacht der Liebe besiegt die Gewalt dieser Welt.<\/p>\n<p>\u201eJeder Stiefel, der mit Getr\u00f6hn dahergeht,<br \/>\nund jeder Mantel durch Blut geschleift,<br \/>\nwird verbrannt und vom Feuer verzehrt.\u201c<\/p>\n<p>Das, liebe Gemeinde, ist die Wirklichkeit, mit der wir rechnen. Wir geben der Realit\u00e4t, die uns da drau\u00dfen umgibt, keine Chance.<\/p>\n<p>\u201eDenn uns ist ein Kind geboren,<br \/>\nein Sohn ist uns gegeben,<br \/>\nund die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.\u201c<\/p>\n<p>Sehen Sie, liebe Gemeinde, eine Welt, in der Gott Mensch geworden ist, die ist einfach anders. Die hat nun eine W\u00fcrde, die sie nicht mehr verlieren kann. Die hat nun in sich eine Liebe, die auch der Tod nicht umbringen kann. Die hat nun einen Frieden, den man nicht erschie\u00dfen kann. Die hat ein Vertrauen, das den Hass \u00fcberdauert, eine Zuversicht, die Angst nimmt und eine Hoffnung, die das Leben erst richtig lebendig macht.<\/p>\n<p>Deshalb ist Weihnachten das Fest der Freude. Gott ist uns nahe und tr\u00e4gt alles, was wir Menschen einander B\u00f6ses antun. Nicht mehr Vergeltung! Vers\u00f6hnung breitet sich aus.<\/p>\n<p>Es ist ein tiefer Ernst in dieser Weihnachtsfreude. Es gibt f\u00fcr die Zukunft der Welt keinen anderen Weg als diesen: Diese wehrlose Liebe. Wer diesem Friedensk\u00f6nig nicht nachfolgen will, wer nicht bereit ist, den gleichen Weg zu gehen wie er, der wird weiterhin seine Sicherheit sichern m\u00fcssen, der wird sich wehren m\u00fcssen, der wird abrechnen m\u00fcssen, Grenzen setzen, auf sich selber bauen, Sicherheit und immer wieder Sicherheit. Wie lange?<\/p>\n<p>Der wird irgendwie weitergehen m\u00fcssen auf dem Weg der Gewalt. \u2013 Das einzige aber, das bleibt, ist die Liebe. So hei\u00dft es im 1. Korintherbrief.<\/p>\n<p>Sehen Sie, liebe Gemeinde, deshalb ist die schlimme Wirklichkeit unserer Welt zu Weihnachten ganz und gar nicht von unserer Weihnachtshoffnung zu trennen. Wir singen vom Frieden mitten im Unfrieden. Wir beten um Gerechtigkeit in ungerechten Zeiten. Wir warten auf die Vers\u00f6hnung. Im Kind vereinigt sich Gottes lebensschaffende Liebe mit dem Tod dieser Welt. Und in allem Schlimmen, dem wir begegnen, k\u00f6nnen wir seither, trotz allem, Gott am Werke sehen. Weil er eben alles Schlimme durch seine Gegenwart geheiligt hat. Je tiefer einer durch muss im Leben, desto n\u00e4her ist er dem Gottessohn, der aus dem armen Stall zu Bethlehem kam und der am Galgen auf Golgotha endete.<\/p>\n<p>Nicht mehr getrennt sind Licht und Nacht, Hoffnung und Realit\u00e4t, Leben und Tod. Weihnachten: Das Licht scheint in der Finsternis. Und damit ist es prinzipiell mit der Finsternis zu Ende.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\"><strong>Propst Martin Reyer<br \/>\nErl\u00f6serkirche, Jerusalem<\/strong><\/span><strong><br \/>\n<a href=\"mailto:propst.reyer@redeemer-jerusalem.com\">propst.reyer@redeemer-jerusalem.com<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt am Heiligabend, zu\u00a0Jesaja 9,1-6 verfasst von Propst Martin Reyer Liebe Gemeinde, ich will die Gelegenheit beim Schopf ergreifen! Jetzt, am Heiligen Abend in Bethlehem, da m\u00f6chte ich Sie etwas fragen. 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