{"id":10896,"date":"2021-02-07T19:48:54","date_gmt":"2021-02-07T19:48:54","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10896"},"modified":"2023-02-24T19:47:57","modified_gmt":"2023-02-24T18:47:57","slug":"johannes-1-1-14-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1-1-14-6\/","title":{"rendered":"Johannes 1, 1-14"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Tag der Geburt des Herrn, 25. Dezember 2005<br \/>\nPredigt \u00fcber Johannes 1, 1-14, verfasst von Arne \u00d8rtved (D\u00e4nemark)<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott! Mehr braucht nicht gesagt zu werden. Hier ist die Grenzlinie zwischen uns und den Anderen gezogen. Und sie kann keinen Millimeter verschoben werden. Aber ich wei\u00df nur nicht ganz, wer die Anderen sind. Das sind jedenfalls gewisse moderne Wissenschaftler, die jede Rede von Gott und einer sch\u00f6pfenden Macht hinter dem lebendigen Leben von sich weisen. Damit behaupten sie auch, dass alles durch Zufall entstanden sei. Das Leben k\u00f6nnte genauso gut gar nicht existieren. Oder es h\u00e4tte zu etwas v\u00f6llig Anderem werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Die Anderen<\/em> sind dann auch diejenigen, die glauben, dass sie selbst und alle \u00fcbrigen Menschen das Ergebnis eines sexuellen Aktes und einiger biologischer Prozesse seien. Und dass ihr Leben danach v\u00f6llig zuf\u00e4llig sei; Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck miteinender vermischt in einer sch\u00f6nen oder weniger sch\u00f6nen Mischung. Das einzige Gesetz f\u00fcr das Leben, das sie m\u00f6glicherweise kennen und anerkennen, ist das Gesetz von Ursache und Wirkung. Alles, was geschieht, hat eine Ursache; und diese Ursache hei\u00dft nie Gott.<\/p>\n<p>Gott kann \u00fcbrigens niemals eine Ursache sein, denn eine Ursache ist immer blind. Wenn etwas von Gott stammt, dann ist es ein Anfang, eine Sch\u00f6pfung, ein Wunder. Es gibt keine Blindheit, keinen Zufall, keine Mechanik in dem Leben, das von ihm kommt. Aber Gott ist nicht der Einzige, der mit Leben zu tun hat; das haben seine Empf\u00e4nger, die Menschen, auch.<\/p>\n<p>Mit dem Satz <em>Im Anfang war das Wort\u2026 <\/em>wird ein f\u00fcr allemal festgestellt, dass das Leben zuerst als ein Gedanke da war, als eine Vision, ein Traum oder ein Gesang im Kopf des Sch\u00f6pfers. Es beruht mit anderen Worten auf einem Wunsch, einem Willen, dass es das Leben gibt und dass wir existieren. Das schlie\u00dft alle Zuf\u00e4lligkeiten aus. Und wenn es einen Gedanken gibt, dann ist da auch jemand, der denkt\u2026 Ihn nennt der Evangelist Gott. Das ist ein recht guter Name, denn dar\u00fcber sind wir uns in unserem Kulturkreis einig, dass wir diesen Sch\u00f6pfer Gott nennen: <em>Das Wort war bei Gott!<\/em><\/p>\n<p>Aber Gott ist ja nur ein Wort. Erfunden und benannt von Menschen. Als Mose Gott vor dem brennenden Dornenbusch fragte, wie sein Name sei, antwortete er: <em>Ich bin der, der ich bin.<\/em> Das war ein guter Name, denn das bedeutet, dass er der ist, der <em>vor<\/em> allen Dingen da ist, \u2013 auch lange vor der Sprache der Menschen. Das passt auch zu dem Evangelisten, der sagt: <em>das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott!<\/em><\/p>\n<p>Damit ist faktisch nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t von irgend etwas gesagt. Die Wissenschaft kann genauso gut Recht haben wie wir anderen \u2013 und umgekehrt. Das ist wichtig. Das Eine ist nicht genauso gut wie das Andere, denn es ist so verschieden, dass das Eine das Andere ausschlie\u00dft. Es gibt keinen Mittelweg, keinen Kompromiss. Aber es gibt auch keine Beweise&#8230; Und es wird sie nie geben.<\/p>\n<p>Selbst wenn die Wissenschaft eines Tages tats\u00e4chlich endg\u00fcltig erkl\u00e4ren und beweisen k\u00f6nnte, wie alles begonnen und sich entwickelt hat, so kann sie doch nicht hinter das kommen, was vor dem Anfang war. War da ein Wille? Gibt es einen Gott?<\/p>\n<p>Und selbst wenn einige beharrlich bibeltreue Spezialisten eines Tages Beweise daf\u00fcr auf den Tisch legen k\u00f6nnten, dass es wirklich so geschehen ist, wie die Bibel berichtet, dann w\u00e4ren sie auch nicht hinter den Anfang gekommen \u2013 zur\u00fcck zum <em>Wort<\/em>.<\/p>\n<p>Ach, es ist immer so umst\u00e4ndlich und kompliziert, zu dem vorzusto\u00dfen, was doch so einfach ist: <em>Im Anfang war das Wort&#8230;<\/em> Wir Menschen sind so wahnsinnig klug, dass wir eine Aussage nicht einfach f\u00fcr bare M\u00fcnze nehmen und dann davon ausgehen. Wir m\u00fcssen erst zweifeln, \u2013 sehen, ob wir festen Grund unter die F\u00fc\u00dfe bekommen k\u00f6nnen. Jetzt haben wir den Zweifel erprobt und sind kein St\u00fcck weiter gekommen; wir h\u00e4tten also genauso gut einfach mit der Aussage anfangen k\u00f6nnen: <em>Im Anfang war das Wort&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Das Leben ist entstanden im Gedanken eines Sch\u00f6pfers. Und Gedanken und Worte sind unl\u00f6slich miteinander verbunden. Sobald der Gedanke geboren war, musste er nat\u00fcrlich in Sch\u00f6pfung verwirklicht werden: <em>Es werde Licht&#8230; und es wurde Licht&#8230; Und Gott sah, dass alles gut war&#8230;<\/em> Und es war gut, denn es stimmte mit dem Gedanken \u00fcberein. So ist es also mit dem Leben. Mit allem Leben. Vom Kleinsten bis zum gr\u00f6\u00dften. Von der Erde unter unseren F\u00fc\u00dfen bis zum Himmelsgew\u00f6lbe und den Sternen und dem ganzen Universum. Auch das Meer mit den Fischen, die W\u00e4lder mit den wilden Tieren, die Felder mit den Haustieren und den V\u00f6geln des Himmels. Das alles existiert unter denselben Bedingungen.<\/p>\n<p>Und die Menschen nat\u00fcrlich, \u2013 nicht nur in aller Allgemeinheit, sondern du und ich. Zuerst existierten wir im Gedanken Gottes, und dann entstanden wir in der fleischlichen Welt, wenn man das so sagen kann. Ob die Welt innerhalb von sechs Tagen geschaffen wurde oder in Millionen von Jahren, ist in diesem Zusammenhang v\u00f6llig gleichg\u00fcltig. Ob wir durch ein Ungl\u00fcck zwischen zwei allzu jungen Menschen entstanden sind oder als hei\u00dfer Wunsch eines Paares, das fast schon zu alt war, um Kinder zu bekommen wie Abraham und Sarah, ist in diesem Zusammenhang total einerlei. \u2013 Hat man gesagt: <em>Im Anfang war das Wort&#8230;<\/em>, dann ist das Wort allezeit der Anfang zu allem Leben. Das hei\u00dft, dass alles nach dem Willen und der Sch\u00f6pfung Gottes existiert.<\/p>\n<p>Wenn aber der Sch\u00f6pfer so einen bestimmten Willen mit allen Dingen hat, hat er nat\u00fcrlich auch einen Plan. Teils f\u00fcr einen Anfang und ein Ende, teils daf\u00fcr, wie das vonstatten gehen soll. Wie gelangt das Leben ans Ziel? Und wie soll es sich unterwegs gestalten? Aber die Menschen sind Mitspieler in Gottes Sch\u00f6pferwerk, und deshalb kann es unterwegs auch schief gehen. Er glaubte, sein Plan war deutlich in jeden von uns gelegt, aber er musste erfahren, dass wir dennoch auf den Gedanken kommen k\u00f6nnen, unsere eigenen Wege zu gehen.<\/p>\n<p>Es war eine furchtbare Situation; denn teils war das ein Aufruhr gegen und ein Misstrauen zu Gott; und teils war es ein fast nicht wieder gut zu machender Schaden f\u00fcr das Leben und f\u00fcr die Menschen. Alles wurde anders, als Gott es sich ertr\u00e4umt hatte; und wir konnten nicht mehr Halt machen.<\/p>\n<p>Deshalb musste Gott <em>das Wort Fleisch werden und Wohnung unter uns nehmen lassen<\/em>. Also <em>das<\/em> Wort, das in Gottes Gedanke war, als er alles schuf, und das nicht einfach das Gewirr hasserf\u00fcllten Lebens und verirrter Schicksale und Ereignisse war, die wir seitdem kennen gelernt haben, sondern das die Idee selbst, der Traum, die Vision war. Gottes eigene tiefe und sch\u00f6ne und liebevolle Idee, \u2013 sie war <em>vor<\/em> allem.<\/p>\n<p>Es ist diese innerste Idee aller Dinge, die<em> Fleisch wird und Wohnung unter uns nimmt.<\/em> Das hei\u00dft, dass <em>das Wort<\/em> Mensch wird und bei uns wohnt und unser Leben lebt und unseren Tod stirbt und damit den Gedanken des Sch\u00f6pfers vom Leben und von uns in uns legt. Dieser Mensch hie\u00df Jesus; und jedes Jahr feiern wir, dass Gottes Wort bei uns ist und auf gewisse Weise bei uns wieder und wieder geboren wird und uns damit einen Blick erlaubt in das gro\u00dfe Geheimnis, das weder die Wissenschaft noch die Philosophie noch die Kunst zu enth\u00fcllen vermag.<\/p>\n<p>Und dann zeigt sich wahrhaftig, dass der innerste, sch\u00f6nste, edelste Gedanke des Sch\u00f6pfers ein kleines, armes, zum Teil unechtes Kind in einer Krippe in einem unbedeutenden Dorf weit entfernt von den Machtzentren der Welt ist. Ein Kind, das wie alle anderen Kinder unter den Augen der Eltern und ihrer freudevollen Aufmerksamkeit aufwuchs und am Ende, nachdem es Gottes Gedanken mit seinen Worten und Handlungen deutlich gemacht hatte, wie ein Verbrecher hingerichtet wurde.<\/p>\n<p>Das ist doch zugleich v\u00f6llig unbegreiflich und v\u00f6llig unannehmbar. Und doch kann man vielleicht eine Idee oder eine Botschaft darin erkennen: Das Kind in der Krippe und der Mann am Kreuz waren ganz und gar wehrlos; und es war eben diese Wehrlosigkeit, die sich als so stark erwies, weil man da ganz und gar auf Gott verwiesen ist. Das war der innerste Gedanke Gottes, als er die Welt und die Menschen schuf. Es sollte eng mit ihm verbunden sein, fast wie ein Teil seiner selbst. Eine tiefe und andauernde Zusammengeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n<p>Diese Zusammengeh\u00f6rigkeit ist \u00fcberall und alle Zeit zur Stelle, so dass sie zugleich Ausgangspunkt und Ziel und Gang der ganzen Geschichte ist. Deshalb ist der einzelne Mensch nicht nur ein Mittel in einer Entwicklung; sondern er ist zugleich eine einzigartiges Gesch\u00f6pf von unendlicher Bedeutung. Das wird mit dem Kind in der Krippe und dem Mann am Kreuz und in all dem enth\u00fcllt, was er im \u00dcbrigen sagte und tat im Laufe seines kurzen Lebens.<\/p>\n<p>Diese tiefe Zusammengeh\u00f6rigkeit zwischen Gott und seinen Gesch\u00f6pfen hei\u00dft Liebe. Sie ist von Anfang an gegenw\u00e4rtig gewesen in Gottes Wort; aber mit Jesus Christus wurde diese Liebe Fleisch und nahm Wohnung unter uns; und sie ist immer noch hier. Das ist die eigentliche Botschaft von Weihnachten; eine bessere Botschaft gibt es nicht. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Arne \u00d8rtved<br \/>\n<\/strong><strong>Birkeb\u00e6k 8<br \/>\n<\/strong><strong>DK-7330 Brande<br \/>\n<\/strong><strong>Tlf.: ++ 45 \u2013 97 18 10 98<br \/>\n<\/strong><strong>E-mail: <a href=\"mailto:ortved@mail.dk\">ortved@mail.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag der Geburt des Herrn, 25. Dezember 2005 Predigt \u00fcber Johannes 1, 1-14, verfasst von Arne \u00d8rtved (D\u00e4nemark) Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott! Mehr braucht nicht gesagt zu werden. Hier ist die Grenzlinie zwischen uns und den Anderen gezogen. 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