{"id":10897,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10897"},"modified":"2023-03-03T23:18:55","modified_gmt":"2023-03-03T22:18:55","slug":"1-johannes-3-1-6-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-johannes-3-1-6-4\/","title":{"rendered":"1. Johannes 3, 1-6"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Tag der Geburt des Herrn, 25. Dezember 2005<br \/>\nPredigt \u00fcber 1. Johannes 3, 1-6, verfasst von Hans-Joachim Schliep <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>&#8222;1Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heissen sollen &#8211; und wir sind es auch! Darum kennt uns die Welt nicht; denn sie kennt ihn nicht. 2Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: Wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. 3Und ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist. 4Wer S\u00fcnde tut, der tut auch Unrecht, und die S\u00fcnde ist das Unrecht. 5Und ihr wi\u00dft, dass er erschienen ist, damit er die S\u00fcnden wegnehme, und in ihm ist keine S\u00fcnde. 6Wer in ihm bleibt, der s\u00fcndigt nicht; wer s\u00fcndigt, der hat ihn nicht gesehen und nicht erkannt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Was gibt es denn nun, am 1. Weihnachtstag, noch zu sehen, liebe Gemeinde? Der Stern ist weitergewandert. Die Engel haben sich wieder unsichtbar gemacht. Die Hirten sind zur\u00fcckgekehrt zu ihren Schafen. Die drei Weisen lassen sich von ihren Kamelen in den fernen Osten tragen. Und Maria, Josef und das Kind? In gro\u00dfer Eile haben sie sich mit ihren wenigen Habseligkeiten auf den Weg nach Westen gemacht. Nur durch die schnelle Flucht, hei\u00dft es, k\u00f6nnen sie das Kind bewahren vor Herodes\u2018 Soldaten. Die bringen, ohne mit der Wimper zu zucken, jeden neugeborenen Jungen kurzerhand um. Herodes, selbst nur K\u00f6nig von Kaisers Gnaden, duldet keinen K\u00f6nig neben sich. Der Stall von Bethlehem war f\u00fcr wenige Nachtstunden erf\u00fcllt von Gottesglanz. Wer jetzt hineinschaut, sieht nur noch Alltagsstaub.<\/p>\n<p>Gibt es also schon jetzt, am Weihnachtsmorgen, nichts, gar nichts mehr zu sehen? Nun, das kommt darauf an, ob du sehen willst, wirklich sehen. Ob du sehen willst, was sich deinen Augen entzieht, deinem Herzen sich aber umso offener, f\u00fcr dein Leben schlechthin entscheidend darbietet: die Liebe, die zwischen Kindsgeschrei und Engelsgesang, zwischen Stallgeruch und Gebetsstille steht als ein Licht in der Nacht:<em> Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heissen sollen &#8211; und wir sind es auch!<\/em><\/p>\n<p>Um zu verstehen, was dieses Wort bedeutet, welches herrliche Licht da leuchtet, m\u00fcssen wir zur\u00fcckgehen auf die Anf\u00e4nge, die Urspr\u00fcnge. In alten Sch\u00f6pfungsmythen entsteht die Welt aus den K\u00e4mpfen der G\u00f6tter, die sich gegenseitig abschlachten. Der Mensch ist das Ergebnis gewaltt\u00e4tiger Zeugungsorgien und bluttriefender G\u00f6tterausschweifungen. Dem Menschen turmhoch \u00fcberlegen, sind sie ihm doch charakterlich zum Verwechseln \u00e4hnlich: Ha\u00df und Neid, Gier und List &#8211; nichts Menschliches ist den G\u00f6ttern fremd. Am Menschen selbst aber haben sie kein echtes Interesse, Zuneigung und Liebe bleiben au\u00dfen vor. Die G\u00f6tter, stets mit sich selbst besch\u00e4ftigt und Arbeit wie die Pest hassend, brauchen den Menschen nur als dienstbaren Knecht, als willigen Vollstrecker ihrer eigenen Pl\u00e4ne, als Arbeitstier zum eigenen Nutzen. Der Mensch: ein G\u00f6ttersklave.<\/p>\n<p>In den Sch\u00f6pfungsmythen der Bibel dagegen, Zeugnissen gr\u00fcndlicher Aufkl\u00e4rung, wird die Welt durchs Wort erschaffen, sind die Gestirne keine furchterregenden G\u00f6tter, sondern Leuchten f\u00fcr den Tag und die Nacht, erh\u00e4lt alles Lebendige seinen Lebensraum. Keineswegs allein um des Menschen willen, aber auch auf ihn hin ist die Welt geschaffen. Er ist da &#8211; nicht um einen untergeordneten, beliebigen Zweck zu erf\u00fcllen, sondern als partnerschaftliches Gegen\u00fcber zu Gott und zur Partnerschaft f\u00fcreinander. Der Mensch &#8211; als Mann und als Frau &#8211; ein Bild Gottes. Es ist viel dazwischen gekommen, es ist unendlich viel schief gelaufen in dieser Beziehung. Aber niemals wird in Zweifel gezogen, dass der Mensch Bild Gottes ist. Du bist immer noch ein Gesch\u00f6pf, aber du bist Sein Gesch\u00f6pf. Du bist immer noch ein Kind, aber als Kind bist du ein K\u00f6nig. Du bist es erst recht, du bist es unverlierbar, seit dieses Kind im Stall von Bethlehem geboren wurde.<\/p>\n<p>Kann das denn sein, wo doch die Umst\u00e4nde so w\u00fcrdelos waren? Wird so ein K\u00f6nigskind geboren &#8211; inmitten solcher Wohnungsnot, in einem Futtertrog, mit wildfremden Leuten als ersten Gratulanten? Waren Engelsstimmen und Gottesglanz doch nur sch\u00f6ner Schein, wenn nur Alltagsstaub und Stallgeruch bleiben, wenn nur eine gro\u00dfe Leere g\u00e4hnt, wo doch wenigstens ein kleiner Erinnerungsstein zu sehen sein m\u00fcsste? Ich erz\u00e4hle dir dazu ein altes M\u00e4rchen: \u201eEin steinreicher K\u00f6nig ist unsterblich verliebt in ein bettelarmes M\u00e4dchen. Er \u00fcberh\u00e4uft sie mit teuren Geschenken und pr\u00e4chtigen Kleidern. Doch das Bettelm\u00e4dchen bleibt, was sie ist, trotz Brokatkleid und Goldschmuck. Endlich begreift der K\u00f6nig: <strong>Er<\/strong> muss zum Bettler werden, wenn beide zusammenkommen wollen.<strong> Er<\/strong> muss sich auf Augenh\u00f6he zu ihr begeben. <strong>Er <\/strong>muss ein einfaches Kleid, wie sie es tr\u00e4gt, anziehen. Erst dann kann die Hochzeit gefeiert werden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMy fair Lady\u201c oder \u201ePretty Woman\u201c? Ich denke an Jesus, das Kind in der Krippe. In ihm nimmt Gott die schwierigsten Umst\u00e4nde auf sich. In ihm tritt Gott auf die Seite der Bettler und Benachteiligten. In ihm begegnet uns Gott auf Augenh\u00f6he. So l\u00e4sst der Blick auf dieses Kind sie wieder wach, hellwach werden: deine Erinnerung daran, selbst ein Gotteskind zu sein. Da mag der Stall von Bethlehem leer sein. Jetzt sollst du, jetzt soll man an dir erkennen: da ist ein Gotteskind, ein K\u00f6nig nicht kraft eigenen Verm\u00f6gens, aber geadelt durch Gottes Gnade, bekr\u00f6nt mit Glaube, Hoffnung und Liebe.<\/p>\n<p>Aber sind wir es wirklich, wenn es doch hei\u00dft:<em> Darum kennt uns die Welt nicht; denn sie kennt IHN nicht? <\/em>Ein schwerer Satz typisch johanneischer Theologie. Er k\u00f6nnte bedeuten: Nur wer Gott <em>kennt<\/em> oder wenigstens etwas von einem unverf\u00fcgbaren Grund des Lebens erahnt, wen der Stallgeruch des Lebens nicht davon abh\u00e4lt, gelegentlich auf Engelsstimmen zu achten, wem wie den rauen Hirten das Beten eher fern zu liegen scheint, aber doch gelegentlich der Sinn nach Anbetung steht, dem ist die W\u00fcrde nicht fremd, die von Gott aus- und auf den Menschen \u00fcbergeht. Die W\u00fcrde eines Menschen, der gesegnet wird! Die gl\u00fccklichen Augen eines Kindes, das an der Hand der Eltern die Welt erkundet!<\/p>\n<p>Das hei\u00dft aber auch: Mein Menschsein steht und f\u00e4llt mit Gott! Wo Gott drau\u00dfen bleiben soll, verwildert der Garten des Menschlichen. Der Mensch, der sich selbst genug ist, der nur sich selbst verpflichtet wei\u00df, gibt vor, ganz und gar sein eigenes Gesch\u00f6pf zu sein, sein eigener \u201eHerr\u201c. Er hat eine biologische Herkunft, aber kein seelisches Zuhause. Er leugnet dieses ur-menschliche Gef\u00fchl schlechthinnigen Angewiesenseins, das die Gotteskindschaft schenkt und die Voraussetzung f\u00fcr Heimat und Geborgenheit ist. Wie schnell kann daraus ein \u00dcber-Mensch werden?! Und wie schnell wird aus dem \u00dcber-Menschen ein Un-Mensch?!<\/p>\n<p>Viel wichtiger noch als von anderen gekannt zu werden, ist jetzt, dass du dich selbst kennst: <em>Meine Lieben, wir <strong>sind<\/strong> schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir <strong>sein werden<\/strong><\/em>. Wie menschlich hier vom Menschen, von dir und mir gesprochen wird, wie warmherzig, wie wohltuend! <em>Meine Lieben <\/em>&#8211; wann h\u00f6rt man schon ein solches Wort?! Da darf sich doch auch der angesprochen f\u00fchlen, der sich selbst nicht leiden und lieben kann! Da wirst du wieder Kind, ohne klein zu sein oder dich klein machen zu m\u00fcssen. Dieses Kindsein erhebt dich zu einer ungeahnten W\u00fcrde und Freiheit. Denn es zeigt dir: Du bist angenommen. Da hat jemand Vertrauen zu dir. Du musst nicht die ganze M\u00fche des Lebens, die ganze Last der Welt tragen; das eben kann und muss ein Kind nicht. Aber die ganze Welt steht dir offen, und du kannst dich in ihr entfalten; das eben macht das Kindsein aus. Im Glauben gewinnen auch Erwachsene diese F\u00e4higkeit wieder.<\/p>\n<p>Mit gutem Grund hat man den Menschen das \u201enicht festgestellte Wesen\u201c genannt, offen f\u00fcr die Welt, offen daf\u00fcr, das Leben zu gestalten. Es gibt Bindungen und Bedingungen, Pr\u00e4gungen und Abh\u00e4ngigkeiten, die unhintergehbar sind. \u201eNichts ist unm\u00f6glich!\u201c ist ein wertloser Werbespot. Aber es ist doch gestaltbar. Es ist keineswegs alles in deine Hand gegeben. Aber du kannst t\u00e4glich neu das Leben als Wunder erleben. Du kannst staunen und anbeten. Du kannst das Kleine achten und sch\u00fctzen. Vor allem kannst du dem, was wachsen will, Zeit zum Reifen lassen. Und das, was wachsen und werden will, bist auch du selbst. Denn auch um deinetwillen ist der \u201eMessias\u201c, der \u201eRetter\u201c ein Kind geworden.<\/p>\n<p>Ja, liebe Gemeinde, der Mensch: ein Werdewesen. Immer steht noch etwas aus. Auf jeder Stufe des Lebens, bis zum letzten Atemzug. Wir sind immer schon. Aber wir sind nie fertig, nie am Ende. Darum werden wir erst. \u00c4hnliches sagt Martin Luther vom Glauben: \u201eDer Glaube ist kein Sein, sondern ein Werden.\u201c Der Verfasser des 1. Johannesbriefs ist noch radikaler: Wir werden, was wir schon sind. Allerdings sind wir dabei nicht auf uns gestellt. Wir m\u00fcssen auch, was uns ohnehin heillos \u00fcberforderte, keine Ganzheit oder gar Vollkommenheit herstellen. Es ist etwas v\u00f6llig anderes als die Selbstdarstellung, zu der wir im t\u00e4glichen Konkurrenzkampf gezwungen sind. <em>Wenn es offenbar wird, werden wir IHM gleich sein; denn wir werden IHN sehen, wie ER ist.<\/em> Im Glanz Gottes erst werden wir ganz und heil. Wenn wir Gott schauen! Und mit Gott die Liebe, unverh\u00fcllt, unverborgen, alles umfassend, alles zu einem guten Ende bringend!<\/p>\n<p>Dieser Blick ganz weit voraus l\u00e4sst uns schon jetzt \u00fcber den Alltagsstaub hinaus blicken, ohne den Stallgeruch des Lebens kosmetisch zu \u00fcberdecken. Wie all die Sterne, mit denen wir unser Haus weihnachtlich schm\u00fccken, uns den Weg zu Jesus Christus weisen: wie wir durch ihn Gott als Ziel unseres Lebens erkennen. Gott als Ziel des Lebens zu erkennen, das hei\u00dft: Du kennst den Menschen und gibst ihn doch nicht auf. Denn jeder Mensch ist mehr als die Summe seiner Taten und Untaten &#8211; du auch. Deshalb kannst du scheitern, ohne zu verzweifeln. Du wei\u00dft auch, du bist ein Engel mit nur einem Fl\u00fcgel &#8211; und suchst dir Engel mit dem Fl\u00fcgel auf der anderen Seite. Du klammerst dich nicht ans Vergangene, sondern strebst dem Kommenden entgegen, gibst dem Werdenden und Wachsenden Raum. Deine Lebenskraft speist sich aus der Hoffnung, dass selbst im Tod das Leben noch kein Ende findet.<\/p>\n<p>Das mag dir zuviel sein. Dann fange vorsichtiger an. Suche das Morgen, indem du \u00fcber dich selbst hinausfragst. Wie G\u00fcnter Kunert in seinem Gedicht: \u201eIch bin ein Sucher \/ eines Weges, \/ zu allem, was mehr ist \/ als \/ Stoffwechsel, \/ Blutkreislauf, \/ Nahrungsaufnahme, \/ Zellenzerfall. &#8211; Ich bin ein Sucher \/ eines Weges, \/ der breiter ist \/ als ich. \/ Nicht zu schmal, \/ kein Ein-Mann-Weg. \/ Aber auch keine \/ staubige, tausendmal \/ \u00fcberlaufene Bahn. &#8211; Ich bin ein Sucher \/ eines Weges, \/ Sucher eines Weges \/ f\u00fcr mehr \/ als mich.\u201c<\/p>\n<p>Muss aber nun doch noch von \u201eReinigung\u201c, ja von \u201eS\u00fcnde\u201c gesprochen werden? M\u00fcssen denn die weltfremden Spielverderber von der Kirche solche S\u00e4tze st\u00e4ndig wiederholen? <em>Und ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist. Wer S\u00fcnde tut, der tut auch Unrecht, und die S\u00fcnde ist das Unrecht. Und ihr wisst, dass er erschienen ist, damit er die S\u00fcnden wegnehme, und in ihm ist keine S\u00fcnde. Wer in ihm bleibt, der s\u00fcndigt nicht; wer s\u00fcndigt, der hat ihn nicht gesehen und nicht erkannt<\/em>. Ja, auch ich w\u00fcrde solchen S\u00e4tzen lieber ausweichen. Aber k\u00f6nnte ich denn ernsthaft die tiefe Kluft in mir zwischen Gotteskind und Teufelsbrut \u00fcbersehen? K\u00f6nnte ich denn den Widerspruch zwischen dem Streben nach dem Guten und, hinter seinem R\u00fccken, der Wiederkehr des B\u00f6sen aufl\u00f6sen? K\u00f6nnte ich all die Zerrissenheiten, all die Lieb- und W\u00fcrdelosigkeiten, all die Treuebr\u00fcche, all die Gottesferne denn leugnen, die mir t\u00e4glich begegnen, nicht zuletzt in mir selbst? Wer mit beiden Beinen auf der Erde steht, wer nur halbwegs bei Verstand ist, wird den Kain um uns und in uns nicht leugnen. Und wer ihn versteckt und verschweigt, best\u00e4tigt und befestigt gerade dadurch seine Existenz. Ja, die S\u00fcnde gewinnt an Macht, ja, die Schuld w\u00e4chst, je mehr sie geleugnet wird. Das Erschreckende, Abgr\u00fcndige ist: Wir wissen, was wir tun, und tun es trotzdem. Warum nur? Und wer unterbricht dieses Spiel?<\/p>\n<p>Schon Psalm 104, das gro\u00dfe Sch\u00f6pfungslied, wei\u00df, wie sehr der Mensch den Frieden, das Recht und das Leben selbst bedroht. Deshalb k\u00f6nnen wir Menschen so, wie wir sind, nicht bleiben. Aber der Weg zur\u00fcck in die Unschuld ist versperrt. Auch in \u201etr\u00e4umender Unschuld\u201c (Paul Tillich) verl\u00f6ren wir, was unser Menschsein ausmacht. So m\u00fcssen wir vorw\u00e4rts, vorw\u00e4rts in ein neues Sein. Wir finden es in dem, dessen Geburt wir Weihnachten feiern. In ihm finden wir Gottes Liebe und darin das Bild befreiten Menschseins. In ihm, hinter dessen sch\u00e4biger Krippe doch ein himmlischer Glanz aufleuchtet, gibt sich die Gestalt des Menschen unverf\u00e4lscht und rein zu erkennen. In ihm darfst du dich sehen, wie Gott dich sieht, auch als das Kind, das du &#8211; in der Welt der Erwachsenen: der Geltung und des Geldes, der Anspr\u00fcche und Anklagen &#8211; vielleicht niemals sein durftest.<\/p>\n<p>Jesus Christus unterbricht das Spiel. Er l\u00e4sst dich erkennen, wie weit weg du jetzt noch bist von dem, was du einst sein wirst. Und wie nahe dran, weil er &#8211; als Kind in der Krippe und Mann am Kreuz \u2013 dir so nahe ist. Wie er es in seiner \u201eBergpredigt\u201c, der Rede aller Reden, verk\u00fcndet hat: Die einfach nur mit leeren H\u00e4nden dastehen, denen ist Gott nahe. Im Weihnachtsfest erfahren wir die Freiheit davon, unser Menschsein erst noch er-finden zu m\u00fcssen, weil Gott es uns in Jesus Christus finden l\u00e4sst. Der Garten des Menschlichen, in dem unsere Gotteskindschaft wieder erweckt wird, bliebe uns auf ewig verschlossen, w\u00e4re er nicht der G\u00e4rtner und h\u00e4tte er nicht den Schl\u00fcssel dazu: \u201eHeut schlie\u00dft er wieder auf die T\u00fcr \/ zum sch\u00f6nen Paradeis; \/ der Cherub steht nicht mehr daf\u00fcr, \/ Gott sei Lob, Ehr und Preis, \/ Gott sei Lob, Ehr und Preis.\u201c (EG 27,6)<\/p>\n<p>Nun ist aber, liebe Gemeinde, ganz unverkennbar, wie sehr unsere \u201emoderne\u201c Gesellschaft, aber auch die Kirche, wenn sie im Laufe ihrer Geschichte den Stallgeruch dem Engelsgesang vorzog, das Bild dieses Jesus Christus \u00fcbermalt hat. Bis zur Unkenntlichkeit! Die wahre Weihnacht ist zur Ware Weihnacht geworden! Wie kann unter diesen Umst\u00e4nden Weihnachten &#8211; wenigstens Schritt f\u00fcr Schritt &#8211; wieder wahr werden? Vielleicht hilft dabei folgende Geschichte:<\/p>\n<p>\u201eIn einem kleinen Ort im d\u00e4nischen J\u00fctland gibt es einen seltsamen Brauch: Wenn die Kirchg\u00e4nger ihre kleine Kapelle betreten, verneigen sie sich zur linken Seite hin. Obwohl dort \u00fcberhaupt nichts zu sehen ist, was man gr\u00fc\u00dfen k\u00f6nnte. \u201aWarum gr\u00fc\u00dft ihr\u2018, fragt ein Fremder, \u201aeine wei\u00dfe Wand?\u2018 Einige \u00c4ltere kennen noch den Grund: Auf der linken Kapellenseite war fr\u00fcher ein Bild Marias mit dem Kind. Ihnen hatte einst der Gru\u00df beim Eintreten gegolten. Im Laufe der Jahrhunderte war das Bild verblasst. Sp\u00e4ter, als das Geld zur Restauration fehlte, hatte man seine letzten Konturen kurzerhand wei\u00df \u00fcbert\u00fcncht. Das Bild ist weg. Aber der Brauch, sich vor Maria und dem Jesus-Kind zu verneigen, ist geblieben.\u201c<\/p>\n<p>Also kann es, wo scheinbar nichts mehr zu erblicken ist, viel zu erkennen geben.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Hans Joachim Schliep<br \/>\nPastor am Ev. Kirchenzentrum Kronsberg<br \/>\nSticksfeld 6, 30539 Hannover<br \/>\nTel. + Fax: 0511 &#8211; 52 75 99<br \/>\ne-Mail: <a href=\"mailto:Hans-Joachim.Schliep@evlka.de\">Hans-Joachim.Schliep@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag der Geburt des Herrn, 25. Dezember 2005 Predigt \u00fcber 1. Johannes 3, 1-6, verfasst von Hans-Joachim Schliep &#8222;1Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heissen sollen &#8211; und wir sind es auch! 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