{"id":10905,"date":"2021-02-07T19:48:59","date_gmt":"2021-02-07T19:48:59","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10905"},"modified":"2023-02-07T18:37:36","modified_gmt":"2023-02-07T17:37:36","slug":"offenbarung-des-johannes-7-9-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-des-johannes-7-9-17\/","title":{"rendered":"Offenbarung des Johannes 7, 9-17"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Heiliges Christfest II, 26. Dezember 2005<br \/>\nPredigt \u00fcber Offenbarung des Johannes 7, 9-17, verfasst von Elisabeth Tobaben <\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<br \/>\nOb es in diesem Jahr das neue Fahrrad wird? Oder die Schlittschuhe? Die lang ersehnte elektrische Eisenbahn?<br \/>\nVielleicht erinnern Sie sich auch an die gespannte Erwartung vor Weihnachten, damals in Kindertagen?<br \/>\nUnd wer h\u00e4tte nicht mal probiert mit einem Blick durchs Schl\u00fcsselloch des Weihnachtszimmers diese Spannung aufzul\u00f6sen und herauszufinden, was denn wohl auf dem Gabentisch liegen k\u00f6nnte?!<br \/>\nMeistens konnte man ja nicht so ganz viel erkennen in dem kleinen Ausschnitt, aber<br \/>\neinen Versuch schien es uns wert.<\/p>\n<p>Heute am 2. Weihnachtstag ist nun auch f\u00fcr dieses Jahr die vorweihnachtliche Spannung schon wieder vorbei.<br \/>\nDie Geschenke ausgewickelt, der Braten aufgegessen, das neue Spielzeug ausprobiert, das Buch angelesen,&#8230;<br \/>\nDie sind Krippenspiele aufgef\u00fchrt, die festlichen Heilig-Abend-Gottesdienste vor\u00fcber, fast ist schon wieder Alltagsstimmung eingekehrt.<\/p>\n<p>Mit dem Bibeltext, der uns f\u00fcr den heutigen Tag vorgeschlagen ist, versuchen wir so etwas wie einen \u201eBlick durchs Schl\u00fcsselloch\u201c in eine ganz andere Richtung, nach vorn, auf die Zukunft; wie geht es weiter mit dem Kind in der Krippe?<\/p>\n<p>Offenbarung 7, 9-17<br \/>\n9. Danach sah ich, und siehe, eine gro\u00dfe Schar, die niemand z\u00e4hlen konnte, aus allen Nationen und St\u00e4mmen und V\u00f6lkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit wei\u00dfen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren H\u00e4nden, 10. und riefen mit gro\u00dfer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott. und dem Lamm!<br \/>\n11. Und alle Engel standen rings um den Thron und um die \u00c4ltesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an 12. und sprachen: Amen, Lob und ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und St\u00e4rke sei unserem Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.<br \/>\n13. Und einer der \u00c4ltesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den wei\u00dfen Kleidern angetan sind, und woher sind sie gekommen? 14. Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du wei\u00dft es. Und er sprach zu mir: Diese sind\u2018s, die gekommen sind aus der gro\u00dfen Tr\u00fcbsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. 15. Darum sind sie vor dem Thron &lt;Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel, und der auf dem Thron sitzt, wird \u00fcber ihnen wohnen. 16. sie werden nicht mehr hungern noch d\u00fcrsten, es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; 17. denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen.<\/p>\n<p>Der 2. Weihnachtstag ist zugleich der Tag des Stefanus, des ersten M\u00e4rtyrers der jungen Kirche;<br \/>\nStefanus wurde zu Tode gesteinigt, weil er sich zu seinem Glauben an Jesus bekannte! (Apg. 7)<br \/>\nUnd er bleibt nicht der einzige, viele sollten ihm folgen, die auf oft grausamste Weise hingerichtet wurden, weil sie nicht von ihrem Glauben lassen wollten.<br \/>\nOder auch: weil ihre christliche Einstellung sie in Konflikt brachte mit Machthabern, die sich selbst zu Pseudog\u00f6ttern erhoben hatten.<\/p>\n<p>Wer so konsequent lebt, glaubt der Seher Johannes, der hier eine seiner Visionen niederschreibt, wer sogar umgebracht wird um seines Glaubens willen, dem d\u00fcrfte ein Platz offen stehen vor Gottes Thron.<br \/>\nOder wie Paul Gerhardt dichtet:<br \/>\n<em>\u201eDie ihr schwebt in gro\u00dfem Leide, sehet, hier ist die T\u00fcr zu der wahren Freude;<br \/>\nfasst ihn wohl, er wird euch f\u00fchren an den Ort, da hinfort euch kein Kreuz wird r\u00fchren.\u201c (EG 36,7)<br \/>\n<\/em>Sie geh\u00f6ren zu denen, die ihre Kleider \u201eim Blut des Lammes gewaschen haben\u201c;<br \/>\nAus der Tr\u00fcbsal kommen sie \u2013wie Christus selbst, schreibt Johannes, und stehen nun in wei\u00dfen Festgew\u00e4ndern vor dem Thron.<br \/>\nKeine Qual kann ihnen mehr etwas anhaben!<br \/>\nWie im Traum.<\/p>\n<p>Visionen werden in der Bibel oft mit Tr\u00e4umen in einem Atemzug genannt, sind nahezu dasselbe.<br \/>\nUnd geradezu traumhafte Bilder finden wir auch hier in diesem Offenbarungstext!<br \/>\nIm Traum ist das oft so, dass Grenzen keine Rolle mehr spielen.<br \/>\nEs gibt keinen Zeitunterschied mehr, vieles passiert gleichzeitig;<br \/>\nManchmal sind Naturgesetze aufgehoben im Traum, ich kann pl\u00f6tzlich fliegen oder durch Antippen mit dem kleinen Finger W\u00e4nde zum Einsturz bringen.<br \/>\nAuch der Grenzen meiner eigenen Person k\u00f6nnen flie\u00dfend sein im Traum, ich bin pl\u00f6tzlich vielleicht jemand ganz anderes, kann vielleicht die Identit\u00e4t st\u00e4ndig wechseln.<br \/>\nSo etwas grenzenlos-traumhaftes hat auch Johannes\u2018 Vision.<br \/>\nEr sieht -gleichzeitig gewisserma\u00dfen- Anfang und Ende, Gegenwart und endzeitliche Zukunft, irdisches und himmlisches Geschehen, wie auf einer mehretagigen B\u00fchne!<br \/>\nEr sieht f\u00fcr einen Augenblick das Geschehen mit den Augen Gottes.<\/p>\n<p>Vielleicht liegt es daran, dass dieser Text f\u00fcr mich auch etwas Erschlagendes hat.<br \/>\nDa ist diese unendliche F\u00fclle von beteiligten Personen, kurz vor unserem Abschnitt ist noch von hundertvierundvierzigtausend die Rede, auch schon mehrere mittelgro\u00dfe Fu\u00dfballstadien voller Menschen.<br \/>\nAber jetzt sind es sogar so unendlich viele, dass man sie <em>gar<\/em> nicht mehr z\u00e4hlen kann.<br \/>\nIch ahne, dass eine solche Ansammlung auch mit einem erheblichen L\u00e4rmpegel verbunden sein wird.<\/p>\n<p>Auch Johannes dort in seiner Verbannung auf der Insel Patmos scheint \u00fcberfordert damit, das, was er sieht, in Worte zu fassen.<br \/>\nAber er muss es versuchen, und so ordnet er notgedrungen das gleichzeitige Geschehen wieder nacheinander an in seinem Text.<br \/>\nZu Beginn des Kapitels hatte er beschrieben, wie der Unheilsengel, die Welt mit einer Sturmflut bedrohen soll.<br \/>\nDoch der wird erstmal gestoppt, bis die Versiegelungsaktion der<br \/>\nHundervierundvierzigtausend abgeschlossen ist, damit ihnen kein Schaden zugef\u00fcgt werden kann.<br \/>\nIch vermute, Johannes denkt an die Gemeinde, die er auf dem Festland zur\u00fccklassen musste, die er in st\u00e4ndiger Bedrohung wei\u00df.<br \/>\nEr hat noch die ersten M\u00e4rtyrer miterlebt, Angriffe und Gefahren, und schlie\u00dflich am eigenen Leibe zu sp\u00fcren bekommen, wie riskant es sein kann, zu Jesus zu geh\u00f6ren, als er in die Verbannung verschleppt wurde aufn die steinige, einsame Insel, gut eine Tagereise mit dem Schiff von der K\u00fcste entfernt.<br \/>\nSein Traum, seine Vision hilft ihm auch, das Vergangene zu verarbeiten, Hoffnung und Trost zu finden.<\/p>\n<p>Wer \u201eversiegelt\u201c ist, ist zwar nicht automatisch herausgenommen aus all der Zerrissenheit und den Bedrohungen der Zeit, aber er bekommt einen Schutz mitten in aller Gefahr und Bedr\u00e4ngnis.<br \/>\nDie \u201eBesitzverh\u00e4ltnisse\u201c sind gekl\u00e4rt.<br \/>\nMenschen, die mit diesem Siegelzeichen versehen sind, k\u00f6nnen nicht mehr wirklich in den Herrschaftsbereich einer anderen Macht geraten!<br \/>\nSklaven wurden so gekennzeichnet, bis heute kennzeichnen Bauern in manchen Regionen so ihr Vieh.<\/p>\n<p>Damit erhebt sich die Frage: Wer ist das denn, der da einen Besitzanspruch \u00fcber mich hat?<\/p>\n<p>Und nun kommt eine neue Ebene ins Spiel, die B\u00f6den der B\u00fchne verschieben sich gegeneinander, und im Vordergrund steht jetzt die Zukunft der \u201eVersiegelten\u201c, der Menschen, die Christus angeh\u00f6ren.<br \/>\nUnd pl\u00f6tzlich schient nach dem vorangegangenen Chaos gro\u00dfe Ruhe einzukehren.<br \/>\nWir sind wie eingetaucht in eine \u201ehimmlische Liturgie\u201c.<br \/>\nBewegungen, Lobges\u00e4nge, Gew\u00e4nder, Trostworte.<br \/>\nEin Ritual, das nachvollziehbar machen m\u00f6chte, welcher Trost von Gott ausgeht<br \/>\nUnd das schon etwas vorwegnimmt von dem, was uns am Ende aller Zeiten erwartet.<br \/>\nUnd so malt Johannes aus, wie Gott alle Tr\u00e4nen abwischt, die von ihnen jemals geweint wurden.<br \/>\nEngel stehen und den Thron und fallen vor Gott nieder &#8211; wie die Hirten und K\u00f6nige an der Krippe.<br \/>\nUnd wie sie stimmen sie ein Loblied an!<br \/>\nSo wie wir, wenn wir Gottesdienst feiern,<br \/>\nDann geschieht auf unserer Ebene ein St\u00fcck andere Wirklichkeit.<br \/>\nDie Symbolik der Gew\u00e4nder, Bewegungen und Ges\u00e4nge macht deutlich: Es gibt noch mehr als die augenblicklich uns umgebende Gef\u00e4hrdung, als unsere \u00c4ngste und unsere Trauer.<br \/>\nDie Grenzen sind &#8211; wie im Traum- f\u00fcr einen Moment lang durchl\u00e4ssig geworden.<br \/>\nDie Dinge flie\u00dfen ineinander, manches wird m\u00f6glich, was uns undenkbar schien, neue Kr\u00e4fte werden freigesetzt,<\/p>\n<p>Weihnachten hat Gott selbst unsere Wirklichkeit durchl\u00e4ssig gemacht f\u00fcr seine Liebe.<br \/>\nUnd in dem Kind in der Krippe flie\u00dft beides zusammen:<br \/>\nHimmel und Erde, Gott und Mensch, Zeit und Ewigkeit, Gott wird fassbar f\u00fcr uns, be-greifbar, Und darum:<br \/>\n\u201cFr\u00f6hlich soll mein Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen.<br \/>\nH\u00f6rt, h\u00f6rt wie mit vollen Ch\u00f6ren alle Luft laute ruft: Christus ist geboren!\u201c (EG 36,1)<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong>Elisabeth Tobaben<br \/>\n<a href=\"mailto:Elisabeth.Tobaben@evlka.de\">Elisabeth.Tobaben@evlka.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiliges Christfest II, 26. 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