{"id":10925,"date":"2021-02-07T19:49:02","date_gmt":"2021-02-07T19:49:02","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10925"},"modified":"2023-03-19T20:37:27","modified_gmt":"2023-03-19T19:37:27","slug":"josua-1-1-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/josua-1-1-9\/","title":{"rendered":"Josua 1, 1-9"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Neujahrstag, 1. Januar 2006<br \/>\nPredigt \u00fcber Josua 1, 1-9, verfasst von Gunda Schneider-Flume<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>\u201eSiehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst\u201c, hei\u00dft es in dem Predigttext zum heutigen Neujahrstag.<\/p>\n<p>Sei getrost und unverzagt. Sei mutig und stark. Das ist eine gute Aufforderung zum Beginn eines neuen Jahres. Sie trifft in unsere Situation. Das Alte liegt hinter uns, vielleicht haben wir es gestern Abend gefeiert, um die Freude festzuhalten und auf die Erfolge anzusto\u00dfen. Aber beim Feiern und der Festfreude kann man nicht stehen bleiben. Vieles ist erreicht, aber jetzt geht es weiter. Begonnenes muss zu Ende gef\u00fchrt werden, Neues muss angepackt und Pl\u00e4ne m\u00fcssen umgesetzt und vollendet werden. Daf\u00fcr brauchen wir Mut. Gewiss haben sich im Klingen der Sektgl\u00e4ser und in den Silvesterb\u00f6llern zum Jahreswechsel auch der Wunsch und die Hoffnung Ausdruck verschafft, Mut und St\u00e4rke f\u00fcr das Neue Jahr zu bekommen.<\/p>\n<p>Aber vielleicht haben wir auch voller Schmerz manches erinnert, das wir hinter uns lassen m\u00fcssen oder das wir hinter uns lassen wollen. Ein schwerer Verlust, ein gemeinsames Leben ist zu Ende gegangen, ein berufliches Scheitern, der Einbruch einer Krankheit, die dunklen Widerfahrnisse, die in unsere W\u00fcnsche und Hoffnungen wie ein Schlag getroffen haben. All das, was uns im alten Jahr niederdr\u00fcckte, m\u00f6ge uns nicht mehr einholen, wenn jetzt ein neues Jahr beginnt. Mut und St\u00e4rke brauchen wir, um nicht gefangen zu bleiben in dem, was uns beschwert. Mut und St\u00e4rke brauchen wir, um das Alte wirklich hinter uns zu lassen. Es f\u00e4llt ja nicht von uns ab, weil heute der 1. Januar ist und gestern Silvester war. So werden wir nicht neu. K\u00f6nnen wir \u00fcberhaupt neu werden und Altes hinter uns lassen? Holt uns nicht nach wenigen Tagen der alte Trott wieder ein, so dass es hei\u00dft: Immer dasselbe, immer das alte Lied. Wo bleiben die guten Vors\u00e4tze, und Mut und St\u00e4rke, sie zu verwirklichen und nach neuen Wegen zu suchen, wo Menschen sich entzweien, Eltern und Kinder, Partner, die auf ein liebevolles Zusammenleben hofften, wo V\u00f6lker sich gegenseitig den Lebensraum bestreiten und die politische Situation so verfahren ist, dass man kaum noch auf Auswege zu hoffen wagt. \u201eSei getrost und unverzagt\u201c, ein guter Wunsch f\u00fcr den Neujahrsmorgen, die Stunde des Neubeginns, aber vielleicht doch unrealistisch, weil wir gar nicht wirklich neu anfangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und doch brauchen wir Mut und Festigkeit, ob wir alt sind oder jung, ob wir voller Kraft und Initiative sind, oder m\u00fcde und entt\u00e4uscht, ob wir gesund sind oder nicht. Deshalb ist es eine gute Aufforderung: Sei getrost und unverzagt.<\/p>\n<p>Nach der Erz\u00e4hlung des Josuabuches wurde diese Verhei\u00dfung Josua zuteil in einer f\u00fcr ihn selbst und das Volk Israel bedeutungsschweren \u00dcbergangssituation. Mose war gestorben. Josua sollte als sein Nachfolger die F\u00fchrung des Volkes \u00fcbernehmen und das Volk in das verhei\u00dfene Land jenseits des Jordan f\u00fchren. Keine leichte Aufgabe: die in der W\u00fcstenzeit unsicher und desorientiert gewordenen Menschen \u00fcber den mit rei\u00dfenden Stromschnellen gef\u00e4hrlichen Jordanfluss in ein neues Land zu f\u00fchren, in dem die St\u00e4dte im Besitz von St\u00e4mmen waren, die dem wandernden Nomadenvolk feindlich gesinnt waren. War das der richtige Weg? Zweifel \u00fcberfallen einen angesichts des unbekannten Neuen. Sollte man nicht doch besser zur\u00fcckziehen in die bekannten, altvertrauten Gefilde \u00c4gyptens? Man braucht schon Mut und Festigkeit, um der Verlockung \u201ezur\u00fcck\u201c zu widerstehen. In der Regel sind Menschen wohl nicht nur am Lebensanfang eher Nesthocker als Nestfl\u00fcchter. Wenn es um Aufbruch oder um Neues geht, will man lieber im sicheren Nest hocken, lieber zur\u00fcck in die bekannte Unfreiheit als ein unbequemer Neuanfang.<\/p>\n<p>Mut und St\u00e4rke geh\u00f6ren zu dem Verhalten, das man durch Aufforderung und Befehl nicht erreicht. Einen vor Angst zitternden Menschen aufzufordern, \u201eSei mutig!\u201c, das klingt eher wie Hohn. Einem Kind, das zum ersten Mal ins Wasser springen soll, hilft die Aufforderung \u201eSei mutig!\u201c kaum, eher zieht es sich zur\u00fcck, und wenn auch noch der ungeduldige Nachsatz folgt \u201eSpring schon!\u201c, dann weicht es rasch und besch\u00e4mt vom Sprungbrett zur\u00fcck. \u2013 Und wie trifft uns die Aufforderung: \u201eSei mutig und stark\u201c?<\/p>\n<p>Oft verbindet man mit der Vorstellung von Mut und St\u00e4rke die Vorstellung vom \u201estarken Mann\u201c oder, wenn man in der Fantasy-Literatur, beheimatet ist, die Vorstellung von dem jugendlichen oder gar kindlichen Helden, der mit einem Schlage mit seinem Zauberstab alle unl\u00f6sbaren Probleme und Gefahren meistert. Wenn Kraft und Geduld fehlen, nach Wegen zu suchen und zu warten, bis neue vern\u00fcnftige M\u00f6glichkeiten bedacht sind, sind wir anf\u00e4llig f\u00fcr vermeintliche Wunderm\u00e4nner mit schnellen Rezepten und f\u00fcr den Wunsch nach Helden. Der Tarzan des Gl\u00fcckes spielt da seine verf\u00fchrerische Rolle.<\/p>\n<p>Aber wie orientiert diese Vorstellung bei den Entscheidungen, die wir alle Tage im Neuen Jahr treffen m\u00fcssen? Bei Berufswahl und Bewerbung, bei schwierigen Fragen der Erziehung und Konflikten zwischen den Generationen, bei Fragen der Lebensplanung und bei politischen Entscheidungen? Was hei\u00dft da mutig und stark? Und woher kommen einem Menschen Mut und St\u00e4rke in Situationen, in denen es nicht um Heldentum geht? Wenn es um die Entscheidung f\u00fcr die Pflege eines irreversibel kranken Menschen geht?<\/p>\n<p>In W\u00fcstenzeiten ohne Perspektive, wenn sich kein Weg aus Angst und Unsicherheit, aus Hunger und Durst, aus Orientierungslosigkeit und Resignation auftut, helfen die schnellen Rezepte und der Heldenzauber nicht, denn es gibt keine Rezepte, die im Nu aus W\u00fcstenzeiten Paradieszeiten machen. Das gibt es nur in schlechten Filmen. Josua, der Nachfolger des viel gr\u00f6\u00dferen charismatischen F\u00fchrers hatte Zeiten von Unsicherheit und Angst durchzustehen. Das Volk Israel hatte gemurrt in der W\u00fcste gegen seinen Gott und dessen Verhei\u00dfung. Es wollte die Koalition mit dem Gott, der zum Aufbruch f\u00fchrt, k\u00fcndigen, und es wollte zur\u00fcck in die bekannten Regionen \u00c4gyptens, in dem alles vermeintlich viel besser war, weil man es wenigstens schon kannte und weil sich im R\u00fcckblick alles verkl\u00e4rt. Es war ihm wohl so gegangen, wie es Menschen in schweren Zeiten geht: Man erf\u00e4hrt Leiden und Bedrohung und wird der Bewahrung und der noch gew\u00e4hrten Lebensgrundlagen nicht mehr gewahr, und es fehlt der lange Atem, um zu warten. Ist es nicht \u00e4hnlich in Zeiten wirtschaftlicher Flaute, wenn finanzielle Einschr\u00e4nkungen gefordert sind? Die Folgerungen daraus sind rasch gezogen: zur\u00fcck, nur kein Risiko, keine Reformen, nichts Neues mehr, Sehnsucht nach fr\u00fcheren Zeiten!<\/p>\n<p>Hilft dann die Aufforderung: \u201eSei getrost und unverzagt!\u201c? Israel musste das fragen angesichts der Leiden in seiner Geschichte. Das Josuabuch ist geschrieben in der Zeit der Leiden des Exils. Die f\u00fchrende Oberschicht war deportiert nach Babylon. Sp\u00e4ter musste Israel das immer wieder fragen. Angesichts seiner Geschichte, angesichts der Vernichtungsgeschichte im 20. Jahrhundert, die Israel von Deutschen widerfahren ist, und angesichts der Bedrohungen, denen der Staat Israel jetzt ausgesetzt ist, erscheint die Aufforderung \u201esei getrost und unverzagt\u201c unerh\u00f6rt, jedenfalls aber kaum realistisch. Kann denn in dieser Situation eine Aufforderung \u00fcberhaupt Mut und Festigkeit wirken? So wie man sich nicht auf Befehl freuen kann, wirkt kein Strammhalteappell Mut.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr den Neujahrstag zun\u00e4chst gute und passende Aufforderung \u201eSei getrost und unverzagt!\u201c wird problematisch, und sie wird zur Bedrohung, wenn sie ein Appell bleibt, den zu befolgen man nicht die Kraft hat. Wir kennen die Situation, dass eine Aufforderung zum Mut einfach die Kr\u00e4fte eines Menschen \u00fcbersteigt, ja, dass er daran zerbricht.<\/p>\n<p>Josua aber erh\u00e4lt eine Begr\u00fcndung und Best\u00e4rkung f\u00fcr seinen Mut: \u201eDenn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.\u201c Die Zusage an Josua steht nicht auf den Schwertern streitbarer M\u00e4nner, so wie das \u201eMit Gott\u201c noch im Ersten Weltkrieg auf den Koppelschl\u00f6ssern deutscher Soldaten stand. Die Zusage an Josua galt in Israel nicht als Best\u00e4rkung kriegerischer Ambitionen oder imperialistischer Macht- und Besitzgel\u00fcste. Im Gegenteil: Das verhei\u00dfene Land war niemals Israels Besitz, es geh\u00f6rte ihm nicht, es war ihm vielmehr gleichsam als Lehen gegeben.<\/p>\n<p>Das Land war nicht Besitz, sondern unverf\u00fcgbares Geschenk. Mit dem Land ist die Lebens- und Existenzgrundlage gegeben. Sie muss nicht erk\u00e4mpft werden, sie ist geschenkt. Das er\u00f6ffnet eine neue Lebenswirklichkeit. Die Zusage an Josua \u201eDein Gott ist mit dir\u201c stellt hinein in die Gebebewegung der Verhei\u00dfung Gottes: Existenz- und Lebensgrundlage sind dem Volk Gottes und damit einem jeden Menschen und allen V\u00f6lkern geschenkt, gratis.<\/p>\n<p>Das ist nun wahrhaftig neu, \u00fcberw\u00e4ltigend neu in der alten Welt, in der es unentwegt um den Kampf um Land, um den Kampf um Lebensressourcen und damit um Existenz- und Lebensgrundlagen geht zwischen V\u00f6lkern und zwischen einzelnen. Dagegen steht die Gebebewegung Gottes, der aus seinem \u00dcberfluss gibt. Martin Luther hat den \u00dcberfluss g\u00f6ttlichen Gebens im Bild des von gl\u00fchender Liebe \u00fcberquellenden Backofens beschrieben. Dadurch kann die ganze Welt neu werden. Lebens- und Existenzgrundlage, Land f\u00fcr Israel und Pal\u00e4stinenser, f\u00fcr Kurden, Sunniten und Schiiten, f\u00fcr Schwarze und Wei\u00dfe und verfeindete St\u00e4mme, geschenktes Leben, weil Gott mit ist.<\/p>\n<p>Das Vertrauen auf die Verhei\u00dfung des Mitseins Gottes und damit zugleich auf die geschenkte Lebensgrundlage verbindet den j\u00fcdischen und den christlichen Glauben. Nicht der Kampf ums Dasein und nicht der Kampf um das Recht auf Leben, sondern die Gnade geschenkten Lebens bestimmt die Lebenswirklichkeit des biblischen Gottes. Diese Lebenswirklichkeit l\u00e4sst den alten Kampf ums Dasein als \u00fcberholt erkennen. F\u00fcr den christlichen Glauben ist das in Jesus Christus konkret geworden: In ihm gibt Gott sich selbst und bittet, dass Menschen sich auf die neue Lebenswirklichkeit einlassen.<\/p>\n<p>Die Verhei\u00dfung \u201edenn der Herr, dein Gott, ist mit dir\u201c stellt uns hinein in die Gebebewegung Gottes. Leben ist Geschenk. Ein \u00fcberraschendes Geschenk, das unsere nach Lohn und Leistung berechnende Welt unterbricht. Das Kind in der Krippe ist Inbegriff davon. Gott schenkt sich uns selbst, dadurch wird es hell, sogar bei den nicht gerade leuchtenden Gestalten drau\u00dfen auf dem Felde und auf den Stra\u00dfen, in den B\u00fcros und auf den Vorstandsetagen. Leben ist Geschenk, ein jedes Kind, das geboren wird, strahlt etwas von dem Glanz der g\u00f6ttlichen Gebebewegung.<\/p>\n<p>Wo Gott gibt, kommen Menschen nicht zu kurz, auch in der W\u00fcste nicht. In der alten W\u00fcstenerz\u00e4hlung wird berichtet, Gott habe das wandernde Volk mit Wachteln und Manna gespeist und ihm Wasser aus dem Fels sprudeln lassen. Lebensgrundlage aus der Gebebewegung Gottes. Daran kann man sich freuen, das darf man genie\u00dfen wie den Weihnachtsstollen und ein k\u00f6stliches Festmahl. Das klingt wie eine Weihnachtsgeschichte, und die g\u00f6ttliche Gebebewegung ist recht eigentlich eine Weihnachtsgeschichte: Existenzrecht und Lebensgrundlage gratis f\u00fcr alle Menschen. Man muss sich das nur schenken lassen. Es ist Friedensverhei\u00dfung f\u00fcr alle Welt.<\/p>\n<p>Und doch werden die Verhei\u00dfung des Mitseins Gottes und die Lebenswirklichkeit g\u00f6ttlichen Gebens immer wieder missbraucht und pervertiert. Menschen machen aus Gott, der mit ist, den Gott auf der Seite der Sieger und der St\u00e4rkeren, der \u00fcber die Opfer hinweggeht. Er wird eingesetzt f\u00fcr nationale und private Interessen, so braucht man ihn, so soll er sein. Ein zu den eigenen W\u00fcnschen passender Gott. Stehen wir nicht selbst in dieser Versuchung und w\u00fcnschen uns einen Gott als Garanten f\u00fcr Gelingen und Kraft? Wir wollen sein Mitsein ablesen an Gl\u00fcck und Erfolg in der Geschichte und im eigenen Leben. Gott als Anfang und Ende positiven Denkens. Nur das Kreuz steht st\u00f6rend dagegen.<\/p>\n<p>Israel hat Gottes Mitsein immer wieder auch in schweren Zeiten von Leiden und Unterdr\u00fcckung bezeugt. \u201eGott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht\u201c, so hei\u00dft es in der unserem Predigttext entnommenen Jahreslosung. Bei Gott herrscht nicht die Mentalit\u00e4t der Wegwerfgesellschaft: fallen lassen und entsorgen, sondern: aufheben und bewahren durch Beistand. Das Vertrauen auf die Kraft der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes hat Israel seine Identit\u00e4t und sein Lebensvertrauen bewahrt. Es ist das Vertrauen auf die Kraft der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes, der mit uns ist, das uns im Neuen Jahr leiten will.<\/p>\n<p>Gott war mit in der W\u00fcste in der Rolle des geduldigen Begleiters, der sich das Murren und Hadern, die Klagen und Schreie anh\u00f6rt \u2013 sie verhallen nicht im Leeren \u2013 er bewahrt vor kurzschl\u00fcssigen, r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Sicherungen und lehrt die Murrenden zu warten, indem er sich barmherzig auf sie einl\u00e4sst, wie eine Mutter auf ihr ungeduldiges Kind. So ist er neben und mit uns.<\/p>\n<p>In W\u00fcstenzeiten braucht man die Kraft zum Warten.<br \/>\nDie Verhei\u00dfung: Gott ist mit dir, ist nicht das Versprechen, dass Gott mit schneller Eingreiftruppe im Leben von Einzelnen oder von Nationen und V\u00f6lkern Kraftakte \u00fcbt. Wohl w\u00fcnschen wir das gelegentlich, und mancher Sto\u00dfseufzer, manches Gebet aus der Tiefe hat diesen Wunsch zum Inhalt. \u201aJetzt, sofort muss ich aus dieser Not, aus dieser Krankheit befreit werden. Ich kann nicht mehr warten.\u2019 Da wird der Zuspruch vernehmbar: Dein Gott ist mit dir, du bist nicht verlassen. Das wirkt best\u00e4rkend so wie das Versprechen von einander anvertrauten Menschen in guten und in schlechten Zeiten best\u00e4rkend wirkt. Man lernt zu warten und nach neuen Wegen zu suchen, weil einen jemand an der Hand nimmt.<\/p>\n<p>In W\u00fcstenzeiten braucht man die Kraft zum Warten. Das ist im individuellen Leben nicht anders als in der Politik. M\u00fchsam sind die Wege in politischen Situationen, in denen sich keine L\u00f6sung zeigt. Die Versuchung, dann mit Gewalt oder gro\u00dfen Spr\u00fcchen loszuschlagen, ist eine gro\u00dfe Gefahr. Schwer ist das Warten, bis sich nach immer neuen, vern\u00fcnftigen Bem\u00fchungen Wege auftun.<\/p>\n<p>Aber es gibt Menschenleben, in denen klingt die Zusage: Leben ist Geschenk, die Existenzgrundlage ist Gabe, wie eine L\u00fcge \u2013 wo Kinder sterben, weil ihnen die Existenzgrundlage Raum, Licht, Zuwendung und Nahrung entzogen werden. \u2013 Es gibt Gegenden in der Welt da klingt der Hinweis auf das Leben als Geschenk und auf die Gabe der Existenzgrundlage zynisch \u2013 Menschen verhungern und ganze V\u00f6lkergruppen werden ermordet \u2013. So wird die Wirklichkeit des Lebens als Geschenk zerst\u00f6rt und vernichtet. Sollten Menschen die Lebenswirklichkeit Gottes \u2013 Land, Existenzgrundlage, Leben als Gabe \u2013 ausl\u00f6schen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Dagegen steht der Gott, der sich selbst hingegeben hat in die tiefste Tiefe menschlichen Lebens und menschlicher Existenz. Das Kreuz Jesu Christi steht da, wo Menschen die g\u00f6ttliche Gebebewegung des Lebens angreifen und zerst\u00f6ren wollen. Die Erfahrung von Ostern ist, dass Gottes Gebebewegung Tod und Lebensfeindschaft \u00fcberwunden hat und immer neu \u00fcberwindet.<\/p>\n<p>Der \u00f6sterliche Sieg der Gebebewegung Gottes \u2013 Gott gibt sich selbst und schafft Leben \u2013 befreit: Wir sind nicht mit uns selbst allein. Gott ist mit dir. Das macht Mut und best\u00e4rkt, und es orientiert neu. Das Gesetz des Gottes der mit ist, ist zusammengefasst in dem Gebot der Liebe. Das sollen wir Tag und Nacht betrachten und im Herzen bewegen, dass es unsere vern\u00fcnftigen Entscheidungen orientiere. Menschen, die von der Gebebewegung Gottes leben, werden selbst zu Gebenden.<\/p>\n<p>Das Neue Jahr 2006 liegt vor uns wie ein zum Leben gegebenes St\u00fcck Land, das wir bebauen d\u00fcrfen. Getrost und unverzagt k\u00f6nnen wir leben, weil wir beschenkt sind mit Leben von dem Gott, der barmherzig mit uns ist.<\/p>\n<p>Getrost und unverzagt k\u00f6nnen wir leben, weil sich die Gebebewegung Gottes immer wieder \u00fcberraschend durchsetzt. Die alte Lebensfeindschaft bei uns und anderen wird immer wieder \u00fcberwunden.<\/p>\n<p>Getrost und unverzagt k\u00f6nnen wir leben, weil das Alte, das uns beschwert, beengt und \u00e4ngstet hinter uns bleibt und wir befreit sind dazu, selbst zu geben. Mit unseren Pl\u00e4nen f\u00fcr das Jahr 2006 k\u00f6nnen wir etwas durchsetzen von der g\u00f6ttlichen Weisung, die im Liebesgebot zusammengefasst ist. Amen.<\/p>\n<p>Der Friede Gottes, welcher h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\"><strong>Prof. Dr. Gunda Schneider-Flume<\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">Leipzig<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:dr.gunda.schneider@t-online.de\">d<\/a><a href=\"mailto:dr.gunda.schneider@t-online.de\">r.gunda.schneider@t-online.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neujahrstag, 1. Januar 2006 Predigt \u00fcber Josua 1, 1-9, verfasst von Gunda Schneider-Flume Liebe Gemeinde, \u201eSiehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. 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