{"id":10929,"date":"2021-02-07T19:49:10","date_gmt":"2021-02-07T19:49:10","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10929"},"modified":"2023-01-30T12:12:12","modified_gmt":"2023-01-30T11:12:12","slug":"kolosser-1-24-27-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/kolosser-1-24-27-2\/","title":{"rendered":"Kolosser 1, 24-27"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Epiphanias, 6. Januar 2006<br \/>\nPredigt \u00fcber Kolosser 1, 24-27, verfasst von Jasper Burmester <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Den Predigttext f\u00fcr diesen Gottesdienst schreibt Paulus an die Gemeinde der Kolosser:<br \/>\nJetzt freue ich mich in den f\u00fcr euch erlittenen Leiden und erf\u00fclle die Bedr\u00e4ngnisse Christi, die noch ausstehen, an meinem K\u00f6rper f\u00fcr seinen Leib, das ist die Kirche. Ihr Diener bin ich geworden nach dem g\u00f6ttlichen Amt, das mir f\u00fcr euch verliehen wurde, das Wort Gottes zu erf\u00fcllen; n\u00e4mlich das Geheimnis Gottes, das vor ewigen Weltzeiten und Menschengeschlechtern verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen offenkundig geworden ist. Ihnen wollte Gott kundtun, welches der Reichtum dieses Geheimnisses unter den V\u00f6lkern sei: Christus in euch, die Hoffnung auf Herrlichkeit.<br \/>\n<em>\u00dcbersetzung nach Wilkens, Conzelmann (NTD), Schweizer (EKK) <\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde am Epiphaniasfest &#8211;<br \/>\nUm Erscheinungen geht es heute. Es erscheint etwas. Es scheint etwas auf. Gott erscheint. Gott offenbart sich. Er erscheint, er offenbart sich in der Geburt eines Kindes, dieses Kindes Jesus. So kommt er in unsere Welt. Der Ewige, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden geh\u00f6rt, wird geboren, wie jede und jeder von uns. Gott wird Mensch. Ein unscheinbarer Vorgang, allt\u00e4glich &#8211; ein Kind wird geboren, in einer H\u00fctte. Und zugleich: Ein Weltereignis, ein Geschehen, das Himmel und Erde bewegt.<\/p>\n<p>I Eine gute Nachricht breitet sich aus und die drei Magier machen sich auf die Suche.<br \/>\nDer Evangelist Matth\u00e4us erz\u00e4hlt, dass zu dieser Zeit ein neuer Stern am Nachthimmel erscheint. Sternenkundige sind sie, die drei M\u00e4nner aus fernem Land, die sich auf die Suche nach der Ur-Sache dieser himmlischen Erscheinung machen. Sie finden, nicht ohne Schwierigkeiten und diplomatische Verwicklungen, schlie\u00dflich den ganz irdischen Ort dieser Himmelserscheinungen. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er \u00fcber dem Ort stand, wo das Kindlein war. Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Sch\u00e4tze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Waren die ersten Zeugen der Geburt, die Hirten von den H\u00fcrden Bethlehems, bodenst\u00e4ndige, erdverbundene Menschen, die verstanden, dass da in der Mitte ihres Volkes etwas ihnen zugut geschehen war, so sind diese drei weitgereisten M\u00e4nner Zeugen der alle Grenzen \u00fcberschreitenden Bedeutung dieser Geburt des Ewigen in die Welt.<\/p>\n<p>Dieses Kind, so hei\u00dft es, aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. Aus diesem Kind wurde vordergr\u00fcndig der Zimmermannssohn Jesus aus Nazareth, ein Wanderprediger, der den Selbstgerechten die Leviten las, ein Heiler, der an Kranken und Zerbrochenen mancherlei Wunderbares vollbrachte, ein Gerechter, der den Tod der Ungerechten starb. Ein besonderer Mensch also, einer an dem man sich orientieren oder reiben, dem man nacheifern und den man verdammen kann. Dass aber dieser Jesus der Christus ist, der Frieden bringt zwischen dem ewigen Gott und der verlorenen Welt: das ist nicht vordergr\u00fcndig sichtbar, davon wei\u00df nur der Glaube. Dass seine Wunder und seine Worte mehr waren, als man sah und h\u00f6rte, dass sie Zeichen waren f\u00fcr Gott, der in seine Welt kommt und sie heimsucht und heimholt aus der Entfremdung &#8211; das muss geglaubt werden, das ist das Geheimnis, das da offenbart wird. Es erschlie\u00dft sich nur dem Glauben, dass dieser als Gekreuzigter nicht im Tode blieb, sondern auferweckt am dritten Tag seinen J\u00fcngern anvertraute: Gehet hin in alle Welt und macht zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker.<\/p>\n<p>II Eine gute Nachricht breitet sich aus &#8211; und Paulus macht sich auf den Weg in die Welt<br \/>\nDurch Paulus und seinen geistgewirkten Mut, konnte die Gute Nachricht vom Zur-Welt-Kommen Gottes in Jesus Christus die Grenzen des j\u00fcdischen Glaubens- und des aram\u00e4ischen Sprachraums zu \u00fcberschreiten &#8211; er ging tats\u00e4chlich hin \u201ein alle Welt\u201d, in die damals bekannte des r\u00f6mischen Weltreichs und der griechischen Sprache und Denke und damit und dadurch \u00fcber alle Grenzen hinweg zu allen Menschen. Das ging f\u00fcr ihn und alle, die nach ihm kamen, nicht ohne leidvolle Erfahrungen. Davon spricht unser Predigttext, wohl aus dem Gef\u00e4ngnis heraus verfasst: <em>Jetzt freue ich mich in den f\u00fcr euch erlittenen Leiden und erf\u00fclle die Bedr\u00e4ngnisse Christi, die noch ausstehen, an meinem K\u00f6rper f\u00fcr seinen Leib, das ist die Kirche. Ihr Diener bin ich geworden nach dem g\u00f6ttlichen Amt, das mir f\u00fcr euch verliehen wurde, das Wort Gottes zu erf\u00fcllen<\/em>. Vielleicht sind wir irritiert von der \u201eFreude\u201d am erlittenen Leiden. Dabei kennen wir das auch &#8211; dass wir f\u00fcr ein Ziel gerne bereit sind, Opfer zu bringen, ein Ma\u00df an Leid auf uns zu nehmen, sei es die Geburt eines Kindes, die Rettung eines Menschenlebens, sei es ein Auftrag, eine Arbeit, die wir ganz und gar zu unserer Sache gemacht haben, so wie Paulus seinen Auftrag, das Wort vom Ewigen, der inmitten der Welt erschien, weiterzusagen. Was er zu sagen hat ist nicht weniger als dieses: <em>Das Geheimnis Gottes, das vor ewigen Weltzeiten und Menschengeschlechtern verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen offenkundig geworden ist. Ihnen wollte Gott kundtun, welches der Reichtum dieses Geheimnisses unter den V\u00f6lkern sei: Christus in euch, die Hoffnung auf Herrlichkeit.<\/em><\/p>\n<p>Auch hier geht es um Epihanie, um eine Erscheinung. Jetzt aber, so sagt es Paulus, jetzt wird offenbar, jetzt kommt zur Welt und ans Licht, was in den unergr\u00fcndlichen Tiefen Gottes, in seinem Heilsplan f\u00fcr die Welt, beschlossen und bereitet war. Diese Offenbarung beginnt mit der Geburt Jesu und sie endet nicht mit der Kreuzigung, nicht mit Auferstehung und Himmelfahrt, sondern geschieht immer noch. Sie geschieht allerdings nicht so, dass sie jede und jeder versteht, sie geschieht nicht allgemein und jedem Menschen, sondern \u201eseinen Heiligen\u201d. Damit sind allerdings nicht nur die Fr\u00f6mmsten der Frommen gemeint, sondern die von Gott in der Taufe berufenen und geheiligten. Also auch wir.<\/p>\n<p>III Eine gute Nachricht breitet sich aus und so kommt Christus auch in uns. Das kann auch hier und heute geschehen, denn die Epiphanie geht weiter. Nat\u00fcrlich ist die Bibel abgeschlossen, ein fertiges Dokument, dem wir nichts hinzuzuf\u00fcgen haben. Aber wenn sie nicht weitergegeben, weitererz\u00e4hlt, \u00fcbersetzt und ausgelegt wird, dann ist sie -wie so viele alte B\u00fccher- ein St\u00fcck Geschichte, Literatur- und Kulturgeschichte, aber nichts lebendiges mehr. In diesem Sinne geht die Offenbarung weiter, dass auch heute Menschen einander von der guten Nachricht erz\u00e4hlen, die Alten den Jungen, die Engagierten den Gleichg\u00fcltigen, die Wissenden den Nichtwissenden. Das geschieht nicht nur, aber ganz zentral eben auch im Gottesdienst, in der Predigt. Sie ist das Wort, von dem Paulus den Kolossern schreibt, dass es erf\u00fcllt, werden solle, ausgebreitet, weitergesagt. Und wenn es wahr ist, was Paulus seinen Gemeinden damals schrieb, wenn es mehr als nur ein sch\u00f6nes Bildwort ist, dann erscheint sich in diesem Weitersagen, im Leben der Gemeinden und der weltweiten Kirche auch heute noch Christus, dann lebt Christus hier und heute: Er als Haupt, wir, Christinnen und Christen, als seine Glieder an seinem Leibe, die wir durch unsere Taufe dazu gekommen sind. Dann ereignet sich, dass, wo zwei oder drei in seinem Namen sich versammeln, Christus mitten unter ihnen pr\u00e4sent ist.<\/p>\n<p>Daran sind viele unter uns aktiv beteiligt &#8211; im Ehrenamt und als Beruf, als Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher, als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und das ist es, was den Unterschied ausmacht zu allen anderen Engagements und T\u00e4tigkeiten: Dass Sie, dass wir mit daf\u00fcr sorgen, dass Christus auch heute in seiner Kirche lebt. Vieles, was wir tun, sei es im Kirchenvorstand oder in den verschiedenen Arbeitsbereichen unserer Gemeinde, k\u00f6nnten wir genau so oder \u00e4hnlich auch woanders tun, in Vereinen oder Unternehmen, Beh\u00f6rden oder Schulen. Aber \u00fcber alle Kraft und Phantasie, \u00fcber alles Geschick und K\u00f6nnen, \u00fcber allen Einsatz und Zeiteinsatz hinaus geht es hier, in der Kirche, dem Leib Christi eben um dieses Mehr: <em>Das Geheimnis Gottes, das vor ewigen Weltzeiten und Menschengeschlechtern verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen offenkundig geworden ist. Ihnen wollte Gott kundtun, welches der Reichtum dieses Geheimnisses unter den V\u00f6lkern sei: Christus in euch, die Hoffnung auf Herrlichkeit. <\/em><\/p>\n<p>Dass Christus durch uns in dieser Welt lebendig ist &#8211; das ist der Unterschied, das ist die W\u00fcrde, die Verpflichtung, die Verantwortung und die Verhei\u00dfung unseres Lebens und Arbeitens in dieser Kirchengemeinde. Dazu gebe der gute Gott uns Alles, was wir dazu brauchen. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Anmerkung:<\/strong> Der Gottesdienst am Epiphaniasfest ist in unserer Gemeinde dadurch gepr\u00e4gt, dass dazu die Mitglieder des Kirchenvorstands und die Mitarbeiter besonders eingeladen werden und Verabschiedungen und Einf\u00fchrungen an diesem Abend stattfinden.<\/p>\n<p>Von den verschiedenen Text\u00fcbertragungen hat mich keine als ganze \u00fcberzeugt. Der wiedergegebene Text stammt von den genannten \u00dcbersetzern.<\/p>\n<p>Hilfreich war die Textbesprechung von G.Voigt (1984, G\u00f6ttingen)<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Jasper Burmester<br \/>\nEvang.-Luth. Kirchengemeinde Hamburg-Volksdorf<br \/>\n<a href=\"mailto:jasperbu@aol.com\"> jasperbu@aol.com<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Epiphanias, 6. Januar 2006 Predigt \u00fcber Kolosser 1, 24-27, verfasst von Jasper Burmester Den Predigttext f\u00fcr diesen Gottesdienst schreibt Paulus an die Gemeinde der Kolosser: Jetzt freue ich mich in den f\u00fcr euch erlittenen Leiden und erf\u00fclle die Bedr\u00e4ngnisse Christi, die noch ausstehen, an meinem K\u00f6rper f\u00fcr seinen Leib, das ist die Kirche. 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