{"id":10930,"date":"2021-02-07T19:49:04","date_gmt":"2021-02-07T19:49:04","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10930"},"modified":"2023-02-05T17:54:19","modified_gmt":"2023-02-05T16:54:19","slug":"kolosser-1-24-27-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/kolosser-1-24-27-3\/","title":{"rendered":"Kolosser 1, 24-27"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Epiphanias, 6. Januar 2006<br \/>\nPredigt \u00fcber Kolosser 1, 24-27, verfasst von Dankwart Arndt <\/span><\/b><\/h3>\n<p>Frohlocken hat die Festtage bis heute bestimmt. Laut oder verhalten, manchmal gewiss auch ganz leise, zaghaft, fast verstummend haben Jubel und Frohlocken die Weihnachtszeit gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Nur kurz unterbricht der Apostel in diesem Abschnitt des Kolosser-Briefes diese Grundstimmung, als er \u2013 allerdings wiederum doch mit einem einleitenden \u201eich freue mich\u201c \u2013 auf die Leiden verweist, die ihm zugef\u00fcgt werden. Er stellt sie in einen gro\u00dfen Rahmen: sein Leiden \u2013 in der Gefangenschaft um der Botschaft Christi willen \u2013 ist ein Teil des Leidens der Gemeinde. Sie ist der Leib Christi; und deshalb ist ihr Leiden auf geheimnisvolle Weise Teil des Leidens Christi. Er litt bis zum Tod am Kreuz um der Botschaft willen, die er in Wort und Verhalten verk\u00fcndigte.<\/p>\n<p>Wie anders auch sollte Nichtglaube reagieren auf den Anspruch und Zuspruch, die in der Christus-Botschaft laut werden \u2013 wie anders als mit der Ablehnung, Widerstand und auch Verfolgung?<\/p>\n<p>Anspruch und Zuspruch: der Apostel umschreibt und beschreibt sie so: \u201edas Wort in seiner F\u00fclle\u201c \u2013 \u201edas offenbarte Geheimnis\u201c \u2013 \u201eder Reichtum des Geheimnisses\u201c.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fclle\u201c \u2013 das ist etwas f\u00fcr Menschen mit leeren H\u00e4nden, &#8211; f\u00fcr arme Leute, &#8211; f\u00fcr solche, die nicht weiter wissen und nicht weiter k\u00f6nnen, &#8211; f\u00fcr Menschen, die m\u00fchselig und beladen sind, &#8211; denen der Tod im Nacken sitzt mit allen seinen Vorboten: Entt\u00e4uschung, M\u00fcdigkeit, Einsamkeit, \u00dcberlastung. F\u00fcr diese alle ist das Wort mit seiner F\u00fclle gedacht, ihnen zu-gedacht; und das so \u2013 wie Martin Luther das in einer seiner ganz wesentlichen und bedeutenden Schriften gesagt hat &#8211; , so, dass wir ihm \u2013 diesem Wort und damit dem Christus unseres Glaubens \u2013 zu-schieben unsere Angst, -zu-schieben unsere Armut, &#8211; Ihm zu-schieben unsere Last, auch die Last der Vers\u00e4umnisse, die Last der Schuld, und von Ihm empfangen seinen Reichtum: Vergebung der Schuld, Ermutigung, Trost in der Tr\u00fcbsal, Gegenwart, N\u00e4he.<\/p>\n<p>Dies \u201eWort in seiner F\u00fclle\u201c nehmt in euer Leben hinein. Lebt mit ihm so, wie man \u201ezu Hause\u201c ganz vertraut und \u201eman selbst\u201c ist, ohne Maske, ohne Anstellerei. Gebt euch dem Wort hin, wie ihr seid. Verstellt euch nicht und verstellt ihm nicht den Zugang zu euren Herzen. Lasst es herein durch die T\u00fcr, vor der es steht und anklopft. Wenn wir es schon einmal taten, waren wir dann nicht erst wahrhaft bei uns selbst, geborgen n\u00e4mlich, sicher, nicht gejagt und nicht gehetzt, nicht \u201eau\u00dfer uns\u201c? So war es, ja. Und daf\u00fcr sei Dank!<\/p>\n<p>Und Schuld war es, Schuld, die auf jeden einzelnen zur\u00fcckschlug, wie Schuld immer tut, &#8211; Schuld war es, die den einzelnen \u00e4rmer, unzufrieden, streits\u00fcchtig, \u00e4ngstlich machte. Schuld, wenn und soweit einer das \u201eWort in seiner F\u00fclle\u201c nicht in Anspruch nahm, diesem Wort nicht Platz machte, ihm nicht Raum und Recht einr\u00e4umte im Leben. \u2013 Vergib \u2013 Herr \u2013 diese Schuld.<\/p>\n<p>Und dann spricht der Apostel vom Geheimnis, das offenbart ist, und seinem Reichtum. Geheimnisse sind etwas anderes als R\u00e4tsel; die l\u00f6st man und legt sie dann achtlos beiseite. Einem Geheimnis kann man sich nur n\u00e4hern, ehrf\u00fcrchtig und scheu. Das Geheimnis selbst muss sich \u00f6ffnen, weil man nicht \u2013 weder mit List noch mit Gewalt \u2013 ins Geheimnis eindringen kann. Wohl aber sind Geheimnisse es, die andringen und denjenigen befragen, der sich ihnen n\u00e4hert.<\/p>\n<p>Das Geheimnis von dem der Apostel spricht, fragt: Wer sind wir nach der Heiligen Nacht, in der wir das Geheimnis zu feiern begonnen haben? Sind wir solche, die unruhig sind, noch auf der Suche, noch voller Sehnsucht nach dem Ganzen, auch: je und dann von \u2013 durchaus begreiflicher \u2013 Furcht aufgescheucht, oder sind wir Menschen, die \u2013 anscheinend \u2013 unersch\u00fctterlich, unersch\u00fctterbar, festgelegt, festgef\u00fcgt sind, so, dass kein Geheimnis sie in Frage zu stellen vermag? Wer sind wir nach der Heiligen Nacht? Solche, die sich noch ausstrecken nach dem Endg\u00fcltigen, die die Hoffnung auf Vollendung nicht aufgegeben haben und also noch auf dem Wege sind, oder sind wir Menschen, die sich haben ab-finden lassen mit dem, wie alles nun einmal ist, &#8211; die abges\u00e4ttigt sind vom status quo, still \u2013 resigniert? Wer sind wir nach der Heiligen Nacht? Solche, die stolz-ver\u00e4chtlich ihre eisige Einsamkeit, ihr Alleinsein preisen, oder sind wir Menschen, die sich sehnen nach einer erf\u00fcllenden Gemeinschaft? Oder sind wir \u2013 jeder einzelne \u2013 beides zugleich? Und wenn es so w\u00e4re, dass beides in uns wirkt und rumort, &#8211; dass jeweils zwei Kr\u00e4fte in uns zerren und an uns rei\u00dfen \u2013 welchen Teil lassen wir gelten? Welchen bringen wir mit vor das Geheimnis?<\/p>\n<p>Innehalten, still-werden, Nachdenken, dazu l\u00e4dt dieser Epiphaniastag uns alle ein. Er verhei\u00dft in seinem Namen, dass etwas Besonderes erscheint, dass das Geheimnis \u201ekundgetan\u201c ist. Auf\u2019s neue anvertraut wird uns das Geheimnis der Heiligen Nacht. Es ist das Geheimnis, \u201ewas auf jeden Fall gesagt \u2013 laut, klar deutlich gesagt \u2013 werden muss und auf gar keinen Fall verschwiegen werden darf\u201c (J\u00fcngel). Es ist das \u2013 wie der Apostel an anderer Stelle dieses Briefes sagt \u2013 \u201egottselige Geheimnis\u201c; Gott ist Mensch geboren. Alle, die in der Heiligen Nacht unterwegs waren, vielfach sicherlich mit einem ganz unbestimmten Gef\u00fchl, dem nur dies bewusst war: \u201eich will mir Weihnachten nicht entgehen lassen\u201c \u2013 alle, die so unterwegs waren, sollen es h\u00f6ren k\u00f6nnen: Gott ist zur Welt gekommen. In einem Kind ist er zur Welt gekommen. In ihm \u2013 in diesem einfachen in sicherlich erb\u00e4rmliche Windeln gewickelten, &#8211; in diesem ohnm\u00e4chtigen, schutzlosen, sehr bald von vielen Seiten verfolgten, &#8211; in diesem am Rande der bedeutenden Welt geborenen Kind ist der herrliche \u201eReichtum des Geheimnisses\u201c verborgen und doch \u2013 offenbart. Eben dies macht Gottes Gottheit aus, dass sie so gering, so unscheinbar daherkommt, &#8211; dass sie sich ausliefert, sich in die H\u00e4nde der Menschen preisgibt, leidensf\u00e4hig und sterblich wird. Dies macht Gottes Gottheit aus: \u201eReichtum des Geheimnisses\u201c.<\/p>\n<p>Im St. Veits-Dom zu Prag \u2013 so kann man h\u00f6ren \u2013 wird der alte b\u00f6hmische K\u00f6nigsschatz verwahrt in einer siebenfach verschlossenen Kronkammer. Die sieben verschiedenen Schl\u00fcssel zu den sieben verschiedenen Schl\u00f6ssern hat jeweils ein W\u00fcrdentr\u00e4ger des Landes in seiner Gewalt. Nur wenige Auserw\u00e4hlte haben Zugang zur Schatzkammer. Dieser Schatz leuchtet im Geheimen \u2013 einsam und verlassen \u2013 f\u00fcr sich selbst; sein Glanz spiegelt sich in keinem Auge und erfreut kein Herz. Der \u201eEpiphanias-Schatz\u201c wird anders aufbewahrt: Er liegt nicht in einer verschlossenen Truhe, sondern ungesch\u00fctzt in einem offenen Stall in einem Futtertrog; dieser Schatz ist nicht unerreichbar \u201eoben\u201c, nicht fern-weggeschlossen, sondern er ist ganz unten, ganz nah, ganz auf-geschlossen. In dem Krippenkind erscheint die \u201eF\u00fclle des Geheimnisses\u201c.<\/p>\n<p>In dem Krippenkind, das heranw\u00e4chst zu einem Mann, der offen, zugewandt, unsentimental und gar nicht s\u00fc\u00dflich Gottes Zuneigung zu seinen Menschen verk\u00fcndigt, lebt, ja, sie vollzieht \u2013 in diesem Kind und Mann wird offenbart Gottes Menschen-Freundlichkeit; nicht als vor\u00fcbergehende Laune, sondern als eine best\u00e4ndige, treue, verl\u00e4ssliche Grundhaltung.<\/p>\n<p>Und \u2013 in eben diesem Kind, das heranw\u00e4chst zu einem freien, unabh\u00e4ngigen, mutigen Mann wird ebenso offenbar, wie gott-freundlich der Mensch sein kann und \u2013 in solcher<\/p>\n<p>Gott-Freundlichkeit, durch sie \u2013 souver\u00e4n, aufrecht, eine abgerundete Pers\u00f6nlichkeit: ganz und gar Gott hingegeben und eben darin frei; ganz und gar sich der Hand Gottes anvertrauend und gerade darin unabh\u00e4ngig; ganz und gar in Gottes Hut und gerade darin herr-lich, herrscher-lich.<\/p>\n<p>Ein menschen-freundlicher Gott und ein gott-freundlicher Mensch begegnen sich in dem Krippenkind. Die Zuversicht, dass Gott in Jesus ganz gegenw\u00e4rtig ist, und die Freiheit, dass der Mensch sich ganz und gar in Christus an Gott verlieren und eben darin sich finden kann \u2013 diese Zuversicht und diese Freiheit sind der \u201eReichtum des Geheimnisses\u201c, das offenbart und \u201eerschienen\u201c ist.<\/p>\n<p>Lasst uns einander w\u00fcnschen, dass wir dieses Geheimnis bewahren, indem wir es weitersagen und weitergeben. Denn dieses Geheimnis ist von der Art, dass es \u201eauf jeden Fall gesagt und auf gar keinen Fall verschwiegen werden darf\u201c.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><strong>Dr. Dankwart Arndt<br \/>\nAuf dem Breckels 1<br \/>\n24329 Grebin<br \/>\nTel: 04383 &#8211; 1472<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Epiphanias, 6. Januar 2006 Predigt \u00fcber Kolosser 1, 24-27, verfasst von Dankwart Arndt Frohlocken hat die Festtage bis heute bestimmt. 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