{"id":10932,"date":"2021-02-07T19:49:01","date_gmt":"2021-02-07T19:49:01","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10932"},"modified":"2023-02-06T14:02:59","modified_gmt":"2023-02-06T13:02:59","slug":"kolosser-1-24-27-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/kolosser-1-24-27-4\/","title":{"rendered":"Kolosser 1, 24-27"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Epiphanias, 6. Januar 2006<br \/>\nPredigt \u00fcber Kolosser 1, 24-27, verfasst von Richard Engelhardt <\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>&#8222;Ich bin froh, da\u00df ich jetzt f\u00fcr euch leiden darf.<\/em><br \/>\n<em>Denn so trage ich dazu bei, da\u00df das Ma\u00df der Leiden,<\/em><br \/>\n<em>die wir f\u00fcr Christus auf uns nehmen m\u00fcssen,<\/em><br \/>\n<em>voll wird. Ich leide ja f\u00fcr den Leib Christi, <\/em><br \/>\n<em>f\u00fcr die Gemeinde.<\/em><br \/>\n<em>Gott mich in ihren Dienst gestellt<\/em><br \/>\n<em>und mir den Auftrag gegeben, euch seine Botschaft<\/em><br \/>\n<em>zu bringen; denn f\u00fcr euch ist sie bestimmt.<\/em><br \/>\n<em>Seit dem Beginn der Welt hatte er ssein Geheimnis<\/em><br \/>\n<em>vor allen verborgen gehalten; jetzt aber hat er<\/em><br \/>\n<em>es seiner Gemeinde enth\u00fcllt.<\/em><br \/>\n<em>Er wollte ihr zeigen, welche Herrlichkeit er f\u00fcr <\/em><br \/>\n<em>Menschen aus allen V\u00f6lkern bereith\u00e4lt.<\/em><br \/>\n<em>Denn dies ist das Geheimnis:<\/em><br \/>\n<em>Christus lebt in euch, und um seinetwillen<\/em><br \/>\n<em>D\u00fcrft ihr darauf warten,<\/em><br \/>\n<em>da\u00df Gott euch an seiner Herrlichkeit Anteil gibt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>(\u00dcbersetzung: Die gute Nachricht<br \/>\nDas Neue Testament in heutigem Deutsch)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Die kleine Enkeltochter, etwas \u00fcber drei Jahre alt, denkt \u00fcber ein Geheimnis nach: Das Christkind bringt zu Weihnachten die Geschenke. Ihr hat es ein hei\u00dfersehntes Hochbett gebracht. Dieses gro\u00dfe Geschenk stand zwar nicht wie die anderen Geschenke unterm Christbaum. Es war schon im Kinderzimmer aufgebaut. Ein Jubeltanz f\u00fchrte durch die ganze Wohnung. Dann kam ein Augenblick der Besinnung und dann die sehr nachdenkliche Frage: Wie hat das Christkind blo\u00df dieses gro\u00dfe Bett in mein Zimmer gebracht?<\/p>\n<p>Eine andere Szene: Zwei junge Frauen sitzen im Bus und versuchen, das Geheimnis eines Horoskopes zu ergr\u00fcnden. Ein toller Mann soll demnach in das Leben der einen treten. Halb spa\u00dfig \u2013 aber eben auch halb ernsthaft \u2013 wird versucht, diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich eine Begegnung im Bistrowagen zwischen Hamburg und G\u00f6ttingen: Eine Studentin und eine \u00e4ltere Dame kommen auf das Thema \u201eEin Jahr nach dem Tsunami\u201c. Und die Dame fragt: Warum l\u00e4\u00dft Gott das zu, so ein schreckliches Elend? Von der Studentim kommt im Verlauf des weiteren und sehr ernsthaften Gespr\u00e4ches der Satz: Das ist Gottes Geheimnis.<\/p>\n<p>Lauter Geheimnisse. In der jeweiligen Lebenslage wichtige Geheimnisse, denen man nachsinnen, nachsp\u00fcren kann.<\/p>\n<p>Das ist ja eine der wichtigsten Gaben, die Gott uns allen mit auf den Weg gegeben hat, die Neugier. Jedes Geheimnis dr\u00e4ngt uns, seiner L\u00f6sung nachzusp\u00fcren. Das gr\u00f6\u00dfte Geheimnis, das sich hinter den Fragen verbirgt \u201eWoher komme ich? Wohin gehe ich? Wer bin ich?\u201c, dieses gr\u00f6\u00dfte Geheimnis hat die Menschen von Anfng an bewegt. Am Anfang der Bibel, in der Sch\u00f6pfungsgeschichte, wird den ersten Menschen beim Versuch, dem Geheimnis der Erkenntnis auf die Spur zu kommen, die Antwort der Schlange zuteil: Ihr werdet sein wie Gott. Alle Geheimnisse l\u00fcften, das ist \u201eSein wie Gott\u201c.<\/p>\n<p>Nun haben wir heute einige S\u00e4tze aus dem Brief an die Kolosser zu bedenken. Auch in ihnen geht es um ein Geheimnis, um das Geheimnis, das Gott seiner Gemeinde enth\u00fcllt. Der Autor dieses Briefes, wahrscheinlich ein Begleiter des Apostels Paulus, schreibt an diese junge Gemeinde. Sie ist ihm noch unbekannt. Aber zumindest eines wei\u00df er von den Christen, die sich in dieser Stadt zusammengefunden haben. Sie m\u00fchen sich um das Geheimnis: Wie k\u00f6nnen wir in einen Einklang mit Gott kommen? Wie k\u00f6nnen wir wenigstetns Frieden mit Gott finden, sein, wie er es von uns erwartet? Ihnen sind die Gedanken einer gro\u00dfen religi\u00f6sen und philosophischen Bewegung der Zeit, der Gnosis, nicht ganz unbekannt. Vielleicht finden diese Gedanken sogar Sympathie in der Gemeinde. Geht es doch in der Gnosis um das gro\u00dfe Geheimnis, wie die Spannung zwischen dem Vollkommenender g\u00f6ttlichen Gr\u00f6\u00dfe und der Kl\u00e4glichkeit menschlicher Existenz gel\u00f6st werden kann. So wird zum Beispiel in der Gnosis gedacht, da\u00df der Mensch durch eigene Anstrengung, durch Askese und Selbstkasteiung, den g\u00f6ttlichen Funken, den er nach dieser Lehre in sich tr\u00e4gt, reinigen k\u00f6nnte. Durch eigene Anstrengung, durch eigene \u00dcberwindung k\u00f6nnte schlie\u00dflich jeder Mensch dazu beitragen, die Einheit mit dem G\u00f6ttlichen wieder herzustellen. Diese Einheit wurde ja durch b\u00f6se Machenschaften zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Gegen solche Gedanken, das Mysterium, eben das Geheimnis des G\u00f6ttlichen durch eigene geistige Leistungen oder k\u00f6rperliche Anstrengungen und Leiden zu erkennen und zu offenbaren, setzt der Autor dieses Kolosserbriefes seine S\u00e4tze, seine Belehrung:<\/p>\n<p>\u201eGott hat uns aus der Gewalt der dunklen M\u00e4chte gerettet. Er hat uns unter die Herrschaft seines geliebten Sohnes gestellt.\u201c (V. 13) \u201eIm Sohn wird der unsichtbare Gott f\u00fcr uns sichtbar.\u201c (V. 15) \u201eDer Sohn ist auch das Haupt der Gemeinde, die sein Leib ist. Er ist der Anfang des neuen Lebens.\u201c (V. 18)<\/p>\n<p>Auch er, der Apostel, mu\u00df leiden. Allerdings leidet er nicht aus eigenem Antrieb. Er leidet nicht, um dadurch h\u00f6here Einsichten zu gewinnen. Er leidet nicht, um einem Mysterium auf die Spur zu kommen oder den Plan Gottes besser erkenn zu k\u00f6nnen. Er leidet, weil es Gottes Weg f\u00fcr ihn und f\u00fcr die Gemeinde ist. \u201eDurch das Blut, das der Sohn am Kreuz hingab, hat Gott den Frieden zwischen sich und der Welt wiederhergestellt.\u201c (V. 20) So mu\u00df er als Apostel etwas von dem Leiden Christi weitertragen, glaubw\u00fcrdig f\u00fcr die Menschen, die sich in der Gemeinde zusammenfinden als Leib Christi. Das ist die Gemeinde: Leib Christi.<\/p>\n<p>Dies Bild vom Leib Christi ist neu. Christus ist das Haupt der Gemeinde. Und alle, die an Christus glauben, sind Glieder an diesem Leib. Da gibt es kein wichtiges oder unwichtiges Glied, keines, das zur\u00fcckbleibt oder vorst\u00fcrmen kann. Alle sind miteinander verbunden und wo ein Glied leidet, leiden alle anderen mit. Nur alle zusammen k\u00f6nnen Christus in dieser Welt glaubw\u00fcrdig mitteilen.<\/p>\n<p>Das also ist das Geheimnis Gottes, das nun vor aller Welt enth\u00fcllt ist: Gott ist nicht mehr fern. \u201eIm Sohn wird der unsichtbare Gott f\u00fcr uns sichtbar.\u201c Oder \u2013 wie es in unserem Textabschnitt hei\u00dft \u2013 Christus lebt in euch.<\/p>\n<p>Um das Gewicht dieses Satzes deutlicher zu machen, kann man vielleicht auch fortsetzen: Christus lebt mit euch. Von Martin Luther stammt der Gedanke, da\u00df einer dem andern ein Christus werden sollte. Von daher k\u00f6nnte man auch sagen: Christus lebt durch euch. Aber das ist wohl \u2013 um einmal die Luther-\u00dcbersetzung unseres Textes zu zitieren \u2013 \u201edie Hoffnung der Herrlichkeit\u201c.<\/p>\n<p>Zwar kennen wir das Geheimnis, da\u00df Gott sich durch seinen Sohn Jesus Christus mit uns Menschen vers\u00f6hnt hat und uns seinen Frieden gegeben hat, aber ob wir die ganze Herrlichkeit dieser Botschaft wirklich begriffen haben? Vielleicht m\u00fcssen wir ja noch einen weiten Weg gehen. Die Weisen aus dem Morgenland, deren Fest wir heute feiern, mu\u00dften auf dem Weg fragen: \u201eWo ist der neugeborene K\u00f6nig der Juden? Wir haben sein Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.\u201c Sie mu\u00dften ihren Weg fortsetzen, bis sie im Stall anbeten konnten. Den Stern haben wir nun auch gesehen. Die Hoffnung der Herrlichkeit kann uns dann helfen, auf dem Weg zu bleiben.<\/p>\n<p>Die Hoffnung der Herrlichkeit: Der Apostel Paulus beschreibt sie im 1. Brief an die Korinther: \u201eJetzt erkenne ich st\u00fcckweise; dann aber werde ich erkennen, so wie ich erkannt bin.\u201c<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong>Richard Engelhardt<br \/>\nPastor i. R.<br \/>\nLotzestra\u00dfe 53<br \/>\n37083 G\u00f6ttingen<br \/>\nTel.: 0551-3706970<br \/>\nFax: 0551-3706962<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Epiphanias, 6. Januar 2006 Predigt \u00fcber Kolosser 1, 24-27, verfasst von Richard Engelhardt &#8222;Ich bin froh, da\u00df ich jetzt f\u00fcr euch leiden darf. Denn so trage ich dazu bei, da\u00df das Ma\u00df der Leiden, die wir f\u00fcr Christus auf uns nehmen m\u00fcssen, voll wird. Ich leide ja f\u00fcr den Leib Christi, f\u00fcr die Gemeinde. 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