{"id":10940,"date":"2021-02-07T19:48:58","date_gmt":"2021-02-07T19:48:58","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10940"},"modified":"2023-02-08T12:26:41","modified_gmt":"2023-02-08T11:26:41","slug":"1-korinther-1-26-31-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-1-26-31-4\/","title":{"rendered":"1. Korinther 1, 26-31"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">1. Sonntag nach Epiphanias, 8. Januar 2006<br \/>\nPredigt \u00fcber 1. Korinther 1, 26-31, verfasst von Henning Kiene<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Seht auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele M\u00e4chtige, nicht viele Angesehene sind berufen. Sondern was t\u00f6richt ist vor der Welt, das hat Gott erw\u00e4hlt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erw\u00e4hlt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erw\u00e4hlt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich kein Mensch vor Gott r\u00fchme. Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erl\u00f6sung, damit, wie geschrieben steht (Jeremia 9,22f): \u00bbWer sich r\u00fchmt, der r\u00fchme sich des Herrn!\u00ab<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>\u201eWir sind Bettler, das ist wahr!\u201c ist der letzte von Martin Luther zu Papier gebrachte Satz. Man fand diese sechs Worte am Morgen nach dem Tod des Reformators auf dessen Schreibpult liegen. \u201eWir sind Bettler, das ist wahr!\u201c, so schlie\u00dft einer sein Lebenswerk ab und spricht f\u00fcr uns mit, die wir mitten im Leben stehen.<\/p>\n<p>Bettlerin und Bettler sein, bedeutet nicht automatisch, dass wir mit leeren H\u00e4nden dastehen. Wer bettelt wird beschenkt. Beschenkt werden ist manchmal schwer zu ertragen. Aber es ist wahr, dass wir Wesen sind, die vom ersten Atemzug an bed\u00fcrftig sind und es bleiben. Es ist eine der \u00e4ltesten Hoffnungen der Menschheit, dass es f\u00fcr unser Leben einen Plan gibt, in dem wir selber mit unseren Begabungen und unseren Schw\u00e4chen vorkommen. \u201eSeht auf eure Berufung\u201c, sagt der Apostel Paulus und \u00f6ffnet einen Einblick in Gottes Plan. Er zeigt, dass sich da etwas ereignet, f\u00fcr jede und f\u00fcr jeden. Er zeigt auch, dass die Eignung eines jeden, sich an Kriterien festmacht, die einem nicht so gel\u00e4ufig sind. Das Geringste, das Verachteste kommt bei Gott zum Zuge.<\/p>\n<p>Wir sind Bettler, hoffen auf die 365 Tage des neuen Jahres. Man kann in die Zukunft noch nicht einsehen. Und das, was man sehen kann, k\u00f6nnte sich als negatives Vorzeichen begreifen lassen, das vor dieses neue Jahr gesetzt wird. \u201eGeht das so weiter?\u201c, fragte jemand sofort als die ersten Bilder aus Bad Reichenhall zu sehen waren. Er meinte, dass die Katastrophen, die die R\u00fcckblicke des letzten Jahres bestimmten, nun eine Fortsetzung f\u00e4nden.<\/p>\n<p>Einen Jahreswechselwunsch habe ich in diesem Jahr so oft geh\u00f6rt, wie schon lange nicht mehr. Selbst Menschen, die sich kaum kennen, sagen ihn einander: \u201eVor allem w\u00fcnsche ich Ihnen Gesundheit!\u201c Vielleicht sp\u00fcren wir unsere Begrenzung am Jahreswechsel deutlicher als sonst. Vieles im Leben will von Gott erbeten sein. Darum sind wir heute in der Kirche zusammengekommen.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re den meisten von uns heute leichter ums Herz, wenn man das neue Jahr wie einen Fahrplan schon jetzt auseinanderfalten und die Zugankunftszeiten und die Abfahrten schon mal vorher lesen k\u00f6nnte. Etwa so wie der neue Fahrplan unserer Bahn seit dem Dezember ausliegt und alle Abfahrten bis zum n\u00e4chsten Dezember 2006 feststehen. Oder wie die Proben und Auff\u00fchrungspl\u00e4ne unserer Ch\u00f6re. Aber auch dann, wenn man diesen Plan schon jetzt aufschlagen k\u00f6nnte, w\u00e4re nicht viel gewonnen. Denn das Leben l\u00e4uft nicht auf festen Gleisen, es wirkt manchmal sogar so, als sei vieles in ihm unzuverl\u00e4ssiger als die Bahn. Und auch wenn wir alle Chorauftritte schon jetzt h\u00f6ren k\u00f6nnten, dann w\u00fcrde die Gunst der Stunde fehlen.<\/p>\n<p>Das Leben ist aber nicht unzuverl\u00e4ssiger als die Bahn, sein Plan ist nur anders aufgebaut. Behutsamer, leider, mit Zwischent\u00f6nen, die nur der Glaube kennt. Da reduzieren viele ihr Tempo und stimmen ruhigere T\u00f6ne an. Andere geben Gas und wollen es wissen. Wir kennen die Gefahren an den Knotenpunkten. Oft f\u00fcrchtet man, dass der Stahltr\u00e4ger nicht halten k\u00f6nnte und das Dach brechen kann wie in Bad Reichenhall. Man nimmt jedes Risiko mit wachen Augen wahr. Auch das Risiko f\u00fcr andere. In Wahrheit ist unser Leben trotzdem die Menge der M\u00f6glichkeiten, die jeder und jedem gegeben sind. Da liegt viel mehr drin, als man wei\u00df. \u201eSeht auf eure Berufung\u201c, sagt der Apostel Paulus. Und ich h\u00f6re beim ihm, dass das, was gelegentlich t\u00f6richt wirkt, in dem Plan Gottes logisch klingt, dass das, was offenbar schw\u00e4chelt, in Wahrheit tragf\u00e4hig ist. Da liegen mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr uns bereit, als uns bewusst ist.<\/p>\n<p>Gott hat uns einen Einblick in seinen Plan gegeben. Wir haben in den letzten Wochen mit fast jedem Bibelwort, das wir hier in der Kirche geh\u00f6rt haben, etwas mehr zu Gesicht bekommen. Wir haben nicht die genauen Zeiten wann, was, wie geschieht, erfahren. Aber \u00fcber die wichtigsten Fakten hat Gott uns einen \u00dcberblick verschafft. \u201eGottes Sohn ist Mensch geborn!\u201c, haben die Quempass\u00e4nger vor zwei Wochen gesungen. Und t\u00e4glich waren Menschen hier im Dom und haben den Baum und die Krippe besucht.<\/p>\n<p>Da tritt das Kind in einer Krippe in das Blickfeld, da sind Hirten und jetzt auch die Weisen aus dem Morgenland zu sehen und haben es an dieser Krippe hier mit unseren eigenen Augen gesehen. Die Weihnachtstage enth\u00fcllen, was in unserer Zeit noch immer Gottes Plan bleibt. Man kann entdecken: Gott beginnt mit dem, was sich oft erst im Verborgenen, in irgendeinem Weltwinkel, wie damals in Bethlehem, anzubahnen beginnt. \u201eT\u00f6richt\u201c h\u00f6ren wir beim Apostel Paulus. Er spielt auf das ganze Leben Jesu und auf den ganzen Glauben an. So kann der Glaube wirken. Jesus Christus will sich in die Pl\u00e4ne, die wir selber zeichnen, nicht so leicht einpassen lassen.<\/p>\n<p>Gott arbeitet mit unseren St\u00e4rken. Das ist doch selbstverst\u00e4ndlich, er arbeitet mit unserer F\u00e4higkeit, mit unserer Hoffnung, mit unserem guten Willen, mit unserer Leidenschaft und unserer Liebe. Er bedient sich aber auch unserer Schw\u00e4chen. Er nimmt sogar unsere Schattenseiten in seinen Dienst. Das kommt in seinem Plan auch vor. Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass wir Bettler sind. Ich bin aber auch davon \u00fcberzeugt, dass wir so etwas wie reiche Bettler sind. Denn den Schwachen und den Starken, alle die sich mutig f\u00fchlen und die, die Mut gewinnen werden, zeichnet er alle in seinen Plan ein.<\/p>\n<p>Es sind gerade die Bettler, die von Gott \u00fcberraschend viel verstehen. \u201eDer Satte kann von dem Gott, der Bettler am Leben erhalten will, nur entt\u00e4uscht sein!\u201c, habe ich gelesen. Wie es einem ergehen kann: Es sind gelegentlich die Scherben, die einen vollen Klang entfalten. Es sind die Momente, in denen man nicht viel von der Zukunft sehen kann, in denen wir Bettler und dann doch schon reich beschenkt sind.<\/p>\n<p>(F\u00fcr die Lesenden: Nach dem Gottesdienst findet ein Empfang f\u00fcr die Kirchengemeinde Meldorf und den Kirchenkreis S\u00fcderdithmarschen statt. Alle Leserinnen und Leser der G\u00f6ttinger Predigten sind herzlich eingelanden.)<\/p>\n<p><strong>Predigt in der St.-Johannis-Kirche (Dom) zu Meldorf<br \/>\nPropst Henning Kiene<br \/>\n<a href=\"mailto:propst.kiene.kksd@kirnet.de\">propst.kiene.kksd@kirnet.de <\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag nach Epiphanias, 8. Januar 2006 Predigt \u00fcber 1. Korinther 1, 26-31, verfasst von Henning Kiene Seht auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele M\u00e4chtige, nicht viele Angesehene sind berufen. Sondern was t\u00f6richt ist vor der Welt, das hat Gott erw\u00e4hlt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":13111,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[42,656,1,727,157,853,114,1236,762,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10940","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-korinther","category-1-so-n-epiphanias","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-henning-kiene","category-kapitel-01-chapter-01-1-korinther","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10940","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10940"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10940\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16768,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10940\/revisions\/16768"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13111"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10940"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10940"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10940"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10940"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10940"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10940"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10940"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}