{"id":10947,"date":"2021-02-07T19:49:10","date_gmt":"2021-02-07T19:49:10","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10947"},"modified":"2023-01-30T11:34:47","modified_gmt":"2023-01-30T10:34:47","slug":"1-korinther-2-1-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-2-1-10\/","title":{"rendered":"1. Korinther 2, 1-10"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">2. Sonntag nach Epiphanias, 15. Januar 2006<br \/>\nPredigt \u00fcber 1. Korinther 2, 1-10, verfasst von Sibylle Reh<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>1 Auch ich, liebe Br\u00fcder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verk\u00fcndigen.<br \/>\n2 Denn ich hielt es f\u00fcr richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. <\/em><br \/>\n<em> 3 Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit gro\u00dfem Zittern;4 und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit \u00fcberredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, 5 damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.<\/em><br \/>\n<em> 6 Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. 7 Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, 8 die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt h\u00e4tten, so h\u00e4tten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. 9 Sondern es ist gekommen, wie geschrieben steht (Jesaja 64,3): \u201eWas kein Auge gesehen hat und kein Ohr geh\u00f6rt hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.\u201c<br \/>\n10 Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, stellen Sie sich vor, in Korinth h\u00e4tte etwa vier Jahre nach der Gr\u00fcndung der Gemeinde eine Gemeindeversammlung stattgefunden. Man h\u00e4tte sich im Wohnzimmer eines reichen Christen versammelt, denn Gemeinder\u00e4ume gab es noch nicht.<\/p>\n<p>Einer der Gemeinde\u00e4ltesten sagt: \u201eWir m\u00f6chten, dass die Gemeinde gr\u00f6\u00dfer wird, politisch eine Bedeutung erlangt, so dass wir finanzkr\u00e4ftige Mitglieder gewinnen, damit wir uns ein eigenes Gemeindehaus leisten k\u00f6nnen, wie es andere Religionsgemeinschaften haben.\u201c Alle sind Feuer und Flamme. Doch wie soll das gehen? \u201eWir brauchen einen gro\u00dfen Prediger, einen, der die Massen anlockt\u201c ,sagt einer. \u201eEinen echten Philosophen nach M\u00f6glichkeit,\u201c sagt der N\u00e4chste.<\/p>\n<p>\u201eLaden wir Paulus ein?\u201c \u201ePaulus? Der ist kein gebildeter Redner! Er versteht was vom Glauben, aber er war weder auf einer Rednerschule noch auf einer philosophischen Akademie.\u201e \u201eUnd dann sein schwaches Auftreten. Er ist doch lange krank gewesen. Wenn wir ihn nach vorne stellen, denken doch alle, Christentum, das ist was f\u00fcr Kranke, Alte und Schwache, f\u00fcr Handwerker und Sklaven. Wenn wir die besseren Leute f\u00fcr uns gewinnen wollen, brauchen wir einen anderen Mann!\u201e \u201ePaulus hat die Gemeinde gegr\u00fcndet.\u201c \u201eMag sein, aber um weiterzukommen, brauchen wir ein besseres Gesch\u00e4ftskonzept und bessere Werbung. Wir m\u00fcssen es so machen wie der neue \u00e4gyptische Tempel nebenan. Da gehen die reichen Leute hin!\u201c<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, eine solche Gemeindeversammlung hat es nicht gegeben, oder doch? Wenn es sie gegeben hat, dann hat Paulus im ersten Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth darauf geantwortet.<\/p>\n<p>Paulus war jemand, der Gemeinden gr\u00fcndete, ein \u201eMacher\u201c k\u00f6nnte man heute sagen. Er war jemand, der meist auf den praktischen Vorteil achtete: \u201ePr\u00fcfet alles, behaltet das Beste!\u201c Aber den Ideen dieser erfundenen Gemeindeversammlung stand er skeptisch gegen\u00fcber. Vielleicht hatte seine ablehnende Haltung damit etwas zu tun, dass die Planung an ihm, als Person vorbeiliefen. Aber er hatte noch andere, sachliche Gr\u00fcnde: er stellt die Frage: \u201eWas soll verk\u00fcndet werden?\u201c \u201e<em>Ich hielt es f\u00fcr richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Da gibt es nichts zu besch\u00f6nigen, in wohlklingende Reden zu verpacken. Darum habe ich es auch nicht versucht. Und ihr habt mir geglaubt<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, die angenommene Gemeindeversammlung hat ein Thema, das von der Zeit des Paulus bis heute hin ununterbrochen aktuell ist: Wie tragen wir dazu bei, dass Gemeinde w\u00e4chst? Wie gewinnen wir neue Mitglieder, wie machen wir Menschen zu Christen?<\/p>\n<p>Denn im Jahre 2006 ist es nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass Kinder, die hier geboren werden, als Christen aufwachsen und auch Christen bleiben. Nicht alle Kinder werden getauft und konfirmiert. Noch viel zu viele derer, die immerhin als Christen getauft und konfirmiert werden, treten aus, sobald sie Kirchensteuer zahlen m\u00fcssten. Es besteht kein Anlass, zu glauben, unsere Zeit sei besonders schlecht. In den meisten Zeiten der Geschichte war die Anzahl der Christen in der Bev\u00f6lkerung nicht h\u00f6her, nur gab es mal eine Zeit, da war nicht Austreten einfacher als Austreten. Zu allen Zeiten war Kirche darauf angewiesen, Menschen als Christen zu gewinnen, wenn sie \u00fcberleben wollte.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, denken Sie zur\u00fcck, woran es liegt, dass Sie hier im Gottesdienst sind. Wie hat die Geschichte begonnen? Ich vermute, Sie sind irgendwann in ihrem Leben jemandem begegnet, dem Jesus wichtig war. Das waren vielleicht die Eltern, Gro\u00dfeltern oder Freunde. Vielleicht ein Diakon oder ein Pastor. Ich denke, es waren auf jeden Fall Menschen, denen Sie glaubten, was sie sagten, und Menschen, von denen Sie sich ernst genommen f\u00fchlten. Meistens waren es Menschen aus der Umgebung, seltener Stars aus den Medien.<\/p>\n<p>Es gibt Gro\u00dfereignisse, die Menschen zum Glauben f\u00fchren und darin best\u00e4rken. Zum Beispiele gab vor zwei Wochen das Taize-Treffen in Mailand.: Dort trafen sich Zehntausende junger Menschen aus aller Welt, um gemeinsam zu beten.<\/p>\n<p>Aber so wichtig diese Ereignisse auch sind, wir sollten unsere kleinen \u201enormalen\u201c Gottesdienste, die regelm\u00e4\u00dfig in Gro\u00df Escherde, Sorsum und Emmerke stattfinden, nicht untersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Sollte Paulus so gewesen sein, wie er sich selbst beschreibt, dann h\u00e4tte er in unserer heutigen Gesellschaft wenig Geh\u00f6r gefunden. Er war kein Talkshow-Talent und au\u00dferdem von sehr schwacher Gesundheit. Er hatte wohl nichts an sich, was ihn zum Star gemacht hatte. Zur Zeit des Paulus war das aber nicht anders als heute. Die Menschen waren \u00f6ffentliche Auftritte und Reden von Menschen gew\u00f6hnt, die von Jugend auf gelernt hatten aufzutreten; Redner, die einen Satzbau und eine Stimmgewalt hatten, mit denen der gelernte Handwerker und Theologe Paulus einfach nicht mithalten konnte.<\/p>\n<p>Und doch h\u00f6rten ihm Menschen zu, wenn er vom gekreuzigten Christus predigte. Nicht alle, nicht einmal besonders viele, aber <em>Einige<\/em> glaubten.<\/p>\n<p>Der Journalist und Buchautor Christian N\u00fcrnberger hat vor zwei Jahren (am 30. November 2003 beim 34. Rheinischen Pfarrerinnen- und Pfarrertag in Bonn) einen Vortrag gehalten mit dem Titel \u201eWarum McKinsey f\u00fcr die Kirche keine L\u00f6sung ist\u201c. Er lehnt darin die Versuche der Kirche, durch Unternehmensberater und Werbeagenturen wieder in der \u00d6ffentlichkeit mehr wahrgenommen zu werden, ab. Er h\u00e4lt sie schlicht f\u00fcr Geldverschwendung. Als Au\u00dfenstehender r\u00e4t er der Kirche, sich nicht so sehr um \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit zu k\u00fcmmern, sondern mehr um ihre Botschaft. Gott kam seinerzeit auch nicht mit publikumswirksamen Gladiatorenk\u00e4mpfen oder ber\u00fchmten Philosophen, sondern in dem Zimmermannssohn Jesus aus Nazareth im abgelegenen Galil\u00e4a.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, wir als Christen haben uns versammelt, weil es eine Botschaft gibt. Wir verk\u00fcnden Christus, der den Tod kennt. Jesus, der den Tod \u00fcberwunden hat. Die Botschaft von den Leiden Christi ist nicht immer medienwirksam, aber uns nah. Ich denke an Gemeindeglieder, die nicht hier sind, weil sie krank sind, an Menschen, die sich w\u00fcnschen, sie h\u00e4tten die Kraft, hierher zu kommen. Es ist die Botschaft, die wir als Christen verk\u00fcnden: Das Leiden ist Gott nicht fern, weil Christus am Kreuz gelitten hat. Zur Botschaft vom Kreuz geh\u00f6rt die Botschaft von der Auferstehung: Das Leiden ist nicht das Ende.<br \/>\nWir verk\u00fcnden auch Christus, der bei seiner Ankunft Wasser in Wein verwandelt. Christus, der alles ver\u00e4ndert, wenn er kommt.<br \/>\nWir verk\u00fcnden, dass Gott sich dieser Welt zuwendet.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, wenn Gemeinde wachsen soll, dann reicht es nicht, wenn hier jeden Sonntag ein Gottesdienst stattfindet, dann reicht es auch nicht, wenn eine Werbeagentur beauftragt wird. Gemeinde w\u00e4chst, wenn wir, das, was uns Gott, was uns Christus bedeutet, weitersagen. Gemeinde w\u00e4chst, wenn Oma mit dem Kind betet, der Vater, mal eine Bibelgeschichte erz\u00e4hlt. Gemeinde w\u00e4chst, wenn eine Frau in der Kneipe, wenn mal wieder alle \u00fcber die Kirche herziehen, zugibt: \u201eIch bin Christin.\u201c<\/p>\n<p>Gemeinde w\u00e4chst, wenn wir weitersagen, was uns herf\u00fchrt.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Sibylle Reh<br \/>\nHildesheim<br \/>\n<\/strong> <strong><a href=\"mailto:sreh@gmx.de\">sreh@gmx.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Sonntag nach Epiphanias, 15. Januar 2006 Predigt \u00fcber 1. 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