{"id":10953,"date":"2021-02-07T19:49:10","date_gmt":"2021-02-07T19:49:10","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10953"},"modified":"2023-01-30T09:50:47","modified_gmt":"2023-01-30T08:50:47","slug":"2-koenige-5-1-19a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-koenige-5-1-19a\/","title":{"rendered":"2. K\u00f6nige 5, 1-19a"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">3. Sonntag nach Epiphanias, 22. Januar 2006<br \/>\nPredigt zu 2. K\u00f6nige 5, 1-19a, verfasst von Hartmut Jetter <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>Naaman, der Feldhauptmann des K\u00f6nigs von Aram, war ein trefflicher Mann vor seinem Herrn und wert gehalten; denn durch ihn gab der HERR den Aram\u00e4ern Sieg. Und er war ein gewaltiger Mann, jedoch auss\u00e4tzig.<\/em><br \/>\n<em>(2)Aber die Kriegsleute der Aram\u00e4er waren ausgezogen und hatten ein junges M\u00e4dchen weggef\u00fchrt aus dem Lande Israel; die war im Dienst der Frau Naamans.<\/em><br \/>\n<em>(3)Die sprach zu ihrer Herrin: Ach, dass mein Herr w\u00e4re bei dem Propheten in Samaria! Der k\u00f6nnte ihn von seinem Aussatz befreien.<\/em><br \/>\n<em>(4)Da ging Naaman hinein zu seinem Herrn und sagte es ihm an und sprach: So und so hat das M\u00e4dchen aus dem Lande Israel geredet.<\/em><br \/>\n<em>(5)Der K\u00f6nig von Aram sprach: So zieh hin, ich will dem K\u00f6nig von Israel einen Brief schreiben. Und er zog hin und nahm mit sich zehn Zentner Silber und sechstausend Goldgulden und zehn Feierkleider<\/em><br \/>\n<em>(6)und brachte den Brief dem K\u00f6nig von Israel; der lautete: Wenn dieser Brief zu dir kommt, siehe, so wisse, ich habe meinen Knecht Naaman zu dir gesandt, damit du ihn von seinem Aussatz befreist.<\/em><br \/>\n<em>(7)Und als der K\u00f6nig von Israel den Brief las, zerriss er seine Kleider und sprach: Bin ich denn Gott, dass ich t\u00f6ten und lebendig machen k\u00f6nnte, dass er zu mir schickt, ich solle den Mann von seinem Aussatz befreien? Merkt und seht, wie er Streit mit mir sucht!<\/em><br \/>\n<em>(8)Als Elisa, der Mann Gottes, h\u00f6rte, dass der K\u00f6nig von Israel seine Kleider zerrissen hatte, sandte er zu ihm und lie\u00df ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Lass ihn zu mir kommen, damit er innewerde, dass ein Prophet in Israel ist.<\/em><br \/>\n<em>(9)So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der T\u00fcr am Hause Elisas.<\/em><br \/>\n<em>(10)Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und lie\u00df ihm sagen: Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden.<\/em><br \/>\n<em>(11)Da wurde Naaman zornig und zog weg und sprach: Ich meinte, er selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien.<\/em><br \/>\n<em>(12)Sind nicht die Fl\u00fcsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser in Israel, so dass ich mich in ihnen waschen und rein werden k\u00f6nnte? Und er wandte sich und zog weg im Zorn.<\/em><br \/>\n<em>(13)Da machten sich seine Diener an ihn heran, redeten mit ihm und sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Gro\u00dfes geboten h\u00e4tte, h\u00e4ttest du es nicht getan? Wie viel mehr, wenn er zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein!<\/em><br \/>\n<em>(14)Da stieg er ab und (a) tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben, und (b) er wurde rein.<\/em><br \/>\n<em>(15)Und er kehrte zur\u00fcck zu dem Mann Gottes mit allen seinen Leuten. Und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun wei\u00df ich, dass kein Gott ist in allen Landen, au\u00dfer in Israel; so nimm nun eine (a) Segensgabe von deinem Knecht.<\/em><br \/>\n<em>(16)Elisa aber sprach: So wahr der HERR lebt, vor dem ich stehe: ich nehme es nicht. Und er n\u00f6tigte ihn, dass er es nehme; aber er wollte nicht.<\/em><br \/>\n<em>(17)Da sprach Naaman: Wenn nicht, so k\u00f6nnte doch deinem Knecht gegeben werden von dieser Erde eine Last, soviel zwei Maultiere tragen! Denn dein Knecht will nicht mehr andern G\u00f6ttern opfern und Brandopfer darbringen, sondern allein dem HERRN.<\/em><br \/>\n<em>(18)Nur darin wolle der HERR deinem Knecht gn\u00e4dig sein: wenn mein K\u00f6nig in den Tempel Rimmons geht, um dort anzubeten, und er sich auf meinen Arm lehnt und ich auch anbete im Tempel Rimmons, dann m\u00f6ge der HERR deinem Knecht vergeben.<\/em><br \/>\n<em>(19)Er sprach zu ihm: Zieh hin mit Frieden!<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Das ist sicher keine von den biblischen Geschichten, von denen man salopp sagt: Die kennt doch jedes Kind. Eher so herum: Mit dieser Geschichte kann man auch Kandidaten der Theologie im Examen in Verlegenheit bringen. Wer von ihnen jedoch seinerzeit das Gl\u00fcck hatte und bei dem gro\u00dfen Gerhard von Rad in Heidelberg im Kolleg sa\u00df, der wird es nicht mehr vergessen k\u00f6nnen, wie <strong>er <\/strong>diese Geschichte \u201ekritisch nacherz\u00e4hlt\u201c hat. M\u00f6glicherweise hat ihr dieser bemerkenswerte Vorgang dazu verholfen, dass sie in die Reihe der Predigttexte aufgenommen wurde und nun regelm\u00e4\u00dfig gepredigt werden kann. Damit ergibt sich auch f\u00fcr den Prediger die Chance, hin und wieder erz\u00e4hlerische Farbe auf die Kanzel zu bringen. Denn das hat sie. Allein schon deshalb, weil der Erz\u00e4hler viel mit Kontrasten arbeitet; z.B.: Der \u201egewaltige\u201c Mann und das kleine, \u201ejunge\u201c M\u00e4dchen; oder: Der Hohe Staatsgast mit seinem Gefolge, die vor dem Haus des einfachen Propheten warten und sich mit einem \u201eBoten\u201c zufrieden geben m\u00fcssen, u.a.m. Spannend ist sie vor allem deshalb: Man wei\u00df nie, wie es weitergeht. Immer etwas anders als erwartet. Und am Ende fragt man sich: Worauf kommt es ihr vor allem an? Wo schl\u00e4gt das Herz des Erz\u00e4hlers? Und: was soll sie uns heute bringen?<\/p>\n<p>Nachdenklich nacherz\u00e4hlen<br \/>\n<strong>Einen<\/strong> Schl\u00fcssel bietet schon einmal das Neue Testament. In seiner Antrittspredigt verweist Jesus selbst auf diese Heilungsgeschichte (Lk 4,27), um an ihr zu zeigen, wie souver\u00e4n Gott in seinem Handeln ist. Denn es gab zu den Zeiten des Propheten Elisa \u201eviele Auss\u00e4tzige\u201c, denen Gott sein heilendes und helfendes Wort h\u00e4tte zuwenden k\u00f6nnen. Er tat es aber \u201eallein\u201c bei diesem Naeman von Syrien.<br \/>\nEinen etwas anderen Schl\u00fcssel gibt uns die Ordnung der Wochenspr\u00fcche an die Hand: \u201eEs werden kommen von Osten und Westen, von Norden und S\u00fcden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes\u201c(Lk 13,29).Oder k\u00fcrzer mit dem davon hergeleiteten Leitbild: \u201eDer Heiden Heiland\u201c. Der in Jesus von Nazareth erschienene Heiland ist weit \u00fcber die Grenzen seines Volkes Israel auch \u201eder Heiden\u201c Heiland. Und damit r\u00fcckt die Geschichte von dem Aram\u00e4er Naeman in die N\u00e4he der Geschichte vom Hauptmann in Kapernaum (Mt 8,5-13; Sonntagsevangelium). Weil es sich aber bei der Naeman-Geschichte so verh\u00e4lt, dass sie mehrere Male die Richtung \u00e4ndert, ist sie gut daf\u00fcr, dass wir auch an anderen Stellen die Chance haben, ein \u201eFenster\u201c zu uns heute her\u00fcber aufzumachen. Spielr\u00e4ume f\u00fcr eigenes Nachdenken \u2013 es gibt sie und wir n\u00fctzen sie.<\/p>\n<p>Naeman in N\u00f6ten<br \/>\nLassen wir sie noch einmal an uns vor\u00fcberziehen:<br \/>\nSie beginnt in Aram, dem heutigen Syrien, damals (und heute wieder!) \u201efeindliches Ausland\u201c f\u00fcr Israel. Der Chef der Soldaten des K\u00f6nigs von Damaskus mit Namen Naeman (so fr\u00fcher Luther): Ein Mann mit lauter positiven Eigenschaften: T\u00fcchtig, wertgesch\u00e4tzt, erfolgreich mit \u201eSieghilfe\u201c von Jahwe, dem Gott Israels (erstaunlich!). Doch \u2013 der m\u00e4chtige Mann ist krank, vom Aussatz befallen, wie immer das Krankheitsbild damals aussah. Er sucht Heilung, mit allen Mitteln. Und die kommt \u2013 ausgerechnet \u2013 aus Israel. Wie das? Im Hause des Naeman arbeitet ein M\u00e4dchen aus Israel, als Sklavin bei seiner Frau. Sie war wohl bei einem Streifzug von Soldaten dieses Naeman aufgegriffen worden. Dieses M\u00e4dchen hat einen hei\u00dfen Tipp: \u201eIn Samaria, da gibt es den(!) Propheten; der k\u00f6nnte doch \u201emeinen Herrn\u201c von seinem Aussatz befreien(!)\u201c. Damit bringt sie die Geschichte ins Rollen.<\/p>\n<p>Auf zum Propheten in Samaria !<br \/>\nEine regelrechte Staatsaktion kommt in Gang. Der K\u00f6nig von Aram (ohne Namen) verfasst eine Note an den Nachbarn in Israel (ebenfalls ohne Namen!) und gibt seinem \u201eKnecht\u201c (das war seinerzeit ein \u00fcblicher Ehrentitel) den Befehl: \u201eZieh hin!\u201c So macht sich Naeman auf die Reise nach Samaria, ausgestattet mit einem standesgem\u00e4\u00dfen Tross und mit f\u00fcrstlichen Geschenken beladen. Dort angekommen gibt es die n\u00e4chste \u00dcberraschung: Das k\u00f6nigliche Empfehlungsschreiben ist zwar korrekt adressiert, aber es richtet sich mit seinen Hoffnungen an den falschen Mann. Nicht der K\u00f6nig ist es, der hier helfen kann. Der Prophet vielmehr ist es. Der aber \u201epraktiziert\u201c nicht am Hof, sondern im eigenen Haus.<br \/>\nErst jetzt, nachdem es in der Stadt durchgesickert war, dass es am Hof einen Eklat gegeben hat, kommt unser \u201eMann Gottes\u201c Elisa ins Spiel. Er ergreift die Initiative. Das muss man sich einmal vorstellen, was sich da \u201evor der T\u00fcr\u201c des Elisa abspielt: Der hohe Staatsgast mit orientalischem Gepr\u00e4ge und stattlichem Gefolge &#8230;. Und dann geht der Prophet nicht einmal vor sein Haus hinaus, sondern schickt nur einen Boten. Grotesk! Den nun folgenden Dialog, den muss man gerade so, wie er da steht, noch einmal lesen. Wie k\u00f6stlich!<br \/>\nDoch dann schl\u00e4gt die Stimmung um: Was so verhei\u00dfungsvoll begonnen hat, endigt \u201eim Zorn\u201c. Es ist ja auch schier unakzeptabel, was der Bote dem General ausrichtet. Da retten die Diener (wieder einmal!) die verfahrene Situation. Sie geben ihrem Vorgesetzten den Rat: \u201eSich nicht provozieren und sich nicht irritieren lassen! Jetzt haben wir schon den weiten Weg bis hierher gemacht. Jetzt gehen wir auch noch zum Jordan hinunter. Der Mann Gottes mit seinem Rezept \u201eWasche Dich!\u201c, der wird\u2019s schon wissen\u201c. Und \u2013 ungeachtet der ca. 35 km hin und 35 km wieder zur\u00fcck: Er l\u00e4sst sich umstimmen, geht mit, taucht 7mal im Wasser unter \u201eund wurde rein\u201c. Ganz ohne jede weitere Dramatik steht das da. Auch fehlt jedes kommentierende Wort, wie wir es aus vergleichbaren Heilungsgeschichten des Neuen Testaments kennen: Wer oder wie oder was war\u00b4s, das ihn wieder \u201eheil\u201c gemacht hat? War\u00b4s das Wasser? War\u00b4s sein Glaube? Nichts davon. Dem Erz\u00e4hler ist anderes wichtiger: Die R\u00fcckkehr des Geheilten zum Propheten. Was f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch! Zuerst das \u201eBekenntnis\u201c zum Gott Israels. Sieh einmal an, wie schnell so einer das Erste Gebot in Israel lernt!! \u201eUnd ist kein anderer Gott\u201c. Das will er auch f\u00fcr sich so halten und anerkennen. \u2013 Und dazu das gro\u00dfz\u00fcgige Dankesangebot: Eine \u201eSegensgabe\u201c, wie es so sch\u00f6n hei\u00dft. Doch, wiewohl es gut gemeint war \u2013 es f\u00fchrt zu neuen Verwicklungen.<\/p>\n<p>Wie soll ich Dir danken?<br \/>\nEs ist v\u00f6llig klar: Elisa muss f\u00fcr sich selbst das Geschenk ablehnen. \u201eSo wahr der Herr lebt\u201c. Er, Elisa, steht im Dienste dieses Herrn und wei\u00df von daher auch, wer da in der Heilung am Werk war. Aller Dank nur IHM. Doch Naeman hakt nach. Auch das ist normal; wir w\u00fcrden es genauso machen. Es ist ihm Ernst mit seinem Dank. Elisa aber noch einmal: Nein, danke! Und nun strebt die Geschichte unversehens auf ihren H\u00f6hepunkt zu, an dem es auch f\u00fcr uns Zuh\u00f6rer heute richtig spannend wird.<\/p>\n<p>Was dem Glauben Halt gibt<br \/>\nNaeman hat ein Problem. Das muss er los werden, bevor er zum Heimweg aufbricht. Du Mann Gottes! Wenn ich von Samaria wieder zur\u00fcck bin und wieder meinen Dienst aufnehmen muss \u2013 wie soll ich es dann mit der Verehrung Eures Gottes Jahwe halten, den nun auch ich als meinen Gott und Herrn anerkenne? Wie soll das gehen mitten in meiner heidnischen Umgebung? \u2013 Er ahnt es: Da wird es schwere Gewissenskonflikte geben. Denn ich will mir die Dankbarkeit f\u00fcr das Wunder meiner Heilung unbedingt erhalten und an der Glaubenserkenntnis, die ich von hier mitnehme, will ich ebenso festhalten. Daher zwei Bitten an den Propheten: \u201eEine Last Erde\u201c. Israelitische Erde, gerade so viel, wie 2 Maulesel tragen k\u00f6nnen. \u2013 Zu dieser Bitte hat der schon genannte Gerhard von Rad bemerkt, dass schon der Leser in alttestamentlicher Zeit diese Bitte als etwas Seltsames empfunden haben wird. Zugleich aber wird es ihn auch bewegt haben, wie empfindsam sich dieser raue Geselle in der R\u00fcstung eines syrischen Recken gibt, wenn es um die Fragen von Religion und Fr\u00f6mmigkeit geht. Und so wird es der Leser wohl ganz in der Ordnung gehalten haben, dass Naeman f\u00fcr seinen Glauben so etwas wie einen \u201esakramentalen Schutz\u201c, eine Art Reliquie erbittet. \u201eBitte: eine Last Erde!\u201c Wie treuherzig. Es klingt selbst f\u00fcr heutige Ohren gar nicht einmal <strong>so <\/strong>fremdartig. Hat etwa niemand von uns schon einmal geh\u00f6rt, dass etwa Angeh\u00f6rige eines Gefallenen von der Fahrt zum weit entfernten Soldatengrab in russischer Erde ein S\u00e4ckchen Erde mit nach Hause gebracht haben? Oder jemand anderes: von einer Reise ins Heilige Land Erde vom \u00d6lberg oder ein Fl\u00e4schchen Wasser aus dem Jordan? Dann finden wir es gar nicht so l\u00e4cherlich oder gar \u201emittelalterlich\u201c, was der Naeman hier erbittet. Respekt vor dem Mann, wenn er meint, es k\u00f6nnte ihm eine kleine (oder gro\u00dfe?) Hilfe sein, wenn er auf der mitgebrachten Erde kniend auch in Damaskus seinem Gott aus Israel Dank und Lob darbringen will.<\/p>\n<p>Mit Konflikten leben<br \/>\nUnd die andere Bitte? Jetzt nennt er den ihm sicher bevorstehenden Konflikt direkt beim Namen. Es m\u00f6ge ihm doch Jahwe gn\u00e4dig sein, wenn es \u2013 wohl oder \u00fcbel \u2013 dazu kommen wird, dass er wieder pflichtgem\u00e4\u00df an der Seite seines K\u00f6nigs (\u201eund er sich auf meinen Arm lehnt\u201c) den Tempel des Gottes Rimmon (Oberste Staatsgottheit in Aram) betreten muss, um dort mit allen anderen zusammen sein Opfer zu verrichten. Wie soll das zusammen gehen mit seinem neuen Glauben? Schwer vorstellbar! Gibt es einen Ausweg? Auch das kaum denkbar.<br \/>\nWer von uns k\u00f6nnte da nicht mitf\u00fchlen! Wer hat noch nie von solch einer prek\u00e4ren Lage in Fragen des Glaubens geh\u00f6rt? Wem fallen sie z.B. nicht ein: Die evangelischen Glaubensbr\u00fcder in \u00d6sterreich, die noch lange im 18. Jahrhundert gezwungen wurden, zum katholischen Glauben zur\u00fcckzukehren. Ach ja: Sollen sie doch wenigstens um des \u00e4u\u00dferen Scheins der katholischen Messe wieder beiwohnen, auch wenn sie in ihrem Inneren an ihrem lutherischen Bekenntnis festhalten. Wir wissen sehr wohl aus noch vorhandenen Dokumenten, wie viele an dieser Lebensl\u00fcge innerlich zerbrochen sind.<br \/>\nOder: Kommen uns \u00c4lteren an dieser Stelle nicht auch Erinnerungen an die Zeit im \u201eDritten Reich\u201c? Mitmarschieren \u201eim Geist Horst Wessels\u201c, um ja nicht unliebsam aufzufallen. Aber trotzdem zur Sache der Kirche zu halten!? Mit Konflikten leben \u2013 wie vielen war so ein Schicksal aufgezwungen! Und die heute dar\u00fcber zu Gericht sitzen, weil sie meinen, man h\u00e4tte damals zu wenig protestiert und zu wenig gestreikt \u2013 wissen sie, wovon sie reden?<\/p>\n<p>Ein Reisesegen und mehr als das<br \/>\nZur\u00fcck zu Elisa und Naeman: 2 Bitten stehen im Raum. Was wohl der Prophet zu ihnen sagen wird? Die Dramatik ist am Schluss unserer Geschichte schier nicht zu \u00fcberbieten. Gespannt wartet der Leser auf die Antwort. Und sie hei\u00dft: \u201eZieh hin mit Frieden!\u201c Nur diese 4 (im Hebr\u00e4ischen sogar nur 2) Worte. So kurz wie eine e-mail. Und inhaltlich: \u201eNur\u201c der alte, uralte Gru\u00df zum Abschied, der Reisesegen aus der Zeit der V\u00e4ter. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Wobei Gerhard von Rad dem Prediger den Rat gibt, diese K\u00fcrze und die in ihr liegende Verhaltenheit nicht zu zerreden. Das verbietet jedoch nicht, dass wir uns dar\u00fcber einige abschlie\u00dfende Gedanken machen.<br \/>\nDie Antwort des Elisa ist kein Ja und kein Nein, ist aber auch kein ratloses, verlegenes Ausweichen. Wir f\u00fchlen wohl mehr als dass wir es aussprechen k\u00f6nnen, was in den Worten des Propheten liegt. Etwa so: Lieber Naeman! Ich ahne deine Probleme von ferne. Ich habe kein Patentrezept. Doch jetzt einmal zuerst: Zieh mit Dankbarkeit nach Haus! Freue dich deiner wiedergewonnenen Gesundheit! Und dann sei gewiss, dass du auch in deiner alten Umgebung umgeben sein wirst vom Frieden Gottes, von seinem Heil und seiner Treue. Sei dem \u201eShalom\u201c Jahwes anbefohlen!<\/p>\n<p>Schluss<br \/>\nElisa bleibt zur\u00fcck. Er hat seine Sache recht gemacht. Auch mit seiner Antwort auf die Bitten und Fragen des Naeman. Dieser Abschiedsgru\u00df an den Naeman, der ist auch uns heute als \u201eWort zum Sonntag\u201c mit auf den Weg gegeben. Ein Wort voller prophetischer Weisheit, aus einer einf\u00fchlsamen Seelsorge heraus gesprochen. Wir beide, ich als Prediger und Ihr als zuh\u00f6rende Gemeinde k\u00f6nnen heute aus der alten Elisa-Geschichte etwas hinzulernen, nachdem wir schon so oft diesen Segensgru\u00df erteilt und empfangen haben. M\u00f6gen wir nachher am Ende unseres Gottesdienstes das bekannte \u201e&#8230;..und gebe Euch Frieden\u201c, verbunden mit dem Zeichen des Kreuzes, noch einmal anders als bislang h\u00f6ren. Und warum sollten wir es nicht auch im Alltag einem Freund zurufen, der so einen Zuspruch n\u00f6tig brauchen kann? Gott sei Dank f\u00fcr den Elisa und \u2013 f\u00fcr den Naeman und ihrer beider Geschichte!<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Hartmut Jetter<br \/>\n<a href=\"mailto:Ev.Kirchengem.Alt-Heumaden@t-online.de\">Ev.Kirchengem.Alt-Heumaden@t-online.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag nach Epiphanias, 22. 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