{"id":10960,"date":"2021-02-07T19:49:00","date_gmt":"2021-02-07T19:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10960"},"modified":"2023-02-07T14:45:52","modified_gmt":"2023-02-07T13:45:52","slug":"2-koenige-5-1-19-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-koenige-5-1-19-2\/","title":{"rendered":"2. K\u00f6nige 5, 1-19"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">3. Sonntag nach Epiphanias, 22. Januar 2006<br \/>\nPredigt zu 2. K\u00f6nige 5, 1-19, verfasst von Wolfgang Petrak<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Was hat er doch noch gesagt?\u201eZiehe hin in Frieden\u201c!<\/p>\n<p>Naeman warf noch einmal einen pr\u00fcfenden Blick auf seinen K\u00f6rper. Alles makellos rein. Ein Wunder, wirklich. Wenn er zur\u00fcck dachte, zwei Neumonde zuvor: da hatte es ihn geekelt, sich mit einem Schwamm die F\u00fc\u00dfe reinigen zu lassen, geschweige denn noch weiter den K\u00f6rper hinauf zusehen. Es ist dieses Nichtverh\u00e4ltnis zu sich selbst gewesen, was ihn krank gemacht hatte. Doch nun sollte, Gott sei Dank, alles anders werden. Vorsichtig nahm Naeman die Alabasterflasche vom Brett aus dunklem Zedernholz und goss tropfenweise etwas von dem \u00d6l, dem der Duft von Rosen und Balsam beigemischt waren, auf die Hand und rieb seinen K\u00f6rper ein, langsam, von oben nach unten, und vor allem vorsichtig, so als k\u00f6nne er mit den sanft kreisenden Handbewegungen trotzdem noch verschorfte Wunden aufrei\u00dfen, die unter der Hautoberfl\u00e4che unsichtbar verborgen sein mochten. Doch er konnte es f\u00fchlen. Gesund. Ganz. Heil. Sch\u00f6n. Und deshalb nochmals ein unausgesprochenes Gott sei Dank, so wie es wohl Menschen aller V\u00f6lker im ganzen Land Aram, ja und noch dar\u00fcber hinaus von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu sagen pflegten. Manche opferten auch, wie er wusste, und auch er hatte sich vorgenommen, etwas zu tun, aber Elisa hatte es nicht gewollt. Und was Gehasi anbelangte: das war eine andere Geschichte gewesen, so sind eben die Menschen.<\/p>\n<p>Jetzt aber sollte es anderes geben, das was er schon so lange entbehrt hatte. Naeman lie\u00df sich das weichste Gewand um seine Schultern legen, bedeckte sorgsam seine Bl\u00f6sse, ergriff mit spitzen Finger den ihm dargebotenen gebratenen Hammelschwanz, tunkte diesen in eine Sch\u00fcssel mit Honig, knabberte genussvoll und vor allem nicht zu heftig, damit kein Fett auf sein Gewand tropfte und trat so aus dem Obergemach seines Hauses ins Freie.<\/p>\n<p>Die untergehende Sonne hatte flammend gezackte R\u00e4nder an die Wolken gemalt, ihr Rot wiederholte sich f\u00fcr einen kurzen Augenblick an den Zinnen der Burg seines K\u00f6nigs Adad-idri. Mochte der sich doch hinter seinen Mauern verborgen halten: er jedoch, Naeman, war jetzt mit Gottes Hilfe frei und leicht wie die Schwalbe am Himmel, die kreischend im Tiefflug jetzt die M\u00fccken jagte, war jung und stark wie der Widder in der W\u00fcste, den seine Reiter in Qarqar erlegt und \u00fcber dem offen Feuer gebraten hatten, kurz bevor die Sch\u00fctzen von Assur hindurch gezogen waren; nein, er hatte damals nicht vermocht, sie mit den Seinen aufzuhalten. Aber er war sich auch schon damals ganz sicher gewesen, dermaleinst sein Schwert im Oberen Meer reinigen zu k\u00f6nnen, so Gott will, wie er denn auch hei\u00dfen mag.<\/p>\n<p>Tief sog Naeman die Luft ein. Schw\u00fcl war sie vom sich schw\u00e4rzenden Himmel, und schwer noch vom Duft der Zedern und den Bl\u00fcten der Zyperblumen. Der abgenagte Knochen des Hammelschwanzes fand seinen Weg, und bevor Naeman einen neuen nahm, griff er in den Sack mit Erde, lie\u00df sie durch die Finger rieseln; einige K\u00f6rner blieben an seinen Fingern kleben: so feucht war sie, die Erde vom Jordan, die ihm heilig geworden war, und er wusste, er w\u00fcrde immer etwas in den H\u00e4nden behalten wollen. Nie w\u00fcrde er es vergessen. \u201eZiehe hin mit Frieden\u201c, hatte jener gesagt, der mit Namen Elisa hie\u00df, den aber die S\u00f6hne der Propheten \u201eAbi, mein Vater\u201c genannt hatten. Auch hatten sie zu sie zu diesem gesagt: \u201eDu Wagen Israels und sein Gespann\u201c.<\/p>\n<p>L\u00e4cheln musste Naeman bei diesen Gedanken, hatte er selbst doch vor Mondes Frist vor dem Hause Elisas mit Pferd und Wagen gehalten, nach dem Manne Gottes verlangt, so wie es ihm die Sklavin seiner Frau, auch sie aus dem Volke Israel, aus Samaria, ihm bedeutet hatte \u2013 mein Gott, was tut man nicht alles, wenn man nicht weiter wei\u00df! Und dann hatten sie ihn warten lassen. Baden hatte er sollen. Um Gottes Willen, hier, hatte er gedacht, hier in dieser Br\u00fche, die die Rinnsale und B\u00e4che und verstopften Brunnen der D\u00f6rfer dieser Hirten zusammenf\u00fchrte; wie klar war ihm das flie\u00dfende Wasser in den Bergen seines Volkes erschienen! Und dann hatte er es doch gemacht. Denn sie pflegten wohl zu sagen: \u201eKrumm kann nicht grade werden\u201c (Pred. 1,15); aber es hei\u00dft doch auch: \u201eWer fromm ist, der erlangt Wohlgefallen vom Herren\u201c (Spr. 12,2), und schlie\u00dflich glauben wir doch alle \u2013 Irgendwie&#8230; Oder\u201c? Naeman fuhr mit seiner Zungenspitze \u00fcber die unwillk\u00fcrlich nach innen gespannten Lippen. Nein, nein. Kein Brennen. Und vor allem : keine Bl\u00e4schen. Rein war er, Gottseidank: rein!<\/p>\n<p>Der Wind hatte sich aufgefrischt, trieb einige schon trockene Weinbl\u00e4tter vor sich her. Die V\u00f6gel waren verstummt. Irgendwo angstvoll bl\u00f6kende Schafe. Zuckendes Licht \u00fcber den Himmeln. Dieses tiefe Rollen. \u201eZieh hin in Frieden\u201c. Er wusste, es ist jetzt endlich Zeit, er k\u00f6nnte hinuntergehen zu seiner Frau. Und vielleicht ist ja auch ihr M\u00e4dchen da. Ihren Namen kannte er ja nicht. Vielleicht sollte er danach mal fragen. Dankbar ist er ja ihr auch gewesen. Doch, schon. Und dass sie aus Samaria kommt- Naja. Das ist ja mit Elisa auch so. Und den S\u00f6hnen der Propheten, dieser eigenartigen Gruppe. \u00c4rmlich, diese jungen Leute. Und so starr in ihrem Sinn. Wie sie auf den Erbteil ihres Landen pochen. Von ihren V\u00e4tern, sagen sie. Ihr Recht. Gottes Recht, sagen sie. Nun ja. Doch die Zeit ist l\u00e4ngst weiter gegangen. Handel ist jetzt angesagt, nicht nur f\u00fcr die Aram\u00e4er. Auch f\u00fcr Israel, das der K\u00f6nig Adad-idri und schlie\u00dflich er selbst, der aram\u00e4ische feldhauptmann, befriedet hatten. Und das Kriegsrecht erst recht, diese M\u00f6glichkeiten. Vielleicht sogar B\u00fcndnisse gegen Assur. Sollen sie doch friedlich sein. Aber: dankbar ist er schon. Und friedlich gestimmt, durchaus.<\/p>\n<p>Wenn es doch nicht so schw\u00fcl w\u00e4re. Naeman steigt die Stufen hinab, um in der K\u00fchle des Hauses die Seinen zu finden. Doch dann muss er h\u00f6ren, was er so gut kennt. Ross und Wagen vor seiner T\u00fcr. Das Klopfen und Schreien. Dann der Befehlston. Sein Name, laut ausgerufen. Auch das Klirren der Waffen, wenn sich die Mannen mit ihren Schwertern eilen, um zu sichern.<\/p>\n<p>\u201eHier bin ich\u201c. Wortlos ergreifen die feldgrauen Bogensch\u00fctzen ihren Feldhauptmann. Mit starrem Gesicht f\u00fchren die, die er sonst gef\u00fchrt hatte, zum Palast des Adad-idri, demK\u00f6nig von Aram. Rosse und Reiter, Reiter und Rosse auf dem Weg durch das Dunkel der Nacht. Wer hilft? Vor dem Angesicht des K\u00f6nigs wirft Naeman sich in den Staub. Er sagt: \u201eMa-ri\u201c!und denkt: Das heisst &#8218;Mein Herr&#8216;, das sagen sie in Israel zu einem anderen; Elisa aber hei\u00dft &#8218;Mein Vater und: Du Wagen Israels und sein Gespann&#8216; .Wer aber lenkt?<\/p>\n<p>Adad-idri hei\u00dft Naeman sich zu erheben. Denn er solle ihm seinen Arm bieten, damit er sich darauf lehnen und st\u00fctzen k\u00f6nne, um im Tempel Rimmons zu beten. Eilfertig antwortet Naeman:\u201e Wenn der Herr seinem Knecht gn\u00e4dig ist, so will ich mich erheben und meinen Herrn st\u00fctzen, wenn er zu seinem Herrn beten will. Ist doch Gewitter, und der Wetter-Gott Hadad m\u00f6ge dem Donner und dem Blitz Einhalt gebieten, so wie es vor Zeiten war und ist und bleiben wird\u201c.<\/p>\n<p>\u201eDu redest fromm, aber wie kannst du mich st\u00fctzen, wenn du einem anderen Herrn dienen willst? Wie kannst du mit mir beten, wenn dir in deinem Haus eine dient, die nicht unserem Gott dient? Und wie kannst sagen in der Stadt, du seiest heil und gesund, wenn du von einem anderen dein Heil hast also von deinem K\u00f6nig und Herrn? Solltest du nicht ernstlich, vor allem was jene Frau anbelangt, aber auch ich selbst, mein Name&#8230;\u201c?<\/p>\n<p>Wieder f\u00e4hrt die Zungenspitze \u00fcber die angespannten Lippen des Feldhauptmannes. Er wei\u00df, dass er dort morgen Bl\u00e4schen haben kann. Er wei\u00df, das er am liebsten so antworten w\u00fcrde: Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herren dienen. Aber wer ist denn der Herr? Um Gottes Willen: ich will doch blo\u00df in Ruhe leben. Oder in Frieden ? Oder- ist das alles falsch? gibt es nicht Augenblicke, in denen man widerstehen, die Wahrheit sagen muss? Naeman f\u00fchlt, dass sein Mund jetzt trocken und verschlossen ist. Er hatte gedacht, ganz und heil zu sein. Doch mit einem Mal weiss er \u00fcber seine Abgr\u00fcnde. Weiss, dass er wie zersprungen und zersplittert ist. Ahnt seine Schuld, auch wenn sie nur gedacht war. Wieder f\u00e4hrt seine Zungenspitze \u00fcber die gepressten Lippen. er weiss auch: Dort, wo es jetzt in den Winkeln des Mundes brennt, k\u00f6nnten morgen wieder die Bl\u00e4schen sein.<\/p>\n<p>Jetzt ist es der K\u00f6nig, der sich nun in seiner Huld \u00fcber dem im Staube Schweigenden beugt. \u201eNun gut, erhebe dich also. Wir haben doch alle unseren Glauben, irgendwie. Und das verbindet uns und h\u00e4lt das ganze Reich zusammen. \u00dcbrigens, wenn wir schon dabei sind: Ist dir zu Ohren gekommen, ob der Elisa, der Prophet Israels, du sollst ihn ja so gut kennen, sag: Hat der sich mit einem Mann namens Hasael getroffen? Sag es Adad-idri\u201c.<\/p>\n<p>Es gibt eine Zeit, in der wichtig ist, was gesagt worden ist. \u201eNein\u201c, sagt Naeman und erhebt sein Gesicht voller Entschlossenheit, sodass beider Augen sich begegnen. \u201eGanz entschieden: Nein, Ma-ri. Nicht was wir erreichen wollen z\u00e4hlt. Auch nicht mit unserer Fr\u00f6mmigkeit. Was die Welt zusammenbringt, ist etwas anderes. Der Herr wird von sich aus kommen, und wir werden es nicht verhindern. Mit seinem Recht wird der kommen, der den Namen aller Namen tr\u00e4gt. Und er mit seinem Frieden kommen, der h\u00f6her ist als unsere Vernunft. Dann werden wir sehen: der Gerechte wird leben; aus Glauben\u201c (R\u00f6mer 1,17).<\/p>\n<p><strong>P. Wolfgang Petrak<br \/>\nSchlagenweg 8a<br \/>\n37077 G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:w.petrak@gmx.de\">w.petrak@gmx.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag nach Epiphanias, 22. Januar 2006 Predigt zu 2. K\u00f6nige 5, 1-19, verfasst von Wolfgang Petrak Liebe Gemeinde, Was hat er doch noch gesagt?\u201eZiehe hin in Frieden\u201c! Naeman warf noch einmal einen pr\u00fcfenden Blick auf seinen K\u00f6rper. Alles makellos rein. Ein Wunder, wirklich. 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