{"id":10961,"date":"2021-02-07T19:49:05","date_gmt":"2021-02-07T19:49:05","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10961"},"modified":"2023-02-03T23:22:03","modified_gmt":"2023-02-03T22:22:03","slug":"epheser-1-15-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-1-15-23\/","title":{"rendered":"Epheser 1, 15-23"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">4. Sonntag nach Epiphanias, 29. Januar 2006<br \/>\nPredigt zu Epheser 1, 15-23, verfasst von Siegfried Sunnus <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>\u201eErleuchtete Augen des Herzens\u201c, hei\u00dft es im Vers 18. Dazu passt Saint-Exupery mit der Bemerkung aus dem Kleinen Prinzen: \u201eMan sieht nur mit dem Herzen gut.\u201c<br \/>\nAn diesem Satz bin ich h\u00e4ngen geblieben. Denn er enth\u00e4lt das Geheimnis. Diesen Satz richtig zu verstehen, zu beherzigen, hei\u00dft auch richtig zu erkennen!<\/p>\n<p>Das 20. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Bilder geworden: Foto, Film, Illustrierte, Fernsehen, Video, usw. Unsere Vorfahren, noch vor 150 Jahren, sahen Bilder nur, wenn sie in die Kirche gingen (Fenster!) und Zeichnungen in der \u201eGartenlaube\u201c \u2013 der damals weit verbreiteten Familienzeitschrift oder dem \u201eNeuruppiner Bilderbogen\u201c. Vielleicht besa\u00dfen sie auch Drucke: Der \u201ebreite und der schmale Weg\u201c waren sehr verbreitet, wie auch die Alterstufen des Menschen: Aufstieg vom Kind zum Erwachsenen und dann Abstieg zum Greis.<br \/>\nReiche Leute hatten Gem\u00e4lde, vielleicht auch Portr\u00e4ts ihrer Vorfahren \u2013 aber sonst war die Welt eine bilderlose Welt; sie hatten nur das Original zur Verf\u00fcgung und das war selten: Wenn der K\u00f6nig beispielsweise ein Denkmal einweihte. Und dann nat\u00fcrlich das Original der Natur: Tiere Pflanzen usw.<\/p>\n<p>Wir dagegen k\u00f6nnen soviel sehen, Urlaubsfotos reproduzieren und Familienfeste mit der Videokamera aufnehmen, Fernsehen auf \u2013zig Kan\u00e4len einschalten. Was sehen wir denn eigentlich? Nehmen wir beispielsweise die politischen Ereignisse der letzten Zeit: (Aktualisieren!) Was sehen wir? Anders gefragt: K\u00f6nnen wir diese Bilderflut \u00fcberhaupt aufnehmen und verarbeiten? Was sehen wir dagegen mit dem Herzen?<br \/>\nDas Fernsehen bringt uns Gesichter in Gro\u00dfaufnahmen ganz nah, \u00fcber hunderte und tausende Kilometer Entfernung. Was sieht unser Herz in diesen Gesichtern? Masken? Schrecken? Leid der Kreatur? Triumph? Niederlage? Blanke Angst?<\/p>\n<p>In Fragen der Religion scheint f\u00fcr viele die Zeit des ungl\u00e4ubigen Thomas vorbei zu sein. Der sagte zur Osternachricht: Nur wenn ich den Auferstandenen sehe und mit meinen H\u00e4nden tasten kann, werde ich es glauben.<br \/>\nViele glauben heute allen m\u00f6glichen Unsinn \u2013 Esoterik, Sekten, Horoskop, Wahrsagerei vor schwierigen Entscheidungen, Geld, Macht usw.<br \/>\nAber sie haben keine erleuchteten Augen des Herzens.<\/p>\n<p>Mit der Wahrheit der Religion ist es wie in einer echten Liebesbeziehung: Ich behalte meinen Verstand und sehe aber mit dem Herzen tiefer, klarer,<br \/>\nvertrauensvoller. Was mit Jesus nach seinem Tod geschehen ist, wovon die S\u00e4tze aus dem Epheserbrief sprechen, stellt sozusagen eine himmlische Schau dar. Sie l\u00e4\u00dft sich nicht abfotographieren und durch keine Fernseh\u00fcbertragung direkt sichtbar machen. Aber dies mit den erleuchteten Augen des Herzens \u201asehen\u2019 zu k\u00f6nnen, ist Leben im Tod, ist Freude im Leid, ist Trost in der Hoffnungslosigkeit.<br \/>\nDieser Blick steht nicht jederzeit auf Abruf, auf Befehl, zur Verf\u00fcgung \u2013 mancher mu\u00df bis in seine letzte Lebensstunde darauf warten, mancher hat es schon in der Musik erahnt (\u201eGloria sei dir gesungen\u2026\u201c), aber einmal erblickt, geglaubt, erkannt, tr\u00e4gt es weiter und hilft unserem Verstand auf.<\/p>\n<p>Was auf uns alles einst\u00fcrzt, was an Bildern uns \u00fcberflutet, k\u00f6nnen wir mit dem Verstand allein nicht auf ein bek\u00f6mmliches Ma\u00df reduzieren. Wir brauchen einen \u201aAugenschutz\u2019, damit wir deuten, einordnen und weiterleben k\u00f6nnen \u2013 ohne zu verdr\u00e4ngen, weggucken, besch\u00f6nigen zu m\u00fcssen. Deshalb ist die Bitte um die \u201eerleuchteten Augen des Herzens\u201c so wichtig: Denn in dieser Bitte wenden wir uns nach Innen, zur Stille, zum Versenken \u2013 da geschieht das, was die Bibel \u201eAnbeten\u201c nennt: Damit wir von Gottes Licht Erleuchtung erhalten. Und dann sehen wir auch den Politiker z. B. neu: worin er seine W\u00fcrde und seine Menschlichkeit verletzt hat \u2013 zu der er doch wie wir berufen ist. Sehen wir Machtverh\u00e4ltnisse neu, dann steht auch die Verteilung von Reichtum und Armut weltweit auf dem Pr\u00fcfstand, auch bei uns selbst.<br \/>\nErkennen wir, da\u00df Christus das Haupt seiner Kirche ist \u2013 kein Papst, Bischof oder Pfarrer!<br \/>\nDas, liebe Gemeinde, ist die christliche \u201eRevolution der Denkungsart\u201c (I. Kant), von der solche S\u00e4tze aus dem Epheserbrief erz\u00e4hlen.<br \/>\nAmen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge:<\/strong><br \/>\n446, 1-4+7 Wach auf, mein Herz<br \/>\n346, 1-3 Such, wer da will<br \/>\n374 Ich steh in meines Herren Hand<br \/>\n74 Du Morgenstern, du Licht<br \/>\n147, 3 Gloria sei dir gesungen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer Dr. Siegfried Sunnus<br \/>\nFrauensteinstr. 12, 60322 Frankfurt<br \/>\nTel. 069-59 81 69; Fax \u2013 59 79 51 64<br \/>\n<a href=\"mailto:s.sunnus@deutsches-pfarrerblatt.de\">s.sunnus@deutsches-pfarrerblatt.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Sonntag nach Epiphanias, 29. Januar 2006 Predigt zu Epheser 1, 15-23, verfasst von Siegfried Sunnus Liebe Gemeinde! \u201eErleuchtete Augen des Herzens\u201c, hei\u00dft es im Vers 18. 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