{"id":10963,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10963"},"modified":"2023-02-25T17:56:42","modified_gmt":"2023-02-25T16:56:42","slug":"epheser-1-15-20a-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-1-15-20a-4\/","title":{"rendered":"Epheser 1, 15-20a"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">4. Sonntag nach Epiphanias, 29. Januar 2006<br \/>\nPredigt zu Epheser 1, 15-20a, verfasst von Rudolf Rengstorf <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Kleine graue Tage sind das jetzt &#8211; (zumindest) bei uns an der Wasserkante voller Wind und Regen. Da ist so mancher heute morgen lieber zu Hause geblieben. Und nun haben wir im Evangelium (Markus 4,35-41) auch noch diese Wassergeschichte geh\u00f6rt mit der Angst vor dem Versinken in den Wellen. Hoffentlich wirds uns bei der Predigt etwas w\u00e4rmer!.<\/p>\n<p>Beim ersten &#8211; aber nur beim ersten &#8211; Blick sieht das nicht so aus. Denn im Epheserbrief steht der Bibelabschnitt, \u00fcber den heute gepredigt werden soll. Ein Schreiben, das einen eher unpers\u00f6nlichen Eindruck erweckt. Weil man an keiner Stelle ein Bild vor Augen bekommt von den Menschen, an die es gerichtet ist. Keine Namen, keine Ortsangaben, keine Anfragen, keine Konflikte, auf die der Schreiber, ein Sch\u00fcler des Apostels Paulus, sich bezieht. Selbst die Adresse &#8222;An die Gemeinde in Ephesus&#8220; ist erst sp\u00e4ter eingesetzt worden, um diesem Schreiben einen Namen zu geben. Gerichtet ist es an die Glaubenden insgesamt, also eine Art Hirtenwort an alle Christen, die am Ende des ersten Jahrhunderts im Mittelmeerraum lebten. An keinem Ort wesentlich mehr Menschen als wir hier heute morgen in der Kirche. Kirchen gab es ja noch gar nicht. In Privath\u00e4usern traf man sich, die waren ja nicht gro\u00df. Und da passte man auch noch gut rein.<\/p>\n<p>Also an kleine Gruppen von Christen ging dieser Brief. In der Gesamtbev\u00f6lkerung fielen sie kaum ins Gewicht, auch wenn sie hier und da auffielen und man \u00fcber sie redete, \u00fcbrigens durchaus nicht nur lobend und bewundernd, sondern mindestens ebenso h\u00e4ufig voll herabsetzender Arroganz und ver\u00e4chtlicher H\u00e4me. Wenn man sich das vor Augen h\u00e4lt, bekommen die ersten Worte doch einen warmen Klang. Jede der kleinen Gottesdienstgemeinden bekommt zu h\u00f6ren:<\/p>\n<p><em>Nachdem ich geh\u00f6rt habe von dem Glauben bei euch an den Herren Jesus<br \/>\n<\/em><em>und von euer Liebe unter einander, h\u00f6re ich nicht auf, f\u00fcr euch zu danken. <\/em><\/p>\n<p>Da h\u00f6rt einer nicht auf zu danken f\u00fcr seine Mitchristen. Liebe Gemeinde, haben wir \u00fcberhaupt schon damit angefangen? Oder ist da heute nichts mehr von zu h\u00f6ren, dass sich Sonntag f\u00fcr Sonntag \u00fcberall in unserem Land, auch in den Nachbarl\u00e4ndern, ja in der ganzen Welt Menschen treffen, um sich als Christen zu erkennen zu geben und sich im Glauben an Jesus Christus st\u00e4rken zu lassen?<\/p>\n<p>Aber bleiben wir hier: Stellen Sie sich vor, da k\u00e4me heute vormittag jemand in unsere Kirche, ginge achtlos vorbei an den vielen leeren B\u00e4nken, s\u00e4he die gar nicht, h\u00e4tte nur eins im Auge, dass Sie gekommen sind, um zu beten und zu singen und sich ansprechen zu lassen von Gottes Wort. Und der h\u00f6rte gar nicht mehr auf, sich dar\u00fcber zu freuen und daf\u00fcr zu danken! T\u00e4te das nicht gut?<\/p>\n<p>Na ja, mag man nun sagen. Der Glaube spielt sicher eine Rolle bei uns. Aber was ist mit der Liebe? Was ist denn schon davon gro\u00df zu h\u00f6ren? Wirklich nichts? Nichts zu h\u00f6ren von Sternsingern und BROT F\u00dcR DIE WELT, nichts zu h\u00f6ren von W\u00e4rmestube und Stader Tafel, von ehrenamtlicher Mitarbeit an allen Ecken und Enden der Gemeinde, beginnend von der Arbeit mit Kindern und noch l\u00e4ngst nicht aufgeh\u00f6rt mit der Hospizgruppe? Nichts zu h\u00f6ren davon, da\u00df siebzehn Frauen und M\u00e4nner sich in unserer Gemeinde bereit erkl\u00e4rt haben, sich der \u00f6ffentlichen Wahl f\u00fcr den Kirchenvorstand zu stellen, in dem keine Sitzungsgelder und Di\u00e4ten winken, aber viel Arbeit f\u00fcr das Gemeindewohl? Ganz zu schweigen von all der christlichen Liebe, die Sie in Ihre Arbeit und den Umgang mit Ihren Mitmenschen stecken! Doch, das wird geh\u00f6rt. und es wird wohl Zeit, aufzuh\u00f6ren mit dem N\u00f6rgeln und M\u00e4keln und Jammern und endlich mit dem Danken anzufangen!<\/p>\n<p>Aber weiter im Text:<br \/>\n<em>Und ich h\u00f6re nicht auf zu bitten&#8230; <\/em><\/p>\n<p>Aha, jetzt wirds also doch losgehen mit dem Aufz\u00e4hlen all dessen, was nicht so prall ist unter uns, was alles noch besser, noch intensiver, noch zeitgem\u00e4\u00dfer und bedarfsgerechter und vor allem noch glaubw\u00fcrdiger, eindeutiger und wirksamer werden muss unter uns.<\/p>\n<p>Nein, nein, h\u00f6ren Sie:<br \/>\n<em>Und ich h\u00f6re nicht auf, f\u00fcr euch zu bitten,<br \/>\n<\/em><em>dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit,<br \/>\n<\/em><em>euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen.<br \/>\n<\/em><em>Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt,<br \/>\n<\/em><em>zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid,<br \/>\n<\/em><em>wie reich die Herrlichkeit seines Erbes f\u00fcr alle Christen ist<br \/>\n<\/em><em>und wie \u00fcberschw\u00e4nglich gro\u00df seine Kraft an uns, die wir glauben,<br \/>\n<\/em><em>weil die Macht seiner St\u00e4rke bei uns wirksam wurde,<br \/>\n<\/em><em>mit der er in Christus gewirkt hat.<br \/>\n<\/em><em>Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt. <\/em><\/p>\n<p>Erstaunlich, in diesem Gebet geht es nicht um unsere Defizite, Schw\u00e4chen und Fehlleistungen, sondern um die F\u00fclle dessen, was in uns wirksam ist &#8211; die Energie seiner St\u00e4rke und Macht. Es ist als f\u00e4nde der Schreiber gar nicht genug kraftvolle Worte, um die Super-Mega-Power, wie man f\u00fcr unsere Ohren \u00fcbersetzen m\u00fcsste, auszudr\u00fccken, die Gott in uns gesteckt hat. Eine Kraft, die in der Tat nicht \u00fcbertrieben werden kann, weil sie durch nichts in der Welt zu \u00fcbertreffen ist &#8211; denn gemeint ist die Kraft, die dazu geh\u00f6rt, einen Toten lebendig zu machen. In der Tat, die Kraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat, dieselbe Kraft, hei\u00dft es hier, ist in uns am Werke. Wer also etwas von \u00f6sterlicher Lebensmacht erfahren will, der muss nicht krampfhaft an ein leeres Grab damals glauben, der muss sich nicht m\u00fchsam und bangen Herzens mit dem auseinander setzen, was von dieser oder jenen Seite an Einw\u00e4nden gegen die Auferstehungsberichte vorgebracht werden mag. Nein, wer in das Kraftfeld von Ostern hinein will, der braucht blo\u00df auf das zu achten, was Gott in ihm und ihr selbst wirkt und in Bewegung setzt.<\/p>\n<p>Dazu braucht es, dazu brauchen Sie und ich freilich eines: dass uns das selber auch klar wird. Wir brauchen erleuchtete Augen des Herzens. Also ein Herz, das nicht mit Scheuklappen durch die Welt l\u00e4uft, die das Licht fern halten. Ein Herz, das nicht fixiert ist auf das Dunkel und Negative und das deshalb nichts anderes mehr sehen kann. Sondern ein Herz, das den Glanz und die W\u00e4rme, auf die es angelegt ist, auch wahr zu nehmen bereit ist. Ein Herz, das nicht nur auf das Tun der Menschen achtet, sondern auf das Wirken Gottes gefasst ist.<\/p>\n<p>Damit wir mit bekommen, was los ist mit dem Glauben und der Liebe, die wir so schnell klein machen. In der Zwangsvorstellung, Glaube sei nur dann richtig und gottwohlgef\u00e4llig, wenn er von allen geteilt wird und dann auch noch in gleicher Weise &#8211; wie die Alten so auch die Jungen.<\/p>\n<p>Als sei das nichts, wenn in einer Jugend und Gesundheit verg\u00f6tternden Welt \u00e4lter werdende Menschen auf einen Gekreuzigten sehen und dabei singen und glauben k\u00f6nnen: &#8222;Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben, die Wunden unser Heil!&#8220; Was muss Gott dazu f\u00fcr eine Kraft in uns aufbringen!<\/p>\n<p>Als sei das nichts, dass in einer Welt, die bei allem Spa\u00df und Am\u00fcsement voll ist von Angst &#8211; Angst davor, nicht mit halten zu k\u00f6nnen mit anderen; Angst um den Arbeitsplatz, Angst vor Besitzverlust, Angst vor dem Tod und &#8211; am schlimmsten &#8211; Angst, die sich nicht fassen und begr\u00fcnden l\u00e4sst &#8211; als sei das nichts, dass Menschen hoffen und beten k\u00f6nnen: \u201eDein Reich komme\u201c &#8211; das Reich, in dem er abwischen wird alle Tr\u00e4nen und wo kein Tod mehr ist, noch Leid, noch Geschrei noch Schmerz. daf\u00fcr aber eine Freude, die kein Auge je gesehen und kein Ohr geh\u00f6rt hat! Was muss Gott dazu f\u00fcr eine Kraft in uns aufbringen!<\/p>\n<p>Und als sei das nichts, dass Menschen, die zu allen Zeiten und heute mehr denn je als eine Laune der Natur und dessen, was der Mensch draus macht, angesehen werden k\u00f6nnen, als sei das nichts, dass sie sich als Kinder Gottes ansprechen lassen, die in B\u00f6sem und Gutem, was ihnen in diesem Leben widerf\u00e4hrt, auch Gottes F\u00fchrung und Geleit zu sehen und ihn darum auch zu bitten verm\u00f6gen mit dem Lied, das den Menschen hier so lieb ist wie kein anderes: &#8222;So nimm denn meine H\u00e4nde und f\u00fchre mich!&#8220; Noch einmal: Was muss Gott dazu f\u00fcr eine Kraft in uns aufbringen!<\/p>\n<p>In der Tat: Dass wir im Schatten des Todes auf Licht und Leben ausgerichtet sind &#8211; das geht nur, weil die Auferstehungsmacht schon wirksam ist in uns. Als ein Vorzeichen nicht massenhaft verbreitet, aber \u00fcberall erkennbar. Ein Vorzeichen f\u00fcr das, was auf alle von Gott her zu kommt. N\u00e4mlich von seinem Wort des Lebens und der Kraft angesprochen, durchdrungen und erleuchtet zu werden &#8211; in Ewigkeit! Amen.<\/p>\n<p><strong>Superintendent Rudolf Rengstorf<br \/>\nStade<br \/>\n<a href=\"mailto:Rudolf.Rengstorf@evlka.de\">Rudolf.Rengstorf@evlka.de <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Sonntag nach Epiphanias, 29. Januar 2006 Predigt zu Epheser 1, 15-20a, verfasst von Rudolf Rengstorf Liebe Gemeinde! Kleine graue Tage sind das jetzt &#8211; (zumindest) bei uns an der Wasserkante voller Wind und Regen. Da ist so mancher heute morgen lieber zu Hause geblieben. 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