{"id":10968,"date":"2021-02-07T19:49:01","date_gmt":"2021-02-07T19:49:01","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10968"},"modified":"2023-02-06T13:57:44","modified_gmt":"2023-02-06T12:57:44","slug":"epheser-1-15-20a-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-1-15-20a-3\/","title":{"rendered":"Epheser 1, 15-20a"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">4. Sonntag nach Epiphanias, 29. Januar 2006<br \/>\nPredigt zu Epheser 1, 15-20a, verfasst von Christine Hubka <\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>&#8222;Nachdem ich geh\u00f6rt habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, h\u00f6re ich nicht auf, zu danken f\u00fcr euch, und gedenke euer in meinem Gebet, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen.<\/em><br \/>\n<em>Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes f\u00fcr die Heiligen ist und wie \u00fcberschw\u00e4nglich gro\u00df seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner St\u00e4rke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Seit ich mich erinnern kann, h\u00f6re ich Menschen sagen: \u201eGlauben kann ich auch allein!\u201c<\/p>\n<p>Manchmal wird damit ausgedr\u00fcckt, warum jemand nicht den Gottesdienst mitfeiern will. Allein \u2013 hoch oben am Berg, oder im tiefen Wald, geht das besser, das Glauben. Da sind nicht die vielen anderen da, die doch nur st\u00f6ren. Die ja manchmal auch den Glauben auf eine harte Probe stellen.<\/p>\n<p>Glauben kann ich auch allein. Das h\u00f6re ich von Menschen, die der Kirche \u2013 den Kirchen kritisch gegen\u00fcber stehen.<\/p>\n<p>In so einem Fall kann ich nur nicken und sagen: Freilich, glauben kannst du auch allein.<\/p>\n<p>Und \u2013 weil wir jetzt unter uns sind, sage ich es noch sch\u00e4rfer: Du kannst nicht nur allein glauben. Du musst sogar allein glauben.<\/p>\n<p>Denn: Niemand kann sich vertreten lassen, wenn es um den Glauben und die Folgen daraus geht: Wer glaubt, sagt: \u201eDas ist meine \u00dcberzeugung.\u201c \u201eIch stehe dazu und zu den Konsequenzen, die sich aus dieser \u00dcberzeugung ergeben.\u201c<\/p>\n<p>So werden seit Jahren hier auch die Konfirmandinnen und Konfirmanden am Tag ihrer Konfirmation gefragt:<\/p>\n<p>Seid ihr euch bewusst, dass euer Bekenntnis heute Folgen f\u00fcr euer Leben hat.<\/p>\n<p>Der hundertste Geburtstag von Dietrich Bonhoffer, der in den letzten Kriegstagen noch von den Nazis ermordet wurde, bringt das wieder eindringlich in Erinnerung: Glauben musst du allein. Und die Folgen deines Glaubens musst du schlie\u00dflich auch allein tragen.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr die einzelnen gilt, gilt auch f\u00fcr die Kirchen: Jede Kirche kann sagen: Wir k\u00f6nnen und wir m\u00fcssen allein glauben. Unsere Identit\u00e4t und unser Profil selbst gestalten.<\/p>\n<p>Wir Evangelischen haben ja bekanntlich vier Grunds\u00e4tze, mit denen sich in aller K\u00fcrze evangelisch Sein auf den Punkt bringen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Alle vier S\u00e4tze beginnen bezeichnender Weise mit dem W\u00f6rtchen: \u201eAllein\u201c:<\/p>\n<p>Allein die Bibel ist Grundlage und Quelle des Glaubens. Allein Christus vers\u00f6hnt uns mit Gott. Allein aus Gnade vergibt uns Gott. Allein durch den Glauben werde ich vor Gott gerecht.<\/p>\n<p>Was liegt n\u00e4her Als nach diesem viermaligen \u201eallein\u201c ein f\u00fcnftes hinten dran zu setzen, und zu sagen: Glauben kann ich auch allein.<\/p>\n<p>Nun schreibt aber Paulus nicht: Ich gedenke an dich in meinem Gebet, dass Gott dir gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen.<\/p>\n<p>Er schreibt, und das ist gewiss kein Zufall: Ich gedenke euer in meinem Gebet, dass \u2026 Gott \u2026 euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen.<\/p>\n<p>Vor mir entsteht ein Verst\u00e4ndnis vom Glauben, das sich verbindet mit der Vorstellung von Gemeinde:<\/p>\n<p>Das ganze gro\u00dfe Bild von Gott, von Christus, von Gnade, Liebe und Hoffnung ist viel zu gro\u00df, als dass ein einzelner Kopf oder ein einzelnes Herz es fassen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dieses Bild von Gott, besteht aus vielen einzelnen Puzzlesteinen. Und jede und jeder hier bringt einen oder mehrere Puzzelsteine mit.<\/p>\n<p>Gemeinsam setzen wir das Bild zusammen. Je mehr Menschen mitbauen, desto mehr leere Stellen werden gef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Ein praktisches Beispiel: Nach der Predigt sprechen wir gemeinsam das Glaubensbekenntnis. Mir selber ist nicht an jedem Sonntag jeder Satz, jede Aussage gleich wichtig. Zu manchen Zeiten habe ich zu einigen Aussagen des Glaubensbekenntnisses ganz tiefen Zugang. Zu anderen daf\u00fcr gar keinen.<\/p>\n<p>Ich vermute, dass ich damit nicht allein hier bin. Wenn wir aber gemeinsam das Glaubensbekenntnis sprechen, wenn die vielen es gemeinsam sagen, dann werden wir wohl das ganze Bekenntnis in seiner Tiefe und mit allen seinen Schwerpunkten hier unter uns haben. Dann f\u00fcgen sich die einzelnen Schwerpunkte zu einem ganzen gro\u00dfen Bild zusammen.<\/p>\n<p>Beim Nic\u00e4nischen Bekenntnis, wo es bekanntlich nicht hei\u00dft: Ich glaube, wo es hei\u00dft: Wir glauben, wird das f\u00fcr mich noch deutlicher.<\/p>\n<p>Dieses ganz alte Bekenntnis aus Nic\u00e4a, ist auch das einzige, das allen christlichen Konfessionen gemeinsam ist. Unser gewohntes, das Apostolische Bekenntnis, kennen ja nur die Kirchen der westlichen Tradition.<\/p>\n<p>So haben wir im Gottesdienst zur Weltgebetswoche f\u00fcr die Einheit der Christen auch dieses Bekenntnis aus Nic\u00e4a gesprochen.<\/p>\n<p>Einheit unter den Kirchen, das kann nicht hei\u00dfen: Alle werden so, wie eine einzige schon ist. So wenig, wie gemeinsamer Glaube in der Gemeinde hei\u00dfen kann: Alle Gemeindemitglieder glauben so, wie die Pfarrerin oder der Pfarrer glaubt. Oder wie irgend jemand, der hier halt den Ton angibt.<\/p>\n<p>Einheit unter den Kirchen beginnt dort, wo die Einheit in der Gemeinde beginnt: Wenn die Eigenarten, die Schwerpunkte, die \u00dcberzeugungen der anderen, als anregend, bedenkenswert, als nicht meines \u2013 aber auch wichtig, angesehen werden. Wenn sie Ansehen bekommen.<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfem Vergn\u00fcgen habe ich vor kurzem Einen Artikel gelesen, den ein katholischer Theologe(*) geschrieben hat. Er w\u00fcrdigt darin die ungebrochene Eigenst\u00e4ndigkeit, die jeder einzelne, jede einzelne Evangelische haben kann und auch haben muss:<\/p>\n<p>Dieses \u201eGlauben muss ich zuerst allein\u201c, das uns unabh\u00e4ngig macht von Bevormundung und G\u00e4ngelung, wenn es um den Glauben geht.<\/p>\n<p>Und er w\u00fcrdigt die Stellung der Frau in der evangelischen Kirche.<\/p>\n<p>Paulus bittet Gott, dass er \u201eeuch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen.\u201c<\/p>\n<p>Das Projekt 66x Bibel, das jeden Montag Vortragende aus den verschiedenen christlichen Konfessionen zu uns bringt, die ein biblisches Buch auf ihre Weise und mit ihrem konfessionellen Hintergrund vorstellen, soll das deutlich machen:<\/p>\n<p>Wir haben eine gemeinsame Bibel. Aber die Bibel selbst bietet ein ganz und gar nicht einheitliches Bild von Gott und vom Glauben. Und wir selber setzen dann noch dazu unsere pers\u00f6nlichen und konfessionellen Schwerpunkte. Wie bereichernd, wie anregend das sein kann, werden alles best\u00e4tigen, die die ersten Abende miterlebt haben.<\/p>\n<p>Hier passiert das, was Paulus an die Gemeinde in Ephesus schreibt.<\/p>\n<p><strong>Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes f\u00fcr die Heiligen ist und wie \u00fcberschw\u00e4nglich gro\u00df seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner St\u00e4rke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Daf\u00fcr sei Gott<strong><br \/>\n<\/strong>Lob und Preis in Ewigkeit.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">(*) <\/a> S\u00f6ding, Thomas (2006): Recht verstandene Profilierung. Ein Zwischenruf zur gegenw\u00e4rtigen \u00f6kumenischen Diskussion. In: Herder Korrespondenz 60, 1\/2006. S. 11 \u2013 16.<\/p>\n<h4><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">Dr. Christine Hubka, evang. Pfarrerin<br \/>\n1030 Wien,<br \/>\nSebastianplatz 4<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><a href=\"mailto:christine.hubka@gmx.at\">christine.hubka@gmx.at<\/a><\/strong><\/h4>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Sonntag nach Epiphanias, 29. 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