{"id":10971,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10971"},"modified":"2023-02-28T16:59:39","modified_gmt":"2023-02-28T15:59:39","slug":"offenbarung-1-9-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-1-9-20\/","title":{"rendered":"Offenbarung 1, 9-20"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Letzter Sonntag nach Epiphanias, 5. Februar 2006<br \/>\nPredigt zu Offenbarung 1, 9-20, verfasst von J\u00f6rg Egbert Vogel <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>9 Ich, euer Bruder Johannes, der wie ihr bedr\u00e4ngt ist, der mit euch an der K\u00f6nigsherrschaft teilhat und mit euch in Jesus standhaft ausharrt, ich war auf der Insel Patmos um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses f\u00fcr Jesus.<\/em><br \/>\n<em>10 Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und h\u00f6rte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune.<\/em><br \/>\n<em>11 Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch, und schick es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus, nach Smyrna, nach Pergamon, nach Thyatira, nach Sardes, nach Philadelphia und nach Laodizea.<\/em><br \/>\n<em>12 Da wandte ich mich um, weil ich sehen wollte, wer zu mir sprach. Als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter<\/em><br \/>\n<em>13 und mitten unter den Leuchtern einen, der wie ein Mensch aussah; er war bekleidet mit einem Gewand, das bis auf die F\u00fcsse reichte, und um die Brust trug er einen G\u00fcrtel aus Gold.<\/em><br \/>\n<em>14 Sein Haupt und seine Haare waren weiss wie weisse Wolle, leuchtend weiss wie Schnee, und seine Augen wie Feuerflammen;<\/em><br \/>\n<em>15 seine Beine gl\u00e4nzten wie Golderz, das im Schmelzofen gl\u00fcht, und seine Stimme war wie das Rauschen von Wassermassen.<\/em><br \/>\n<em>16 In seiner Rechten hielt er sieben Sterne, und aus seinem Mund kam ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Gesicht leuchtete wie die machtvoll strahlende Sonne.<\/em><br \/>\n<em>17 Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen F\u00fcssen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: F\u00fcrchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte<\/em><br \/>\n<em>18 und der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schl\u00fcssel zum Tod und zur Unterwelt.<\/em><br \/>\n<em>19 Schreib auf, was du gesehen hast: was ist und was danach geschehen wird.<\/em><br \/>\n<em>20 Der geheimnisvolle Sinn der sieben Sterne, die du auf meiner rechten Hand gesehen hast, und der sieben goldenen Leuchter ist: Die sieben Sterne sind die Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nJohannes, der Verfasser des letzten Buches der Bibel, der sog. Offenbarung, beschreibt mit symbolhafter, bildreicher Sprache die himmlische Existenz des Auferstandenen.<br \/>\nMit den Symbolen g\u00f6ttlicher Herrschaft und Reinheit bekleidet, ist der auferstandene Christus das verl\u00e4ssliche Gegen\u00fcber f\u00fcr die bedr\u00e4ngten Gemeinden.<br \/>\nDen 7 Gemeinden, an die Johannes schreibt, macht er mit seiner Beschreibung Mut, standhaft im Glauben an Jesus auszuharren, trotz aller Bedr\u00e4ngnis.<br \/>\nDie Bedr\u00e4ngnisse seiner Zeit, dem Ende des 1. Jahrhunderts, und seiner 7 Gemeinden in Kleinasien gingen vor allem vom r\u00f6mischen Staat aus, der mit seiner absolutistischen Staatsreligiosit\u00e4t keinen anderen Glauben dulden konnte, der die r\u00f6mischen G\u00f6tter nicht anerkennt.<br \/>\nDer Druck auf die Christen war zeitweilig offenbar so stark, dass man sich um die Existenz der Gemeinden und m\u00f6glicherweise sogar um den Fortbestand der Kirche sorgen musste.<br \/>\nIn dieser Situation st\u00e4rkt Johannes die Gemeinden mit der Beschreibung des auferstandenen himmlischen Christus, der stark und m\u00e4chtig ist, auf den sich die Christen unter allen Umst\u00e4nden verlassen k\u00f6nnen und der ihnen in jedem Fall zur Seite steht.<\/p>\n<p>Und Johannes gibt die Worte des Trostes und der Gewissheit des Auferstandenen an die Gemeinden weiter: <em>F\u00fcrchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit.<\/em><\/p>\n<p>Dass Christus den Tod \u00fcberwunden hat, das st\u00e4rkt die Christen in ihrem Glauben.<\/p>\n<p>Sieben goldene Leuchter im Himmel stellen die 7 Gemeinden dar, an die Johannes schreibt. Und sieben goldene Sterne, die 7 Engel der Gemeinden, h\u00e4lt der Auferstandene in seiner Hand.<\/p>\n<p>Der Augenschein tr\u00fcgt: die 7 Gemeinden sind nicht kleine H\u00e4uflein von mutlosen Christen, sondern so unscheinbar und schwach und gef\u00e4hrdet sie auch wirken m\u00f6gen, in Wirklichkeit sind sie 7 goldene Leuchter, die der ganzen Welt vom Auferstehungslicht k\u00fcnden.<\/p>\n<p>Solche genialen Vision\u00e4re wie Johannes br\u00e4uchte die Kirche eigentlich immer, hat sie wohl auch immer gehabt und wird sie immer haben.<\/p>\n<p>Solche, die den Gemeinden sagen, dass sie nicht gef\u00e4hrdete Randerscheinungen in einer zunehmend s\u00e4kularen Gesellschaft sind, sondern goldene Leuchter. Dass sie die Welt erleuchten mit ihrer Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen und deshalb immer eine zentrale Funktion haben im sozialen Gef\u00fcge.<\/p>\n<p>Viel zu oft sehen wir Christen uns als unbedeutend und unseren Glauben als wirkungslos, in einer Welt, in der die globalisierte Wirtschaft alles dominiert.<\/p>\n<p>Doch demgegen\u00fcber steht das wachsende Bed\u00fcrfnis vieler gerade junger Menschen nach religi\u00f6ser Orientierungshilfe in ihrem Leben.<\/p>\n<p>Man stelle sich nur mal vor, die Wirtschaftsf\u00fchrer h\u00e4tten sich letzte Woche in Davos nicht nur von der Sch\u00f6nheit Angelina Jolies beeindrucken lassen, sondern beschlossen, sich von nun an bei ihren Entscheidungen an Jesus zu orientieren.<\/p>\n<p>Wie effektiv k\u00f6nnte von nun an der Armut in der Welt begegnet, wie wirksam k\u00f6nnte die Ausbreitung von Aids gestoppt werden. Ja vielleicht k\u00f6nnte man sogar Kriege verhindern.<\/p>\n<p>Dieses enorme Potential steckt in unserem Glauben, liebe Gemeinde.<br \/>\nWir sind solch ein goldener Leuchter.<br \/>\nDavon gibt \u2019 s nicht nur die 7 in der Offenbarung namentlich erw\u00e4hnten.<br \/>\nVielmehr dr\u00fcckt die Zahl 7 ja die vollkommene g\u00f6ttliche F\u00fclle aus. Und so kann davon ausgegangen werden, dass der Vision\u00e4r hier die Kirche als Ganze, als weltweit eine Kirche vor Augen hatte.<\/p>\n<p>Dass sich jemand auch in einer F\u00fchrungsposition vom Glauben an Jesus leiten l\u00e4sst, oder <em>standhaft in Jesus ausharrt<\/em>, wie es Johannes ausdr\u00fcckt, ist nicht nur Utopie. Heiner Geissler, zwar nicht mehr aktiver, jedoch immer noch einflussreicher deutscher Politiker, wendet in seinem Buch: &#8222;Was w\u00fcrde Jesus heute sagen&#8220;, Jesu Botschaft und sein Verhalten direkt auf heutige politische Entscheidungen an.<\/p>\n<p>Das ist sehr mutig und hat auch etwas Vision\u00e4res und zeigt, wie aktuell die biblische Botschaft ist.<\/p>\n<p>Allerdings war Jesu prim\u00e4res Ziel nicht, wie von Geissler suggeriert, die Schaffung einer sozial gerechten Gesellschaft.<br \/>\nDas kann nur die Folge seiner Botschaft sein.<br \/>\nJesu Verk\u00fcndigung richtet sich zuerst auf den Glauben der Menschen. Ihm geht es um eine pers\u00f6nliche Beziehung zu Gott. Und zwar zu einem Gott, der nicht der ferne und fremde und unnahbare ist, sondern zu einem Gott, der zu den Menschen wie ein freundlicher liebender Vater ist, ein Gott, der dem verlorenen Sohn mit offenen Armen entgegengeht und ihm alle Schuld vergibt.<\/p>\n<p>F\u00fcr diesen Gott gibt es nur eine ad\u00e4quate Bezeichnung, und alles soziale Verhalten resultiert letztlich daraus: &#8222;Deus caritatis est&#8220; \u2013 Gott ist die Liebe.<\/p>\n<p>Dass Papst Ratzinger dieses Thema, &#8222;Gott ist die Liebe&#8220; zum Thema seiner ersten Enzyklika gemacht hat, ist ein deutliches Zeichen, sowohl was die Ausrichtung seiner Theologie als Papst betrifft, als auch im Blick auf die \u00d6kumene.<br \/>\nDenn Ratzinger hat Jahrzehnte lang miterlebt, wie Roger Schutz, der Prior von Taiz\u00e9, dieses Thema als zentrales Thema des christlichen Glaubens immer wieder in die kirchliche \u00d6ffentlichkeit und theologische Diskussion gebracht hat.<\/p>\n<p>Der Papst stellt sich damit auf die gleiche Glaubensbasis wie der ermordete Vision\u00e4r der Kirche, Fr\u00e8re Roger, und signalisiert gleichsam von katholischer kirchenamtlicher Seite her, wie wichtig es ist, im Nachbuchstabieren der Botschaft Jesu, immer wieder zu bezeugen, dass der Vater Jesu nicht ein Gott der Rache, der Vergeltung, des Zornes und des Gerichtes ist, sondern ein Gott der Liebe, der Barmherzigkeit und der Vergebung.<\/p>\n<p>Fr\u00e8re Roger war ganz sicher so ein Vision\u00e4r wie Johannes. Er hat mehr gesehen, als das, was offensichtlich ist. Er war davon \u00fcberzeugt, dass das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert des Glaubens sein wird. Er hat der Jugend zugetraut, tiefe Spiritualit\u00e4t zu erfahren. Deshalb kommt man nach Taiz\u00e9 wie an eine Oase in der W\u00fcste.<\/p>\n<p>Ein Vision\u00e4r der Kirche, freilich von v\u00f6llig anderer Art, war auch Dietrich Bonhoeffer, dessen 100. Geburtstages wir gestern gedenken konnten. Er hat sich konsequent bis zur Hingabe seines Lebens daf\u00fcr eingesetzt, die Kirche aus der Sackgasse ihrer engen Verbundenheit mit dem Staat herauszuf\u00fchren und hat daf\u00fcr auch den Tyrannenmord in Kauf genommen.<\/p>\n<p>Doch schauen wir nicht nur auf die grossen und bekannten Pers\u00f6nlichkeiten.<br \/>\nMan stelle sich vor, wir, jeder von uns, w\u00fcrden uns konsequent und in allen Bereichen unseres Lebens an Jesus orientieren und den Glauben an die Liebe Gottes zum obersten Massstab unseres Handelns machen.<\/p>\n<p>So sind dann auch wir goldene Leuchter, die mit ihrem Glaubenslicht die Welt hell machen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>J\u00f6rg Egbert Vogel, Basel<br \/>\n<a href=\"mailto:j.e.vogel@gmx.ch\">j.e.vogel@gmx.ch<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias, 5. 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