{"id":10973,"date":"2021-02-07T19:49:07","date_gmt":"2021-02-07T19:49:07","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10973"},"modified":"2023-02-02T09:00:04","modified_gmt":"2023-02-02T08:00:04","slug":"offenbarung-1-9-18-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-1-9-18-3\/","title":{"rendered":"Offenbarung 1, 9-18"},"content":{"rendered":"<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Letzter Sonntag nach Epiphanias, 5. Februar 2006<br \/>\nPredigt zu Offenbarung 1, 9-18, verfasst von Friedrich Malkemus <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<div align=\"left\">\n<p>Wir sind miteinander und in Verantwortung f\u00fcreinander verbunden, wir Christen. Ob wir dieses wohl n\u00e4her beschreiben k\u00f6nnen? Versuchen wir es jetzt mit der Hilfe des biblischen Textes aus der Offenbarung des Johannes.<\/p>\n<p>Hier am Ende der Bibel wie in einem Verm\u00e4chtnis stellt sich der Schreiber als Bruder vor. Ein geschwisterliches Verh\u00e4ltnis bestimmt den Zusammenhang und Zusammenhalt von ihm mit den Christen in den Gemeinden, an die er schreibt. Diese famili\u00e4re Verbindung kommt allein durch Jesus zustande und ist durch ihn begr\u00fcndet. Die Kunde von Jesus Christus, von seinem Licht und Wort f\u00fcr alle Menschen hat den Johannes erfasst und ist durch sein Wirken zu den Gemeinden in Kleinasien im westen der T\u00fcrkei vorgedrungen. Hier haben sich christliche Gemeinden gebildet und wussten sich in Jesus verbunden und im Glauben gest\u00e4rkt. Aber nun sind sie bedr\u00e4ngt und heftig verfolgt durch den r\u00f6mischen Staat unter dem Kaiser Domitian. Sein Gottheitsanspruch, seine Alleinherrchaft und Diktatur sollten das Allerletzte und allein G\u00fcltige sein. Da aber das Evangelium aller Tyrannei und Diktatur deutlich widerspricht, muss es unterbunden und mit Gewalt bek\u00e4mpft werden. Darum also ist Johannes, der Evangelisator auf die Insel Patmos verbannt und damit getrennt von den ihm am Herzen liegenden sieben Gemeinden. So bleibt ihm nur die M\u00f6glichkeit, brieflichen Kontakt mit den Gemeinden in der Ferne zu halten und gerade so ihren Glauben zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Gerade in Not-, Gefahren- und Leidenszeit brauchen alle Christen Durchhaltekraft und den engen Zusammenhalt in liebevoller F\u00fcrsorge f\u00fcreinander. In der brennenden Sorge um die Christen in den umk\u00e4mpften Gemeinden wird dem Johannes eine umfangreiche, h\u00f6chst eindrucksvolle Offenbarung zuteil. Der zuk\u00fcnftige Christus wird ihm gegenw\u00e4rtig in Visionen, Geschichten und packenden Worten. Christus selbst wird Inhalt der Schreiben und tritt lebendig in die Gemeinde ein.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! An dieser Stelle unserer Predigt k\u00f6nnen wir guten Gewissens eine Erinnerung einbringen aus direktem Anlass. Gestern vor einhundert Jahren wurde Dietrich Bonhoeffer geboren. Diesem Theologen war es ein st\u00e4ndiges Anliegen, den Gemeinden Jesu zu verdeutlichen und eindringlich nahezulegen, die unmittelbare und konkrete Verantwortung f\u00fcr den Gang der Ereignisse und geschichtlichen Verh\u00e4ltnisse zu erkennen und zu bejahen. Christen haben direkte Einflussnahme in ihrem Lebensumfeld, also auch im sozialen und politischen Raum auszu\u00fcben. Sie k\u00f6nnen sich nicht aus der \u00f6ffentlichen Mitverantwortung zur\u00fcckziehen in einen politikfreien Raum der Schonung, in dem sie unantastbar und unt\u00e4tig sein k\u00f6nnten. So war noch vor Ausbruch des Krieges f\u00fcr Bonhoeffer unmissverst\u00e4ndlich klar, dass er nicht als wohlbestellter Lehrer fern und sich in Amerika bleiben d\u00fcrfe, wenn zugleich in Deutschland eine grausame Diktatur auch gegen die Christen zu w\u00fcten beginne. Er kehrte zur\u00fcck und bildete unter bedrohlichen Verh\u00e4ltnissen in seinem Sinne junge Theologen f\u00fcr den Zeugendienst als Prediger Jesu Christi aus. Die immer ch\u00e4rfer einsetzende Gangart der politischen Entwicklung in Richtung Entrechtung des Einzelnen und bewusste Irref\u00fchrung de Volksmassen hin zu einem Angriffskrieg dr\u00e4ngte ihn, deutliche und wirksame Wege des Widerstandes zu bef\u00fcrworten, um drohendes Urteil, wenn es irgend m\u00f6glich ist, auch unter gefahrvollem Einsatz der eignen Person vom Volke abzuwenden. Mit seiner hohen Intelligenz und unter dem Einsatz weitreichender internationaler Beziehungen unterst\u00fctzte er aktiv die Vorbereitung zum Sturz und \u00dcberwindung der Hitlerdiktatur. Er wurde verhaftet und bis unmittelbar zum Kriegsende in Einzelhaft gehalten. In Flossenb\u00fcrg ist er am 9. April 1945 hingerichtet worden. \u2013 Seine zahlreichen Schriften und Briefe kreisen um das Thema: Widerstand und Ergebung. Die v\u00f6llige Ergebenheit gegen\u00fcber Jesus Christus hat stets hinzuf\u00fchren in eine konsequente Nachfolge in einem entschlossenen Mut und in dauerhafter Bindung in der Gemeinde der Christen. Diese Gemeinschaft kann im Ernstfall Leib und Leben fordern. Sie bewahrt aber in der N\u00e4he und Gegenwart des Auferstandenen. \u2013 was sich im Leben und im Denken Bonhoeffers ausspricht, n\u00e4mlich das unbeirrbare Festhalten am Zeugendienst f\u00fcr Christus bei gleichzeitiger Bereitschaft zum Leidensweg, das entspricht dem Ziel des Sehers Johannes. Denn er erreicht mit seinen Briefen und Sendschreiben konkrete Gemeinden in einer von innen und von au\u00dfen bedrohlichen Situation. Sie ben\u00f6tigen kraftvollen Zuspruch und dauerhaften Mut.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! Dieses k\u00f6nnen wir in eigenem Namen nicht geben, sehr wohl aber im Namen des erh\u00f6hten Herrn. In den Visionen des Johannes wird die innige Verkn\u00fcpfung des Sehers mit den fernab liegenden Gemeinden namentlich festgemacht. Auf sie bezieht sich die Sorge und Tr\u00f6stung des Herrn. Unter Handauflegung wird Johannes mit in die Verantwortung einbezogen. Das Ungeheuerliche der beschriebenen Erscheinung unterstreicht den Ernst und die Dringlichkeit der Botschaft, am Evangelium Jesu in allen Notlagen festzuhalten und vom Glauben nicht abzuweichen. Die unverbr\u00fcchliche Treue des auferstandenen Herrn wird strahlend einleuchtend in dem Bilde der sieben Sterne und der sieben Leuchter: vergesst einander nicht bei aller r\u00e4umlichen Trennung! Gebt euch nicht auf! Schreibt euch nicht ab! \u2013 \u00dcber alle Entfernungen hinweg geh\u00f6ren die Gemeinden und der prophetische Seher zusammen. \u00dcber alle Gef\u00e4ngnismauern und Gitter hinweg geh\u00f6ren die unter Hitlers Diktatur verfolgten Gemeinden und die Briefe, Gedanken und Gedichte Bonhoeffers zusammen. Das \u00e4ndert auch nicht die Inhaftierung im KZ. Das Siegeswort aus der Ewigkeit schreitet weiter voran in der Gemeinde, auch wenn dort Verzagtheit und Versagen drohen.<\/p>\n<p>Da wo wir f\u00fcreinander das tr\u00f6stende und aufbauende Wort aus dem Glauben wagen, st\u00e4rken wir die Bindung untereinander und Treue zu Christus. Er sagt: F\u00fcrchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte! Ich habe die Macht \u00fcber den Tod und sein Reich!<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge: <\/strong><br \/>\nEG 281 Erhebet er sich 1-5<br \/>\nEG 67 Herr Christ, der einig 1-5<br \/>\nEG 442 Gottes Wort 4-6<br \/>\nEG 442 7-9<\/p>\n<p><strong>Psalm:<\/strong> 97<br \/>\n<strong>Lektion:<\/strong> Matth 17, 1-9<br \/>\n<strong>Credo:<\/strong> Nicaenum<\/p>\n<p>Informationen zu der von mir angedachten Gemeinde siehe unter: <a href=\"http:\/\/www.frielendorf.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.Frielendorf.de<\/a><\/p>\n<p>Das F\u00fcrbittengebet ist entnommen aus der Agende I der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, S. 146.<\/p>\n<p>Ich gr\u00fc\u00dfe alle Nutzer der Materialien herzlich und erbitte f\u00fcr uns einen Mut machenden, gesegneten Dienst!<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Friedrich Malkemus<br \/>\nDekan i.R. Kirchenrat<br \/>\nWolfgang-Zeller-Stra\u00dfe 13<br \/>\n34613 Schwalmstadt-Ziegenhain<br \/>\nTel.: 06691 71642<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias, 5. Februar 2006 Predigt zu Offenbarung 1, 9-18, verfasst von Friedrich Malkemus Liebe Gemeinde! Wir sind miteinander und in Verantwortung f\u00fcreinander verbunden, wir Christen. Ob wir dieses wohl n\u00e4her beschreiben k\u00f6nnen? Versuchen wir es jetzt mit der Hilfe des biblischen Textes aus der Offenbarung des Johannes. 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