{"id":10979,"date":"2021-02-07T19:49:02","date_gmt":"2021-02-07T19:49:02","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10979"},"modified":"2023-02-06T10:50:51","modified_gmt":"2023-02-06T09:50:51","slug":"offenbarung-1-9-18-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-1-9-18-5\/","title":{"rendered":"Offenbarung 1, 9-18"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Letzter Sonntag nach Epiphanias, 5. Februar 2006<br \/>\nPredigt zu Offenbarung 1, 9-18, verfasst von Berthold K\u00f6ber<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>9\u00a0Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedr\u00e4ngnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos hei\u00dft, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen. 10\u00a0Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und h\u00f6rte hinter mir eine gro\u00dfe Stimme wie von einer Posaune, 11\u00a0die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea. 12\u00a0Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter 13\u00a0und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und geg\u00fcrtet um die Brust mit einem goldenen G\u00fcrtel. 14\u00a0Sein Haupt aber und sein Haar war wei\u00df wie wei\u00dfe Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme 15\u00a0und seine F\u00fc\u00dfe gleich Golderz, wie im Ofen durch Feuer geh\u00e4rtet, und seine Stimme wie gro\u00dfes Wasserrauschen; 16\u00a0und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. 17\u00a0Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen F\u00fc\u00dfen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: F\u00fcrchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18\u00a0und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schl\u00fcssel des Todes und der H\u00f6lle[1].<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">(Lutherbibel 2017)<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Christus &#8211; der Herr aller Herren <\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Was sich uns beim H\u00f6ren dieser Worte besonders einpr\u00e4gt, ist dieses Bild von Christus, wie er in seiner ganzen Macht und Pracht, Erhabenheit und himmlischer Herrlichkeit erscheint, als strahlender Sieger und \u00dcberwinder.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen bekennen: dieses Bild von Jesus Christus ist uns fremd. Es suggeriert potenzierte Macht, \u00dcberlegenheit, Unnahbarkeit. Wir haben eine ganz andere Vorstellung von ihm. Er ist uns vertraut als das Kind in der Krippe, als der Heiland, der sich den Armen und Kranken, Beladenen und Ausgesto\u00dfenen voller Erbarmen und Liebe zuwendet, der den Menschen nahe ist; als der, der unschuldig am Kreuz h\u00e4ngt, der die Menschen segnet. Aber Christus als der Weltenrichter und Weltenherr? Dieses Bild vermittelt unbeschreibbare Distanz zu ihm und l\u00e4sst vor ihm erschauern. &#8211; Wie gehen wir um mit diesem ganz anderen Bild von ihm?<\/p>\n<p>Da ist zun\u00e4chst die Rede von Johannes, der diese gro\u00dfartige Vision hat. Ist es der J\u00fcnger Jesu dieses Namens, wie es die christliche Tradition meinte? Oder ist es ein anderer angesehener, in Verantwortung f\u00fcr die christliche Gemeinde stehender Zeuge Jesu gleichen Namens? Was wir sicher wissen, ist dies: Weil Johannes am Bekenntnis zu Jesus Christus festgehalten hatte, war er von der r\u00f6mischen Staatsgewalt auf die abgelegene Felseninsel Patmos im \u00c4g\u00e4ischen Meer verbannt worden, getrennt und weit weg von seiner Gemeinde, wo er nicht mehr verk\u00fcndigen und Jesus bezeugen konnte. Am Tag des Herrn, am Sonntag, wo seine Gemeinde Gottesdienst feierte und seines Zuspruchs bedurfte, wurde ihm seine Einsamkeit besonders schmerzlich bewusst.<\/p>\n<p>Dies geschah in den achtziger Jahren des ersten Jahrhunderts nach Christus, in denen Domitian r\u00f6mischer Imperator war. Er lie\u00df sich als \u201eunser Herr und Gott\u201c verehren und verlangte, dass alle Bewohner des gro\u00dfen r\u00f6mischen Reiches vor seinem Standbild die Knie beugten und ihm opferten. Die Christen weigerten sich, das zu tun, weil es f\u00fcr sie nur einen Gott und Herrn gibt, dem g\u00f6ttliche Verehrung und Anbetung zukommt: der Herr Jesus Christus. Obwohl die Christen sonst loyale B\u00fcrger waren, flei\u00dfig, untadelig und friedliebend, standen sie am Rand der Gesellschaft und wurden ihres Glaubens wegen verfolgt, terrorisiert, gefoltert und auf grausame Weise umgebracht.<\/p>\n<p>Diese Bedr\u00e4ngnis, wie die Bibel jene schreckliche Situation treffend beschreibt, brachte aber nicht wenige Christen in Zweifel und Anfechtung. Sollte ihnen ihr Glaube an den auferstandenen lebendigen Herrn den Tod bringen? Ist Christus angesichts der grausamen \u00dcbermacht des r\u00f6mischen Staates wirklich der Allm\u00e4chtige, der, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist? War nicht eher das Gegenteil der Fall? &#8211; Fragen, die sicherlich auch den verbannten und mit seinen verfolgten Glaubensschwestern und -Br\u00fcdern mit leidenden Johannes bedr\u00e4ngten und ihn seiner Ohnmacht bewusst werden lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Da wird Johannes ein ekstatisches Erlebnis zuteil, das sich kaum mit Worten beschreiben l\u00e4sst. Gottes Geist l\u00e4sst ihn gerade am Sonntag, am Tag der Auferstehung des Herrn, eine machtvolle Stimme wie von einer Posaune h\u00f6ren. Sie befiehlt ihm, das aufzuschreiben, was ihn der Geist Gottes schauen lassen wird, und es den sieben Gemeinden Jesu in Kleinasien zuzusenden, die namentlich genannt werden. Es hat dort auch in anderen St\u00e4dten christliche Gemeinden gegeben, aber die angef\u00fchrten hatten wohl besondere Bedeutung. Diese St\u00e4dte lagen an der ausgebauten gro\u00dfen r\u00f6mischen Heeresstra\u00dfe, die den Norden mit dem S\u00fcden verband, und waren Sitze der staatlichen Beh\u00f6rden. Von daher d\u00fcrfte hier der Kaiserkult besonders gef\u00f6rdert worden sein. So musste es f\u00fcr die dort lebenden Christen zu besonderen Verfolgungen und Bedr\u00e4ngnissen kommen.<\/p>\n<p>Die Siebenzahl hat im Buch der Offenbarung aber immer auch symbolische Bedeutung, n\u00e4mlich als Vollzahl. Hier repr\u00e4sentieren die genannten sieben Gemeinden, dargestellt durch die sieben goldenen Leuchter, wohl die Gesamtheit der christlichen Kirche. Die einzelnen Sendschreiben richten sich wohl an die jeweilige Gemeinde, betreffen aber auch die gesamte Kirche.<\/p>\n<p>Johannes wendet sich um nach der Stimme. Was er da schaut, l\u00e4sst ihn erschauern. Vor ihm steht der erh\u00f6hte Herr Jesus selbst, gekleidet mit einem langen Gewand, wie ein Hohepriester, geg\u00fcrtet mit einem goldenen G\u00fcrtel, wie ein K\u00f6nig. Seine Gestalt ist von \u00fcberirdischem Lichtglanz umgeben, so dass sein Haupt und seine Haare schneewei\u00df gl\u00e4nzen und sein Antlitz wie die Sonne leuchtet, wenn sie auf der Mittagsh\u00f6he in voller Kraft erstrahlt. Wie Feuerflammen durchdringen seine leuchtenden Augen alles, so dass nichts vor ihnen verborgen bleibt. In seiner rechten Hand h\u00e4lt er sieben Sterne &#8211; eine Anspielung auf den r\u00f6mischen Kaiser, der sich auf M\u00fcnzen mit sieben Sternen in der Hand abbilden lie\u00df als Zeichen seiner unumschr\u00e4nkten Macht und Weltherrschaft. Ein scharfes, zweischneidiges Schwert geht aus seinem Mund. Sein g\u00f6ttliches Wort deckt alles auf und richtet Mensch und Welt.<\/p>\n<p>Diese Erscheinung Jesu in seiner ganzen \u00fcberirdischen Machtf\u00fclle und Herrlichkeit l\u00f6st bei Johannes tiefste Furcht und gr\u00f6\u00dftes Erschrecken aus. Vor der offenbaren Hoheit und Heiligkeit Gottes muss der Mensch in seiner Niedrigkeit und S\u00fcndhaftigkeit vergehen. So sinkt Johannes, davon \u00fcberw\u00e4ltigt, wie tot zu Boden. Die liebevolle Ber\u00fchrung durch den lebendigen Christus erweckt Johannes zu neuem Leben. Er h\u00f6rt, wie der Verherrlichte zu ihm vollm\u00e4chtig spricht: \u201eF\u00fcrchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schl\u00fcssel der H\u00f6lle und des Todes.\u201c<\/p>\n<p>Diese wunderbaren Worte voller Kraft und Trost und diese machtvolle himmlische Erscheinung &#8211; sie sind die un\u00fcberh\u00f6rbare und un\u00fcbersehbare Antwort des erh\u00f6hten Herrn Jesus Christus auf die Bedr\u00e4ngnis und Anfechtung des Johannes. Sie ist allen bedr\u00e4ngten und angefochtenen Gemeinden und Christen gegeben, und Johannes ist durch diese Erscheinung und Worte wie ein Prophet berufen, sie allen Betroffenen kundzutun, sie zu st\u00e4rken, zu ermutigen und zu tr\u00f6sten. Das hat er auch getan, indem er im Buch der Offenbarung all das festgehalten hat, was ihm an Visionen und Auditionen geschenkt wurde. Freilich, es ist eine verschl\u00fcsselte, heute sagt man: codierte Sprache in Bildern, die nur die Betroffenen und Eingeweihten verstanden, nicht aber die w\u00fctenden r\u00f6mischen Horcher, H\u00e4scher und Henker.<\/p>\n<p>Ihm, dem auferstandenen und erh\u00f6hten Herrn Jesus geh\u00f6rt alle Macht und Herrlichkeit und nicht dem r\u00f6mischen Imperator oder anderen, noch so m\u00e4chtigen irdischen Herrschern. M\u00f6gen sie sich noch so sehr als Gott geb\u00e4rden und verehren lassen und mit einer l\u00e4ssigen Handbewegung \u00fcber Tod und Leben ihrer Untergebenen entscheiden &#8211; vor Christi Machtf\u00fclle m\u00fcssen sie vergehen wie der Schnee in der Fr\u00fchlingssonne. Das letzte und entscheidende Wort \u00fcber Menschen und Welt hat er zu sprechen. Selbst der Tod, der letzte und m\u00e4chtigste Herrscher dieser Welt, hat seine Macht verloren. Christus hat ihn erlitten und &#8211; \u00fcberwunden durch seine Auferstehung zu neuem Leben und durch seine Erh\u00f6hung zur himmlischen Herrschaft und Herrlichkeit. Und dadurch, dass er selbst vom Tod zu neuem Leben erwecken wird. Als dieser ist er schon w\u00e4hrend seines irdischen Lebens bei seiner Verkl\u00e4rung vorwegnehmend und anbruchsweise offenbar geworden. Allen Grund hat von daher sein Aufruf und seine Zusage: F\u00fcrchte dich nicht!<\/p>\n<p>Eine wunderbare, eine ermutigende und tr\u00f6stliche Botschaft! Aber &#8211; k\u00f6nnen wir sie f\u00fcr uns so richtig nachvollziehen? Brauchen wir f\u00fcr unseren Glauben \u00fcberhaupt das Bild von dem strahlenden, alles \u00fcberwindenden himmlischen Christus? Wir werden wegen unseres Glaubens nicht verfolgt noch gar mit dem Tod bedroht. Wir m\u00fcssen uns nicht f\u00fcrchten vor irgendwelchen Gewaltherrschern mit Allmachtsanspr\u00fcchen, vor Diktatoren oder Tyrannen, vor totalit\u00e4ren Systemen.<\/p>\n<p>Und doch machen wir in unserem Alltag auch bedr\u00e4ngende und bedr\u00fcckende Erfahrungen. Wer sich zu Jesus \u00f6ffentlich bekennt, wird bel\u00e4chelt oder l\u00e4cherlich gemacht und als unzeitgem\u00e4\u00df, oft auch als intolerant abqualifiziert. In Kabaretts wird Jesus auf \u00fcbelste Weise verh\u00f6hnt &#8211; unter begeistertem Beifallsgel\u00e4chter der Anwesenden. Offiziell ist das nicht Verletzung der religi\u00f6sen Gef\u00fchle, sondern gilt als k\u00fcnstlerische Freiheit, durch Gesetz und Rechtsprechung gesch\u00fctzt\u2026 Als Bundespr\u00e4sident K\u00f6hler in seiner Festansprache zum Tag der deutschen Einheit seine christliche Grund\u00fcberzeugung zum Ausdruck brachte, meinte die Fernsehmoderatorin, das quasi entschuldigen zu m\u00fcssen, indem sie einleitend dazu sagte: \u201eEr tut das auf sehr pers\u00f6nliche Weise\u201c, also nicht etwa als oberster Repr\u00e4sentant unseres Staates.<\/p>\n<p>Gewaltherrschaft und politische Unterdr\u00fcckung gibt es in unserer Gesellschaft zwar nicht. Auch wegen des christlichen Glaubens nicht. Daf\u00fcr aber sind an ihre Stelle andere totalit\u00e4re M\u00e4chte getreten, die Welt und Menschen fest im Griff haben: die Wirtschaft und das Geld. Diese diktieren, was zu geschehen hat und was nicht. Sie entscheiden \u00fcber Wohl und Wehe der Menschen. Ihre Macht wird immer gr\u00f6\u00dfer und umfassender und hat viele politische, geografische, weltanschauliche und humanit\u00e4re Grenzen schon l\u00e4ngst \u00fcberschritten. Ihrer Macht sind wir auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Man kann beinahe von einer Allmacht sprechen, die sie inzwischen aus\u00fcben. Wo ist etwas von dieser Allmacht des erh\u00f6hten Christus zu sp\u00fcren?<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnten wir auch angesichts des weltweiten islamistischen Terrors fragen, dem wir uns ziemlich hilf- und wehrlos los ausgeliefert sehen. Dass wann und wo immer Anschl\u00e4ge stattfinden k\u00f6nnen und auch stattfinden und zig unschuldige Menschen wahllos in den Tod gerissen werden, erf\u00fcllt mit Furcht und Schrecken, mit Wut und Ohnmachtsgef\u00fchlen. Entf\u00fchrungen und grausame Hinrichtungen sind fast an der Tagesordnung.<\/p>\n<p>Und auch heute noch werden in manchen Teilen der Welt Christen ihres Glaubens wegen benachteiligt, verfolgt und sogar umgebracht. In vielen islamischen L\u00e4ndern d\u00fcrfen die Christen nicht \u00f6ffentlich in Erscheinung treten, sogar in der aufgekl\u00e4rten T\u00fcrkei nicht; in manchen L\u00e4ndern ist der christliche Glaube bei Strafe verboten. Im Sudan und in Indonesien werden Kirchen und Gemeindeh\u00e4user niedergebrannt und Gl\u00e4ubige zu Tausenden get\u00f6tet. Wer wei\u00df schon, dass weltweit allein im Jahr 2004 sage und schreibe rund 192.000 Christen ihres Glaubens wegen ermordet worden sind!? Doch das finden unsere Medien kaum der Erw\u00e4hnung wert. Und selbst sich als Christen ausgebende Politiker sehen keinen Handlungsbedarf, erst recht nicht die Menschenrechtler.<\/p>\n<p>Sicherlich werden viele dieser betroffenen Menschen nach der Macht ihres erh\u00f6hten Herrn fragen, warum er sie nur darum, weil sie an ihn glauben, verfolgen, leiden und sterben l\u00e4sst. Darum spricht dieses Bild des in himmlischer Glorie erscheinenden Christus in ganz anderer Weise zu diesen Menschen, die unsere Glaubensgeschwister sind, als zu uns. Es soll diesen Menschen Trost und Kraft und die Gewissheit geben, dass nicht ihre Verfolger, Peiniger und M\u00f6rder m\u00e4chtiger sind, \u00fcber ihre Opfer triumphieren und das letzte Wort behalten, sondern derjenige, der gekreuzigt wurde und zu neuem Leben erstanden ist, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist.<\/p>\n<p>So gesehen ist dieses Bild des erh\u00f6hten Herrn ein Bild der Hoffnung gegen allen Augenschein.<\/p>\n<p>Das alles k\u00f6nnte nun aber leicht nach Vertr\u00f6stung auf ein besseres Jenseits klingen, so wie man es den Christen nicht selten vorgeworfen hat. Doch unser Glaube erkennt in manchen geschichtlichen und gegenw\u00e4rtigen Ereignissen den lebendigen Christus in seiner g\u00f6ttlichen Macht schon in dieser Weltzeit am Werk. Zwei Beispiele, die f\u00fcr viele stehen, m\u00f6gen das belegen.<\/p>\n<p>Zum einen: Der bislang schlimmste B\u00f6rsencrash der Welt geschah am sogenannten \u201eSchwarzen Freitag\u201c, dem 25. Oktober 1929. Er bedeutete nichts weniger als den Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems und hatte die bislang gr\u00f6\u00dfte weltweite Rezession und Wirtschaftskrise zur Folge. Eine solche Relativierung des scheinbaren Allmachtsanspruches von Wirtschaft und Geld offenbart deren Anf\u00e4lligkeit und Grenzen.<\/p>\n<p>Zum anderen: Die Zeit liegt noch gar nicht so lange zur\u00fcck, wo es jenseits unserer Ostgrenzen totalit\u00e4re politische Systeme gab. Im Namen und unter Zuhilfenahme der kommunistischen Ideologie vertraten sie einen exklusiven Wahrheits-, Allmachts- und Heilsanspruch und setzten diesen gegen\u00fcber ihren B\u00fcrgern mit brutaler Gewalt und unvorstellbarem, nie aufh\u00f6rendem Terror durch. Manche diktatorischen Partei- und Staatsf\u00fchrer beanspruchten quasig\u00f6ttliche Verehrung und widerspruchlosen, blinden Gehorsam und betrieben in ihrem Gr\u00f6\u00dfenwahn einen bis ins Groteske reichenden Personenkult. Besonders verfolgt wurden Kirchen und Christen, weil sich Partei und Staatsf\u00fchrung in deren Bekenntnis zu Christus als dem einen Herrn besonders bedroht und ihren exklusiven Wahrheitsanspruch relativiert sahen. Trotz aller beinahe die Perfektion erreichenden Absicherungen und Schutzmechanismen sind diese Systeme innerhalb k\u00fcrzester Zeit wie Spreu hinweggefegt worden. F\u00fcr mich ist das ein \u00fcberw\u00e4ltigender Erweis des machtvollen Eingreifens und Wirkens des lebendigen Herrn Jesus Christus, zumal wenn ich an die vielen Gottesdienste und Friedensgebete denke, die diesen wahrhaft geschichtlichen Ereignissen vorangegangen waren und sie &#8211; so glaube ich &#8211; auch herbeigef\u00fchrt hatten.<\/p>\n<p>Solche Erfahrungen k\u00f6nnen uns in der Zuversicht best\u00e4rken, dass wir nicht den Zw\u00e4ngen und der Gewalt von Politik, Wirtschaft und Geld, des Hohns und des Hasses auf Jesus Christus und auf uns, die sich zu ihm bekennen, ohnm\u00e4chtig preisgegeben sind, sondern dass sich unser Herr als m\u00e4chtiger erweisen wird und sie vor seiner Herrlichkeit vergehen m\u00fcssen. Gustav Heinemann hat gesagt: \u201eDie Herren dieser Welt kommen und gehen &#8211; unser Herr kommt.\u201c<\/p>\n<p>Das erspart uns nicht Fragen und Tr\u00e4nen, Leiden und Anfechtung, vielleicht sogar auch Tod und Trauer, f\u00fchrt aber durch sie hindurch zur Zuversicht und zu dem neuen Leben, das Christus ist und das er schenkt.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Liedvorschlag: EG 123 Jesus Christus herrscht als K\u00f6nig<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Berthold K\u00f6ber, K\u00f6ln<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:bwkoeber@hotmail.com\">bwkoeber@hotmail.com<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias, 5. 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