{"id":10992,"date":"2021-02-07T19:49:08","date_gmt":"2021-02-07T19:49:08","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10992"},"modified":"2023-01-31T12:01:43","modified_gmt":"2023-01-31T11:01:43","slug":"2-korinther-11-18-23b-30-12-1-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-11-18-23b-30-12-1-10\/","title":{"rendered":"2. Korinther 11, 18.23b-30; 12, 1-10"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Sexagesimae, 19. Februar 2006<br \/>\nPredigt zu 2. Korinther 11, 18.23b-30; 12, 1-10, verfasst von Christian-Erdmann Schott<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Liebe Gemeinde! Unser heutiger Predigtabschnitt ist Teil einer Antwort des Apostels Paulus auf eine kritische Situation in der noch jungen Gemeinde in Korinth. Da waren Leute in die Gemeinde eingedrungen und hatten mehr oder weniger offen gegen den Apostel Stimmung gemacht. Sie stellten auf der einen Seite sich selbst heraus und r\u00fchmten sich ihrer geistlichen F\u00e4higkeiten, wahrscheinlich auch geheimer Offenbarungen, und setzten gleichzeitig und auf der anderen Seite den Apostel, den Gr\u00fcnder der Gemeinde, herab. Sie streuten Zweifel aus, ob Paulus denn \u00fcberhaupt ein echter Apostel ist. Dabei konnten sie sich immerhin auf die Tatsache berufen, dass Paulus \u2013 urspr\u00fcnglich ja Saulus \u2013 kein J\u00fcnger des irdischen Jesus gewesen ist, sondern in einer Sonderoffenbarung, damals vor Damaskus, zum Apostel des Auferstandenen berufen worden ist. F\u00fcr Leute, die ihm nicht wohl gesonnen war, war das ein Einfallstor f\u00fcr Zweifel an seiner Autorit\u00e4t.<br \/>\nUnser Predigttext nun ist ein Teil der Antwort des Apostels auf diese Umtriebe und auf die Vorw\u00fcrfe. Ich lese: II. Kor. 11, 18. 23b \u2013 30; 12, 1-10<\/p>\n<p>Diese Antwort besteht aus zwei Grundgedanken, die so gegens\u00e4tzlich sind, dass sie sich fast auszuschlie\u00dfen scheinen:<\/p>\n<p>I. Zum einen n\u00e4mlich sagt Paulus: Wenn sich diese eingedrungenen Apostel oder Propheten im Blick auf das, was sie k\u00f6nnen, tun und leisten, r\u00fchmen, dann kann ich mich noch viel mehr r\u00fchmen. Mit Sicherheit haben sie nicht den Einsatz und die Hingabe vorzuweisen, auf die ich verweisen kann. Und wenn sie sich au\u00dferdem noch auf besondere Offenbarungen, Auditionen oder Visionen berufen und damit Eindruck machen, dann kann ich das noch viel mehr. Denn ich bin sogar bis in den dritten Himmel entr\u00fcckt gewesen und habe sogar in einer Vision das Paradies geschaut.<br \/>\nDas hei\u00dft: Der Apostel bringt alles, was Eindruck machen k\u00f6nnte, vor und trumpft so richtig auf.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnen wir gut verstehen. Wenn man uns angreift, machen wir es genau so. Denken Sie nur an Auseinandersetzungen in der Familie oder in einem Verein, wenn einem Mitglied vorgeworfen wird, dass es zu wenig f\u00fcr das Ganze tut, &#8211; und es nicht stimmt &#8211; , dann trumpfen wir auch auf, z\u00e4hlen auf und rechnen vor, was wir getan haben und lassen uns das nicht gefallen. Personen, die in der \u00d6ffentlichkeit stehen, machen es nicht anders. Der Unterton ist dann nat\u00fcrlich immer der, wie bei jeder Prozessrede: Glaubt mir, best\u00e4tigt mich, w\u00e4hlt mich \u2013 und nicht den anderen. In diesem Sinn tut Paulus hier etwas ganz menschlich-\u00fcbliches. Er h\u00e4lt eine Ruhmrede, er betreibt Selbstdarstellung \u2013 und das mit guten Fakten. Denn er hat ja nun wirklich etwas vorzuweisen.<\/p>\n<p>II. Aber dann geschieht das Merkw\u00fcrdige, dass er fast gleichzeitig das genaue Gegenteil sagt: Ich finde das alles gar nicht so wichtig. Ich r\u00fchme mich zwar, weil ich in diese Situation gedr\u00e4ngt worden bin, aber ihr solltet mich trotzdem nicht nach diesen meinen Leistungen beurteilen. Denn viel wichtiger als mein Einsatz sind mir die Tage und Stunden, wo ich keine gute Figur gemacht, ja wo ich versagt habe, wo ich schwach war \u2013 beispielsweise in Tagen, an denen ich meine Anf\u00e4lle hatte.<br \/>\nAn etwas Derartiges ist wahrscheinlich bei dem \u201ePfahl im Fleisch\u201c zu denken. Viele Ausleger meinen, dass Paulus Epileptiker war, eine Krankheit, die Christus nicht von ihm genommen hat, obwohl er ihn darum bat. Denn \u2013 so geht die Argumentation des Apostels weiter &#8211; in Tagen der Schw\u00e4che habe ich etwas erfahren, was ich in guten und starken Tagen nie erfahren h\u00e4tte: Die Hilfe und den Beistand, ja die Gnade Jesu Christi. Ich habe, meint Paulus, erfahren, dass der Herr mich dann nicht, wie es in der Regel die Menschen tun, fallen gelassen hat. Er hat mir vielmehr beigestanden. Er hat mich durch sein Wort, durch seine Gegenwart, durch seinen Geist gest\u00e4rkt. Er hat mir gesagt: \u201eLass dir an meiner Gnade gen\u00fcgen: denn meine Kraft ist in den Schwachen m\u00e4chtig\u201c (12,9).<br \/>\nDiese Gnade, diese Kraft in der Schw\u00e4che, diesen g\u00f6ttlichen Beistand in der Not, das ist es, was ich eigentlich r\u00fchmen m\u00f6chte, \u2013 also nicht mich, wo ich stark war, sondern ihn und wo ich durch ihn stark gemacht worden bin.<\/p>\n<p>Ich denke, auch das k\u00f6nnen wir nachvollziehen. Ich kenne viele Menschen, und geh\u00f6re selbst zu ihnen, die erfahren haben, was es hei\u00dft schwach zu sein. \u2013 krank, verlassen, mutlos, am Ende \u2013 und dann zu erleben, wie wir durch das Gebet oder einen guten Zuspruch oder eine gute Erinnerung oder einen Gesangbuchvers oder ein Bibelwort wieder Kraft gewinnen, aufstehen und weitermachen k\u00f6nnen. Von solchen Erlebnissen habe ich schon oft von Menschen auch in unserer Gemeinde geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Und so wie Paulus neigen wir dann sogar ein bisschen dazu, die Not noch zu vergr\u00f6\u00dfern und im wahren Sinn des Wortes unsere Schwachheit zu r\u00fchmen und vielleicht zu sagen: \u201eSie glauben ja gar nicht, wie elend ich damals gewesen bin und wie wenig Hoffnung ich \u00fcberhaupt noch hatte, aber dann kam durch den Glauben Hilfe und Rettung, an die ich heute noch dankbar denke\u201c Viele erz\u00e4hlen solche Geschichten immer wieder, manchmal sogar mit den gleichen Worten, weil es ihnen ein Bed\u00fcrfnis ist, zu danken und Gott zu loben und zu r\u00fchmen.<\/p>\n<p>Nun, liebe Gemeinde, haben wir die beiden Gedanken geh\u00f6rt, die Paulus hier vorgebracht hat \u2013 Selbstruhm und Gottesruhm. Die Frage stellt sich: Wenn wir die Leute in Korinth w\u00e4ren und w\u00fcrden nun in der Gemeindeversammlung diesen Brief vorgelesen bekommen \u2013 was w\u00fcrden wir sagen? W\u00fcrden wir die eingedrungenen verleumderischen Apostel und Propheten wegjagen? W\u00fcrde es uns leid tun, dass wir sie \u00fcberhaupt angeh\u00f6rt haben? Die Antwort der Korinther ist nicht bekannt. Sie ist auch nicht so wichtig. Entscheidend ist, was f\u00fcr uns aus dieser Rede des Apostels Paulus bleibend wichtig sein k\u00f6nnte. Ich denke dieses:<\/p>\n<p>&#8211; Es kann im Leben Situationen geben, wo man sich nur auf die erste Art verteidigen kann. Wenn man sich nichts vorzuwerfen hat, dann soll man auch das, was man getan hat, herausstellen. Nicht jedes Gremium in der Welt ist in der Lage, den zweiten Gedanken (des Paulus) zu verstehen und zu w\u00fcrdigen. Darum sollte man ihn auch nicht erw\u00e4hnen \u2013 entsprechend dem Satz aus Matth\u00e4us 7,6: \u201eEure Perlen sollt ihr nicht vor die S\u00e4ue werfen\u201c.<\/p>\n<p>&#8211; Menschen gegen\u00fcber, die in der Lage sind, zu w\u00fcrdigen, wenn wir auch von eigenen N\u00f6ten, Schwierigkeiten, Schw\u00e4chen sprechen und zugleich \u2013 nicht penetrant &#8211; Gott die Ehre geben, k\u00f6nnen und sollten wir das unbedingt tun. Das kann dazu f\u00fchren, dass wir sie gewinnen. Man kann das ja an sich selbst beobachten: Wer immer nur Gutes zu berichten wei\u00df und sich ruhmvoll herausstreicht, wird auf die Dauer unangenehm und unglaubw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>&#8211; Es f\u00e4llt auf, dass dieser Abschnitt f\u00fcr den Sonntag Sexagesimae, zweiter Sonntag der Vorpassionszeit, bestimmt ist. Alle Predigttexte dieses Sonntages handeln von der Ausbreitung des Wortes Gottes, von der Mission. Hier, durch diese Stelle, wird deutlich, dass die Verk\u00fcndigung nicht nur durch \u00f6ffentliche Predigten und Verlautbarungen geschehen kann, sondern auch durch den pers\u00f6nlichen Einsatz. Paulus ist pers\u00f6nlich angegriffen, aber er verliert auch in seiner Verteidigung seinen Auftrag \u2013 das Evangelium zu verbreiten \u2013 nicht aus den Augen. Auch in dieser pers\u00f6nlich schwierigen Situation verk\u00fcndigt er nicht sich selbst, sondern allein die Gnade Gottes.<\/p>\n<p>Damit geht von dem heutigen Sonntag ein Impuls aus, den wir immer wieder brauchen: Geben wir Gott die Ehre! Danken wir ihm und loben wir ihn! Dann wird auch unser Leben und dann werden auch unsere pers\u00f6nlichen Geschichten das werden, was sie beim Apostel Paulus geworden sind: Ein Beitrag zur Mission. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Christian-Erdmann Schott<br \/>\nPfarrer em.<br \/>\nMainz-Gonsenheim<br \/>\n<a href=\"mailto:ce.schott@surfeu.de\">ce.schott@surfeu.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexagesimae, 19. Februar 2006 Predigt zu 2. Korinther 11, 18.23b-30; 12, 1-10, verfasst von Christian-Erdmann Schott Liebe Gemeinde! Unser heutiger Predigtabschnitt ist Teil einer Antwort des Apostels Paulus auf eine kritische Situation in der noch jungen Gemeinde in Korinth. Da waren Leute in die Gemeinde eingedrungen und hatten mehr oder weniger offen gegen den Apostel [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5538,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43,1,727,853,114,1163,349,3,109,671],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-10992","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-2-korinther","category-aktuelle","category-archiv","category-bibel","category-deut","category-kapitel-11-chapter-11-2-korinther","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-sexagesimae"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10992","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10992"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10992\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16254,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10992\/revisions\/16254"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5538"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10992"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10992"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10992"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=10992"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=10992"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=10992"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=10992"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}