{"id":10998,"date":"2021-02-07T19:49:01","date_gmt":"2021-02-07T19:49:01","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=10998"},"modified":"2023-02-06T14:44:23","modified_gmt":"2023-02-06T13:44:23","slug":"2-korinther-11-18-23b-30-12-1-10-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-11-18-23b-30-12-1-10-2\/","title":{"rendered":"2. Korinther 11, 18.23b-30; 12, 1-10"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Sexagesimae, 19. Februar 2006<br \/>\nPredigt zu 2. Korinther 11, 18.23b-30; 12, 1-10, verfasst von Johannes Neukirch <\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>&#8222;Da viele sich r\u00fchmen nach dem Fleisch, will ich mich auch r\u00fchmen. Ich habe mehr gearbeitet, ich bin \u00f6fter gefangen gewesen, ich habe mehr Schl\u00e4ge erlitten, ich bin oft in Todesn\u00f6ten gewesen. Von den Juden habe ich f\u00fcnfmal erhalten vierzig Gei\u00dfelhiebe weniger einen; ich bin dreimal mit St\u00f6cken geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer. Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch Fl\u00fcsse, in Gefahr unter R\u00e4ubern, in Gefahr unter Juden, in Gefahr unter Heiden, in Gefahr in St\u00e4dten, in Gefahr in W\u00fcsten, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter falschen Br\u00fcdern; in M\u00fche und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Bl\u00f6\u00dfe; und au\u00dfer all dem noch das, was t\u00e4glich auf mich einst\u00fcrmt, und die Sorge f\u00fcr alle Gemeinden. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird zu Fall gebracht, und ich brenne nicht? Wenn ich mich denn r\u00fchmen soll, will ich mich meiner Schwachheit r\u00fchmen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ger\u00fchmt muss werden; wenn es auch nichts n\u00fctzt, so will ich doch kommen auf die Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christus; vor vierzehn Jahren &#8211; ist er im Leib gewesen? Ich wei\u00df es nicht; oder ist er au\u00dfer dem Leib gewesen? Ich wei\u00df es auch nicht; Gott wei\u00df es -, da wurde derselbe entr\u00fcckt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselben Menschen &#8211; ob er im Leib oder au\u00dfer dem Leib gewesen ist, wei\u00df ich nicht; Gott wei\u00df es -, der wurde entr\u00fcckt in das Paradies und h\u00f6rte unaussprechliche Worte, die kein Mensch sagen kann. F\u00fcr denselben will ich mich r\u00fchmen; f\u00fcr mich selbst aber will ich mich nicht r\u00fchmen, au\u00dfer meiner Schwachheit. Und wenn ich mich r\u00fchmen wollte, w\u00e4re ich nicht t\u00f6richt; denn ich w\u00fcrde die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber dessen, damit nicht jemand mich h\u00f6her achte, als er an mir sieht oder von mir h\u00f6rt. Und damit ich mich wegen der hohen Offenbarungen nicht \u00fcberhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, n\u00e4mlich des Satans Engel, der mich mit F\u00e4usten schlagen soll, damit ich mich nicht \u00fcberhebe. Seinetwegen habe ich dreimal zum Herrn gefleht, dass er von mir weiche. Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade gen\u00fcgen; denn meine Kraft ist in den Schwachen m\u00e4chtig. Darum will ich mich am allerliebsten r\u00fchmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in N\u00f6ten, in Verfolgungen und \u00c4ngsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Gold, Silber, Bronze \u2013 das sind zur Zeit die Zauberworte bei der Winterolympiade in Turin. Auch wenn Sie sich nicht f\u00fcr Sport interessieren: es lohnt sich, diesen Jubel der Siegerinnen und Sieger anzuschauen. Diese Freude, diese Begeisterung: Ich bin Olympiasieger! Ich bin die Schnellste, die Tollste, die Beste. Und dann diese erhebenden Momente bei der Siegerehrung. Wenn die Medaillen umgeh\u00e4ngt, die Fahnen hochgezogen und die Nationalhymnen gespielt werden. Das muss schon toll sein.<\/p>\n<p>Diejenigen, die dann auf dem Treppchen stehen, sagen sich: endlich bin ich f\u00fcr all die M\u00fchen und Qualen und das jahrelange Training belohnt worden! Und sie sagen das ja auch zu recht. Die anderen, die nicht da oben stehen, haben sich zwar auch abgequ\u00e4lt, m\u00fcssen sich aber mit dem Spruch zufrieden geben: Dabei sein ist alles.<\/p>\n<p>Wenn wir eine Gold-Medaille vergeben k\u00f6nnten f\u00fcr missionarische Leistung, f\u00fcr die beste Verbreitung des christlichen Glaubens, dann w\u00fcssten wir, mindestens aus heutiger Sicht, wem die geh\u00f6rt: Paulus. Er hat mehrere beschwerliche Missionsreisen im \u00f6stlichen Mittelmeerraum unternommen, er hat eine Reihe von Gemeinden gegr\u00fcndet und Briefe verfasst, die f\u00fcr unseren Glauben bis heute unverzichtbar sind. Von gro\u00dfem Jubel und von gro\u00dfer Freude \u00fcber die Erfolge merken wir bei dem, was er hier schreibt, allerdings wenig. Vom Ruhm ist hier allerdings die Rede, aber auch nicht so, wie wir das gewohnt sind: Ger\u00fchmt muss werden; wenn es auch nichts n\u00fctzt, sagt Paulus. Was war da los?<\/p>\n<p>Um eine Gold-Medaille zu bekommen, muss man einen Wettkampf gewinnen. Gab es einen missionarischen Wettkampf \u2013 wer ist der beste Missionar, wer macht die weiteste Missionsreise, wer hat den st\u00e4rksten Glauben?<\/p>\n<p>Ja, diesen Wettkampf gab es offensichtlich. Jedenfalls musste Paulus st\u00e4ndig um seine Anerkennung und Glaubw\u00fcrdigkeit k\u00e4mpfen. In der Gemeinde in Korinth, die Paulus selbst gegr\u00fcndet hatte, gab es Leute, die gegen ihn Stimmung machten und Ger\u00fcchte streuten. Paulus war ja keiner von den J\u00fcngern, die mit Jesus umhergezogen sind. Er ist erst sp\u00e4ter bekehrt worden und ist Jesus wohl nie begegnet. Deshalb tauchte die Frage auf, ob Paulus denn wirklich ein echter Apostel sei, so einer wie die, die selbst dabei gewesen waren, als Jesus lehrte und wirkte. Und diese Leute stellten die Frage: woher wei\u00df denn Paulus das, was er sagt und schreibt? Wer hat ihm das geoffenbart, wer hat ihm dies also mitgeteilt? Sie selbst berufen sich auf ihre Offenbarungen. Angeblich hat Gott sie besondere Dinge sehen lassen und sie besondere Worte h\u00f6ren lassen.<\/p>\n<p>In diesem Wettkampf, was bleibt ihm anderes \u00fcbrig, f\u00fchrt Paulus nun alles an, was er zu bieten hat, auch wenn das, was er zu bieten hat, ungew\u00f6hnlich ist: er ist gefangen gewesen, hat Schl\u00e4ge bekommen, Schiffbruch erlitten usw. usf. Daf\u00fcr, sagt er, will er sich r\u00fchmen. Zweitens f\u00fchrt er an, dass auch er Offenbarungen und Erscheinungen gehabt hat. Er hat das Paradies gesehen, schreibt er, und er hat \u201eunaussprechliche Worte\u201c dort geh\u00f6rt, die \u201ekein Mensch sagen kann\u201c. Dann aber sagt er sofort wieder, dass er auf diese Offenbarungen gar keinen besonderen Wert legt, dass er sich daf\u00fcr eigentlich nicht r\u00fchmen will.<\/p>\n<p>Und er kommt dann auf den \u201ePfahl in seinem Fleische\u201c zu sprechen. Er muss irgendeine schlimme Krankheit gehabt haben, vielleicht Epilepsie. Offensichtlich hat er immer wieder darum gebetet, dass Gott ihn heilen soll, aber ohne Erfolg. Er selbst sieht das nun als Zeichen daf\u00fcr, dass er nicht \u00fcberheblich werden solle. Seine Gegner haben das als Zeichen daf\u00fcr gesehen, dass Gott ihm ganz offensichtlich nicht wohlgesonnen ist.<\/p>\n<p>So stehen wir also vor der Frage, liebe Gemeinde, wie es dazu kommen konnte, dass Paulus \u00fcber die Jahrhunderte hinweg so wichtig f\u00fcr uns Christinnen und Christen geworden und geblieben ist. Was hat ihn ber\u00fchmt gemacht? Ein Mann, der krank war, der verfolgt wurde, der im Gef\u00e4ngnis sa\u00df, dem das Schicksal offensichtlich nicht wohlgesonnen war, der angefeindet wurde, dessen Predigten oft langweilig waren (ja, das steht auch in der Bibel), dessen Gebete nicht erh\u00f6rt wurden.<\/p>\n<p>Es gibt eine entscheidende Disziplin, in der er gewonnen hat, das ist die Glaubw\u00fcrdigkeit. Paulus und seine Briefe sind glaub-w\u00fcrdig, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir k\u00f6nnen ihm und seinen Gedanken und Erfahrungen vertrauen. Wir merken, dass wir bis heute und in Zukunft darauf bauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Grund daf\u00fcr liegt gerade in der pers\u00f6nlichen Schwachheit des Paulus. Er l\u00e4sst sich nicht durch sich selbst, durch seine frommen Leistungen, durch seine tollen Gedanken und was auch immer verf\u00fchren. Er hat nur das eine Ziel: Christus soll in ihm gro\u00df und stark werden. Wir k\u00f6nnen auch sagen: Die Liebe Christi soll in ihm gro\u00df und stark werden. Und Paulus demonstriert das an seiner eigenen Person. Er sagt das nicht nur, er hat selbst erlebt, wie Christus und seine Liebe in ihm stark geworden sind.<\/p>\n<p>Und das will er seinen Schwestern und Br\u00fcdern in Korinth genau so wie uns weitergeben: Lasst euch auf Christus ein, damit seine Liebe in euch wirkt. Wenn ihr auf euch selbst und eure Leistungen schaut, kommt ihr nicht weit. Als er, Paulus, pers\u00f6nlich eine Niederlage erf\u00e4hrt, weil Gott seine Gebete um Heilung nicht erh\u00f6rt, da sagt Gott zu ihm: \u201eLass dir an meiner Gnade gen\u00fcgen; denn meine Kraft ist in den Schwachen m\u00e4chtig.\u201c<\/p>\n<p>Dieser Satz, liebe Gemeinde, \u00f6ffnet uns die T\u00fcr zum Glauben. Glauben ist kein Leistungssport. Glauben bedeutet, dass ich Christus in mir wirken lasse. Das ist nicht meine Leistung, und trotzdem werde ich stark dabei. \u201eDarum\u201c, schreibt Paulus, \u201ewill ich mich am allerliebsten r\u00fchmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne.\u201c<\/p>\n<p>Die Missions-Medaille des Paulus ist also genauer betrachtet die Goldmedaille der Glaubw\u00fcrdigkeit. An sich selber, an seinem Leben zeigt er, dass Gott uns gn\u00e4dig ist, auch wenn man das von au\u00dfen gesehen \u00fcberhaupt nicht sehen kann. Nicht wir steigen auf das Siegertreppchen des Lebens: Gott stellt uns dort hin!<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde \u2013 es muss ja nicht immer so dramatisch zugehen wie bei Paulus. Auch ohne Verfolgung und Gef\u00e4ngnis wissen wir, was Schwachheit ist. Da ist es gut zu sp\u00fcren, dass Gott uns gerade dann tr\u00f6sten und st\u00e4rken will. Lassen wir uns das doch einfach so sagen, wie es sich Paulus an seinen dunkelsten Tagen hat sagen lassen: \u201eLass dir an meiner Gnade gen\u00fcgen; denn meine Kraft ist in den Schwachen m\u00e4chtig.\u201c Ich w\u00fcnsche uns, dass wir dann auch seine Erfahrung machen und wieder Mut fassen und mit einstimmen: \u201ewenn ich schwach bin, so bin ich stark.\u201c<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong>Dr. Johannes Neukirch, Hannover<br \/>\n<a href=\"mailto:Johannes.Neukirch@evlka.de\">Johannes.Neukirch@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexagesimae, 19. Februar 2006 Predigt zu 2. 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