{"id":11030,"date":"2021-02-07T19:49:06","date_gmt":"2021-02-07T19:49:06","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11030"},"modified":"2023-02-03T09:32:50","modified_gmt":"2023-02-03T08:32:50","slug":"1-petrus-1-13-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-1-13-21\/","title":{"rendered":"1. Petrus 1, 13-21"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Okuli, 19. M\u00e4rz 2006<br \/>\nPredigt zu 1. Petrus 1, 13-21, verfasst von Ralf Hoburg <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"center\"><strong>Mit N\u00fcchternheit die Zukunft im Blick<\/strong><\/p>\n<p>Hin und wieder mache ich mich auf die Suche nach guten B\u00fcchern f\u00fcr die Lekt\u00fcre zwischendurch. Nichts theologisches \u2013 am besten Spannung mit Tiefgang, wobei ich nicht auf Krimis fixiert bin. Und auf den unendlich verwirrenden Etagen dieser Mega-Buchl\u00e4den gerate ich mit sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit in die Abgr\u00fcnde des Buchgesch\u00e4ftes. W\u00e4hrend mein Sinn nach leichter guter Literatur Ausschau h\u00e4lt, verf\u00e4ngt sich der Blick im Gewimmel der Ratgeber-Literatur. Es w\u00e4re nun ein leichtes, bereits Hohn und Spott \u00fcber die Titel-Plattit\u00fcden dieser Literaturgattung auszugie\u00dfen. Aber eine Predigt ist keine Literaturkritik und wir sitzen hier nicht im Literarischen Quartett. Vor allem aber g\u00e4be es nicht den Markterfolg, wenn sich dahinter nicht etwas verbergen w\u00fcrde. Was mir deshalb nicht aus dem Kopf geht ist die Frage, warum inmitten aller aufgekl\u00e4rt scheinenden Informationsgesellschaft diese offene Sehnsucht nach klaren Konzepten einer Lebensf\u00fchrung existiert? Was ist los in einer Gesellschaft, in der der gesunde Menschenverstand, die Intuition oder das blo\u00dfe Erfahrungswissen von Oma und Opa ersetzt werden durch die Kunstprodukte einer sch\u00f6ngef\u00e4rbten und weichgesp\u00fclten platten Lebensphilosophie?<\/p>\n<p>Bei all diesen Techniken und Methoden, die mir die Ratgeber im B\u00fccherregal empfehlen, f\u00fcrchte ich mich inzwischen davor, ganz unbefangen Ich selbst zu sein, um nicht mit meinen 46 Lebensjahren als Relikt einer hoffnungslos veralteten Lebensauffassung zu gelten. Und es f\u00e4llt mir auf, dass Ratgeber zur Kommunikation und Gespr\u00e4chsf\u00fchrung heute sehr hoch im Kurs stehen. Es sind wohl Anzeichen einer mangelnden Gespr\u00e4chsf\u00e4higkeit. Wer aber nicht mehr miteinander reden kann, dem f\u00e4llt es auch schwerer, dem Leben einen Sinn zu geben. Liegt es also auch an der Unf\u00e4higkeit, zu reden und zu h\u00f6ren, dass Lebensf\u00fchrung das Thema der Zeit ist? Vielleicht ist die m\u00fcndig gewordene Gesellschaft ihrer Freiheit \u00fcberdr\u00fcssig geworden oder vielleicht \u00fcberfordert die Freiheit, sich das je eigene und individuelle Lebenskonzept zu gestalten, die meisten Menschen unserer Zeit? Es scheint sich ja anzudeuten, dass klare Ideologien \u2013 religi\u00f6se und politische \u2013 wieder auf dem Vormarsch sind. Diese Entwicklung macht mir nicht weniger Angst als der Verlust meiner Sorglosigkeit im Kontakt mit einer sprachunf\u00e4higer werdenden mitmenschlichen Umwelt, denen auf der Suche nach dem Lebenssinn die Puste auszugehen droht.<\/p>\n<p>Wenn ich vor diesem Hintergrund einer offenkundigen Sehnsucht nach den richtigen Lebensrezepten und einer Orientierung f\u00fcr das gelingende Leben den Predigttext aus dem 1. Petrusbrief lese, dann f\u00e4llt mir nat\u00fcrlich sofort der vormoderne patriachalische Duktus auf, der in sich schon den totalen Gegenentwurf der heutigen Lebensphilosophie bildet. Hier gibt es im Text die Rede vom Gehorsam und auch wenn der Ton dieser Verse f\u00fcr heutige Ohren fremd und barsch klingt und den Gl\u00e4ubigen fast ein autorit\u00e4res Zwangskorsett auferlegt, kann ich meine heimliche Sympathie zu der Strenge dieser Verse, die tief verborgen etwas sorgenvoll bem\u00fchtes in sich tragen, nicht ganz verhehlen. Gleichzeitig kommt hier von der Sache her ein Freiheits- und Gleichheitsbegriff zur Sprache, der weit tiefer dringt als die nur scheinbar offene Loyalit\u00e4t aller traurigen Gl\u00fcckritter auf der Suche nach dem \u201eSuperstar\u201c. Und f\u00fcr mich steht fest, dass in diesen Versen mehr Lebensorientierung stecken kann als in allen Regalen der Ratgeberliteratur. Bei alledem entspricht die Forderung nach N\u00fcchternheit einer christlichen Lebensf\u00fchrung gleichzeitig auch dem Wunsch einer n\u00fcchternen Bestandsaufnahme. Mit diesem sperrigen Text wird die Passionszeit dann gleich in mehrfacher Hinsicht zu einer Zeit n\u00fcchterner Analyse und Bestandsaufnahme in Bezug auf die Welt, den Glauben und die Zukunft. Gleichzeitig tr\u00e4gt dieser konservative Text im Dualismus zwischen N\u00fcchternheit und heiligem Wandel den Keim der Hoffnung in sich, der sich allein auf die Offenbarung Jesu Christi st\u00fctzen kann und weist damit auf Ostern hin.<\/p>\n<p align=\"center\">I)<\/p>\n<p>Manche Buchtitel aus den vergangenen Monaten lassen anklingen, was nicht weniger der Text des Petrusbriefes in der Sprache eines antik wirkenden und zugleich im Stil moralisierenden Pathos\u2019 schreibt: \u201eBleibt nicht bei dem, was vormals war, da ihr in Unwissenheit nach den L\u00fcsten lebtet.\u201c (V. 14) Was in biblischer Zeit als Par\u00e4nese im Hintergrund einer Heilsvergewisserung an die Adresse der am Ende des 1. Jahrhunderts in der Minderheit und Verfolgungssituation lebenden Gemeinde gerichtet war, hei\u00dft bezogen auf uns alle in heutiger gesellschaftsanalytischer Sprache, dass die Spa\u00dfgesellschaft vorbei ist. Die beg\u00fcrteten Lenden des Gem\u00fctes bedeuten hierbei eine gesteigerte Form von Ernsthaftigkeit. N\u00fcchtern sein hei\u00dft doch eine ungetr\u00fcbte und besonnene Aufmerksamkeit haben. Im biblischen Zusammenhang begegnen Wachsamkeit und N\u00fcchternheit darum als Haltungen \u2013 so schreibt es ein Textausleger \u2013 der Gerichtspar\u00e4nese etwa bei 1. Thess. 5,6. Aber auch in der Passionszeit hat die N\u00fcchternheit einen analytischen oder besser katalytischen und reinigenden Sinn. In der Konzentration auf das Wesentliche sch\u00e4rft sich der Blick und in der Beschr\u00e4nkung des Fastens, wie sie jetzt in der Passionszeit wieder von vielen Menschen entdeckt wird, gelangt der Mensch zu eigener innerer Klarheit und geistiger Orientierung. Die Faszination, die der Fastengedanke heute aus\u00fcbt, k\u00f6nnte in dieser Konzentration auf das Wesentliche jenseits aller Zerstreuung gesehen werden.<\/p>\n<p>Aber die N\u00fcchternheit ist dar\u00fcber hinaus heute auch im gesellschaftlichen Gespr\u00e4ch zu merken. Die Sehnsucht auf das Wesentliche hei\u00dft dann auch das Zur\u00fcck auf eine vertiefte Inhaltlichkeit, die allen Analysen durchaus anzumerken ist. Damit ist eine Trendwende eingeleitet. Die Analyse, dass die Wohlstandsschraube sich nicht mehr vorw\u00e4rts, sondern eher r\u00fcckw\u00e4rts dreht, sickert kommunikativ t\u00e4glich durch die pluriforme Gagaphonie aller Fernsehtalkshows. \u201eBeg\u00fcrtet die Lenden eures Gem\u00fctes, seid n\u00fcchtern\u201c (V. 13) k\u00f6nnte auch die Zusammenfassung der Analyse s\u00e4mtlicher Wirtschaftsinstitute, Weihnachts- und Sonntagsreden von Soziologen und Politikern lauten, durch die wir in aller N\u00fcchternheit mit der Wahrheit des gegenw\u00e4rtigen gesellschaftlichen Zustandes konfrontiert werden. Der seit 1945 erreichte Wohlstand und die Lebensstandards einer Vollversorgung im Wohlfahrtsstaat sind auf Dauer nicht mehr auf dem gleichen Niveau haltbar. In der Tat ist die Politik seit geraumer Zeit dabei, n\u00fcchtern diese Wahrheit zu kommunizieren. Es wird ein anderer Wandel propagiert. Der Predigttext sagt es n\u00fcchterner: \u201eBleibt nicht bei dem, was vormals war, da ihr in Unwissenheit nach den L\u00fcsten lebtet.\u201c (V. 14) Diese Warnung und Mahnung betrifft zun\u00e4chst und zuallererst die Glaubenden. Aber sie richtet sich auch an die Welt, d.h. an die Gesellschaft. Was bedeutet nun aber in diesem Kontext \u201eL\u00fcste\u201c? Es w\u00e4re zu kurz gegriffen, wollte man hierbei lediglich an sexuelle Ausschweifungen denken. Vielmehr hei\u00dft es, dass nunmehr das schwelgende Leben im naiven und ungebrochenen Aussch\u00f6pfen aller M\u00f6glichkeiten vorbei ist. Die Unwissenheit ist zu Ende und damit ist das Ende der Naivit\u00e4t gekommen. Wir sp\u00fcren alle miteinander im Alltagsleben, was das hei\u00dft. Die Renten sinken in den kommenden Jahren und die Modelle einer weitgehend privaten Vorsorge haben sich durchgesetzt. Damit wachsen die sozialen Unterschiede und ist Armut keine Randerscheinung mehr. Die \u00f6kologischen Ressourcen sind begrenzt und die sich h\u00e4ufenden Naturkatastrophen und sich in Windeseile \u00fcbertragenden Seuchen machen klar, dass alles menschliche Leben am seidenen Faden eines intakten \u00f6kologischen Umfeldes h\u00e4ngt.<\/p>\n<p>In der Beschreibung dieser Situation wird indessen auch klar, dass die Herausforderungen und Anforderungen gegenw\u00e4rtiger Zeit anders geartet sind als die Probleme der Diasporagemeinde im ausgehenden ersten Jahrhundert. Die Mahnung der N\u00fcchternheit an die christliche Gemeinde von damals richtet sich auf die Lebensform der Gemeinde. N\u00fcchternheit hei\u00dft auf diesem Gebiet Analyse der Situation, in der sich Gemeinde und Kirche befinden und der Briefschreiber warnt vor diesem Hintergrund die Gemeinde davor, sich in geselliger Behaglichkeit mit den Zust\u00e4nden arrangiert zu haben. Ja, der Text beschreibt den Zustand der Gemeinde geradezu als \u201eeitlen Wandel nach der V\u00e4ter Weise\u201c (V. 18) und mahnt die Hoffnung auf die Gnade an. Letztlich beschreibt er damit das Wesen der Kirche in ihrer doppelten Ausrichtung auf die Gnade einerseits und das Reich Gottes andererseits. Wie die Gemeinde, an die sich der 1. Petrusbrief richtet, in der \u201eFremde\u201c lebt und so kein rechtes Zuhause hat, so ist damit zugleich eine ekklesiologische Dimension thematisiert. Ist es zuviel gesagt, wenn sich der Text gegen eine allzu angepasste, allzu saturierte Seite einer Kirche im Staat wendet? Der Text mahnt also auch uns selbst als Kirche in der Gegenwart zu einer gewissen N\u00fcchternheit und zur Konzentration auf das Wesentliche. Nun ist es ja aber so, dass die Volkskirche von einst mittlerweile und nicht nur in den Neuen Bundesl\u00e4ndern zu einer \u201eMinderheit mit Zukunft\u201c geworden ist und die Kirche wie der Staat zur K\u00fcnderin der \u201en\u00fcchternen Zahlen\u201c geworden ist. Auch in dieser Situation ist der Text f\u00fcr die Kirche aktuelle.<\/p>\n<p align=\"center\">II)<\/p>\n<p>In eindr\u00fccklichen Bildern und Metaphern vermittelt der Predigttext, dass das Leben im Glauben eine entsprechende Haltung fordert. Beim Glauben gilt nicht, was die Werbung verspricht, n\u00e4mlich \u201e20 % auf alles&#8230;\u201c Vielmehr vollzieht sich das christliche Leben aus der Bekehrung. Immer wieder ist in den Biographien religi\u00f6ser Menschen das Schema der \u201etotalen Lebenskehre\u201c von einst zu jetzt erkennbar. Bekannt aus der Geschichte sind die Beispiele Augustins und des Franz von Assisi. Dem Leben in Leidenschaften und in Saus und Braus folgt ein heiliger Wandel in der Weise, wie es der Predigttext als die dem Glauben entsprechende Lebensform bezeichnet. \u201eSeid auch Ihr heilig in allem eurem Wandel\u201c. Und in der Konzentration auf das Wesentliche, die etwa auch der Theologe Dietrich Bonhoeffer in der Gef\u00e4ngniszelle sp\u00fcrte, \u00f6ffnet sich der Blick auf die Gnade: \u201eVon guten M\u00e4chten wunderbar geborgen, erwarte ich getrost, was kommen mag\u201c. Selten hat ein Gedicht und ein Liedvers die Menschen so tief bewegt wie eben diese Zeile Dietrich Bonhoeffers. Aus dieser Erfahrung heraus vermochte Bonhoeffer zu leben und auch zu sterben, weil sie getragen war aus dem Wissen der Erl\u00f6sung. Diese Erfahrung meint auch der Briefschreiber des 1. Petrusbriefes, wenn er die Gemeinde mit n\u00fcchterner Klarheit an die Hoffnung auf die Gnade erinnert.<\/p>\n<p>Der Predigttext nimmt uns dabei in der Hoffnung auf die Gnade mit zu einer geradezu provozierenden Aussage. Er stellt die Alternative auf: \u201eGeld oder Liebe\u201c und sagt, dass es die Vers\u00f6hnung in Jesus Christus nur in der W\u00e4hrung der Liebe Gottes gibt. In Aufnahme der j\u00fcdischen Sprache des Opferlammes f\u00fchrt der 1. Petrusbrief der Gemeinde vor Augen, dass mit dem Blut Jesu Christi die Erl\u00f6sung des Menschen erkauft ist. Das ist provozierend f\u00fcr damalige, aber vermutlich nicht minder f\u00fcr heutige Ohren, denn das hei\u00dft doch, dass Jesus Christus stellvertretend f\u00fcr die Menschen den Tod am Kreuz erlitt oder anders: es steht einer f\u00fcr uns ein. In jedem guten Western und in vielen Kinofilmen zwischen Harry Potter und Herr der Ringe ist immer einer, der Held, stellvertretend f\u00fcr die Anderen der Gute. Dieser Eine ist dann von Gott selbst von den Toten auferweckt worden und zum Grund des Glaubens und der Hoffnung geworden. In der Passion und im Leiden Jesu Christi setzte sich Gott selbst der Gewalt und den M\u00e4chten des Todes aus. In Jesus Christus wurde der Kampf der M\u00e4chte von gut und b\u00f6se gek\u00e4mpft und das Neue Testament erz\u00e4hlt in vielfachen Formen davon, dass mit der Auferstehung Jesu Christi ein neues Leben angefangen hat. Wir kennen ein Leben, dem permanent die Zeit davon l\u00e4uft. Das Leben aus dem Glauben dagegen vertraut auf Gottes G\u00fcte und F\u00fcrsorge.<\/p>\n<p>Und nun erst erschlie\u00dft sich auch, was der Predigttext mit dem Gehorsam und dem Heiligen Wandel meint. Wenn der Text hier von \u201eHeiligung\u201c spricht, dann ist damit nicht ein Leben in Keuschheit gemeint oder das Einhalten aller Gebote. Auch nicht das f\u00fcrwahrhalten der christlichen Lehre steht im Hintergrund. Vielmehr hei\u00dft heiligen, dass wir als Menschen dem die Ehre geben, dem sie zusteht: Gott! Ein Leben in Heiligung hei\u00dft dann, an Gott zu glauben und ihn als den Sch\u00f6pfer der Menschen zu ehren. Heiligung ist dann nicht weniger als die n\u00fcchterne Erkenntnis: Gott ist Gott und der Mensch bleibt Mensch. Diese Begegnung mit dem Heiligen Gott bleibt nicht folgenlos, weil sie bei aller N\u00fcchternheit im Glauben die Menschen aufeinander zu bewegt und sie in der Hoffnung auf das Reich Gottes neue Wege gehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p align=\"center\">III)<\/p>\n<p>In der Konzentration auf die N\u00fcchternheit oder, so kann ich nun sagen, in der Heiligung des Glaubens, die der Text von der Gemeinde und von jedem Christen fordert, liegt die Zukunft begr\u00fcndet. Wer sich im Glauben von der Naivit\u00e4t abwendet, wird in seinem Leben an die Offenbarung in Jesus Christus verwiesen und damit an die Hoffnung auf die Auferstehung. Mit dieser Wende kommt der Text zu seinem eigentlichen Aussageziel und es macht Sinn, mitten in der Passionszeit Ostern bereits in den Blick zu nehmen. Dem Petrusbrief geht es demnach zentral um die St\u00e4rkung des Glaubens an Jesus Christus. Die Hoffnung bildet die Antriebskraft, aus der heraus die christliche Gemeinde lebt und aus der heraus sie auch Krisen bew\u00e4ltigen kann. In der Hoffnung werden die Herausforderungen des Alltags zur Chance. Aus der Hoffnung heraus konnte die Gemeinde von damals die eigene Fremdheitserfahrung in der Gesellschaft aushalten. Der Predigttext st\u00e4rkt die Gemeinde, indem er vor Augen f\u00fchrt, was Gott f\u00fcr uns getan hat.<\/p>\n<p>Mit dieser Hoffnung im R\u00fccken und der guten Erfahrung, dass Glaube und Hoffnung in Zeiten der Krise neue Kr\u00e4fte mobilisieren, l\u00e4sst sich auch der n\u00fcchterne Blick der kirchlichen Situation in der Gegenwart wagen. Statt den Blick auf die sinkenden Gemeinden, auf leerer werdende Gottesdienste und vor allem die schrumpfenden Einnahmen zu richten, kann sich die Perspektive umdrehen. Anselm Gr\u00fcn sprach in anderen Zusammenh\u00e4ngen einmal von der sog. \u201eGegenwort-Methode\u201c. Kennt die Volksweisheit die Macht negativer Einbildungen, so vermittelt die Hoffnung Kraft und vor allem Orientierung, weil sie Ziele setzt. Insofern vermag aus der Hoffnung heraus dieser Text zu einem Glaubens- und auch Lebensratgeber zu werden. So wird dieser Predigttext gerade in seiner Wendung vom einst zum jetzt, vom Leben in den L\u00fcsten zur Heiligkeit ganz konkret: In der heilsamen Erinnerung an den Grund der Gnade wendet sich der Blick nach vorne. Es ist fast wie bei Sportlern, die auf dem letzten Drittel des Marathon-Laufes m\u00fcde zu werden drohen. Sobald sie das Ziel am Horizont sehen, werden sie wieder hellwach, gewinnen eine N\u00fcchternheit und sind bereit, das Letzte der inneren Kr\u00e4fte zu mobilisieren, weil sie wissen, dass es sich lohnt. Im Grunde ist es mit dem Glauben auch so: Durch die Hoffnung auf die Auferstehung wissen wir, dass sich das Leben lohnt. Diesen Rat gibt uns die Bibel und das Beste daran ist: er kostet nichts!<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Ralf Hoburg, Hannover<br \/>\n<a href=\"mailto:RalfHoburg@aol.com\">RalfHoburg@aol.com<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Okuli, 19. M\u00e4rz 2006 Predigt zu 1. Petrus 1, 13-21, verfasst von Ralf Hoburg Mit N\u00fcchternheit die Zukunft im Blick Hin und wieder mache ich mich auf die Suche nach guten B\u00fcchern f\u00fcr die Lekt\u00fcre zwischendurch. Nichts theologisches \u2013 am besten Spannung mit Tiefgang, wobei ich nicht auf Krimis fixiert bin. 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