{"id":11031,"date":"2021-02-07T19:49:08","date_gmt":"2021-02-07T19:49:08","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11031"},"modified":"2023-01-31T09:56:24","modified_gmt":"2023-01-31T08:56:24","slug":"1-petrus-1-18-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-1-18-23\/","title":{"rendered":"1. Petrus 1, 18-23"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Okuli, 19. M\u00e4rz 2006<br \/>\nPredigt zu 1. Petrus 1, 18-23, verfasst von Heribert Arens <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"center\"><strong>Ich f\u00fchle mich wie neu geboren!<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Predigttext:<br \/>\n<em>18 Ihr wisst, dass ihr aus eurer sinnlosen, von den V\u00e4tern ererbten Lebensweise nicht um einen verg\u00e4nglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold,<\/em><br \/>\n<em>19 sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel.<\/em><br \/>\n<em>20 Er war schon vor der Erschaffung der Welt dazu ausersehen und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen.<\/em><br \/>\n<em>21 Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, sodass ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen k\u00f6nnt.<\/em><br \/>\n<em>22 Der Wahrheit gehorsam, habt ihr euer Herz rein gemacht f\u00fcr eine aufrichtige Bruderliebe; darum h\u00f6rt nicht auf, einander von Herzen zu lieben.<\/em><br \/>\n<em>23 Ihr seid neu geboren worden, nicht aus verg\u00e4nglichem, sondern aus unverg\u00e4nglichem Samen: aus Gottes Wort, das lebt und das bleibt.<\/em><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>\u201eIch f\u00fchle mich wie neu geboren!\u201c<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Nach einem erfrischenden Bad, nach einem erholsamen Schlaf, nach einem gelungenen Urlaub sagt man gelegentlich: \u201eIch f\u00fchle mich wie neu geboren!\u201c Neu geborenes Leben ist frisch, unverbraucht. Neu geborenes Leben kennt noch keine pers\u00f6nliche Unheilsgeschichte und kann darum alle Kr\u00e4fte auf eine gute und gelingende Zukunft setzen. Neu geborenes Leben ist geb\u00fcndelte Energie, geb\u00fcndelte Zukunft, keimhaft angelegtes Kr\u00e4ftepotential mit unendlichen Entfaltungsm\u00f6glichkeiten. Jeder Gro\u00dfe dieser Welt, jede kraftvolle Gestalt menschlichen Lebens, Heilige und S\u00fcnder, Gewinner und Verlierer, Bewunderte und Verachtete: alle haben einmal als \u201eneugeborenes Leben\u201c angefangen. Wie sich ihr Leben weiter entfaltet hat, hing sicher auch von unterschiedlichen Verh\u00e4ltnissen ab, aber auch davon, was der einzelne aus dem keimhaft geb\u00fcndelten Anfang gemacht hat.<\/p>\n<p align=\"left\">\u201eIch f\u00fchle mich wie neugeboren!\u201c \u2013 wer das sagt, ist in einer guten Verfassung. Er\/Sie schaut zuversichtlich ins Leben. Mit neuer Kraft, mit neuer Energie, mit Freude und Optimismus geht sie\/Er die n\u00e4chsten Schritte. Das Leben macht Freude und lockt.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>\u201eIhr seid neu geboren worden\u201c<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Darf man solche Gedanken auch denken angesichts der Aussage, die Petrus in seinem Brief \u00fcber seine Leser macht? \u201eDurch die Begegnung mit Jesus, durch die Betroffenheit von seinem Wort, das lebt und das bleibt, seid Ihr wie neugeboren: neu, frisch, unverbraucht.\u201c<\/p>\n<p align=\"left\">Aus der Begegnung mit Gott neu geborenes Leben ist befreit von vergangener Unheilsgeschichte und kann darum alle Kr\u00e4fte auf eine gute und gelingende Zukunft setzen. Aus Gott neu geborenes Leben ist geb\u00fcndelte Energie, geb\u00fcndelte Zukunft, keimhaft angelegtes Kr\u00e4ftepotential mit unendlichen Entfaltungsm\u00f6glichkeiten. Aus Gott neu geborenes Leben ist eine Einladung, den keimhaft geb\u00fcndelten Anfang zu entfalten.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Entfalten in der Bruderliebe<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Liebe zu den Schwestern und Br\u00fcdern ist f\u00fcr Petrus ein Entfaltungsraum der neu Geborenen. Das mag f\u00fcr uns sehr selbstverst\u00e4ndlich klingen, denn das hat sich nach zweitausend Jahren Christentum inzwischen herumgesprochen. Aber im damaligen hellenistisch gepr\u00e4gten Raum ist es eine \u201eAntithese zur hellenistischen Ethik, die insgesamt im Kern streng individualistisch ist, die Autonomie und Autarkie des einzelnen lehrt. Daher war das Verhalten der Christen in der Gesellschaft auff\u00e4llig, f\u00fcr sie selbst wohl auch immer neu \u201afragw\u00fcrdig\u2019, und musste deswegen immer neu begr\u00fcndet werden\u201c(H. Frankem\u00f6lle). Solche Liebe haben die ersten Christen sehr wohl als pr\u00e4gend f\u00fcr ihr Leben in der Nachfolge Christi verstanden, wie die Apostelgeschichte bezeugt \u201eSie waren ein Herz und eine Seele; Sie hatten alles gemeinsam\u201c(2, 43 \u2013 47).<\/p>\n<p align=\"left\">Dass solche Liebe in der Gesellschaft auff\u00e4llig war, bezeugt Tertullian (150-230) im zweiten christlichen Jahrhundert, wenn er erz\u00e4hlt, dass die Heiden sagten: \u201eSeht, wie sie einander lieben.\u201c<\/p>\n<p align=\"left\">Das d\u00fcrfte sich auch in unserer heutigen Gesellschaft Ausdruck gelebten Christseins erweisen. Auch unsere Gesellschaft ist stark individualistisch gepr\u00e4gt. Solidarit\u00e4t, Teilen, F\u00fcreinander dasein, einer des anderen Last tragen: das sind nicht gerade Markenzeichen unserer Konkurrenzgesellschaft. Da herrschen eher Parolen wie: \u201eJeder ist seines eigenen Gl\u00fcckes Schmied!\u201c \u201eDas geht mich nichts an, das ist sein Bier!\u201c Umso st\u00e4rker sind wir als Christen herausgefordert, Bruder \u2013 und Schwesterliebe nicht nur im Munde zu f\u00fchren, sondern mit Leben zu f\u00fcllen.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Der Wahrheit gehorsam, habt ihr euer Herz rein gemacht<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">\u201eDer Wahrheit gehorsam, habt ihr euer Herz rein gemacht\u201c \u2013 das nennt Petrus als Fundament der Bruderliebe. Der Wahrheit gehorsam: Die Wahrheit ist, dass wir alle, dass jeder Mensch aus Gott stammt, dass Gott jeden in gleicher Weise in seine Liebe einschlie\u00dft, dass er nicht die einen mehr liebt als die anderen.<\/p>\n<p align=\"left\">Wenn ich auf diese Wahrheit horche und ihr gehorche, dann wird mein Herz rein: mein Herz, das den Neid und die Missgunst kennt; mein Herz, das Sympathie und Antipathie kennt; mein Herz, das nur schwer verzeihen kann; mein Herz, das um so manchen am liebsten einen gro\u00dfen Bogen macht; mein Herz, das gelegentlich herzlos und unbarmherzig reagiert. \u201eDer Wahrheit gehorsam, habt ihr euer Herz rein gemacht\u201c das bedeutet nicht, dass all das aus meinem Herzen verschwunden ist. Wohl bedeutet es, dass ich mich nicht davon beherrschen lasse, dass ich nicht gedankenlos meinem \u201eunreinen Herzen\u201c folge, sondern dass ich es l\u00e4utere und reinige, indem ich mir Gottes Liebe zu jedem Menschen zu Herzen nehme.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>\u201eDurch ihn (Christus) seid ihr zum Glauben an Gott gekommen\u201c<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Diese Liebe hat uns Gott in Jesus nahe gebracht. Jesus lebte die Liebe. Er wandte sich allen Menschen zu. Seine Geburt \u201eganz unten\u201c bei den einfachen Leuten lie\u00df erfahren: Keiner ist von dieser Liebe ausgeschlossen. (W\u00e4re er am Hof des Herodes oder als Kind eines der oberen Zehntausend geboren worden, alle die gesellschaftlich niedriger waren, w\u00e4ren durch das Netz seiner Liebe gefallen, w\u00e4ren ausgeschlossen gewesen.)<\/p>\n<p align=\"left\">Auch in seinem Leben als Erwachsener ist keiner ausgeschlossen: nicht die Kinder, nicht die S\u00fcnderin, nicht Nathanael unter dem Feigenbaum, nicht der s\u00fcndige Z\u00f6llner Zach\u00e4us, nicht die Frau, die ein paar Pfennige in den Opferstock wirft, nicht der Sch\u00e4cher am Kreuz, nicht Petrus, der ihn gleich dreimal verleugnet. Alle sind eingeschlossen in seine Bruderliebe.<\/p>\n<p align=\"left\">Und dieser Jesus sagt von sich: \u201eWer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.\u201c (Joh 12, 45). Jesus ist der Weg zum Vater \u2013 oder mit den Worten des Petrusbriefes: Durch ihn (Christus) seid ihr zum Glauben an Gott gekommen (1,22). So ist es letztenendes Gott selber, durch den wir wiedergeboren sind. So ist es Gott selber, der uns beruft, ein Leben zu leben, in dem wir uns f\u00fchlen wie neu geboren:<\/p>\n<p align=\"left\">\u201eIch f\u00fchle mich wie neugeboren!\u201c \u2013 wer das sagt, ist in einer guten Verfassung. Er\/Sie schaut zuversichtlich ins Leben. Mit neuer Kraft, mit neuer Energie, mit Freude und Optimismus geht sie\/Er die n\u00e4chsten Schritte. Das Leben macht Freude und lockt.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Heribert Arens ofm<br \/>\nFranziskanerkloster H\u00fclfensberg<br \/>\n<a href=\"mailto:heribert_arens@huelfensberg.de\">heribert_arens@huelfensberg.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Okuli, 19. M\u00e4rz 2006 Predigt zu 1. Petrus 1, 18-23, verfasst von Heribert Arens Ich f\u00fchle mich wie neu geboren! 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