{"id":11042,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11042"},"modified":"2023-02-28T16:36:59","modified_gmt":"2023-02-28T15:36:59","slug":"philipper-1-15-21-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/philipper-1-15-21-2\/","title":{"rendered":"Philipper 1, 15-21"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">L\u00e4tare, 26. M\u00e4rz 2006<br \/>\nPredigt zu Philipper 1, 15-21, verfasst von Hilmar Menke <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Wieder einmal Wahlsonntag: In drei Bundesl\u00e4ndern werden neue Landtage gew\u00e4hlt &#8211; und in den lutherischen Kirchen in Niedersachsen neu Kirchenvorst\u00e4nde.<br \/>\nWahlsonntag: Anla\u00df, wieder einmal in die gro\u00dfe Kiste mit den Klischees und Vorurteilen zu schauen?<\/p>\n<p>Ich will es tun. Und die Kiste ist ganz sch\u00f6n gef\u00fcllt &#8211; jedenfalls was die Vorurteile gegen\u00fcber und die Klischee von Politikern angeht.<br \/>\n\u201eDie brauchen das doch nur f\u00fcr ihr Ego, zur Selbstbest\u00e4tigung damit sie vor sich selbst und vor anderen als bedeutend und wichtig dastehen.&#8220; \u201eEs geht doch nur um die Macht, daf\u00fcr tun die doch alles &#8211; Macht f\u00fcr sich und \u00fcber andere!&#8220; \u201eUnd um Interessen &#8211; die eigenen, die von Verb\u00e4nden und gesellschaftlichen Gruppen: Unternehmer oder Gewerkschaften, Industrie oder Bauernverband, Regionen oder Berufsgruppen &#8211; \u201eLobbyarbeit&#8220;, sonst nichts!&#8220; \u201eUnd was ist mit den pers\u00f6nlichen Vorteilen, mit satten Di\u00e4ten und ordentlichen Pensionen&#8220;<\/p>\n<p>Ja und da sitzen dann am Stammtisch der Parolen vielleicht doch auch die, die das ganze anders sehen: \u201eEs gibt doch auch die treuen \u201eParteisoldaten&#8220;, die in ein Amt geradezu gedr\u00e4ngt werden, die der Kandidatur zustimmen aus Pflichtgef\u00fchl, weil sie die Ihren nicht entt\u00e4uschen wollen.&#8220; Und ein anderer sagt vielleicht sogar: \u201eIch glaube, da\u00df es den meisten doch um das Gemeinwohl geht, so wie sie es sehen und verstehen, mit ihrem Hintergrund, mit ihrer Lebensgeschichte, mit ihrer Sicht der Welt, des Menschen und der Dinge!&#8220;<\/p>\n<p>Wie steht es damit in unserer Kirche, bei denen, die sich engagieren, auch bei denen, die heute zur Wahl stehen? Ist da alles ganz anders, oder geht es auch da manchmal zumindest menschlich-allzumenschlich zu?<\/p>\n<p>Nach vielen Jahren Ehrenamt und 35 Jahre Dienst als Pastor, bin ich \u00fcberzeugt, da\u00df es den weitaus meisten wirklich um die Sache geht &#8211; um die Sache nicht nur der Gemeinde, der Kirche, sondern um die Sache Jesu Christi &#8211; da\u00df sie eben ihrer Sicht der Welt und des Menschen und der Dinge verpflichtet sind &#8211; kurz gesagt, ihrem Glauben, der sich entwickelt hat, vielleicht durch Krisen gehen mu\u00dfte, sich festigte und gest\u00e4rkt wurde.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df auch, da\u00df es den einen oder die andere gibt, die auf Dr\u00e4ngen von Gemeindegliedern aus Pflichtgef\u00fchl wie ein \u201eParteisoldat&#8220; sich zur Kandidatur entschlossen haben &#8211; und ich kann daran nichts ehrenr\u00fchriges finden.<br \/>\nPers\u00f6nliche Vorteile sind jedenfalls mit dem kirchlichen Ehrenamt wohl kaum zu erlangen &#8211; mag sein, da\u00df es Vereinzelte gibt, die das glauben.<br \/>\nUnd, was ist falsch daran, wenn sich jemand aufstellen l\u00e4\u00dft, weil er die Belange ganz bestimmter Gruppen oder Kreise oder Arbeitsbereiche in der Gemeinde vertreten will und vertreten soll: Die Kirchenmusik oder die Jugendarbeit, den Besuchsdienst oder die Partnerschaftsarbeit, die Mission nach au\u00dfen und innen oder die Seniorenarbeit, die Diakonie oder den Gottesdienst, Friedhof oder Kindergarten &#8211; und was es in unseren Gemeinden noch alles geben mag&#8230;<\/p>\n<p>Da\u00df es auch in Kirchengemeinden Menschen gibt, die gern Macht aus\u00fcben &#8211; sei sie auch noch so gering &#8211; das habe ich auch erfahren m\u00fcssen -so wenige es auch sein m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr das pers\u00f6nliche Selbstwertgef\u00fchl &#8211; ich wei\u00df nicht: Mir scheint das Ehrenamt &#8211; \u00fcbrigens nicht nur in der Kirche &#8211; meist weit mehr \u201eAmt&#8220; zu sein als \u201eEhre&#8220; abzuwerfen, meist mehr Arbeit mit sich zu bringen als Anerkennung &#8211; und, ist es bei den politisch t\u00e4tigen anders?<\/p>\n<p>Trotzdem: Es mag ganz verschiedene Motivationen geben f\u00fcr das Engagement, f\u00fcr die Bereitschaft, in einer Kirchengemeinde an vorderster Stelle Verantwortung zu \u00fcbernehmen &#8211; die, von denen ich sprach und wahrscheinlich manch andere, die mir nicht einfielen.<\/p>\n<p>Paulus hat sich mit dieser Frage auseinandergesetzt &#8211; und er ist zu \u00fcberraschenden Einsichten gekommen.<br \/>\nIm Bibelabschnitt, der f\u00fcr heute Grundlage der Predigst ein soll, im Philipperbrief, Kapitel 1, Verse 15 bis 18a schreibt er (zitiert nach der Lutherbibel):<br \/>\n\u201eEinige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: diese aus Liebe, denn sie wissen, da\u00df ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; jene aber verk\u00fcndigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie m\u00f6chten mir Tr\u00fcbsal bereiten in meiner Gefangenschaft. Was tut&#8217;s aber? Wenn nur Christus verk\u00fcndigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich dar\u00fcber.&#8220;<\/p>\n<p>\u00dcberraschend in der Tat: Wie kann Paulus, der sich leidenschaftlich f\u00fcr Christus und f\u00fcr sein Evangelium einsetzt zu einer Aussage kommen, die die Grenze zur Gleichg\u00fcltigkeit nicht nur streift, sondern zu \u00fcberschreiten scheint.<\/p>\n<p>\u201eWenn nur Christus gepredigt wird&#8220; &#8211; dann ist es gleichg\u00fcltig, warum es jemand tut? Aus Neid, Streitsucht, Eigennutz, Unlauterkeit &#8211; gleich g\u00fcltig wie Liebe zu Christus, zum Evangelium und zum Menschen, wie gute Absicht &#8211; Machtstreben und Egoismus, pers\u00f6nlicher Vorteil und partikulare Interessen gleich g\u00fcltig wie Liebe zu Christus und seiner Kirche, wie Verantwortungsbewu\u00dftsein und Glaubens\u00fcberzeugung?<\/p>\n<p>Dabei geht es doch nicht um dies oder das, sondern um alles, um Leben und Tod: Paulus liegt im Gef\u00e4ngnis, und offenbar wollen die, die aus unlauteren Motiven Christus predigen, Paulus schaden.<\/p>\n<p>Es geht um Leben und Tod, darum f\u00e4hrt Paulus auch in seinem Schreiben fort in den Versen 18b bis 21:<br \/>\n\u201eAber ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich wei\u00df, da\u00df mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und hoffe, da\u00df ich in keinem St\u00fcck zuschanden werde, sondern da\u00df frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.&#8220;<\/p>\n<p>Ja, im Leben und im Sterben wei\u00df Paulus sich gehalten und getragen von Christus &#8211; darum traut er ihm auch zu, da\u00df er alles, jedes Motiv, jede Begr\u00fcndung &#8211; wie immer sie auch meinen Augen aussehen mag &#8211; zu Guten wenden kann und zum Guten wenden will: Zu des Menschen Rettung!<\/p>\n<p>Und noch an eines erinnert mich Paulus, der so gar nicht Gleichg\u00fcltige: An eine Geschichte aus dem Alten Testament, in der es um eine ganz besondere Wahl ging, eine Geschichte, dessen Kernsatz im Jahre 2003 die Jahreslosung war (1. Samuel 16): Der K\u00f6nig Israels hat die Zustimmung, den Schutz und die Hilfe Gottes verspielt, ein neuer K\u00f6nig soll gefunden und gesalbt werden: Samuel, der Prophet wird dazu beauftragt. Zu Isai nach Bethlehem soll er gehen. Als er dessen ersten Sohn sieht, offensichtlich ein beeindruckender Mann, meint er, nur das k\u00f6nne der Erw\u00e4hlte sein.<br \/>\nAber Gott spricht zu ihm:<br \/>\n\u201eSieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn nicht sieht der HERR auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.&#8220;<\/p>\n<p>Und so geht es dem Propheten mit der ganzen beindruckenden Reihe der S\u00f6hne Isaias &#8211; einer nach dem anderen wird abgelehnt &#8211; und nur der, an den keiner dachte, ein Junge noch zu nichts gut als die Schafe zu h\u00fcten &#8211; er war der von Gott Erw\u00e4hlte: David.<\/p>\n<p>\u201eEin Mensch sieht, was vor Augen ist&#8230;&#8220; wir sehen das offenkundige und oft nur das erwartete und manchmal nur das, was wie sehen wollen<br \/>\n\u201eDer HERR aber sieht das Herz an&#8220;<br \/>\nMachen wir also schnell und getrost die Kiste mit den Klischees und Vorurteilen zu.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Hilmar Menke<br \/>\nSuperintendent in Cadenberge<br \/>\n<a href=\"mailto:HHFJMenke@aol.com\">HHFJMenke@aol.com <\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00e4tare, 26. 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