{"id":11057,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11057"},"modified":"2023-02-26T17:00:22","modified_gmt":"2023-02-26T16:00:22","slug":"lukas-146-55-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-146-55-4\/","title":{"rendered":"Lukas 1,46-55"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Judika (Mari\u00e4\u00a0<span style=\"caret-color: #000099;\">Verk\u00fcndigung<\/span>), 2.4.2006<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000099;\">Lukas 1,46-55, Erik Bredmose Simonsen <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>(Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Marias Lobegesang nennen wir den Text oder das Gedicht, das wir eben geh\u00f6rt haben. Die Jungfrau Maria hat Besuch von dem Erzengel Gabriel gehabt und erfahren, dass sie dazu auserw\u00e4hlt ist, Gottes Sohn und den Erl\u00f6ser der Welt zu geb\u00e4ren. Maria ist ganz nat\u00fcrlich au\u00dfer sich \u00fcber diesen Besuch eines Engels, sie kann sich das alles \u00fcberhaupt nicht zusammenreimen. Warum kam der Engel ausgerechnet zu ihr \u2013 einem einfachen M\u00e4dchen vom Lande? Hatte er sich vielleicht in der Adresse geirrt? \u2013 h\u00e4tte er nicht eine feine Prinzessin aufsuchen sollen oder irgendeinen Ort in den gro\u00dfen Machtzentren? \u2013 Und wie konnte es \u00fcberhaupt geschehen, dass sie, die noch mit keinem Mann geschlafen hatte, schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen sollte?<\/p>\n<p>Der Engel hatte jedoch Maria beruhigt und ihr erz\u00e4hlt, dass das, was da geschehen sollte, ganz nach dem Willen Gottes war, dass Gott sie auserw\u00e4hlt hatte und schwanger machte, \u201edenn bei Gott ist kein Ding unm\u00f6glich\u201c. Und Maria war in sich gegangen, sie hatte sich dem Willen Gottes gebeugt mit den Worten: \u201eSiehe, ich bin des Herrn Magd: mir geschehe, wie du gesagt hast.\u201c<\/p>\n<p>Als der Engel Maria verlassen hatte, reiste Maria zu ihrer Verwandten Elisabeth, der der Engel auch erz\u00e4hlt hatte, dass sie einen Sohn bekommen w\u00fcrde, obwohl sie schon in einem hohen Alter war und als unfruchtbar galt. Die beiden Frauen sind sich v\u00f6llig dar\u00fcber im Klaren, dass da etwas Wunderbares mit ihnen geschehen ist, und dass sich etwas Gro\u00dfes ereignen wird, und in ihrem Gl\u00fccksrausch stimmt Maria ihren Lobgesang an:<\/p>\n<p>Meine Seele erhebt den Herrn,<br \/>\nund mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;<br \/>\ndenn er hat seine geringe Magd angesehen&#8230;<\/p>\n<p>Dass Maria von allen Frauen gew\u00e4hlt wird, ist chronologisch gesehen der erste Ausdruck der Umkehrung aller Werte, die sich mit Jesus Christus verbindet. Schon hier bei seiner Empf\u00e4ngnis ist diese Andersartigkeit im Verh\u00e4ltnis zu allen normalen Gedankeng\u00e4ngen mit ihm Spiel. Dass das einfache M\u00e4dchen Maria die Auserw\u00e4hlte ist, ist nur der Anfang, und es geht weiter mit der Geburt, als der Sohn Gottes in einem schmutzigen Stall zwischen bl\u00f6kenden Schafen und wiederk\u00e4uenden K\u00fchen geboren wird. Und die ersten Besucher nach der Geburt waren einige verkommene Hirten. Seither ist es in seinem Leben genauso, wenn Jesus auch hier das Leben unter den Geringen in der Gesellschaft h\u00f6her sch\u00e4tzt als alle diejenigen, die ihr Sch\u00e4fchen auf dem Trockenen haben. Und man beachte, wie Maria schon hier in ihrem Lobgesang genau dies zum Ausdruck bringt, wenn sie singt:<\/p>\n<p>Er (Gott) \u00fcbt Gewalt mit seinem Arm<br \/>\nund zerstreut, die hoff\u00e4rtig sind in ihres Herzens Sinn.<br \/>\nEr st\u00f6\u00dft die Gewaltigen vom Thron<br \/>\nund erhebt die Niedrigen.<br \/>\nDie Hungrigen f\u00fcllt er mit G\u00fctern<br \/>\nund l\u00e4sst die Reichen leer ausgehen.<\/p>\n<p>Mit der Erw\u00e4hlung Marias wird mit anderen Worten diese ganze Umw\u00e4lzung der Machtverh\u00e4ltnisse angek\u00fcndigt: Das Gro\u00dfe und M\u00e4chtige, alles das, was sich in eigener Macht und Gewalt hervortut, verliert seine Bedeutung, w\u00e4hrend all das Geringe und Unansehnliche, all das Ohnm\u00e4chtige erhoben und zu Ehren und W\u00fcrden gebracht wird. Wir h\u00f6rten \u00c4hnliches vorhin in der Lesung von heute: Paulus sagt im 1. Brief an die Korinther (V. 27):<br \/>\n\u201d\u2026was t\u00f6richt ist vor der Welt, das hat Gott erw\u00e4hlt, damit er die Weisen zuschanden mache, und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erw\u00e4hlt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erw\u00e4hlt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich kein Mensch vor Gott r\u00fchme.\u201d<\/p>\n<p>Also wiederum diese Umwertung aller Werte.<\/p>\n<p>So etwas ist nie popul\u00e4r gewesen bei den Starken, denen es nur allzu gut geht. Sie betrachteten solche Rede (Verk\u00fcndigung) als gef\u00e4hrlich f\u00fcr die bestehende Ordnung und damit als gef\u00e4hrlich f\u00fcr sie selbst, denn ihre Macht beruhte ja gerade darauf. F\u00fcr sie war eine solche Rede ein gef\u00e4hrliches Pusten in die schwelende Glut der Unzufriedenheit, die immer aufflammen konnte. Und Jesus, der der Urheber dieser gef\u00e4hrlichen Rede war, wurde denn auch von vielen der Machthaber als ein einfacher Aufr\u00fchrer betrachtet, der mundtot zu machen war. Und das geschah bekanntlich.<\/p>\n<p>Politischer Aufruhr war indessen nicht seine Sache \u2013 nicht dass ihm die Ungleichheiten der Gesellschaft einerlei waren, aber seine Art und Weise, zu handeln, war nicht die, dass er H\u00e4rte mit H\u00e4rte begegnete. Sondern er wollte den Zustand der Dinge auf anderem Wege \u00e4ndern. Er sprach davon, dass man die andere Backe darbieten sollte, wenn jemand einen schlug, und auch den Mantel geben sollte, wenn jemand einem den Rock nehmen wollte. \u00dcber so etwas kann man vielleicht den Kopf sch\u00fctteln; und doch wissen wir alle im Innersten, dass das Stich h\u00e4lt, dass eskalierende Gewalt zwischen zwei Gruppen z.B. nur gebremst werden kann, wenn die eine Seite mit der Gewaltanwendung aufh\u00f6rt und bildlich gesprochen die andere Backe darbietet, und dasselbe gilt weitgehend f\u00fcr Krieg und Partnerschaft und Ehe.<\/p>\n<p>Der Weg, den Jesus ging, war der Weg der Liebe \u2013 der Weg der Barmherzigkeit, der Vergebung und Vers\u00f6hnung, und in Wirklichkeit war es dieser Weg, der so gro\u00dfen Ansto\u00df erregte. Es ist ja doch h\u00f6chst paradox, dass ausgerechnet die Liebe so provozierend erscheinen kann, dass sie ganz einfach aus dem Wege ger\u00e4umt werden muss. Dar\u00fcber muss man jedenfalls nachdenken.<\/p>\n<p>Aber das geschah vielleicht, weil es eben nicht einfach um die Liebe f\u00fcr den Hausgebrauch ging, die wir am besten kennen, sondern um die radikal selbstaufopfernde Liebe, f\u00fcr die kein Opfer zu gro\u00df ist \u2013 nicht einmal das des eigenen Lebens.<\/p>\n<p>Es ist nicht unsere Liebe mit Ma\u00dfen, die alles umw\u00e4lzt, sondern eben diese radikale Liebe, f\u00fcr die nichts \u201egut genug\u201d ist, sondern wo es nur um entweder \u2013 oder geht, d.h. entweder ist die Rede von alles opfernder Liebe oder es ist in Wirklichkeit gar nicht von Liebe die Rede. All die guten Gr\u00fcnde, die man anf\u00fchren kann f\u00fcr seine Vorbehalte gegen\u00fcber der totalen Selbsthingabe, zeigen nur allzu klar unsere Lauheit \u2013 und sie machen deshalb nur deutlich, dass es mit unserer Liebesf\u00e4higkeit schlecht bestellt ist. \u2013 Enth\u00fcllungen dieser Art st\u00f6ren einen, auch aus diesem Grund musste Jesus also beseitigt werden.<\/p>\n<p>Aber Gott ist in den Schwachen stark, wie es einmal hei\u00dft, und das bedeutet, dass er uns nicht einfach links liegen l\u00e4sst und uns unserer eigenen Ohnmacht gegen\u00fcber den Taten der Liebe \u00fcberl\u00e4sst. Er ist der, der seine niedrige Magd ansieht, wie Maria in ihrem Lobgesang singt, er ist auch der, der ein f\u00fcr alle Mal seine Liebe demonstriert gegen\u00fcber der Menschheit, die er trotz und gegen alle Angemessenheit liebt, indem er sein eigenes Leben hingibt um unseretwillen.<\/p>\n<p>Und dadurch, dass es nicht nur irgendein zuf\u00e4lliger Mensch war, der f\u00fcr andere starb, sondern der Sohn Gottes, hat sein Opfer durchgreifende Folgen f\u00fcr uns. Wir sind durch Jesus Christus mit Gott selbst vers\u00f6hnt worden, und wir k\u00f6nnen es k\u00fcnftig wagen, uns selbst in die Augen zu sehen. Alles ist in ihm und durch ihn neu geworden.<\/p>\n<p>Gottes Umw\u00e4lzung der Dinge geschieht nun pl\u00f6tzlich in reichem Ma\u00dfe zu unserem Vorteil \u2013 aber das zu sehen setzt voraus, dass man imstande ist, seine eigene Begrenztheit und seine eigene Machtlosigkeit zu erleben im Verh\u00e4ltnis zu all dem, worum es in einem wahren Menschenleben geht.<\/p>\n<p>Maria konnte das sehen \u2013 und stimmte den Lobgesang an.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Erik Bredmose Simonsen<br \/>\nPr\u00e6stebakken 11<br \/>\nDK-8680 Ry<br \/>\nTel.: +45 86 89 14 17<br \/>\nE.mail: <a href=\"mailto:ebs@km.dk\"> ebs@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Judika (Mari\u00e4\u00a0Verk\u00fcndigung), 2.4.2006 Lukas 1,46-55, Erik Bredmose Simonsen (Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung) Marias Lobegesang nennen wir den Text oder das Gedicht, das wir eben geh\u00f6rt haben. 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