{"id":11065,"date":"2021-02-07T19:49:04","date_gmt":"2021-02-07T19:49:04","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11065"},"modified":"2023-02-04T13:39:51","modified_gmt":"2023-02-04T12:39:51","slug":"jesaja-50-4-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-50-4-9\/","title":{"rendered":"Jesaja 50, 4-9"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Palmarum, 9. April 2006<br \/>\nPredigt zu Jesaja 50, 4-9, verfasst von Roland Rosenstock <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"center\"><strong>Erweckte Ohren und blanke Gewalt<\/strong><\/p>\n<p><strong>Predigtidee:<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIch habe vor zuzuh\u00f6ren!\u201c, antwortet der das internationale Musikgesch\u00e4ft m\u00fcde gewordene Stardirigent Daniel Dareus auf die Frage des Landpastors Stig Berggren, warum er die alte Schule in dem kleinen nordschwedischen Ort gekauft hat: \u201eIch habe vor zuzuh\u00f6ren!\u201c. Dareus \u00fcbernimmt den kleinen Kirchenchor des St\u00e4dtchens. Weil er professionell zuh\u00f6ren kann und den individuellen Ton jedes Mitgliedes seines Chores herausfindet, erfahren die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger eine Kraft, die sie zu sich selbst finden l\u00e4sst. Durch sein ge\u00fcbtes Zuh\u00f6ren erweckt er die Ohren der Kassiererin Lena, des gesch\u00e4ftst\u00fcchtigen Einzelh\u00e4ndlers Arne und von Gabriella, die von ihrem Mann geschlagen wird. Die verbindende Kraft der Musik erweckt die Erfahrung, in der Gemeinschaft des Chores geliebt und gehalten zu sein.<\/p>\n<p>Der schwedische Film \u201eWie im Himmel\u201c ist religi\u00f6ses Gef\u00fchlskino und eine moderne Passionsgeschichte, die das Gottesknechtslied von Jes 50 zur filmischen Grundlage haben k\u00f6nnte: Es verbindet \u201eerweckte Ohren\u201c mit der Erfahrung von blanker Gewalt. Der brutale Conny schl\u00e4gt Dareus halb tot, als er mit der Ver\u00e4nderung seiner Frau nicht zurecht kommt und der strenge Pfarrer Berggren spricht ihn vor der Dorfgemeinschaft schuldig, weil er ihm sexuelle Absichten unterstellt. Der Film endet mit dem Tod des ge\u00fcbten Zuh\u00f6rers und der V\u00f6lker verbindenden Kraft der Musik.<\/p>\n<p>Die Predigt aktualisiert das dritte so genannte \u201eGottesknechtslied\u201c des Jesaja durch eine moderne Passionsgeschichte des schwedischen Regisseurs Kay Pollak. Der Film wird bei den H\u00f6rern nicht vorausgesetzt, doch k\u00f6nnte das Lied von Gabriella ihnen das Ohr \u00f6ffnen und Interesse f\u00fcr einen gemeinsamen Filmabend in der Gemeinde wecken.<\/p>\n<p>(Zur Handlung vgl. <a href=\"http:\/\/www.wie-im-himmel.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.wie-im-himmel.de<\/a>, das Lied von Gabriella befindet sich auf der CD zum Film und kann w\u00e4hrend der Predigt eingespielt werden.)<\/p>\n<p><strong>Der Predigttext:<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Der Herr, Gott,<br \/>\ngab mir eine ge\u00fcbte Zunge,<br \/>\ndamit ich wisse,<br \/>\nwie der M\u00fcde durch das Wort zu st\u00e4rken sei.<br \/>\nMorgen f\u00fcr Morgen weckt Er mich auf,<br \/>\nerweckt mir das Ohr,<br \/>\ndamit ich wie ein Ge\u00fcbter zuzuh\u00f6ren vermag.<\/p>\n<p>Der Herr, Gott, \u00f6ffnet mir das Ohr.<br \/>\nIch aber war nicht widerspenstig,<br \/>\nwich nicht zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Meinen R\u00fccken bot ich den Schlagenden,<br \/>\nmeine Wangen den Bartausrei\u00dfern,<br \/>\nmein Gesicht verbarg ich nicht vor Schande und Bespeiung.<\/p>\n<p>Und der Herr, Gott, half mir immer wieder,<br \/>\ndeshalb wurde ich nicht zuschanden,<br \/>\ndeshalb machte ich mein Gesicht zum Hartgestein<br \/>\nund wusste, dass ich mich nicht sch\u00e4men brauchte.<\/p>\n<p>Nahe ist, der mich ins Recht setzt.<br \/>\nWer streitet mit mir? Wir wollen zusammenstehen!<br \/>\nWer ist mein Gegner im Gericht? Er trete zu mir heran!<\/p>\n<p>Sieh, der Herr, Gott, wird mir helfen,<br \/>\nwer kann mich da schuldig sprechen?<br \/>\nSie alle zerfasern wie das Kleid \u2013 die Motte frisst sie.<\/p>\n<p>(\u00dcbersetzung nach: Roland Gradwohl, Bibelauslegungen aus j\u00fcdischen Quellen Bd.2: Die alttestamentlichen Predigttexte des 4. Jahrgangs, Stuttgart 1987, S. 170.)<\/p>\n<p><strong>Predigtskizze<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>I. Einstieg: Er \u00f6ffnet mir das Ohr &#8230;<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der erfolgreiche Dirigent ist m\u00fcde geworden. Sein K\u00f6rper h\u00e4lt den Stress des Musikbetriebs nicht mehr aus: Mitten im Konzert bricht der international gefeierte Musiker Daniel Dareus zusammen. Auf der H\u00f6he seines internationalen Erfolges erleidet er einen Herzinfarkt, muss pausieren, um wieder zu sich und seinen Gef\u00fchlen zu finden. Er beschlie\u00dft, sein Leben zu ver\u00e4ndern und kehrt an den Ort seiner Kindheit zur\u00fcck, in eine winterliche nordschwedische Landschaft. Dort sucht er Ruhe und Abgeschiedenheit. Als er zum ersten Mal barfuss in den unber\u00fchrten Schnee tritt, um in die Stille zu horchen, jubelt er vor Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>In dem Film des schwedischen Regisseurs Kay Pollack \u201eWie im Himmel\u201c, der seit Oktober des letzten Jahres in den deutschen Kinos l\u00e4uft, geht es ums H\u00f6ren und erweckt werden. Wir reisen mit einem Dirigenten in sein Heimatdorf. Auf die Frage des Pastors, der ihn freundlich in seinen neue Haus begr\u00fc\u00dft, warum er die alte Schule gekauft habe antwortet er: \u201eIch habe vor zuzuh\u00f6ren!\u201c. Es ist die Stimme der unber\u00fchrten Natur, der er zuh\u00f6ren will und der Menschen aus seiner Kindheit, deren Herzen er in seiner Jugend nicht erreichen konnte.<\/p>\n<p>Das Zuh\u00f6ren beginnt beim Rat der \u00c4rzte und der inneren Stimme. Dareus verweigert sich nicht, beginnt ein neues Leben und begibt sich auf die Reise nach seinen Gef\u00fchlen.<\/p>\n<p>An den St\u00e4dten seiner Kindheit findet er wieder zu sich selbst. Er h\u00f6rt auf seinen K\u00f6rper und lernt sich wieder neu zu sp\u00fcren. Morgen f\u00fcr Morgen wacht er auf, Tag f\u00fcr Tag wird er durch die Erfahrung des einfachen Lebens ge\u00fcbter zuzuh\u00f6ren, sich selbst und dann auch den Menschen um ihn herum. Dareus kehrt ins einfache Leben zur\u00fcck, sp\u00fcrt den Schnee und die K\u00e4lte des ungeheizten Raumes seiner alten Schule. Durch das Zuh\u00f6ren lernt er, sich selbst zu lieben und kommt den Menschen des kleinen Ortes n\u00e4her. Schon als Kind tr\u00e4umte er davon, durch die Musik die Herzen der Menschen zu erreichen. Als ge\u00fcbter Zuh\u00f6rer \u00fcbernimmt er nun als Kantor den kleinen Kirchenchor.<\/p>\n<p><strong><em>II. Gottesknecht: Ge\u00fcbtes zuh\u00f6ren<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! Das Wort des Jesaja richtet sich an Menschen, die m\u00fcde sind. Der Knecht Gottes, von dem in Jesaja 50 die Rede ist, wird selbst Morgen f\u00fcr Morgen aus seiner M\u00fcdigkeit erweckt. Jeden Morgen, beim Aufstehen steht&#8217;s aufs Neue. Dabei soll er seine Ohren weit aufmachen, um zu h\u00f6ren &#8230;<\/p>\n<p>(Einen Moment der Stille im Raum: \u201eH\u00f6ren sie noch den Nachklang der Orgelmusik?\u201c)<\/p>\n<p>Was er erfahren hat, gibt er weiter. Weil ihm die Ohren ge\u00f6ffnet wurden, er ge\u00fcbt ist, auf den Klang, den Ton der g\u00f6ttlichen Stimme zu h\u00f6ren, nimmt er sich selbst neu wahr und kann dadurch andere aufrichten.<\/p>\n<p>(Einen Moment der Stille im Raum: \u201eH\u00f6ren sie einen Moment in sich hinein, was sp\u00fcren sie in sich? Sind sie noch m\u00fcde oder schon wach? Bewegen sie noch ganz anderen Gedanken oder sind sie ganz Ohr f\u00fcr diesen Moment)<\/p>\n<p><em>\u201eMorgen f\u00fcr Morgen weckt Er mich auf, erweckt mir das Ohr, damit ich wie ein Ge\u00fcbter zuzuh\u00f6ren vermag.\u201c<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Bei Jesaja geht es um die M\u00fcden, die Gott nicht mehr zutrauen, dass er ihr Leben ver\u00e4ndern kann. Es sind die Resignierten, die neues Vertrauen in den Glauben an Gott gewinnen sollen, und neues Vertrauen zu sich selbst.<\/p>\n<p>Im Film ist Darius Dareus viel im Schlafanzug zu sehen. Morgen f\u00fcr Morgen wacht er erl\u00f6ster und gl\u00fccklicher auf, weil er gelernt hat zu h\u00f6ren. Dann l\u00e4uft er auch schon mal in den Schnee oder st\u00f6\u00dft vor seinem Haus einen lauten Schrei aus. Er h\u00f6rt aufmerksam zu und sp\u00fcrt, sp\u00fcrt dass er lebt. Der Morgen ist wichtig f\u00fcr den Tag.<\/p>\n<p>Wie ich aufstehe, was ich dann f\u00fchle, ob ich mir Zeit f\u00fcr mich nehme, zu h\u00f6ren, auf Gottes Wort und meine innere Stimme, oder ob er gleich ohne Rast und Ruh, gehetzt, mit dem Morgenstress beginnt der Tag, das sp\u00fcrt man bei allem was dann kommt. Der Morgen ist wichtig und das H\u00f6ren, um selbst etwas weiter geben zu k\u00f6nnen. Die ersten Momente des Tages sind Momente des H\u00f6rens, sie geh\u00f6ren mir und dem Klang von Gottes Stimme f\u00fcr diesen Tag.<\/p>\n<p>Morgen f\u00fcr Morgen weckt Er mich auf,<br \/>\nerweckt mir das Ohr,<br \/>\ndamit ich wie ein Ge\u00fcbter zuzuh\u00f6ren vermag.<\/p>\n<p>Weil ihre Ohren erweckt sind, besitzt der Gottesknecht und auch Daniel Dareus im Film das Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und die Kraft, die M\u00fcden auch wirklich aufzurichten. Als er mit dem Chor zu proben beginnt, ver\u00e4ndert er mit seiner Leidenschaft und unkonventionellen Methoden die kleine Dorfgemeinschaft. Sie lernen, aufeinander zu h\u00f6ren und finden zu einem gemeinsamen Ton. Neben den begeisterten Teilnehmerinnen und Teilnehmern macht sich Dareus auch Feinde, dazu geh\u00f6rt der gewaltt\u00e4tige Conny und der Pfarrer der Gemeinde, Pastor Stig Berggren.<\/p>\n<p><strong><em>III. Passion; oder: blanke Gewalt<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Im Predigttext ist es der Gottesknecht, der seinen R\u00fccken und seine Wangen den Schl\u00e4gern hinh\u00e4lt. Mit brutalster Gewalt wird er misshandelt, selbst die Haare seines Bartes werden ihm einzeln ausgerissen. Er ist bereit zum Leiden, ja er erwartet sogar, dass er geschlagen wird. Was mit Dem\u00fctigungen beginnt, f\u00fchrt zu fast unertr\u00e4glichen Schmerzen.<\/p>\n<p><em>\u201eMeinem R\u00fccken bot ich den Schlagenden, meine Wangen den Bartausrei\u00dfern, mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schande und Bespeiung.\u201c<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Der Gottesknecht verl\u00e4sst sich ganz auf Gottes Beistand im Moment des Leides. Die Gewalt geht am Ziel vorbei. Mag er auch noch so viel geschlagen werden, die Wirkung bleibt aus. Der Gedem\u00fctigte ist nicht gedem\u00fctigt, mit innerer St\u00e4rke tr\u00e4gt er die Qualen der Folter.<\/p>\n<p>In seiner Kindheit wurde der \u201eJunge mit der Geige\u201c, wie Dareus bei seinen Mitsch\u00fclern hie\u00df, von den Nachbarskindern gequ\u00e4lt. Als er inmitten eines wogenden Kornfeldes \u00fcbt, um beim Gegenspiel ungest\u00f6rt zu sein, lauern die Jungen ihm auf. Besonders der brutale Conny hat ihn misshandelt und seine Geige zertreten, deshalb hat seine Mutter mit ihm das Dorf verlassen. Dareus ist auch wiedergekommen, um den Peiniger seiner Kindheit zu suchen. Er findet ihn in dem Ehemann von Gabriella, die t\u00e4glich von ihm geschlagen wird. Conny, der Bauer des Ortes, bewacht eifers\u00fcchtig jeden Schritt seiner Frau. Weil er der Vater ihrer gemeinsamen Kinder ist, kann sie ihren Mann nicht verlassen. Alle im Dorf wissen, dass sie misshandelt wird, aber keiner steht ihr gegen den Mann zu Seite.<\/p>\n<p>Die Erfahrungen im Chor ver\u00e4ndern Gabriella. Sie wird selbstbewusster und gewinnt durch ein Lied, das Dareus f\u00fcr sie schreibt, die Kraft sich mit ihrem Mann auseinanderzusetzen. Er h\u00f6rt ihr Lied, aber seine Ohren sind nicht offen f\u00fcr einen Neuanfang.<\/p>\n<p>Morgen f\u00fcr Morgen weckt Er mich auf,<br \/>\nerweckt mir das Ohr,<br \/>\ndamit ich wie ein Ge\u00fcbter zuzuh\u00f6ren vermag.<\/p>\n<p><strong>(Evtl. Einspielung:<br \/>\n<\/strong>Gabriella`s Lied, die sich aus der Gewalt ihres Mannes befreit. Darius hat es f\u00fcr sie und ihre Stimme geschrieben. Der deutsche Text des Liedes kann vor dem Lied verlesen werden. Die emotionale Kraft, die von der Musik des Liedes f\u00fcr die S\u00e4ngerin und die Zuh\u00f6rer ausgeht, ist aber auch im schwedischen Original zu sp\u00fcren.)<\/p>\n<p>Conny f\u00fchlt sich durch die Ver\u00e4nderungen, die sich in Gabriella vollzogen haben, bedroht. Mehrfach bedroht er Dareus, von dem er nicht wei\u00df, dass er ihn bereits als Junge Gewalt angetan hat. Als er Dareus erl\u00f6st und gl\u00fccklich im See beim Schwimmen sieht, schl\u00e4gt er brutal ihn zusammen. Dareus wehrt sich nicht, hilflos liefert er sich den Schl\u00e4gen ins Gesicht und auf den K\u00f6rper aus. Er sagt nur: \u201eErkennst Du mich nicht, ich bin der Junge mit der Geige\u201c. Zusammengeschlagen finden die Frauen Dareus am Strand. Conny wird verhaftet. Weil Dareus die Schl\u00e4ge des Mannes hilflos ertrug, findet Gabriella die Kraft, sich von ihrem Mann zu trennen. Im Gef\u00e4ngnis bringt sie ihm die Bilder der Kinder. \u201eLass dir helfen\u201c ist ihre Botschaft an ihn. Erst in diesem Moment begreift Conny, dass er sein Leben ver\u00e4ndern muss, wird selbst schwach und beginnt zu weinen.<\/p>\n<p><strong><em>IV. Schuldig!? Nahe ist, der mich ins Recht setzt<br \/>\n<\/em><\/strong><br \/>\nGegen Schmerzen l\u00e4sst sich wenig ausrichten. Man kann sie nur ertragen und die Wunden m\u00fcssen ausheilen. Zivilcourage und passiver Widerstand sind die Reaktion auf die Schl\u00e4ger, kein Zur\u00fcckschlagen und keine Rache. Der Gottesknecht wird angeklagt, zu Unrecht. Gegen die Autorit\u00e4ten des Volkes, steht Gott auf der Seite dessen, der zu Unrecht leiden musste, weil er die Ohren der Menschen ge\u00f6ffnet hat. Seine Unschuld ist offenkundig und wird sich auch vor Gericht erweisen.<\/p>\n<p><em>\u201eWer streitet mit mir? Wir wollen zusammenstehen! Wer ist mein Gegner im Gericht? Er trete zu mir heran.\u201c<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung kommt auf Dareus nicht durch die Schl\u00e4ge von Conny zu sondern durch den Vertreter der d\u00f6rflichen Moral. Als er zarte Liebesbande mit der h\u00fcbschen Lena kn\u00fcpft, schlagen die Wellen hoch. Pastor Berggren klagt den Kantor an, seine Stellung ausgenutzt zu haben und selbst sexuelle Interessen zu haben. Auch f\u00fchlt er sich von ihm ins Abseits gedr\u00e4ngt. Als seine Frau Inger ihren Mann bewegen m\u00f6chte, seine Gef\u00fchle und sein H\u00f6ren neu zu erwecken, reagiert er mit der Entlassung des Kantoren und einem Verfahren gegen ihn.<\/p>\n<p>Doch die Rechnung des Pfarrers geht nicht auf: durch sein Verhalten verlassen die Mitglieder des Chores die Kirche und treffen sich von nun an im Schulhaus. Sie setzen damit Daniel ins Recht, der sich den Anschuldigungen des Pfarrers nun erwehren muss. Einen anderen Kantor wollen sie nicht akzeptieren.<\/p>\n<p>Morgen f\u00fcr Morgen weckt Er mich auf,<br \/>\nerweckt mir das Ohr,<br \/>\ndamit ich wie ein Ge\u00fcbter zuzuh\u00f6ren vermag.<\/p>\n<p><strong><em>V. Fazit: Erweckte Ohren und Passion<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der Film \u201eWie im Himmel\u201c schildert eine Passionsgeschichte. Der erfolgreiche Dirigent kehrt am Ende des Films auf das internationale Parkett zur\u00fcck. Die Mitglieder seines Chores singen in Innsbruck bei einem Wettbewerb mit. Durch sein einf\u00fchlsames H\u00f6ren ist es ihm gelungen, seinen alten Traum zu erf\u00fcllen, mit der Musik die Herzen der Menschen zu \u00f6ffnen. Durch ihn finden sie die Kraft zusammen zu stehen und ihren eigenen Weg in der Gemeinschaft zu finden.<\/p>\n<p>Daniel Dareus stirbt am Ende des Films an einem weiteren Infarkt in der Toilette des Wettbewerbsortes. Durch den L\u00fcftungsschacht h\u00f6rt er seinen Chor einen Ton anstimmen, der von allen andern Ch\u00f6ren aufgenommen wird. Das aufmerksame H\u00f6ren aufeinander wird zur V\u00f6lker verbindenden Kraft der Musik. Der Gesang erinnert an die Gemeinschaft der Engelsch\u00f6re \u2013 wie im Himmel.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! Daniel Dareus ist ein moderner Gottesknecht, der durch sein aufmerksames H\u00f6ren jedes Mitglied seines Chores hilft, seinen individuellen Ton herauszufinden und trotzdem auf himmlische Weise zusammen zu erklingen. Damit verleiht er den S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern ein bislang unbekanntes Selbstwertgef\u00fchl. Neue Gef\u00fchle werden erweckt, verdr\u00e4ngte Wahrheiten ausgesprochen und Z\u00e4rtlichkeiten gewagt.<\/p>\n<p>Morgen f\u00fcr Morgen weckt Er mich auf,<br \/>\nerweckt mir das Ohr,<br \/>\ndamit ich wie ein Ge\u00fcbter zuzuh\u00f6ren vermag.<\/p>\n<p>So wie Gott sich im Jesajabuch als Verteidiger f\u00fcr seinen Knecht einsetzt, weil seine Worte der Wahrheit entsprechen. wird auch Dareus ins Recht gesetzt, weil er die Liebe der Menschen erweckt. Daf\u00fcr nimmt er die Schl\u00e4ge in Kauf, damit Gabriella und Inger ein neues Leben beginnen k\u00f6nnen. Nach der Zeit des Leidens bricht eine gl\u00fccklichere Zukunft an, auch f\u00fcr seine Gegner. Das unterscheidet das Ende des Films vom Jesajatext.<\/p>\n<p>Erweckte Ohren und die Erfahrung des gemeinsamen Singens geh\u00f6ren zusammen. Deshalb lassen Sie uns als Abschluss der Predigt das Morgenlied von Jochen Klepper singen: Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>EG 452<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Roland Rosenstock, Greifswald<br \/>\n<a href=\"mailto:roland.rosenstock@uni-greifswald.de\">roland.rosenstock@uni-greifswald.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Palmarum, 9. 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