{"id":11067,"date":"2021-02-07T19:49:06","date_gmt":"2021-02-07T19:49:06","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11067"},"modified":"2023-02-02T14:09:08","modified_gmt":"2023-02-02T13:09:08","slug":"matthaeus-266-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-266-13\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 26,6-13"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><strong>Predigt zu Matth\u00e4us 26,6-13<\/strong><\/h3>\n<h3><strong>verfasst von Pastor Arne \u00d8rtved<\/strong><\/h3>\n<hr \/>\n<p>(Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Es ist eine richtige M\u00e4nnergesellschaft, die da im Hause Simons des Auss\u00e4tzigen zusammengefunden hat. So war es \u00fcbrigens mit den meisten Gesellschaften damals. Die Frauen hatten zu bedienen und das Haus zu verwalten, w\u00e4hrend die M\u00e4nner die Lage der Welt und andere wichtige Fragen diskutierten. Sie konnten wirklich viel Zeit mit so einer Mahlzeit verbringen; sie <em>lagen<\/em> ja auch zu Tisch, und es wurden nach orientalischer Sitte viele G\u00e4nge aufgetischt, \u2013 und man nahm immer nur ein bisschen von jedem Gericht.<\/p>\n<p>Hier sind ziemlich viele gekommen; aber das war kein ungewohnter Anblick. Vielleicht war der gute Simon dennoch ein wenig \u00fcberrascht, als er Jesus einlud und dann sah, dass noch ganze zw\u00f6lf G\u00e4ste mitkamen, n\u00e4mlich seine getreuen Gefolgsleute \u2013 die J\u00fcnger, wie wir sie mit einem feinen Wort nennen. Diese \u00dcberraschung sollte aber nur eine Kleinigkeit sein im Verh\u00e4ltnis zu dem, was sich sp\u00e4ter noch ereignen sollte.<\/p>\n<p>Jesu Leben sollte nur noch wenige Tage dauern. Betania liegt vor den Toren Jerusalems, Jesus ist auf dem Wege dorthin. Er hat alle Warnungen in den Wind geschlagen und ist nun fest entschlossen, in die Hauptstadt zu ziehen, wo seine Feinde gegen ihn beratschlagen. Er hat in den letzten Tagen auch mehrfach vorhergesagt, was mit ihm geschehen wird: Dass er gefangen genommen werden wird und leiden und sterben und von den Toten auferstehen wird. Aber sie haben nichts davon richtig begriffen. Sie wissen nur, dass der Besuch in Jerusalem mit t\u00f6dlicher Gefahr f\u00fcr ihn und f\u00fcr sie verbunden ist.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich kommt sie herein, diese fremde Frau. Es wird ganz still in der Stube. Ein angenehmer Duft verbreitet sich um sie, und sie sieht gut aus. Es ist nicht leicht f\u00fcr einen Mann, unter solchen Umst\u00e4nden W\u00fcrde zu bewahren. Es ist ja bekannt, dass Frauen auf M\u00e4nner Eindruck machen k\u00f6nnen; aber warum sollten sich die M\u00e4nner absolut dar\u00fcber sch\u00e4men? Den M\u00e4nnern hier jedenfalls war die Situation unbehaglich. Nur Jesus scheint v\u00f6llig unbeeindruckt. Er sieht die Frau fragend an.<\/p>\n<p>Sie hat eine sehr sch\u00f6nes Gef\u00e4\u00df bei sich. Diesem Gef\u00e4\u00df entstr\u00f6mt der angenehme Geruch. Narden\u00f6l! Der feinste Duft bei Frauen. Jahrhunderte hindurch bekannt. Nichts kann einen Mann mehr bezaubern. Es ist auch das teuerste \u00d6l, das man \u00fcberhaupt finden kann. (\u00d6le waren das Parf\u00fcm der damaligen Zeit.) Die jungen M\u00e4dchen verschafften es sich und bewahrten es in diesen feinen Tongef\u00e4\u00dfen auf, bis sie eines Tages dem Auserw\u00e4hlten ihres Herzens begegnen w\u00fcrden. Am Tag vor dem gro\u00dfen Hochzeitsfest \u2013 oder vielleicht manchmal auch an diesem Tag selbst \u2013 salbten sie \u2013 nicht sich selbst \u2013 sondern den Br\u00e4utigam mit diesem Wohlgeruch ein. Er sollte ihn noch attraktiver und noch sch\u00f6ner machen, als er es in ihren Augen bereits war.<\/p>\n<p>Dies hatte in Wirklichkeit auch etwas mit Gott zu tun. Das hatte damals alles. Wenn der Geliebte nach Narden\u00f6l duftete, war er wie Gott selbst. Und wenn die Braut selbst ihren Br\u00e4utigam umarmte, dann war das, wie wenn man eins wurde mit einem Gott. Andere und billigere \u00d6lsorten mochten auch gen\u00fcgen; aber echtes Narden\u00f6l war die Nummer eins.<\/p>\n<p>Was wird nun auf dieser M\u00e4nnerversammlung bei Simon in Betania passieren? Was will die Frau? Was will sie mit all ihrem wundervollen Narden\u00f6l? Entr\u00fcstung lauert. Nur Jesus ist nicht entr\u00fcstet; er stellt sich blo\u00df fragend. M\u00f6glicherweise hat er die Frau vorher schon einmal gesehen; niemand wei\u00df es. Die Geschichte verr\u00e4t uns nichts. Aber die Frau kann nicht so ganz arm sein; sonst w\u00fcrde sie nicht eine ganze Flasche Narden\u00f6l bei sich haben. Aber woher mag sie ihren Reichtum haben? Ist sie etwa&#8230; Sie wagen fast nicht, das Wort auszusprechen: eine Dirne, eine Prostituierte, eine Hure? Es ist nicht Jesus, der sich solche Gedanken macht; es sind die anderen M\u00e4nner. Er sieht nur eine strahlend sch\u00f6ne Frau vor sich; und dann nimmt er wahr, wie der Duft des Narden\u00f6ls das Zimmer f\u00fcllt.<\/p>\n<p>Nach einem Augenblick des Z\u00f6gerns schreitet sie entschlossen quer durch den Raum und geht hinter den Platz, wo Jesus liegt. Er ist v\u00f6llig ruhig. Als h\u00e4tte er das so erwartet. Da zerbricht sie das t\u00f6nerne Gef\u00e4\u00df und gie\u00dft all das kostbare \u00d6l \u00fcber ihn aus, als w\u00e4re <em>er<\/em> ihr Br\u00e4utigam, der f\u00fcr die Hochzeitsnacht bereitet werden sollte.<\/p>\n<p>Das l\u00f6st in der Versammlung einen Schock aus. Das h\u00e4tte denn doch keiner von ihnen erwartet. Der Meister selbst! Er war doch der Junggeselle par excellence. Er besa\u00df aber auch gar nichts, was h\u00e4tte zu einer festen Wohnung mit Ehefrau und Kindern h\u00e4tte werden k\u00f6nnen. Zur Not konnten sie verstehen, dass sie genau wie sie selbst sehr viel von Jesus hielt, aber von da bis zu diesem schamlosen Heiratsantrag war es doch ein weiter Weg. \u2013 Und dann auch noch dieses kostbare \u00d6l! \u2013 Ein ganzes Jahresgehalt f\u00fcr einen gew\u00f6hnlichen Arbeiter. Sie h\u00e4tte es doch verkaufen und das Geld an die Armen verteilen k\u00f6nnen! Das h\u00e4tte dann auch ausgezeichnet zu dem Programm gepasst, von dem Jesus immerzu redete.<\/p>\n<p>Jetzt im Nachhinein sehen wir klar, wie sch\u00f6n das ist, was sie tut. Jesus wird sterben. Was kann man machen? Was kann man sagen? Man ist v\u00f6llig machtlos. Man kann ihn nicht vor dem Tode retten, denn es ist bestimmt, dass es so geschehen soll. Es hat einen h\u00f6heren Sinn. Guter Rat, flotte Geschenke, sch\u00f6ne Reden \u2013 das alles taugt nicht. Man muss ihm irgend etwas schenken, was sehr viel bedeutet, genau jetzt, und ihn zugleich mit in den Tod begleiten kann. Da gibt es nur eines: Liebe! Und das ist es just, was die Frau im schenkt: Liebe!<\/p>\n<p>Jesus hat nat\u00fcrlich alles begriffen: <em>Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt f\u00fcr mein Begr\u00e4bnis!<\/em> Das ist so sch\u00f6n. Die Liebe, f\u00fcr die es in dieser Welt keinen Platz gibt, sie muss im Tode leben. Unz\u00e4hlige Liebende sind zusammen in den Tod gegangen, weil die Welt f\u00fcr ihre Liebe keinen Platz hatte. Man denke nur an Elvira Madigan und Sixten Sparre, deren Liebe einen Glanz von Ewigkeit erhalten hat, obwohl alles so tragisch endete, als sie zusammen in den Tod gehen mussten auf der Insel Taasinge in D\u00e4nemark, wo sie begraben liegen.<\/p>\n<p>Schon allein aus diesem Grund ist es so flott, was die Frau hier in der M\u00e4nnerversammlung in Betania tut. Hier ist ja nicht von jener hei\u00dfen und hektischen Verliebtheit die Rede, wo die Welt pl\u00f6tzlich nichts mehr bedeutet. Es ist auch nicht der Beginn einer lebensl\u00e4nglichen Ehe. Dennoch opfert sie alles, was sie besitzt, und sich selbst und ihre Ehre obendrein f\u00fcr den Mann, der bald sterben muss. <em> Dies wird nie vergessen werden,<\/em> wie Jesus sagt. Sie hat sich an ihn gebunden mit dem Band der Liebe gegen alle Vernunft und Berechnung und M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Ja, es w\u00e4re ja vergessen worden, wenn <em>er<\/em> vergessen worden w\u00e4re. Wenn er dort drinnen hinter dem Stein vor dem Grab geblieben w\u00e4re. Wenn er dort unten geblieben w\u00e4re im Reich der Toten, wie man damals sagte. Dann w\u00e4ren nicht nur die Frau und ihr sch\u00f6ner Gestus und der bezaubernde Duft vergessen worden, sondern dann w\u00e4re auch Jesus und alles, was er gesagt und getan hatte, vergessen worden. Aber das k\u00f6nnen wir uns einfach nicht vorstellen, denn es wurde ja nicht vergessen. Denn dann w\u00e4ren wir heute nicht hier.<\/p>\n<p>Die Frau hat vielleicht unbewusst begriffen, was die M\u00e4nner um den Tisch nicht begreifen k\u00f6nnen: Dass Jesus nach Jerusalem gehen und leiden und sterben muss, um das Projekt zu vollenden, das Gott mit ihm und der Welt vorhat: S\u00fcnde und Tod und alles, was trennt, zu \u00fcberwinden, um Gott und Menschen wieder zu vereinen in der Liebe, die von Anbeginn an war und in der alles geschaffen ist.<\/p>\n<p>Jetzt hat die Frau sich mit ihm verbunden in der selbstvergessenen Handlung der Liebe. Und als Jesus den Tag mit den Worten beendete: <em>Wo immer das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Ged\u00e4chtnis, was sie jetzt getan hat<\/em>, da dachte Jesus an uns, an die Gemeinde, die zum Gottesdienst versammelt ist. Die Frau ist unser Vorbild. Nicht dass wir es ihr gleichtun sollten, denn das ist ja unm\u00f6glich f\u00fcr uns. Aber sie zeigt uns, was wir auf gewisse Weise im Begriff sind zu tun. Gottesdienst hei\u00dft, Jesus seine Liebe erkl\u00e4ren und durch ihn mit Gott im Leben und im Tod vereint werden.<\/p>\n<p>Gottesdienst hei\u00dft, von sich selbst befreit werden, so dass man beginnen kann, in der Liebe zu leben, wie es Gottes Wille ist. Dann ist es mit uns und Gott wie mit einem Brautpaar: Wir sind ein Fleisch geworden. Jesus ist der Br\u00e4utigam, wir \u2013 die Gemeinde \u2013 sind die Braut. Die Ehe ist vollendet. Es ist fast wie ein Drama mit happy ending, wo wir nur unsere Rolle gut und ehrlich zu spielen haben.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Arne \u00d8rtved<\/strong><br \/>\n<strong>Birkeb\u00e6k 8<br \/>\n<\/strong><strong>DK-7330 Brande<br \/>\n<\/strong><strong>Tlf.: ++ 45 \u2013 97 18 10 98<br \/>\n<\/strong><strong>E-mail: <a href=\"mailto:ortved@mail.dk\">ortved@mail.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Matth\u00e4us 26,6-13 verfasst von Pastor Arne \u00d8rtved (Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung) Es ist eine richtige M\u00e4nnergesellschaft, die da im Hause Simons des Auss\u00e4tzigen zusammengefunden hat. So war es \u00fcbrigens mit den meisten Gesellschaften damals. 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