{"id":11072,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11072"},"modified":"2023-02-25T17:20:02","modified_gmt":"2023-02-25T16:20:02","slug":"1-korinther-10-16-17-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-10-16-17-4\/","title":{"rendered":"1. Korinther 10, 16-17"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Gr\u00fcndonnerstag, 13. April 2006<br \/>\nPredigt zu 1. Korinther 10, 16-17, verfasst von Gerda Altpeter <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>16. Der gesegnete Kelch, f\u00fcr den wir Dank sagen, ist das nicht die Gemeinschaft am Blute Christi? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft am K\u00f6rper Christi?<br \/>\n17. Denn das Brot &#8211; ein K\u00f6rper sind wir vielen; denn alle haben wir an einem Brot Anteil.<\/p>\n<p>Am Gr\u00fcndonnerstag gedenken wir Christen im Abendgottesdienst des letzten Nachtessens, das Jesus mit seinen J\u00fcngern gefeiert hat. Es war das P\u00e4sachmahl, das alle Juden an diesem Tag begehen, um sich an die Befreiung ihres Volkes aus der Sklaverei \u00c4gyptens zu erinnern. Es kommen soviele Leute zusammen, wie es braucht, um bei einem Essen ein Lamm zu verzehren. Dazu geh\u00f6ren bittere Kr\u00e4uter und vier Gl\u00e4ser verschiedener Wein. Sie essen unges\u00e4uertes Brot, die Mazzen, weil damals niemand Zeit hatte, den Teig aufgehen zu lassen. Sie gedenken gemeinsam der Befreiung aus der Sklaverei.<\/p>\n<p>Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Am Gr\u00fcndonnerstag kommen wir Christen zusammen, um gemeinsam zu feiern. Wir essen das Brot, wir trinken den Wein, und wir gedenken an das Leiden und Sterben unseres Heilandes, mit dem er uns befreit hat von S\u00fcnde und Not.<\/p>\n<p>Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Im Griechischen steht da das Wort &#8222;Koinonia&#8220;. Es heisst Gemeinschaft, Gemeinschaft von Hab und Gut, oder von Land und Wald, oder von Haus und Bett, eheliche Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Eheliche Gemeinschaft bedeutet ein liebendes Erkennen, es ist ein sexuelles Erkennen, etwas, das zwischen Mann und Frau geschieht, wenn sie sich vereinen, denn dann erkennt einer den anderen nicht nur mit dem Verstand, sondern mit seinem ganzen Sein. So hat u.a. Gott den Jeremia erkannt mit seinem ganzen Sein als er noch ein ungeborenes Kind war. Unter demselben Bild spricht Gott von seinem Verh\u00e4ltnis zu Israel, zu seinem Volk, wenn er dem Profeten Hosea befiehlt, eine Ehe einzugehen, die diesem Verh\u00e4ltnis entspricht.<\/p>\n<p>Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Wir geben einander Anteil.<br \/>\nWir nehmen aneinander Anteil.<\/p>\n<p>Jedes Jahr komme ich mit meinen alten Mitsch\u00fclerinnen zusammen, um Gemeinschaft zu haben. Wir essen zusammen, wir reden zusammen, wir erinnnern uns an alte Zeiten oder berichten von unserem jetzigen Ergehen.<\/p>\n<p>Wir besuchten eine private, evangelische M\u00e4dchenschule. Vom Kindergarten bis zum Abitur konnten wir dortbleiben. 1938 durfte es keine Privatschule mehr geben. Wir wurden in eine Staatsschule \u00fcberf\u00fchrt. Es kamen nationalsozialistische Lehrer. Sp\u00e4ter wurde die Schule auch f\u00fcr Jungen ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Im letzten Jahr erz\u00e4hlte eine Mitsch\u00fclerin eine Geschichte, die ich noch nicht kannte. Unsere alte Direktorin wollte, dass wir rechtzeitig aufgekl\u00e4rt w\u00fcrden. Sie fragte bei den Eltern an, ob sie damit einverstanden seien. Die Eltern lehnten es ab, dass ihr T\u00f6chter in der Schule aufgekl\u00e4rt werden sollten. Also unterblieb es.<\/p>\n<p>Unsere Mitsch\u00fclerin berichtete nun, dass sie erst in der Hochzeitsnacht von ihrem Ehemann aufgekl\u00e4rt worden war.<br \/>\nUnd da erz\u00e4hlten wir anderen, dass es uns nicht anders ergangen war.<\/p>\n<p>Eheliche Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Bei vielen von uns war es gut gegangen, bei einigen nicht. Erst in der ehelichen Gemeinschaft erkannten wir, wes Geistes Kind der Partner war. Verhielt er sich r\u00fccksichtsvoll gegen uns oder nahm er sich hart was er wollte. Ging er auf unsere Bed\u00fcrfnisse ein oder sah er nur seine eigenen . Liebe kann soviel bedeuten. Es w\u00e4re besser von Achtung und Verstehen zu reden.<\/p>\n<p>Eheliche Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Wie wichtig ist es doch, dass es da klappt.<br \/>\nWie wichtig ist es aber auch, dass Gemeinschaft anderswo klappt.<br \/>\nWie sieht es da bei uns Christen aus?<\/p>\n<p>Jesus wollte, dass seine Nachfolger &#8222;eins seien&#8220;, dass sie miteinander und f\u00fcreinander leben, ihr Hab und Gut teilen, f\u00fcreinander sorgen in Achtung und Liebe, ja, das wollte er. Was ist daraus geworden?<\/p>\n<p>Schon fr\u00fch fing es an.<br \/>\nHie Paulus, &#8211; hie Petrus!<\/p>\n<p>Alle m\u00fcssen zuerst Juden werden ehe sie Christen werden k\u00f6nnen. &#8211; Aber nein, jeder kann sofort Christ werden.<\/p>\n<p>Keiner darf G\u00f6tzenopferfleisch essen. &#8211; Nat\u00fcrlich darf man alles essen, auch G\u00f6tzenopferfleisch.<\/p>\n<p>Gott zeigt sich uns als Dreiheit, Trinit\u00e4t. &#8211; Gott ist einer.<br \/>\nJesus ist Mensch und Gott. &#8211; Jesus ist nur eines, Monophysiten.<\/p>\n<p>Eine Gruppe verketzerte die andere. Im oekumenischen Rat der Kirchen gibt es mehr als 300 Kirchen. Dazu kommt die r\u00f6misch-katholische Kirche und einige monophysitische Kirchen. Welch ein Chaos!<\/p>\n<p>Jede Kirche lebt f\u00fcr sich. Jede Kirche sorgt f\u00fcr sich. Manche bek\u00e4mpfen sich sogar. Von gegenseitiger Liebe und F\u00fcrsorge ist nicht die Rede. Wir feiern zwar im Januar die &#8222;Gebetswoche zur Einheit der Christen&#8220;, wir bekr\u00e4ftigen einmal im Jahr unsere gegenseitige Sympathie, &#8211; und dann ist es auch schon wieder aus.<\/p>\n<p>Wir feiern auch nicht gemeinsam das Abendmahl. Wir haben sogar unterschiedliche Bezeichnungen daf\u00fcr, Eucharistie, Messe, Kommunion usw. Wagt es ein Pfarrer doch einmal, &#8211; wie beim oekumenischen Kirchentag in Berlin, &#8211; gemeinsam mit einem evangelischen Pfarrer zu handeln, dann verliert er seine Pfarrei. An der Basis verstehen wir uns, aber in den Chefetagen geht es eher feindlich zu.<\/p>\n<p>&#8222;Koinonia&#8220;, Gemeinschaft von Hab und Gut, von Haus und Bett,<\/p>\n<p>Gemeinschaft.<br \/>\nWo finden wir sie?<\/p>\n<p>In der sogenannten Mischehe wird Gemeinschaft praktiziert. Da kommt es vor, dass gegenseitige Achtung und Verstehen das Zusammenleben pr\u00e4gen. Es sind Beispiele gelingenden Christenlebens. Es sind Beispiele, wie Jesus sie gewollt hat.<\/p>\n<p>Als Pfarrerin von Leukerbad habe ich am Gr\u00fcndonnerstag ein Tischabendmahl gefeiert. Da sassen Einheimische und Touristen, Patienten der Kliniken und Schwestern beieinander und assen das Brot und tranken den Wein. Jeder gab seinem Nachbarn weiter, was er selber empfangen hatte. Wir f\u00fchlten uns verbunden. Wir nahmen Anteil aneinander und waren uns nahe. Wir fragten auch nicht danach, welcher Konfession dieser oder jene angeh\u00f6re. Es gen\u00fcgte uns, dass wir Jesus unter uns sp\u00fcrten. Und wir sangen:<\/p>\n<p>Aus vielen K\u00f6rnern ist ein Brot geworden:<br \/>\nSo f\u00fchr auch uns, o Herr, aus allen Orten<br \/>\ndurch deinen Geist zu einem Volk zusammen in Jesu Namen.<br \/>\nWir, die wir alle essen von dem Mahle<br \/>\nund die wir trinken aus der heilgen Schale,<br \/>\nsind Christi Leib, sind seines Leibes Glieder, Schwestern und Br\u00fcder.<br \/>\nIn einem Glauben lass uns dich erkennen,<br \/>\nin einer Liebe dich den Vater nennen;<br \/>\neins lass uns sein wie Beeren einer Traube,<br \/>\ndass die Welt glaube.<\/p>\n<p>Auf diese Weise ist es m\u00f6glich, die Selbstverpflichtung der &#8222;Charta Oecumenica&#8220; zu verwirklichen. Unterschrieben worden ist diese Charta von vielen Kirchen, evangelischen, orthodoxen und r\u00f6misch katholischen. Es heisst dort in der ersten Selbstverpflichtung:<\/p>\n<p>&#8222;Wir verpflichten uns, der apostolischen Mahnung des Epheserbriefes zu folgen und uns beharrlich um ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis der Heilsbotschaft Christi im Evangelium zu bem\u00fchen; in der Kraft des Heiligen Geistes auf die sichtbare Einheit der Kirche Jesu Christi in dem einen Glauben hinzuwirken, die ihren Ausdruck in der gegenseitigen anerkannten Taufe und in der eucharistischen Gemeinschaft findet sowie im gemeinsamen Zeugnis und Dienst.&#8220;<\/p>\n<p>M\u00f6ge uns Gott leiten, dass wir zu einer Verwirklichung dieser Einheit finden. M\u00f6gen wir Freude daran finden, gemeinsam zu handeln und zu feiern. M\u00f6gen wir Ideen entwickeln, zusammen zu Jesus zu kommen, Im Lied, im Gebet und im H\u00f6ren auf sein Wort.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Gerda Altpeter<br \/>\n<a href=\"mailto:gerda.altpeter@bluewin.ch\"> gerda.altpeter@bluewin.ch<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00fcndonnerstag, 13. April 2006 Predigt zu 1. Korinther 10, 16-17, verfasst von Gerda Altpeter 16. Der gesegnete Kelch, f\u00fcr den wir Dank sagen, ist das nicht die Gemeinschaft am Blute Christi? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft am K\u00f6rper Christi? 17. Denn das Brot &#8211; ein K\u00f6rper sind wir vielen; denn [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7671,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[42,1,727,157,853,114,1310,708,878,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11072","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-korinther","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-gerda-altpeter","category-gruendonnerstag","category-kapitel-10-chapter-10-1-korinther","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11072","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11072"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11072\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17162,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11072\/revisions\/17162"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7671"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11072"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11072"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11072"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11072"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11072"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11072"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11072"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}