{"id":11074,"date":"2021-02-07T19:49:06","date_gmt":"2021-02-07T19:49:06","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11074"},"modified":"2023-02-02T20:53:03","modified_gmt":"2023-02-02T19:53:03","slug":"1-korinther-10-16-17-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-10-16-17-3\/","title":{"rendered":"1. Korinther 10, 16-17"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Gr\u00fcndonnerstag, 13. April 2006<br \/>\nPredigt zu 1. Korinther 10, 16-17, verfasst von Karl Rennstich <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>&#8222;Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?<\/em><br \/>\n<em>Denn ein Brot ist`s: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.<\/em><br \/>\n(1. Korinther 10, 16-17)<\/p>\n<p><strong>I. Vor\u00fcberlegungen<\/strong><\/p>\n<p>Wenn der Kelch (Blut\/ Sterben) Anteil gibt an Christus und das Brot Anteil gibt am Leib, dann wird die feiernde Gemeinde im Abendmahl zu seinem Leib zusammengeschlossen. Paulus will den Korinthern (und auch uns) unmissverst\u00e4ndlich deutlich machen: Glaubende geh\u00f6ren zusammen und sind f\u00fcr einander verantwortlich. Daran erinnert Dietrich Bonhoeffer mit seinem Hinweis, dass Christen als Gemeinde existieren.<\/p>\n<p>Das Abendmahl ist ein Gemeinschaftsmahl und verbindet Menschen <em>\u00fcber<\/em> und <em>vor <\/em>aller Sympathie.<\/p>\n<p>Das Neue Testament beginnt, (historisch gesehen) mit dem wichtigen Satz: \u201dWir danken Gott allezeit\u201c(<em>eucharistoumen<\/em> nach 1.Thessalonicher 1, 2. Eucharistie h\u00e4ngt mit Gnade (<em>charis) <\/em>zusammen. Christen glauben an Gott, der in Jesus Christus den Charme als neue Lebensweise vorgelebt hat.<\/p>\n<p><strong>II. Predigt <\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Die fr\u00fcheste Form des Gottesdienstes im Neuen Testament ist die Eucharistie. Die Nahrung erinnert uns t\u00e4glich an unsere Bindung an das Wunder des Le\u00adbens. Die engste Verbindung der Menschen mit den Fl\u00fcssen und B\u00f6den der Erde ist die Nahrung. Von daher ist es auch nicht erstaunlich, dass die meisten Weltreligionen Rituale zur Weihe von Speisen kennen um de\u00adren Rolle als Stoff des Lebens, zu w\u00fcrdigen. Die M\u00fchsal, ausreichende Nahrung zu beschaffen, war immer ein zentrales Element des menschlichen Daseins. Die fr\u00fchesten Kulturen konnten sich bilden, weil sie eine neue Strategie zum Nahrungsmittelerwerb organisierten. Voraussetzung daf\u00fcr war die menschliche <strong>Kommunikation. <\/strong>Gemeinschaft (communio) und communicatio finden ihre lebendige Gestalt im Essen und Trinken.<\/p>\n<p>In allen L\u00e4ndern haben sich die Essgewohnheiten im Laufe der Zeit ge\u00e4ndert. An ihren Essgewohnheiten kann man die unterschiedlichen Religionen erkennen. Essen und Trinken sind ein richtiges Sakrament. Neben dem Tempel steht oft das Schlachthaus, denn das Fleisch muss zuerst durch Opfern \u201dgeheiligt\u201c werden.<\/p>\n<p>Essen trennt aber auch oft menschliche Gemeinschaften. Was man essen und trinken darf, f\u00fchrte zur harten Auseinandersetzung in der ersten christlichen Vollversammlung. In seinem Schreiben an die Gemeinde in Rom ermahnt Paulus die \u201dSchwachen\u201c und \u201dStarken\u201c durch gemeinsames Essen, sich gegenseitig zu achten.<\/p>\n<p>Die christliche Gemeinde \u00fcbernimmt die Vorstellung, dass das Mahl keine Privatangelegenheit ist. Deshalb steht die Danksagung im Tisch-Gebet am Anfang. Neuer Reis und Segen (<em>barkat<\/em>) geh\u00f6ren in der malaiischen Gesellschaft zusammen. Doch der Segen kommt nur, wenn man den Reis mit anderen Menschen teilt. Essen und Trinken werden zum Ma\u00dfstab des richtigen menschlichen Verhaltens: \u201dWas ihr getan habt Einem unter diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das hab ihr mit getan\u201c, sagt Jesus\u201c. Er stellt dabei Essen und Trinken nach Matth\u00e4us 25, 35ff an die erste Stelle. Auch bei Paulus werden beim Abendmahl Essen und rechtes Verhalten der Christen (1.Korinther 8-10 und 11) zum Kriterium f\u00fcr die Gemeinschaft (<em>koinonia<\/em>).<\/p>\n<p>Bei den Rungus-Dusun in Malaysia hei\u00dft das zum Leben Notwendige <em>koposizon<\/em> und Leben <em>koposizan<\/em>. Den Ort, wo man das zum Leben Notwendige aufbewahrt, nennt man <em>\u201dsulap<\/em>\u201c, Reisscheune. Die Rungus bauen deshalb ihre Kirchen nach dem Model der Reisscheune; sie wollen damit zum Ausdruck bringen, dass das zum Leben Notwendige und das Leben im Gottesdienst sein Kraftzentrum hat. Eucharistie hei\u00dft\u201dMahl des Herrn Jesus.\u201c<\/p>\n<p><strong>Das Mahl des Herrn ist Quelle eines neuen Denkens<\/strong><\/p>\n<p><em> Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verk\u00fcndigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. <\/em><\/p>\n<p>Die Kraft, die aus dem Mahl des Herrn bis heute erw\u00e4chst, zeigt die folgende Geschichte, die ich vor einigen Jahren in Sabah erlebte.<\/p>\n<p>Als junger Pfarrer aus Deutschland sa\u00df ich mit meinem Sprachlehrer vor dem Haus auf der Treppe. Im Garten spielten unsere beiden T\u00f6chter. Sie waren gleichen Alters aber unterschiedlich in Gr\u00f6\u00dfe und in ihren Lebensgewohnheiten. Die eine, erzogen nach europ\u00e4ischen Essgewohnheiten, war gr\u00f6\u00dfer und \u00fcbernahm immer die Initiative. Die andere folgte ihr immer. Mein Sprachlehrer meinte resigniert: \u201d Unsere <em>bansa <\/em>(Rasse) muss d\u00fcmmer sein als euere, das kann man an den beiden Kindern sehen\u201c. Ich versuchte ihm zu erkl\u00e4ren, dass das nichts mit Rasse zu tun habe, sondern mit den Essgewohnheiten und den daraus resultierenden Eiwei\u00dfrationen.<\/p>\n<p>Nach langer Diskussion einigten wir uns, dass wir die Essgewohnheiten \u00e4ndern wollten. Die Frauen pflanzten proteinhaltigere Nahrung. Aber es \u00e4nderte sich nichts, weil die M\u00e4nner sich weigerten, die ungewohnten Speisen zu essen. Und weil die V\u00e4ter die neuen Speisen ablehnten, a\u00dfen auch die Kinder nichts. Die Frauen gaben resigniert auf.<\/p>\n<p>Wir einigten nach langen heftigen Diskussionen, dass wir jeden Freitagabend ein gro\u00dfes Essen (<em>pokinakanan<\/em>) veranstalten wollten, bei dem die neuen Speisen ausprobiert werden sollten. Das Abendessen wurde verbunden mit dem Abendmahl. Das hei\u00dft in der Sprache der Rungs <em>pokinakanan di Tuhan Yesus<\/em>. Und siehe da, alle a\u00dfen das f\u00fcr die meisten ungewohnte Essen.<\/p>\n<p>Die Folgen der Ver\u00e4nderung er Essgewohnheiten blieben nicht aus. Bald \u00e4nderte sich auch die Geburtenrate. Die Frauen wurden h\u00e4ufiger schwanger. Die Kinder starben nicht mehr im ersten Lebensjahr so fr\u00fcher Die neue Form von \u201dSegen\u201c erforderte die Umstellung der Landwirtschaft in den D\u00f6rfern. Die Einf\u00fchrung von Schulen und der Aufbau eines neuen Gesundheitssystems folgten.<\/p>\n<p>Der Mensch lebt vom (Brot und) Reis aber auch vom Wort. Die heilige Mahlzeit wird Sakrament durch die Verbindung mit dem Heiland. Das christliche Sakrament fasst die wesentlichen Elemente der Mahlzeitsakramente zu einer lebendigen Einheit zusammen. Die Segnung des Bechers, das Brechen des Brotes geschieht im \u201dHerrn\u201c. Er ist anwesend im Geist und er wird wieder kommen. Das dr\u00fcckt der Ruf aus: Maran atha! \u2013der Gegenw\u00e4rtiges und Zuk\u00fcnftiges verbindet. Die Vereinigung mit Christus ist gleichzeitige Vereinigung mit den anwesenden Br\u00fcdern und Schwestern. Sie ist das Andenken des Herrn, die Anamnese. Im Mysterium der Eucharistie zeigt sich die Gegenwart des Herrn in der Mahlzeit, der Gemeinschaft, der Erinnerung an seinen Tod am Kreuz und der Auferweckung von den Toten.<\/p>\n<p>In mystischer Sprache dr\u00fcckt Jesus das so aus: \u201dIch bin das Brot des Lebens\u201c und \u201dich bin die wahre Rebe. Am Brechen des Brotes erkennen die J\u00fcnger von Emmaus den Gekreuzigten als den Auferstandenen.<\/p>\n<p>In der Todesangst ruft Jesus am Kreuz: \u201dMein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Der christliche Glauben vereinigt Einsamkeit und Gemeinschaft im Leib Christi.<\/p>\n<p>Doch Christen leben in einer korrupten Welt, die Brot und Wein, Leib und Blut missbraucht. Die moderne Wirtschaft verwandelte f\u00fcnf der sieben so genannten Tods\u00fcnden des Christen\u00adtums in positive \u00f6konomische Tugenden: Stolz, Neid, Geiz, Habsucht und Wollust. Die christlichen Tugenden Liebe, Dankbarkeit und Bescheidenheit gelten dagegen als &#8222;schlecht f\u00fcrs Gesch\u00e4ft. Die Mahlgemeinschaft wird zum Kennzeichen der christlichen Gemeinde. <em>Miteinander essen<\/em> wird fr\u00fch in der christlichen Kirche zum Schl\u00fcsselwort f\u00fcr \u201dChrist\u201c. Im Galaterbrief, in dem Paulus das gemeinsame Essen als Ma\u00dfstab f\u00fcr Reiche und Arme, M\u00e4nner und Frauen, Herren und Sklaven betont, formuliert er das Zentrale der Jesusnachfolge mit den Worten: \u201d<em>Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen\u201c<\/em>(Galater 5, 1).<\/p>\n<p>Die Liebe produziert Gott gewollte Gaben: Lebensfreude, Gesellung, Begl\u00fcckung durch Sch\u00f6nheit, Zeugungskraft, Z\u00e4rtlichkeit. Liebe als h\u00f6chstes Gut, als Umschreibung des Ganzen. Gottfried Wilhelm Leibniz fasst die Liebe so zusammen: \u201dLieben hei\u00dft geneigt sein, sich zu freuen an der Vollkommenheit, an dem Gut und an dem Gl\u00fcck des anderen.\u201c<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong> Prof. Dr. Karl W. Rennstich<br \/>\nLerchenstrasse 17<br \/>\nD-72762 Reutlingen<br \/>\nEmail: <a href=\"mailto:kwrennstich@gmx.de\">kwrennstich@gmx.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00fcndonnerstag, 13. April 2006 Predigt zu 1. Korinther 10, 16-17, verfasst von Karl Rennstich &#8222;Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? 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