{"id":11092,"date":"2021-02-07T19:49:03","date_gmt":"2021-02-07T19:49:03","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11092"},"modified":"2023-02-05T20:38:00","modified_gmt":"2023-02-05T19:38:00","slug":"1-thessalonicher-4-13-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-thessalonicher-4-13-14\/","title":{"rendered":"1. Thessalonicher 4, 13-14"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Osternacht, 15. April 2006<br \/>\n1. Thessalonicher 4, 13-14, verfasst von Jan Szarek (Polen) <\/span><\/b><\/h3>\n<p>Die gottesdienstliche Feier in der Osternacht hat als Thema: \u201cTod und Auferstehung\u201c. Um dieses Thema handelt es sich auch in unserem Predigttext.<br \/>\nJede Zeit hatte Probleme mit dem Tod und mit der Auferstehung.<br \/>\nIn allen Zeiten wusste man, dass das Leben von Anfang an auf den Tod zugeht, an dem nichts und keiner vorbeikommt. Diesem Wissen begegneten die Menschen verschiedener Zeiten sehr unterschiedlich.<br \/>\nDie Philosophen im alten Griechenland lehrten, der Tod sei nur eine andere Form des Lebens. Tod ist also menschliches Schicksal. Dem Tod sind wir alle verfallen. Einige Lehrer wie Theogenes empfahlen darum den Selbstmord.<br \/>\nDie Griechen wurden mit dem Tod nicht fertig, sie erlebten ihn hilflos und liehen sich Hilfe bei der Philosophie ihrer Zeit.<br \/>\nAuch die Christen in Thessalonich machten sich gro\u00dfe Sorge um die verstorbenen Gemeindeglieder. Wie kommen wir aus der Ungewissheit der Situation nach dem Tode heraus? Wie ist das mit unseren Verstorbenen, wie ist das mit uns selbst nach dem Tod?<br \/>\nKonnte der, der vor der Erf\u00fcllung der Naherwartung starb, an der Parusie Christi beteiligt sein?<br \/>\nPaulus antwortet auf die Todesproblematik der Thessalonicher mit unserem heutigen Osterverk\u00fcndigungstext.<\/p>\n<p>Es scheint so, dass sich das Problem mit dem sich die Gemeinde in Thessalonich auseinandersetzt, f\u00fcr uns heute etwas verlagert hat.<br \/>\nDie wenigsten Menschen bedr\u00fcckt, was nach dem Tode kommt. Nach Umfragen der letzten 10 Jahre kann man feststellen, dass immer weniger Menschen an die Auferstehung nach dem Tode glauben.<\/p>\n<p>Der heutige Mensch fragt vielmehr, wie man mit dem Sterben fertig wird. Wir haben den Tod weithin an den Rand des Lebens gedr\u00e4ngt. Sterben vollzieht sich oft nicht mehr im Haus und im Kreis der Familie, also mitten im Leben, sondern im Krankenhaus oder im Heim umgeben von Technik und Apparaten.<br \/>\nEin Mitarbeiter eines unserer Altenheime hat mir von einem Telefongespr\u00e4ch berichtet: von einer Tochter, die benachrichtet wurde \u00fcber den Zustand ihrer Mutter. Die Antwort war niederschmetternd:\u201c Geben sie mir Bescheid, wenn alles vorbei ist\u201c.<br \/>\nViele Menschen m\u00f6chten aus Angst vor dem Tod die sterbenden Angeh\u00f6rigen nicht begleiten.<br \/>\nDie ganze Problematik mit dem Sterben des Menschen hat Fedor Dostojewski gut beurteilt, der einmal sagte: \u201eDie Sicherheit des unausweichlichen Todes und die Unsicherheit dar\u00fcber, was danach folgt, ist der schrecklichste Angstfaktor der Welt\u201c.<\/p>\n<p>In all diesen Versuche &#8211; und es gibt noch andere mehr &#8211; mit der Macht des Todes fertig zu werden, kommt ein ganz neuer Klang von Ostern her: Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unverg\u00e4ngliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. Das ist die frohe und \u00fcberraschende Botschaft von der Auferstehung Christi.<br \/>\nPaulus kannte die Vorstellungen der Griechen, denn er war ja lange Zeit in diesem Land t\u00e4tig. Sie waren voll Trauer, weil sie keine Hoffnung hatten. Paulus hatte auch Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Fragen der ersten Christen. Sein Wort ist auch an uns gerichtet und m\u00f6chte uns Hoffnung geben. Paulus m\u00f6chte uns nicht im Ungewissen lassen \u00fcber die Toten, er m\u00f6chte nicht, dass wir traurig sind wie die anderen, die keine Hoffnung haben.<br \/>\nEr zeigt allen die in der Finsternis der Nacht des Todes sind einen Weg zum Licht. Bei der Osternacht spielt die Dunkelheit mit, sie ist das Symbol f\u00fcr die Sinnlosigkeit des Menschen, der ohne Hoffnung lebt.<br \/>\nDeswegen spricht der Apostel: \u201eDenn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind durch Jesus mit ihm einherf\u00fchren\u201c.<br \/>\nUnsere Hoffnung hat einen Grund in der Auferstehung des Herrn. Diese beruht nicht auf Worten, sondern auf einer Tat, auf Gottes Tat. Am Ostermorgen hat Gott das Kapitel der neuen Sch\u00f6pfung aufgeschlagen.<br \/>\nEr hat Jesus von den Toten auferweckt. Der Kreuzestod zur Vergebung der S\u00fcnden gilt. Der Get\u00f6tete wird zu den Herren aller Herren eingesetzt. Wenn Jesus als erster auferweckt wurde, dann zieht er die Seinen mit in sein Leben hinein.<br \/>\nWer im Glauben auf Ostern und auf die Wiederkunft Christi blickt, der kann auch nicht im Unklaren \u00fcber die verstorbenen Gemeindeglieder bleiben. Dies ist der Grund aller christlichen Hoffnung.<\/p>\n<p>Martin Luther hat ein wichtiges Wort dazu gesagt: \u201e Wenn ich glaube, so bin ich daheim in meinem Vaterland\u201c<br \/>\nZusammenfassend k\u00f6nnen wir mit St\u00e4hlin den Satz wagen: \u201eOhne Verwandlung, das hei\u00dft ohne Teilnahme an dem Sterben und Auferstehen Christi, gibt es keine Teilnahme an der himmlischen Herrlichkeit, darum auch keine Hoffnung\u201c.<\/p>\n<p>Der Glaube, dass Jesus lebt, war und ist f\u00fcr Christen ein gro\u00dfer Trost.<br \/>\nBei schweren Anfechtungen hat Martin Luther das Wort \u201cvivit\u201c mit Kreide auf seinen Tisch geschrieben. Als er nach dem Grund gefragt wurde, antwortete er:\u201c Jesus lebt, und wenn der nicht lebte, so begehrte ich nicht, eine Stunde zu leben. Allein weil er lebt, so werden auch wir leben durch Ihn, wie Er selber gesagt hat : Ich lebe, und ihr sollt auch leben\u201c.<br \/>\nSp\u00e4ter als Luther viele Entt\u00e4uschungen zu verkraften hatte, bestellte seine Frau K\u00e4the einen Steinmetzmeister und gab ihm den Auftrag, an ihrem Haus ein neues Portal einzusetzen und auf dem Schlussstein im Torbogen lie\u00df sie dieses Wort \u201cvivit\u201c einmei\u00dfeln. Jeder der k\u00fcnftig durch das Tor ein und ausging, sollte wissen: Jesus lebt!<\/p>\n<p>Wo Leben mit und in Christus ist, ist Hoffnung. Wo Le\u00adben ist, verwandelt sich Traurigkeit in Freude, Finsternis in Licht, Zweifel in Hoffnung. Wo Leben ist, treten Spekula\u00adtionen in den Hintergrund, weil feststeht, dass Jesus Christus derselbe ist &#8211; heute wie gestern und in aller Zukunft.<br \/>\nIch w\u00fcnsche mir und allen, die Osternacht feiern, die Erfahrung jenes Gelehrten und Professors, der freim\u00fctig bezeugen kann: \u201eAls ich begriff, wie diese Osternacht durch die tiefste Dunkelheit der Trauer hindurch in das strahlende Licht eines von Gott geschenkten und deshalb gelingenden Lebens f\u00fchrt: da fing ich an, Ostern zu verstehen. Seitdem r\u00fchrt nur weniges mich so tief an wie die Feier einer Osternacht.\u201c<br \/>\nWir wollen einstimmen in den alten russischen Ostergru\u00df, der unserem Leben einen neuen Sinn und ein Ziel gibt: Christus ist auferstanden ! ER ist wahrhaftig auferstanden!<br \/>\nDie Macht des Todes ist besiegt und wir d\u00fcrfen an diesem Sieg pers\u00f6nlich teilhaben.<\/p>\n<p><strong>Bischof iR.<br \/>\nD. Jan Szarek<br \/>\nUl.Starobielska 13<br \/>\nPL-43-300 Bielsko-Bia\u0142a<br \/>\nTel.\/Fax +48-33- 82 21620<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:j.szarek@luteranie.pl\">j.szarek@luteranie.pl<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Osternacht, 15. April 2006 1. Thessalonicher 4, 13-14, verfasst von Jan Szarek (Polen) Die gottesdienstliche Feier in der Osternacht hat als Thema: \u201cTod und Auferstehung\u201c. Um dieses Thema handelt es sich auch in unserem Predigttext. Jede Zeit hatte Probleme mit dem Tod und mit der Auferstehung. 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