{"id":11093,"date":"2021-02-07T19:49:00","date_gmt":"2021-02-07T19:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11093"},"modified":"2023-02-07T14:18:48","modified_gmt":"2023-02-07T13:18:48","slug":"1-thessalonicher-4-13-14-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-thessalonicher-4-13-14-2\/","title":{"rendered":"1. Thessalonicher 4, 13-14"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Osternacht, 15. April 2006<br \/>\nPredigt zu 1. Thessalonicher 4, 13-14, verfasst von Martina Jan\u00dfen <\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>Liebe Gemeinde! <\/em><\/p>\n<p>Tr\u00e4nen brannten in ihren Augen. Wie durch einen Schleier sah Hannah die freudigen Gesichter um sie herum. \u201eHalleluja\u201c &#8211; sangen sie. \u201eLobt den Herrn.\u201c Und \u201eMarana tha\u201c. Der Herr komme. Leicht war auch ihr das vor nicht allzu langer Zeit \u00fcber die Lippen gekommen; geradezu herausgeplatzt ist der Jubel. Voll Freude war ihr Herz gewesen. Voller Hoffnung. Dass Jesus wiederkommt. Dass das Leben neu wird und ewig. Dass die Zukunft beginnt und nie mehr endet. Diese Hoffnung hat sie alle ver\u00e4ndert. Seit damals Paulus in Thessalonich die frohe Nachricht gepredigt hat. Wie brannte ihr Herz, als sie seine Worte h\u00f6rte! Papa ging es genauso. Auch bei ihm sprang der Funke sofort \u00fcber. Ihre ganze Familie hatte Feuer gefangen. Und die Begeisterung blieb. Immer wieder sprachen sie dar\u00fcber, teilten Hoffnung und Freude, lasen gemeinsam in den alten Schriften. Und waren voller Erwartung. Es kam ihr damals so vor, als w\u00fcrde die Zukunft schon jetzt ihr Leben ver\u00e4ndern. Wie leicht gingen ihr die t\u00e4glichen M\u00fchen von der Hand. Alles war in ein neues Licht getaucht. Abends sa\u00df sie oft zusammen mit ihrem Vater unter dem alten Pinienbaum. In immer neuen Bildern malten sie sich aus, wie es sein w\u00fcrde. Wie sie ihm gemeinsam entgegen gehen w\u00fcrden. So viele Tr\u00e4ume und doch immer nur der eine gro\u00dfe Traum. \u201eIch glaube, es wird ganz hell, wenn er kommt, und hei\u00df. Vielleicht riecht es nach Zypressen. Und viele Engel werden kommen, ein ganzes Heer, und Musik wird da sein. \u00dcberall.\u201c \u2013 \u201eVielleicht\u201c, sagte ihr Vater und blickte in den sternenklaren Himmel. \u201eVielleicht wird es aber dunkel sein so wie jetzt, ganz klar und still, voller Frieden.\u201c Hannah schloss die Augen und legte ihren Kopf an seine Brust. \u201eBald, Kind, bald ist es soweit&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Nun war es vorbei. Pl\u00f6tzlich hielt Hannah es nicht mehr aus. Diesen Jubel um sie herum. Diese strahlenden Gesichter. All die Leuchter. All die Worte. Und diese verdammte Hoffnung, die wie ein klebriger Film \u00fcber allem lag. Nein, das hier war nicht mehr ihr Fest. Hannah rannte. Sie rannte um ihr Leben. Sollten sie doch feiern! Sollte Jesus doch kommen! Was ging sie das an? Hannah rannte. Ihre Schritte hallten auf den leeren Stra\u00dfen; immer lauter und schneller klopfte ihr Herz. Hannah rannte. Wie vor drei Tagen. Als sie auf dem Feld arbeitete und ihr kleiner Bruder weinend in ihre Arme gelaufen kam. \u201eHannah, Papa atmet nicht mehr! Komm, komm doch!\u201c Als sie ihren Bruder an die Hand nahm und rannte. Und doch zu sp\u00e4t kam.<\/p>\n<p>Hannah hatte keine Luft mehr zum Atmen. Schluchzend kauerte sie sich in einen H\u00e4usereingang. \u201eJesus kommt zu sp\u00e4t. Zu sp\u00e4t f\u00fcr Papa. Er w\u00fcrde es nicht mehr erleben, dieses neue Leben, ihren gemeinsamen Traum.\u201c Es war kalt und Hannah fror. \u00dcber der abendlichen Stadt lag der Duft von Zypressen.<\/p>\n<p><em>Liebe Gemeinde! <\/em><\/p>\n<p><em>So ein M\u00e4dchen h\u00e4tte es geben k\u00f6nnen, damals im Jahre 50 n. Chr. Die christliche Gemeinde in Thessalonich war noch jung. Und jung war die Hoffnung, lebendig und stark brannte sie in den Herzen. Damals glaubten die Christen, dass Jesus bald wiederkommt, dass sie das noch erleben w\u00fcrden. Mit dem Tod der ersten Christen schwand diese Gewissheit, wurde die Hoffnung schal und ihr Grund antastbar. Es war die erste Krise des fr\u00fchen Christentums. In diese Verunsicherung hinein schreibt Paulus einen Brief: <\/em><\/p>\n<p>\u201eWir wollen euch aber, liebe Br\u00fcder, nicht im Ungewissen lassen \u00fcber die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einherf\u00fchren.\u201c (1Thess 4,13-14)<\/p>\n<p><em>Paulus sieht den Tod der ersten Christen nicht als Beweis daf\u00fcr, dass alles nur eine Illusion war. Sondern er h\u00e4lt fest an seiner Hoffung. Und er steht denen bei, die verunsichert, traurig und verzweifelt sind. Er sagt nicht: \u201eDie vorher sterben, haben einfach Pech gehabt.\u201c Nein, er h\u00e4lt an seinen Br\u00fcdern und Schwestern fest, den toten und den lebendigen. Seine Hoffung gilt f\u00fcr alle oder gar nicht. Jesus wird auch die mit sich f\u00fchren, die gestorben sind. Auch sie sind nicht verloren. Weil Jesus gestorben und auferstanden ist, haben auch die Verstorbenen Anteil am Leben. Auch sie werden mit dabei sein, wenn Jesus wiederkommt. Das ist ein neuer Gedanke. Paulus wagt ihn, weil er sich seiner Hoffnung sicher ist. Er muss ihn wagen, damit die Hoffnung bleibt. <\/em><\/p>\n<p><em>Das ist Glauben: Immer neue Vergewisserung der einen Hoffnung! Das Unsagbare mit immer neuen Worten sagen, das Undenkbare in immer neuen Gedanken denken. Weil Jesus lebt, werden auch wir mit ihm leben! Damit aus Anfechtung Gewissheit wird, braucht es Mut zu neuen Gedanken. Paulus hatte ihn, Martin Luther hatte ihn, viele haben ihn, wenn an die Stelle ihres Kinderglaubens neue Visionen treten. Das Unsichtbare in immer neuen Bildern sehen, das Unh\u00f6rbare in immer neuen Kl\u00e4ngen h\u00f6ren: Weil Jesus lebt, werden auch wir mit ihm leben! Wie und wann das geschieht \u2013 dar\u00fcber gibt es unterschiedliche Ansichten, zu unterschiedlichen Zeiten. Aber dass es geschieht \u2013 das ist die eine Hoffnung, 2006 n.Chr., 1500 n. Chr., 50 n.Chr.! <\/em><\/p>\n<p>\u201eHannah, Paulus hat geschrieben. Komm, komm doch!\u201c Hannah wischte sich den Schwei\u00df von der Stirn und sah auf. Die hei\u00dfe Mittagssonne brannte auf das Feld. \u201eWas soll er schon schreiben\u201c, dachte sie, \u201eso viele sind nun schon tot. Der alte Elija. Und Mirjam, auch die. Seit Paulus hier war, sind so viele gestorben.\u201c Menschen und Tr\u00e4ume. \u201eHannah! Komm, wir wollen alle den Brief gemeinsam lesen.\u201c Langsam folgte Hannah ihrer Freundin.<\/p>\n<p>Z\u00f6gerlich blieb sie am Eingang des Raumes stehen. Ein wenig abseits im Dunkeln lehnte sie sich an die kalte Mauer. Von ferne lauschte Hannah den Worten. Bis es Abend wurde, lasen ihre Freunde in dem Brief; sie z\u00fcndeten Kerzen an; sie bereiteten ein Mahl. Und feierten. Hell und warm wurde der Raum. Und sie sangen. Getragen vom Lied der anderen begannen auch Hannahs Lippen langsam wieder die altvertrauten Worte zu formen. \u201eHalleluja. Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.\u201c (Lk 24,6.34). Hannah trat ins Licht.<\/p>\n<p><strong>Dr. Martina Jan\u00dfen<br \/>\nG\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:martina.janssen@theologie.uni-goettingen.de\">martina.janssen@theologie.uni-goettingen.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Osternacht, 15. April 2006 Predigt zu 1. Thessalonicher 4, 13-14, verfasst von Martina Jan\u00dfen Liebe Gemeinde! Tr\u00e4nen brannten in ihren Augen. 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