{"id":11110,"date":"2021-02-07T19:49:06","date_gmt":"2021-02-07T19:49:06","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11110"},"modified":"2023-02-03T09:51:07","modified_gmt":"2023-02-03T08:51:07","slug":"1-korinther-1550-58-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-1550-58-2\/","title":{"rendered":"1. Korinther 15,50-58"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Ostermontag, 17. April 2006<br \/>\nPredigt \u00fcber 1. Korinther 15,50-58, verfasst von Christian-Erdmann Schott <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>die Auferstehung Jesu Christi von den Toten wird im Neuen Testament haupts\u00e4chlich in zwei Zusammenh\u00e4ngen gesehen und gedeutet:<br \/>\nEinmal im Kontext der Passionsgeschichte. Diese zeigt ja doch einen Prozess, bei dem es letztlich um die Person Jesu selbst geht. Es stehen sich gegen\u00fcber: Die Ankl\u00e4ger (Hohepriester, Schriftgelehrte, aufgehetztes Volk), die Richter (Kaiphas, Pontius Pilatus), die Befehlsausf\u00fchrenden (Soldaten, Knechte) und Jesus Christus \u2013 er allein, denn seine Familie, seine Anh\u00e4nger und seine J\u00fcnger verlassen ihn in diesen Stunden. Die Ankl\u00e4ger bestreiten, dass sein Anspruch, Gottes Sohn, Messias zu sein berechtigt ist. Mit seiner T\u00f6tung haben sie erreicht, dass er mundtot gemacht ist. Nach menschlichem Ermessen ist der Prozess damit abgeschlossen. Der Angeklagte ist hingerichtet und tot.<\/p>\n<p>Das Wunder von Ostern ist, dass Gott ihn wieder erweckt, so, dass er zum Beispiel mit seinen J\u00fcngern sprechen kann. Durch diese Auferweckung wird deutlich, dass Gott zu Gunsten seines Sohnes und dessen Anspruch eingreift. Gott stellt sich auf die Seite des Verlierers und bezeugt durch die Auferstehung, dass er auf seiner Seite, hinter ihm steht \u2013 und damit dessen Aussagen beglaubigt und rechtfertigt. Die J\u00fcnger haben diese Beglaubigung verstanden und sind f\u00fcr den Gekreuzigten, f\u00fcr den Verlierer, der aber eben kein Verlierer ist, in die Welt gezogen und haben sein Evangelium missionierend verbreitet.<\/p>\n<p>Der andere Kontext, in dem die Auferstehung gesehen wird, ist das \u00fcber der Menschheit liegende Todesgeschick. Wir haben uns heute angew\u00f6hnt, das Sterben-M\u00fcssen als einen Naturvorgang anzusehen. Das ist er auch, aber nicht nur. Das Sterben hat auch eine theologische Dimension. Sie h\u00e4ngt damit zusammen, dass sich die Menschheit von Gott, dem Sch\u00f6pfer, abgel\u00f6st hat und nun versucht, auf eigene Faust ihr Leben zu leben. Dieses Eigenleben ohne Gott und an Gott vorbei nennt die Bibel S\u00fcnde. In diese Weg-von-Gott-Bewegung sind wir bereits hineingeboren, \u00fcbernehmen sie und leben sie mit, k\u00f6nnen von uns aus da auch gar nicht heraus. Unser Sterben vollzieht sich in dieser Bewegung. Das hei\u00dft, wir sterben in das Nichts hinein, hoffnungslos, ohne Gott. Das ist das Gesetz und die Konsequenz der S\u00fcnde.<\/p>\n<p>Die Auferstehung Jesu Christi bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Gott sich damit nicht abfindet. Indem er den Sohn auferweckt, demonstriert er a) dass er die Macht hat, den Tod zu \u00fcberwinden und b) dass er sich insgesamt mit der Herrschaft des Nichts und des Todes nicht abfindet, sondern die Menschen f\u00fcr sich reklamiert. Jesu Auferweckung hat insofern Signalcharakter oder Demonstrationscharakter, indem Gott allen, \u201edie da wohnen in Finsternis und Schatten = Angst des Todes\u201c (Lk. 1,79) zeigt, dass es f\u00fcr uns eine Hoffnung gibt, weil er den Ring, den das Todesgeschick um uns geworfen hat, durchbricht.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte heute in meiner Predigt diesen zweiten Zusammenhang ins Auge fassen, weil er vom Apostel Paulus in unserem heutigen Text behandelt wird. Ich lese:<\/p>\n<p><em>Das sage ich aber, liebe Br\u00fcder, dass Fleisch und Blut nicht k\u00f6nnen das Reich Gottes ererben; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit.<br \/>\nSiehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden;<br \/>\nUnd dasselbe pl\u00f6tzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.<br \/>\nDenn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.<br \/>\nWenn aber dies Verwesliche wird anziehen die Unverweslichkeit und dies Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit, dann wird erf\u00fcllt werden das Wort, das geschrieben steht:<br \/>\nDer Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? H\u00f6lle, wo ist dein Sieg?\u201c<br \/>\nAber der Stachel des Todes ist die S\u00fcnde; die Kraft aber der S\u00fcnde ist das Gesetz.<br \/>\nGott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt, durch unsern Herrn Jesus Christus!<br \/>\nDarum, meine lieben Br\u00fcder, seid fest, unbeweglich und nehmet immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisset, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn\u201c.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Der Abschnitt sagt dreierlei aus:<\/p>\n<p>1. Nicht wir haben den Sieg \u00fcber den Tod errungen, sondern Gott. Wir k\u00f6nnten ihn gar nicht erringen. Damit hat Gott seine St\u00e4rke, seine Allmacht gezeigt. Das bedeutet f\u00fcr uns eine ganz neue M\u00f6glichkeit und Herausforderung. Denn nun stehen wir vor der Frage, ob wir die Kraft aufbringen, daran zu glauben und auf Gott gegen den Augenschein, gegen unseren Zweifel, gegen den Tod zu setzen und zu vertrauen. Oder: Ob wir die Kraft aufbringen, nicht mehr an die Macht des Todes, sondern an die Macht der Liebe Gottes zu glauben.<\/p>\n<p>F\u00fcr die aber, die bereits auf Gott vertrauen, ist diese Botschaft eine Ermutigung und ein Trost. Sie werden darin best\u00e4rkt, an den Herrn aller Herren zu glauben. Sie k\u00f6nnen sich \u201ein dem Werk des Herrn\u201c (V.58) engagieren, seinen Ruhm verk\u00fcndigen und so in dieser Welt des Todes Hoffnung ausstrahlen. Anschaubar aber ist diese Hoffnung in Jesus Christus, dem Auferstandenen.<\/p>\n<p>2. Dieser Sieg Gottes \u00fcber den Tod ist in der Vergangenheit erfochten, wird sich aber in der Zukunft erst richtig auswirken. Paulus spricht hier in der Sprache des Futurs. \u201eWir werden verwandelt werden\u201c, \u201ewir werden \u00fcberkleidet werden\u201c. Dahinter steckt eine theologische Logik. Unser K\u00f6rper ist nicht f\u00fcr die Ewigkeit geschaffen. Er reicht mit seinen Kr\u00e4ften nicht einmal f\u00fcr dieses irdische Leben ganz aus. Es ist ein verg\u00e4nglicher, ein verweslicher K\u00f6rper. Um f\u00fcr die Ewigkeit, f\u00fcr die Gemeinschaft mit Gott geeignet zu sein, m\u00fcssen wir mit einem anderen K\u00f6rper ausgestattet, das hei\u00dft, verwandelt werden.<\/p>\n<p>Das wird geschehen im letzten Augenblick, beim Schall der letzten Posaune. Paulus meint sogar, dass das sehr bald sein wird, noch zu seinen Lebzeiten. \u201eWir werden nicht alle entschlafen\u201c. Es ist klar, dass er sich in dieser Prognose get\u00e4uscht hat. Nach ihr ist das Ende seit 2000 Jahren \u00fcberf\u00e4llig. Allerdings steckt hinter dieser \u201eT\u00e4uschung\u201c ein sehr ernstes Problem. Die Frage n\u00e4mlich: Wenn es so ist, dass Gott diesen demonstrativen Durchbruch gegen den Tod f\u00fcr uns aus Liebe getan hat, dann l\u00e4ge es in der Logik dieses Gedankens, dass er den j\u00fcngsten Tag sehr bald heraufkommen l\u00e4sst, um uns aus der jetzt noch vom Tod beherrschten Welt heraus- und in sein Reich hinein zu nehmen. Warum tut er das nicht? Warum z\u00f6gert er?<\/p>\n<p>Paulus hat eigentlich Recht, wenn er meint, dass es auf der Seite Gottes jetzt, nach der Auferstehung, kein Z\u00f6gern mehr geben d\u00fcrfte. Darum ist seine Prognose \u2013 vom Liebesgedanken her \u2013 \u00fcberhaupt nicht abwegig. Warum Gott dennoch z\u00f6gert, wissen wir nicht. Letztlich k\u00f6nnen wir hier nur hinweisen auf die Unerforschlichkeit des uns nicht bekannten Ratschlusses Gottes.<\/p>\n<p>Trotzdem hat sich durch die Auferstehung die Lage der Menschheit grunds\u00e4tzlich ver\u00e4ndert. Denken wir uns eine eingeschlossene Armee. Es sieht hoffnungslos aus. An einer Stelle gelingt es, eine Bresche zu schlagen. Sie ist noch klein. Aber es ist doch deutlich, dass der Ausbruch kommen wird. Die Armee sch\u00f6pft Mut. Sie wei\u00df, die Lage ist grunds\u00e4tzlich zum Guten ver\u00e4ndert. Das ist die Situation der Menschheit heute nach Ostern angesichts des Todesschicksals.<\/p>\n<p>3. Dieser Sieg Gottes in Vergangenheit und Gegenwart wird geschm\u00e4lert, wenn wir bei uns nach einer geheimen Kontinuit\u00e4t zwischen unserem gegenw\u00e4rtigen Leben und unserem Leben nach der Verwandlung und \u00dcberkleidung suchen. Das ist immer wieder versucht worden. Ich wei\u00df, dass diese Gedanken auch heute wieder sehr beliebt sind.<\/p>\n<p>Die \u00e4ltesten Versuche dieser Art haben die vorchristlichen Griechen unternommen, indem sie den Gedanken von der Unsterblichkeit der Seele aufgebracht haben. Sie sagten, alles stirbt, aber die Seele nicht. Sie ist unsterblich. Sterbeforscherinnen wie Elisabeth K\u00fcbler-Ross haben diesen Gedanken wieder aufgegriffen und verbreitet. Auch die katholische Kirche denkt in diese Richtung, mit der Folge, dass auch viele Evangelische sie f\u00fcr biblisch halten.<br \/>\nSie sind aber nicht biblisch. Paulus sagt hier ausdr\u00fccklich, dass \u201eFleisch und Blut nicht k\u00f6nnen das Reich Gottes ererben\u201c und dass dieses \u201eVerwesliche nicht erben wird die Unverweslichkeit\u201c V.50). Zu dieser Verweslichkeit geh\u00f6rt aber auch unsere Seele. Darum wird sie mit dem Leib sterben und vergehen.<\/p>\n<p>Das ist aber nur die eine Seite. Die Anschauung von der Unsterblichkeit der Seele ist zugleich auch eine Antastung Gottes. Denn dann ist der Mensch unsterblich wie Gott, nicht mehr von seinem Sch\u00f6pfer abh\u00e4ngig. Er lebt und erh\u00e4lt sich nach dem Tod an Gott vorbei. Das vertr\u00e4gt sich nicht mit unserem apostolischen Gottesglauben. Wir haben es ja geh\u00f6rt: Gott hat den Sieg gesetzt in Christus. Er wird auch uns auferwecken und zu sich nehmen. Darauf allein gr\u00fcndet sich unsere Hoffnung. Sie h\u00e4ngt nicht an mir und meiner Seele, sondern an der Kontinuit\u00e4t seiner Treue. Darum ist wahrer Osterglaube ein Glaube, der sich voller Vertrauen ganz auf Gott einl\u00e4sst und verl\u00e4sst; der sich in die H\u00e4nde Gottes legt und wei\u00df: Er wird\u00b4s wohl machen.<\/p>\n<p>Damit ist deutlich, Auferstehungsglaube ist seinem Wesen nach Gottesglaube, der gegr\u00fcndet ist auf die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Diese Hoffnung ist gewisser als alles, was die Welt zu bieten hat. Denn die Welt vergeht, aber der Herr der Welt ist und bleibt. Darum k\u00f6nnen wir einstimmen in den Lobpreis: \u201eGelobt sei Gott, der Vater unseres Herr Jesus Christus, der uns nach seiner gro\u00dfen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten\u201c (I. Petrus 1,3). Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Christian-Erdmann Schott<br \/>\nPfarrer em.<br \/>\n55124 Mainz-Gonsenheim<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:ce.schott@surfeu.de\">ce.schott@surfeu.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostermontag, 17. April 2006 Predigt \u00fcber 1. Korinther 15,50-58, verfasst von Christian-Erdmann Schott Liebe Gemeinde, die Auferstehung Jesu Christi von den Toten wird im Neuen Testament haupts\u00e4chlich in zwei Zusammenh\u00e4ngen gesehen und gedeutet: Einmal im Kontext der Passionsgeschichte. 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